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Marta Kauffman

"Friends"-Produzentin bedauert Transphobie in Kultserie

"Friends" gehört zu den populärsten Sitcoms der Welt. Doch heute würde sie einige Szenen anders inszenieren, so Produzentin Marta Kauffman, die die Serie vor 25 Jahren miterfunden hat.


Kathleen Turner spielte bei "Friends" Chandlers transsexuelle Mutter Helena (Bild: NBC)

Produzentin Marta Kauffman hat in einem Interview mit der Zeitung "USA Today" Running Gags um die Transsexualität einer Nebenfigur in ihrer Serie "Friends" bedauert. Die amerikanische Sitcom gehörte zwischen 1994 und 2004 zu den absoluten Quotenhits im Fernsehen und brachte es auf 236 Episoden.

Konkret geht es um die transsexuelle Helena, ein Elternteil von von Chandler (Matthew Perry), das von der oscarnominierten Schauspielerin Kathleen Turner dargestellt wurde. Chandler macht sich oft über Helena lustig, kritisiert offen ihre Geschlechtsidentität und ruft sie immer bei ihrem alten Namen Charles oder als "Dad". Auch Chandlers zweite Mutter äußert sich beleidigend über ihre Ex, ohne dass dies in der Serie als problematisch dargestellt wird ("Hast du nicht ein wenig zu viel Penis, um ein solches Kleid zu tragen?"). In mehreren Szenen mit Helena wird außerdem angedeutet, dass sie keine echte trans Frau, sondern eine Dragqueen sei, ohne dass dieser Widerspruch je aufgelöst wird.


Martha Kauffman hat "Friends" 1994 gemeinsam mit David Crane ins Leben gerufen (Bild: NBC)

"Ich denke, wenn wir damals das Wissen von heute über trans Menschen gehabt hätten, hätten wir es anders gemacht", erklärte Kauffman, die neben "Friends" auch die hochgelobte Comedyserie "Grace & Frankie" ins Leben rief. "Jedes Mal, wenn ich eine Episode anschaue, gibt es etwas, das ich gerne ändern würde."

Kauffman: "Friends" muss im historischen Kontext gesehen werden

Kauffman ging in diesem Zusammenhang auch auf eine Episode mit Brad Pitt als Gaststar ein ("Der Hassclub", Folge 179). Darin gab die von Pitt gespielte Figur zu, in der Schulzeit ein Gerücht verbreitet zu haben, dass Rachel (Jennifer Aniston) ein "Hermaphrodit" sei. Dies wird in der Sitcom als unproblematisch und lustig dargestellt. "Ich hätte das Hermaphroditen-Zeug heute wohl nicht mehr gemacht, wenn ich das nochmal mit Brad Pitt drehen könnte", so Kauffman. Sie bezeichnete Friends als "historische Sitcom", die im Kontext ihrer Zeit gesehen werden müsse.


Brad Pitt war 2001 Gaststar bei "Friends" – in einer Folge, die heute als problematisch angesehen wird (Bild: NBC)

"Friends" galt bei der Erstausstrahlung eigentlich als fortschrittlich – so wurde erstmals eine trans Frau gezeigt, außerdem kam ein lesbisches Paar in Nebenrollen vor. Als Netflix die Serie letztes Jahr ins Programm aufnahm, wurden erstmals Homo- und Transphobie-Vorwürfe in sozialen Netzwerken laut. Kritisiert wird etwa die ständige Angst Chandlers, für schwul gehalten zu werden.

Ähnliche Homophobie-Vorwürfe gibt es auch gegen andere ältere Serien, die einst Kultstatus besaßen – etwa bei "Sex and the City" (1998 bis 2004). Vergangenes Jahr gab Hauptdarstellerin Sarah Jessica Parker zu, dass die Serie nicht fair zu queeren Menschen gewesen sei (queer.de berichtete). (dk)



#1 Ken AdamsAnonym
  • 03.05.2019, 19:22h
  • Oh mein Gott (Chandler Bing) ...

    Man kann auch in allem etwas Negatives finden, wenn man lang genug sucht. In diesem Fall ist es fast ein ViertelJahrhundert nach Erstausstrahlung, dass man meint, Friends sei 'omniphob'.

    Natürlich sind einige der Sketche nicht der übertriebenen political correctness der vergangen Jahre entsprechend. Die Serie ist aber nun auch nicht in dieser Zeit produziert worden.

    Die Aussage Kauffmans, dass sie HEUTE einiges anders inszeniert hätte, finde ich vernünftig. Dennoch bleibt es eine Serie aus einem anderen zeitlichen und gesellschaftlichen Rahmen. Das kann und darf man dann einfach nicht mit den Ansprüchen von 2019 werten. Sonst müsste man so ziemlich alles aus den 50er Jahren wegen all der chauvinistischen Darstellungen zensieren. Oder beliebte Klassiker, die einen literarischen Stellenwert haben, wie die Werke von Ottfried Preußler, zensieren und umschreiben. Oh, stimmt, das passiert ja grad ...

    Ich hab Friends so oft gesehen, dass ich die meisten Szenen sicherlich mitsprechen kann - und ich lache immer noch über sie. Mir ist dieses ganze "Friends ist voll trans- und homophob"-Gequarke ein Rätsel. Wer sich so sehr über eine verstaubte Fernsehserie aufregen muss, hat aus meiner Sicht eindeutig andere Probleme ...
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#2 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 03.05.2019, 19:48h
  • Menschen entwickeln sich hoffentlich, sehen heute Dinge anders, als sie diese früher sahen. Ich würde heute auch einige meiner Drehbücher anders schreiben, weil ich mich entwickelt habe. Darum stimme ich ihr zu.
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#3 antosProfil
  • 03.05.2019, 19:51hBonn
  • Antwort auf #1 von Ken Adams
  • - Dennoch bleibt es eine Serie aus einem anderen zeitlichen und gesellschaftlichen Rahmen. -

    Merkwürdig, ich hab diese Serie geliebt [Phoebe!], fand die im Artikel erwähnte Sorte Gags aber schon damals scheiße. Erklär mir das mal mit deinen Rahmungen!
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#4 Ken AdamsAnonym
  • 03.05.2019, 20:39h
  • Antwort auf #3 von antos
  • Ich kann dir das jetzt nicht für jeden einzelnen Witz erläutern, dafür sind es zu viele. Auch nicht alle davon fand ich witzig. Zwei Beispiele:

    Der Hausjunge, der Chandler an Thanksgiving den Truthahn anbietet. Natürlich ist das aus heutiger Sicht anstößig. Ich persönlich fand das"More turkey, Mr. Chandler?" herrlich, weil es so übertrieben war. Außerdem denke ich schon, dass es für ein Kind schon ein traumatisches Erlebnis sein kann, wenn die Eltern ihre Trennung bekannt geben, weil der Vater Männer mag. Und traumatisch meine sicherlich nicht aus transphoben Gründen, sondern weil die Trennung der Eltern aus jedwedem Grund bekanntlich Auswirkungen auf die Psyche eines so jungen Kindes haben kann.

    Die hier angeführte Szene bei der Hochzeit von Monica und Chandler, bei der sich Chandlers Eltern gegenseitig anzicken, ob die Kleiderwahl nicht vielleicht zu unpassend sei, habe ich ebenso wenig jemals transphob interpretiert, sondern fand den Schlagabtausch einfach gelungen und gut gespielt.
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#5 RyluriAnonym
#6 Sound67Anonym
  • 04.05.2019, 08:58h
  • Die übertriebene Political Correctness von heute ist zum grossen Teil für das Ausschwenken des Pendels in die andere Richtung verantwortlich: Den Rechtspopulismus. Man muss viel souveräner reagieren. Kunst und Kultur sind ihrer Zeit verhaftet. Was gestern opportun war ist morgen plötzlich anstößig. Die Comics von Tim und Struppi strotzen vor rassistischen Klischées, Onkel Toms Hütte, früher als bahnbrechendes Werk gegen den Rassismus gefeiert, gilt jetzt selbst als rassistisch. Man kann Anachronismen zur Kenntnis nehmen und Werke trotzdem schätzen. So ist es auch bei Friends. Die Szenen sind witzig und gut gespielt, und völlig harmlos. Komödien und Satiren dürfen nicht übertriebene Rücksicht nehmen, sonst funktionieren sie nicht. Diese Episoden funktionieren. Nichts anderes ist wichtig.
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#7 JarJarProfil
  • 04.05.2019, 09:45hKiel
  • Ich mag Friends noch immer gerne und sehe es auch nicht kritisch, die Serie ist halt schon älter und wenn man es auseinandernehmen will: Chandler und dessen Mutter sind halt von ihrem Vater/Mann enttäuscht, er hat die Familie wegen seiner Sexualität verlassen und lieber in einer gleichgeschlechtlichen Liebe weiter gelebt. Chandler hatte keinen Vater mehr und seine Frau fühlt sich betrogen. Natürlich lassen sie dann kein gutes Haar an ihm und es ist dann am einfachsten auf dem Grund herum zu hacken weswegen er die Familie verlassen hat.
    Wären Chandler homophob würde er wohl auch etwas gegen Ross Ex was haben, hat er nicht, von daher ist es etwas persönliches zwischen ihm und seinem Vater.
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#8 HyenadykeProfil
  • 04.05.2019, 10:04hKöln
  • Antwort auf #6 von Sound67
  • Dir ist schon bewusst, dass Du mit der Rede vom "übertriebenen Political Correctness" ein Narrativ der so verharmlosend "Rechtspopulisten" genannten Neu-Faschisten ("Neue Rechte","Alt-Right") bedienst?
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#9 HyenadykeProfil
  • 04.05.2019, 10:16hKöln
  • Antwort auf #7 von JarJar
  • Ist es eigentlich Absicht, dass Du andauernd eine Transfrau als Mann misgenderst?

    Ein Blick in deine Kommentar-Historie zeigt zumindest, dass Du mit Trans* tatsächlich ein Problem zu haben scheinst ...
    Aber jetzt bin ich doch glatt darauf angesprungen!
    Hier, Deine Belohnung:
    <')-(-(-(--
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#10 Ken AdamsAnonym