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Sportverband zufrieden

Semenya scheitert mit Einspruch vor Sportgerichtshof

Eine Regelung des Leichtathletik-Weltverbands zu Testosteron-Limits für Mittelstreckenläuferinnen mit intersexuellen Anlagen sei rechtens, urteilte der CAS.


Caster Semenya hält die nun bestätigte Regelung des Leichtathletik-Verbandes für diskriminierend (Bild: Chell Hill / wikipedia)

800-Meter-Olympiasiegerin Caster Semenya hat vor dem Internationalen Sportgerichtshof im juristischen Streit um Testosteron-Grenzwerte für Frauen eine juristische Niederlage erlitten. Laut dem am Mittwoch veröffentlichten Urteil des CAS ist eine Regel des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF rechtens, mit der Testosteron-Limits für Mittelstreckenläuferinnen mit intersexuellen Anlagen festgesetzt werden.

Läuferinnen, die künftig bei internationalen Wettkämpfen über Distanzen von 400 Metern bis zu einer Meile starten wollen, müssen ihren Testosteronwert im Laufe eines durchgehenden Zeitraums von mindestens sechs Monaten auf unter fünf Nanomol pro Liter senken. Dies sei auch durch die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel möglich. Für Klägerin Semenya hieße das, die Medikamente einzunehmen oder in eine andere Disziplin zu wechseln. Sie wolle weiter "natürlich laufen, wie ich geboren wurde", hatte sie vor dem Urteil angegeben.

Das dreiköpfige CAS-Gericht in Lausanne lehnte die Einsprüche Semenyas und des südafrikanischen Leichtathletik-Verbandes ASA mehrheitlich ab. Die IAAF-Regel sei zwar diskriminierend, aber die Mehrheit des Gremiums befand sie auf Grundlage der von allen Parteien eingereichten Unterlagen auch "als notwendiges, vernünftiges und angemessenes Mittel". So könne das Ziel des Weltverbandes erreicht werden, die Integrität weiblicher Athleten in den fraglichen Wettbewerben aufrecht zu erhalten.

Die Richter wiesen ausdrücklich darauf hin, dass es zu Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Regel kommen könne. So könnten Sportlerinnen ungewollt das Limit überschreiten, auch seien Fragen für andere Disziplinen oder über die Praktikabilität der Regelungen noch offen. Auch könne das CAS-Urteil Auswirkungen auf das Startrecht von Frauen mit hohen Testosteronwerten für die WM vom 27. September bis 6. Oktober in Doha, der Hauptstadt von Katar, haben. Bis zum WM-Start sind es noch weniger als sechs Monate – Betroffene müssten daher innerhalb der nächsten Tage mit einer durchgehenden Medikamentation beginnen. Das Gericht schlug dem Weltverband vor, in einigen Bereichen die Umsetzung der Regelung zu vertagen, bis weitere Erfahrungen vorlägen.

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Semenya kann Einspruch erheben

"Manchmal ist die beste Reaktion, gar nicht zu reagieren", kommentierte Semenya zunächst in sozialen Netzwerken. Seit 2009 steht die dreimalige 800-Meter-Weltmeisterin im Mittelpunkt einer Debatte über Hyperandrogenismus und Intersexualität. Die 28 Jahre alte Südafrikanerin hat nun noch die Möglichkeit, innerhalb von 30 Tagen Einspruch beim Schweizer Bundesgericht einzulegen. Das heutige Urteil fiel mit zwei Stimmen zu einer.

In einer späteren Stellungnahme beklagte Semenya, die am Freitag noch bei einem Turnier in Katar antreten kann, dass der Weltverband IAAF mit der Regelung speziell auf sie gezielt habe. "Seit einem Jahrzehnt hat die IAAF versucht, mich zu verlangsamen, aber das hat mich tatsächlich stärker gemacht. Die Entscheidung des CAS wird mich nicht aufhalten." Sie werde weiter "junge Frauen und Sportlerinnen in Südafrika und der ganzen Welt begeistern".

In einer Stellungnahme des Weltverbandes IAAF am Mittwoch hieß es, die entsprechende IAAF-Regel werde zum 8. Mai in Kraft treten. Der Verband begrüßte das Urteil: Das Gericht habe das legitime Ziel bestätigt, die Integrität weiblicher Leichtathletik bei den von der Regel betroffenen Ereignissen zu erhalten. "Wie viele andere Sportarten haben wir uns entschieden, zwei Kategorien für unseren Wettbewerb zu haben – Männer- und Frauen- Events", erklärte IAAF-Präsident Sebastian Coe vor der Urteilsbekanntgabe. Es gehe darum, "das Spielfeld zu ebnen, um einen fairen und bedeutungsvollen Wettbewerb in der Leichtathletik zu gewährleisten, wo Erfolg durch Talent, Hingabe und harte Arbeit statt durch andere Faktoren bestimmt" werde.

Mit dem Grenzwert von fünf Nanomol pro Liter reagierte die IAAF auch auf eine Studie vom Juli 2017, wonach Frauen mit hohen natürlichen Testosteronwerten in einigen Disziplinen einen Wettbewerbsvorteil von bis zu 4,5 Prozent haben. Der natürliche Testosteronwert ist bei Frauen normalerweise deutlich geringer als die jetzt festgelegten fünf Nanomol in einem Liter Blut. Die IAAF hatte die Studie veranlasst, weil das CAS die Testosteron-Regel mit der Forderung aufgehoben hatte, Beweise für den vermeintlichen Wettbewerbsvorteil zu erbringen.

Die Studie ist unter Experten umstritten. Wie komplex der Fall und wie kompliziert die Entscheidungsfindung gewesen ist, zeigte sich zuletzt noch einmal in der Vertagung der Urteilsverkündung, die zunächst bis zum 26. März angekündet worden war. Nach einer fünftägigen Anhörung in Lausanne vom 18. bis 22. Februar waren weitere Unterlagen eingereicht worden. Dass sich noch der Menschenrechtsrat der Vereinten Nation zu Wort meldete und die vom Weltverband IAAF angestrebte Einführung einer Testosteronregel für Frauen verurteilte, sorgte für weitere Brisanz. (dpa/cw)



#1 not_okAnonym
  • 01.05.2019, 14:12h
  • Finde ich nicht angemessen und auch nicht fortschrittlich. Diskriminierung als notwendiges Mittel kann keine Berechtigung sein. Die Integrität ist nicht eingeschränkt, wenn zufällig eine Person einen höheren Testosteronwert hat. Eine Person soll Medikamente nehmen, damit die Mehrheit zufrieden ist? Ne, das ist Umkehrung.
    Wieso kann die Mehrheit nicht Rücksicht und Respekt gegenüber einer Einzelperson zeigen?

    Raise objection, Semenya.

    ©BuntesUndSchönes
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#2 MarthaAnonym
  • 01.05.2019, 15:36h
  • Das Urteil geht gar nicht- Totalausfall. Zu diskriminierend. Hält vor einem 'weltlichen Gericht' keine Sekunde stand. Grundrechte vor der CAS? Dieie CAS ist mir hierbei zu zwielichtig. Grundsätzlich: Was mir mehr und mehr bitter aufstößt, ist diese Paralleljustiz: Wo man hinschaut, jeder hat seine eigene Gerichtsbarkeit. Ob Kirchen, Schiedsgerichte etc- was soll dieser Scheiß? 2 Klassen-Justiz? Befangenheit? So geht das nicht...das ist die Unterwanderung der Demokratie in Reinkultur!
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#3 AnonymousAnonym
  • 01.05.2019, 16:30h
  • Auch wenn ich jede Art von Diskriminierung verachte und verurteile, muss ich doch sagen, dass ich dieses Urteil rechtmäßig finde.

    Sport sollte ein fairer Wettbewerb bleiben, und wenn Semenya einen sportlichen Vorteil durch ihren erhöhten Testosteron-Spiegel hat, dann ist dies schlicht unfair und nicht angemessen anderen Sportlerinnen gegenüber. Es sollte dabei eine Norm eingehalten werden. Wenn Semenya diese Norm nicht einhalten kann, dann kann sie nicht in dieser Klasse antreten.

    Es kann nicht sein, dass die anderen Sportlerinnen einen Nachteil dadurch haben, dass ihre Testosteron-Werte der Norm entsprechen. Denn dann bräuchte man ja generell keine Unterscheidung zwischen Frauen und Männern machen, dann könnten ja alle direkt gegeneinander antreten.
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#4 feli491Anonym
  • 01.05.2019, 16:37h
  • Antwort auf #3 von Anonymous
  • Soll man dieser Logik folgend auch Menschen mit einer Körpergröße von mehr als 2 Metern verbieten, Basketball zu spielen, weil sie durch ihre Körpergröße einen Vorteil gegenüber den anderen haben?
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#5 Klaus LeberhartingerAnonym
  • 01.05.2019, 16:54h
  • Antwort auf #3 von Anonymous
  • Genau.
    Deshalb fordern wir, von der Liga der alten weißen Männer, dass es für Frauen im Schwimmsport eine maximale Schuhgröße von 42 geben soll.
    Frauen mit größeren Füßen können sich die Zehen abschneiden lassen, um Fairness zu gewährleisten.
    Ferner fordern wir eine maximale Körpergröße von 1,79 für Frauen im Basketball.
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#6 lotosblueteAnonym
#7 lotosbluete567Anonym
#8 Patroklos
#9 Aramis
  • 01.05.2019, 20:15h
  • Antwort auf #6 von lotosbluete
  • Weil es dafür derzeit noch nicht genügend Sportler für eine dritte Startergruppe gibt...

    Ich finde die Entscheidung richtig... weil nun mal Testosteron die Leistung steigert, egal ob es natürlich vorkommt oder künstlich zugeführt wird...
    Frau-zu-Mann Transsexuelle müssen ab dem ersten Tag Hormongabe bei den Männern starten, auch wenn der Hormonspiegel noch nicht stabil ist...
    Und das ist richtig so...

    Die Vergleiche mit Körper- und Schuhgrößem zeigen, das die Verfasser wenig Ahnung hat, was es bedeutet, mit den falschen oder gemischen Hormonen leben zu müssen...

    Und demnächst kommt ein Mann-zu-Frau Transsexuelle, die zwar weibliche Hormone nimmt, Vornamens- und Personenstandsänderung durch hat ( und somit rechtlich als Frau gilt), aber sich nicht die Hoden entfernt... auch sie hat, natürlich, erhöhte Testosteronwerte... und bricht damit alle Rekorde... das wäre ein Aufschrei...
    Aber auch das ist nicht fair...

    Es muss für Frauen eine Hormonspanne geben, die für alle gilt... und die eingehalten werden muss...damit die Chancen für alle gleich sind...
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#10 ursus
  • 01.05.2019, 20:30h
  • Antwort auf #6 von lotosbluete
  • "Warum gibt es noch keine Kategorie "divers" beim Sport? Wäre das nicht eine Möglichkeit solche Streitfragen in Zukunft zu regeln, anstatt die Hormoneinnahme vozuschreiben?"

    Meines Wissens ist Semenya immer noch eine Frau, auch wenn das manche nicht verstehen wollen. Eine neue Kategorie zu erfinden, nur um Frauen aus dem Mainstream-Sport herausdrängen zu können, ist also keineswegs eine Lösung.
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