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Wirksames Mittel im Kampf gegen HIV
Langzeit-Studie: "Schutz durch Therapie" wirkt
Wenn ein HIV-Positiver in Behandlung ist, kann er auch bei Bareback-Sex seinen Partner nicht anstecken. Dies bestätigte jetzt erneut eine acht Jahre dauernde Studie, an der fast 1.000 schwule Paare teilnahmen.

"Schutz durch Therapie" ist neben Kondomnutzung und PrEP ein wirksames Mittel im Kampf gegen HIV-Infektionen (Bild: Helix Studios)
- 3. Mai 2019, 10:29h 3 Min.
Die Präventionsmethode "Schutz durch Therapie" ist bei schwulen Paaren sehr zuverlässig. Das ist das Ergebnis der im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichten Studie "Partner 2", bei der Forscher acht Jahre lang 972 "serodiskordante" schwule Paare untersucht haben. "Serodiskordant" bedeutet, dass ein Partner HIV-negativ, der andere -positiv ist.
Die HIV-positiven Partner nahmen während der Studienzeit jeweils regelmäßig antiretrovirale Medikamente ein. Damit drückten sie ihre HIV-Viruslast unter die Nachweisgrenze. In den acht Jahren hatten die Teilnehmer der Studie zehntausende Male Sex ohne Kondom, es fand aber keine einzige Ansteckung zwischen den Partnern statt.
Alle Paare mussten alle sechs bis zwölf Monate vertrauliche Fragebögen zur ihrem Sexualverhalten ausfüllen und sich regelmäßig untersuchen lassen. Zum Start der Studie hatten die meisten Paare bereits ein Jahr lang Sex ohne Kondom praktiziert. Ein Drittel der HIV-negativen Probanden gab an, Bareback-Sex mit anderen Partnern gehabt zu haben.
HIV-Ansteckungen nur außerhalb der Beziehung
Die konkreten Ergebnisse: Innerhalb der acht Jahre dauernden Studienzeit steckten sich insgesamt 15 Männer, die zu Beginn HIV-negativ waren, mit dem Virus an. Allerdings sei keine einzige der Neuinfektionen auf den Partner zurückzuführen, konnten die Forscher nach Tests nachweisen: "Alle neuen Infektionen standen phylogenetisch in keinem Zusammenhang mit dem Virus des ursprünglich HIV-positiven Partners", heißt es in der Studie. Die meisten Männer, die sich neu angesteckt haben, hätten erklärt, dass sie außerhalb der Beziehung Sex ohne Kondom gehabt hätten.
"Unsere Ergebnisse weisen eindeutig nach, dass das Risiko einer HIV-Übertragung im Rahmen einer antiretroviralen Behandlung gleich null ist", erklärte Studien-Hauptautorin Alison Rodger, eine Professorin am University College London. "Damit unterstützen unsere Ergebnisse die internationale Kampagne U=U, die besagt, dass eine nicht nachweisbare Viruslast HIV nicht übertragbar macht." U=U steht für undetectable (nicht nachweisbar) und untransmittable (nicht übertragbar). Die Kampagne wird auch von der Deutschen Aids-Hilfe unterstützt.
/ Aidshilfe_deMit unserer Kampagne #wissenverdoppeln schließen wir an die internationale Kampagne u=u an. Das steht für undetectable = untransmittable, auf Deutsch nicht nachweisbar = nicht übertragbar oder kurz n=n. Alle Infos dazu: https://t.co/xwzNBgVIpr #uequalsu #ngleichn pic.twitter.com/9kuRDdDjnE
Deutsche Aidshilfe (@Aidshilfe_de) November 28, 2018
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Eine Vorgängerstudie hatte bereits gezeigt, dass die U=U-Prämisse auch bei heterosexuellen Kontakten zutrifft. Laut Professorin Rodger sei damit nachgewiesen, dass die HIV-Pandemie mit "Schutz durch Therapie" beendet werden könne. Außerdem könne das "Stigma und die Diskriminierung, die viele Menschen mit HIV trifft", wirksam bekämpft werden. Nun müsse die Botschaft nur noch besser unters Volk gebracht werden.
Bereits in den letzten Jahren waren einige andere Studien zu dem Ergebnis gekommen, dass "Schutz durch Therapie" wirksam ist – eine 2017 veröffentlichte australische Studie hatte etwa fast 17.000 sexuelle Kontakte von serodiskordanten schwulen Paaren registriert und keine einzige Übertragung festgestellt (queer.de berichtete). Bereits 2008 hatte die Schweizer Aids-Kommission als erste Organisation weltweit für den Ansatz geworben (queer.de berichtete).
Trotz diesen langjährigen Kampagnen haben Politiker von demokratischen Parteien in Deutschland in den letzten Jahren immer wieder Stimmung gegen "Schutz durch Therapie" gemacht. Dazu gehörten die beiden FDP-Landtagsabgeordneten Susanne Schneider und Ulrich Alda oder die frühere grüne NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens. (dk)
/ BMG_Bund | Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) unterstützt die Aufklärungkampagne der Deutschen Aids-Hilfe zu U=U#HIV ist nicht mehr übertragbar, wenn man behandelt wird und das Virus nicht mehr nachweisbar ist. @JensSpahn unterstützt neue Kampagne #wissenverdoppeln der @Dt_AIDS_Hilfe pic.twitter.com/26OOKhWEBF
BMG (@BMG_Bund) November 28, 2018
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Hier ein hoch interessanter Artikel zum "Swiss Statement" und den Hintergründen dazu:
magazin.hiv/2018/01/26/ekaf-statement-meyer/