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Kommentar
Die Homophobie des Martin Sonneborn
Der Satiriker im EU-Parlament hat gegen ein Verbot sogenannter Konversionstherapien an Lesben und Schwulen gestimmt. Die Spaßpartei "Die Partei" zeigt sich damit offen homophob. LGBTI-Rechte sind ihr egal.

Der ehemalige "Titanic"-Chefredakteur Martin Sonneborn wurde 2014 als Spitzenkandidat der satirischen Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die Partei), deren Bundesvorsitzender er ist, zum Mitglied des Europäischen Parlaments gewählt (Bild: Die Partei)
- Von Markus Kowalski
5. Mai 2019, 13:01h 3 Min.
Der Satiriker Martin Sonneborn, Abgeordneter im Europaparlament für "Die Partei", hat gegen ein Verbot sogenannter Konversionstherapien gestimmt. Im März letzten Jahres forderte ein Resolutionsantrag die EU-Mitgliedsstaaten dazu auf, gefährliche Umpolungsversuche von Lesben und Schwulen zu verbieten. Über 70 Prozent der Abgeordneten waren dafür, wie die Fraktionen der Linken, Grünen, Sozialdemokraten, Liberalen und Christdemokraten. In dem Antrag ging es auch um die Freizügigkeit von Regenbogenfamilien innerhalb der Europäischen Union. Auch das lehnte Sonneborn ab. Mit ihm stimmte beispielsweise Jörg Meuthen von der AfD.

Zusammen mit Jörg Meuthen (AfD) und Manfred Weber (CSU) lehnte Martin Sonneborn im EU-Parlament eine Resolution zum Verbot sogenannter Konversionstherapien ab
Dass Sonneborn gegen ein Verbot von Homo-"Heilung" stimmte begründete der niedersächsische Landesverband von "Die Partei" am Samstag in einem Tweet damit, dass ihr die Forderungen nicht weit genug gingen: "Wir waren grundsätzlich für den Antrag, aber er ging nicht weit genug. Wir fordern Gefängnis für Konversionstherapeuten."
Mit der unrealistischen Forderung nach Haftstrafen erlaubt sich "Die Partei" auch noch einen Gag auf Kosten der Betroffenen von schädlichen Umpolungsversuchen. Doch mehr als ein schlechter Witz ist von der Spaßpartei nicht zu erwarten: Einen eigenen Antrag gegen Homo-"Heilung" hat sie nicht eingebracht.
Gemeinsam abstimmen mit NPD und AfD
Der Satiriker stimmte im März 2017 ebenso gegen den Schutz von LGBTI vor Hassrede, genannt Hate Speech. Mit dem Antrag forderte das Europaparlament die EU-Kommission auf, weitere Maßnahmen gegen diese Diskriminierung zu ergreifen. Gegen diesen Antrag stimmten auch der rechtsextreme NPD-Politiker Udo Voigt und die AfD-Frau Beatrix von Storch.
Dass Sonneborn gegen die Gleichstellung von LGBTI stimmt, überrascht nicht. Denn ihm sind queere Themen offenbar egal, so wie alle anderen politischen Themen auch. Denn Sonneborn ist gewählt worden, um sich über die Demokratie lustig zu machen.
Bei der Europawahl 2014 hatte "Die Partei" in Deutschland 0,6 Prozent der Stimmen und so einen Sitz im Europaparlament bekommen. Nachdem Martin Sonneborn ins Parlament einzog, sagte er freimütig: "Ich stimme abwechselnd mit Ja und Nein." Offenbar ist es Sonneborn völlig gleich, ob man für oder gegen einen Antrag stimmt, wenn es um die Rechte von LGBTI geht.
Demokratieverachtung statt Einsatz für LGBTI-Rechte
Er macht sich in einem AFP-Interview darüber lustig, dass Abgeordnete rund 30.000 Euro im Monat für ihre parlamentarische Arbeit mit Büro und Mitarbeitern bekommen. Diesen Hass auf Parlament und Eliten kannte man bislang meist von den Rechten. Doch so wie sich die AfD ins Europaparlament wählen ließ, um für den deutschen Austritt aus der EU zu werben, so ließ sich Sonneborn wählen, um sich über den Parlamentarismus und die Demokratie lustig zu machen.
"Die Partei" ist aktuell im Aufschwung, viele finden Sonneborn witzig. Erst vor gut drei Wochen bekam die Spaßtruppe durch ein Interview in der "ZDF heute-show" Wahlkampfhilfe. Für die kommende Europawahl tritt neben Sonneborn ein weiterer bekannter Kabarettist an: Nico Semsrott, Kapuzen-Komiker der "heute-show". Bei dieser Wahl könnte die Spaßpartei gar zwei Mandate erringen, weil die Wahlbeteiligung meist niedrig ist.
Doch wer diese vermeintlichen Satiriker wählt, sollte wissen: "Die Partei" macht keine Queerpolitik, sondern schürt linke Homophobie und Demokratieverachtung.
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Die Partei zu wählen heißt also nicht eine homophobe Partei zu wählen, sondern den Etablierten einen Denkzettel zu geben ohne die rassistische AFD wählen zu müssen.