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Marta Kauffman
"Friends"-Produzentin bedauert Transphobie in Kultserie
"Friends" gehört zu den populärsten Sitcoms der Welt. Doch heute würde sie einige Szenen anders inszenieren, so Produzentin Marta Kauffman, die die Serie vor 25 Jahren miterfunden hat.

Kathleen Turner spielte bei "Friends" Chandlers transsexuelle Mutter Helena (Bild: NBC)
- 3. Mai 2019, 14:16h 2 Min.
Produzentin Marta Kauffman hat in einem Interview mit der Zeitung "USA Today" Running Gags um die Transsexualität einer Nebenfigur in ihrer Serie "Friends" bedauert. Die amerikanische Sitcom gehörte zwischen 1994 und 2004 zu den absoluten Quotenhits im Fernsehen und brachte es auf 236 Episoden.
Konkret geht es um die transsexuelle Helena, ein Elternteil von Chandler (Matthew Perry), das von der oscarnominierten Schauspielerin Kathleen Turner dargestellt wurde. Chandler macht sich oft über Helena lustig, kritisiert offen ihre Geschlechtsidentität und ruft sie immer bei ihrem alten Namen Charles oder als "Dad". Auch Chandlers zweite Mutter äußert sich beleidigend über ihre Ex, ohne dass dies in der Serie als problematisch dargestellt wird ("Hast du nicht ein wenig zu viel Penis, um ein solches Kleid zu tragen?"). In mehreren Szenen mit Helena wird außerdem angedeutet, dass sie keine echte trans Frau, sondern eine Dragqueen sei, ohne dass dieser Widerspruch je aufgelöst wird.

Martha Kauffman hat "Friends" 1994 gemeinsam mit David Crane ins Leben gerufen (Bild: NBC)
"Ich denke, wenn wir damals das Wissen von heute über trans Menschen gehabt hätten, hätten wir es anders gemacht", erklärte Kauffman, die neben "Friends" auch die hochgelobte Comedyserie "Grace & Frankie" ins Leben rief. "Jedes Mal, wenn ich eine Episode anschaue, gibt es etwas, das ich gerne ändern würde."
Kauffman: "Friends" muss im historischen Kontext gesehen werden
Kauffman ging in diesem Zusammenhang auch auf eine Episode mit Brad Pitt als Gaststar ein ("Der Hassclub", Folge 179). Darin gab die von Pitt gespielte Figur zu, in der Schulzeit ein Gerücht verbreitet zu haben, dass Rachel (Jennifer Aniston) ein "Hermaphrodit" sei. Dies wird in der Sitcom als unproblematisch und lustig dargestellt. "Ich hätte das Hermaphroditen-Zeug heute wohl nicht mehr gemacht, wenn ich das nochmal mit Brad Pitt drehen könnte", so Kauffman. Sie bezeichnete Friends als "historische Sitcom", die im Kontext ihrer Zeit gesehen werden müsse.

Brad Pitt war 2001 Gaststar bei "Friends" – in einer Folge, die heute als problematisch angesehen wird (Bild: NBC)
"Friends" galt bei der Erstausstrahlung eigentlich als fortschrittlich – so wurde erstmals eine trans Frau gezeigt, außerdem kam ein lesbisches Paar in Nebenrollen vor. Als Netflix die Serie letztes Jahr ins Programm aufnahm, wurden erstmals Homo- und Transphobie-Vorwürfe in sozialen Netzwerken laut. Kritisiert wird etwa die ständige Angst Chandlers, für schwul gehalten zu werden.
Ähnliche Homophobie-Vorwürfe gibt es auch gegen andere ältere Serien, die einst Kultstatus besaßen – etwa bei "Sex and the City" (1998 bis 2004). Vergangenes Jahr gab Hauptdarstellerin Sarah Jessica Parker zu, dass die Serie nicht fair zu queeren Menschen gewesen sei (queer.de berichtete). (dk)
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Man kann auch in allem etwas Negatives finden, wenn man lang genug sucht. In diesem Fall ist es fast ein ViertelJahrhundert nach Erstausstrahlung, dass man meint, Friends sei 'omniphob'.
Natürlich sind einige der Sketche nicht der übertriebenen political correctness der vergangen Jahre entsprechend. Die Serie ist aber nun auch nicht in dieser Zeit produziert worden.
Die Aussage Kauffmans, dass sie HEUTE einiges anders inszeniert hätte, finde ich vernünftig. Dennoch bleibt es eine Serie aus einem anderen zeitlichen und gesellschaftlichen Rahmen. Das kann und darf man dann einfach nicht mit den Ansprüchen von 2019 werten. Sonst müsste man so ziemlich alles aus den 50er Jahren wegen all der chauvinistischen Darstellungen zensieren. Oder beliebte Klassiker, die einen literarischen Stellenwert haben, wie die Werke von Ottfried Preußler, zensieren und umschreiben. Oh, stimmt, das passiert ja grad ...
Ich hab Friends so oft gesehen, dass ich die meisten Szenen sicherlich mitsprechen kann - und ich lache immer noch über sie. Mir ist dieses ganze "Friends ist voll trans- und homophob"-Gequarke ein Rätsel. Wer sich so sehr über eine verstaubte Fernsehserie aufregen muss, hat aus meiner Sicht eindeutig andere Probleme ...