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Gesundheitsministerium
Spahn wird Kommission zum Verbot von Homo-"Heilung" eröffnen
Kommende Woche tagt erstmals die Konversionstherapie-Kommission – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird sie persönlich eröffnen. Kritik gibt es an den religiösen Vertretern im Gremium.

Die Kommission zum Verbot von Konversionstherapie tagt am 8. Mai zum ersten Mal im Gesundheitsministerium von Jens Spahn (Bild: Heinrich-Böll-Stiftung / flickr)
- Von Markus Kowalski
1. Mai 2019, 00:45h 4 Min.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wird die Kommission zum Verbot von Konversionstherapien in der kommenden Woche persönlich eröffnen. Das geht aus dem Programm für die erste Sitzung hervor, die queer.de vorliegt. Am Mittwoch, den 8. Mai wird die Kommission zum ersten Mal im Berliner Gesundheitsministerium tagen.
Dabei werden zwei Betroffene, Raphaelle Rousseau und Mike F., über ihre Erfahrungen mit Homo-"Heilung" reden. Professor Peer Briken, Direktor des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, wird einen Vortrag "zur wissenschaftlichen Evidenz und möglichen negativen Folgen sogenannter Konversionstherapien bei Menschen mit homosexueller Orientierung" halten. Ebenso hält Gabriela Lünsmann vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) einen Vortrag.
Auf einer Podiumsdiskussion sprechen Hartmut Rus vom Netzwerk "Mission Aufklärung", die Charité-Oberärztin Lieselotte Mahler und die psychologische Psychotherapeutin Gisela Wolf, die auch im Vorstand des Verbands für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intersexuelle und queere Menschen in der Psychologie (VLSP) ist. Ebenso sitzen Professor Götz Mundle, Leiter des Zentrums für seelische Gesundheit der Oberbergklinik City Berlin und die systemische Therapeutin Marie Günther, Vorstand der Bundesvereinigung Trans (BVT*), auf dem Podium.
Familienministerium auch vertreten
Für das Familienministerium nimmt Ina-Marie Blomeyer, Leiterin des Referats gleichgeschlechtliche Lebensweisen und geschlechtliche Vielfalt, an der Diskussion teil. Die Journalistin und Autorin Stephanie Kuhnen referiert anschließend zur "doppelten Disziplinierung von Lesben" über Konversionstherapien als "Reintegration 'widerständiger' Frauen in die heteronormative und patriarchale Ordnung". Das ganztägige Fachgespräch wird von den Journalisten Felicia Mutterer und Harald Pignatelli moderiert.
Das zweite und letzte Treffen der Kommission wird am 5. Juni stattfinden. Außerdem wird es zwei Gutachten geben, schrieb die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld am Montag in ihrem Newsletter: "Unsere Stiftung wird (…) zwei Gutachten in Auftrag geben, in denen das geplante Verbot aus verfassungsrechtlicher und medizinisch-psychologischer Sicht wissenschaftlich beurteilt wird." Sie werden den Informationen nach am 11. Juni auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Der Abschlussbericht der Stiftung werde voraussichtlich Ende August veröffentlicht.
Kritik an Kirchenvertretern in der Kommission
In den vergangenen Wochen wurde unterdessen die Zusammensetzung der Kommission kritisiert (queer.de berichtete). Laut einer Liste sind sechs der 49 Mitglieder Vertreter religiöser Organisationen. Darunter sind zwei Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie je ein Vertreter für das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesiche Oberlausitz, den Zentralrat der Muslime in Deutschland, den Zentralrat der Juden in Deutschland und für den katholischen Caritasverband.
"Welches Fachwissen bringen diese Herrschaften mit? Abgesehen von jahrhundertelanger Erfahrung, wie man Homo- oder auch Transsexuelle verfolgt und unterbuttert?", fragte Kriss Rudolph im Magazin "Mannschaft". Es seien vor allem religiöse Gruppen, die Homosexualität als sündig, krank und behandlungsbedürftig bewerteten.
Weil die evangelische Kirche nun mit am Tisch der Kommission sitze, stehe sie am Scheideweg, schreibt Mattias Albrecht auf evangelisch.de. "Schließlich hat die evangelische Kirche in der Tat jahrhundertelang homosexuell begabte Menschen diskriminiert und tut es in Teilen noch bis heute." Zu befürchten sei, dass sich die EKD in der Fachkommission nicht eindeutig für ein Verbot der Konversionstherapie einsetzt. "Vielmehr könnten ihre Vertreter_innen aus Sorge, bestimmte Interessengruppen zu verärgern, indifferent agieren", so Albrecht. So sei die Offensive Junger Christen (OJC), die mit dem "Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft" einer der größten Fürsprecher für Homo-"Heilung" in Deutschland ist, nach wie vor Mitglied im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung der EKD. Das Werk ist der Zusammenschluss von Diakonie, der Katastrophenhilfe und Brot für die Welt.
Es gebe aber auch hoffnungsvolle Signale, meint Albrecht. So habe sich der Kirchenkreis Karlsruhe 2015 im "Karlsruher Memorandum" (PDF) eindeutig gegen Konversionstherapie ausgesprochen. Darin heißt es: "Wir lehnen alle Versuche entschieden ab, lesbische und schwule Menschen, insbesondere Jugendliche, durch Beratung, Gebet oder andere Formen der Intervention von Homosexualität 'heilen' zu wollen."
Die Hirschfeld-Stiftung traf die Auswahl
Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld hatte die Kommission im Auftrag des Gesundheitsministeriums organisiert. Jörg Litwinschuh, geschäftsführender Vorstand der Stiftung, wollte die Kritik an der Zusammensetzung des Gremiums auf Anfrage nicht kommentieren.















"Was bitte macht "alle großen Religionsgemeinschaften" zu Fachleuten? Die Tatsache, dass sie solche "Therapien" bisher mit allergrößtem Erfolg, nach deren Definition Zerstörung der queeren Persönlichkeiten, durchgeführt haben?
Warum zum Henker sollten diese Kräfte daran mitarbeiten wollen, Homo-"Heilung" zu verbieten?"
www.queer.de/detail.php?article_id=33361&kommeinzel=5384
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Dass Spahn die Verantwortung für die "Bestückung" der Kommission der Magnus-Hirschfeld-Stiftung übertragen hat, zeugt von gutem politischem Kalkül. So kann er sich im Falle des Scheiterns mit der Aussage reinwaschen, er habe die Kommissionsmitglieder ja nicht ausgesucht. Der schwarze Peter lag/liegt also nun bei der MHS.
Die ich nun leider genauso wie vorab Herrn Spahn bezüglich der Zusammensetzung der Kommission kritisieren muss. Kirchenvertreter sind nun mal keine Fachleute für Psychotherapie und/oder Psychiatrie. Und schon gar nicht werden sie fachlich argumentieren, da sie von anderen Impulsen geleitet werden.
Sechs aus 49? Klingt nach Lotto-Hauptgewinn. Und könnte doch ein gewaltiger Schuss in den Ofen werden, der als Gesetz ein unbrauchbares Wischiwaschi hervorbringt - weil "ethische Bedenken" bestehen würden, die "Therapien" komplett zu verbieten.
Nur hat hier gefälligst keine wie auch immer geartete religiöse Ansicht, sondern das Faktum ausschlaggebend zu sein, dass und wie Menschen, die diesen "Therapien" unterworfen werden, psychisch lebenslang traumatisiert werden. Hierfür gibt es bereits eine hinreichende Anzahl von Belegen.
P.S. Die Kommission tagt ZWEI Tage? Na dass sie sich mal nicht gleich übernehmen...
Von Herrn Litwinschuh erwarte ich übrigens eine klare Stellungnahme. Nach der bedenklichen Fraternisierung mit dem stramm rechten US-Botschafter Grenell
www.queer.de/detail.php?article_id=31637
ein zweites Mal, dass mir dieser Mensch unangenehm aufstößt und der Community, so finde ich, statt verdrucksten Schweigens eine Erklärung schuldig ist.