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Checkpoint in Schöneberg

Jens Spahn besuchte Mann-O-Meter

Der Bundesgesundheitsminister informierte sich über die Beratungs- und Testangebote des Checkpoints für schwule und bisexuelle Männer im Berliner Nollendorfkiez. Der Verein fordert mehr Mittel.


V.l.n.r.: Carsten Buchholz (Lesben und Schwule in der Union Berlin), Rudolf Hampel und Marcus Behrens (Mann-O-Meter), die CDU-Politiker Jens Spahn und Jan-Marco Luczak sowie Christian Hölting (LSU Tempelhof-Schöneberg) (Bild: MdB-Büro Dr. Jan-Marco Luczak)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat am Montag den schwulen Checkpoint Mann-O-Meter an der Berliner Bülowstraße besucht und sich über die Arbeit des Beratungs- und Informationszentrums informiert.

Ein besonderes Augenmerk lag bei dem Gespräch auf dem Beratungs- und Testangebot zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen, so das Mann-O-Meter in einer Pressemitteilung. Einer kurzen Präsentation der Angebote und Leistungen sei ein "angeregter Austausch" mit Marcus Behrens, dem fachlichen Leiter des Vereins, und dem Vorstandsmitglied Rudolf Hampel erfolgt.

Twitter / jensspahn | Spahn lobte die Arbeit von Mann-O-Meter als "als einen wichtigen Beitrag u.a. zur HIV-Prävention und -Aufklärung für homosexuelle Männer"

Seit über 30 Jahren bietet Mann-O-Meter im Nollendorf-Kiez Beratung an, seit 2007 auch HIV-Tests. Ein wichtiges Thema bei dem offiziellen Termin des Ministers sei die finanzielle Ausstattung des Testangebots gewesen, so der Verein. Zwar stehe Mann-O-Meter dafür in diesem Jahr mehr Geld zur Verfügung als im Vorjahr. Dennoch würden vom Land weniger Mittel bewilligt als benötigt.

Mehr Nachfrage als Angebot

"Wir bräuchten einen fünften Termin in der Woche", so Marcus Behrens. Insgesamt haben sich im letzten Jahr 3.380 Männer im Mann-O-Meter auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen testen lassen. Und obwohl der Test mittlerweile an vier Tagen in der Woche angeboten wird, seien allein in diesem Jahr schon über 100 Männer aus Kapazitätsgründen abgewiesen worden und konnten deshalb nicht getestet werden.

"Dabei ist es wichtig, jede HIV-Infektion möglichst früh zu entdecken", so der Verein. "Je früher eine Infektion diagnostiziert wird, desto besser lässt sie sich behandeln. Außerdem werden so weitere Infektionen verhindert, denn Männer, die von ihrer Infektion wissen und effektiv behandelt werden, können das Virus nicht weitergeben." Das sei ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum Ziel der Fast-Track-Cities-Initiative, die Ausbreitung von Aids bis 2030 zu stoppen. Berlin war 2016 der weltweiten Initiative mit verbindlichen Zielen beigetreten.

Streit um Finanzierung

Der direkt gewählte Bundestagsabgeordnete für Tempelhof-Schöneberg, Dr. Jan-Marco Luczak, der seinen Parteifreund Spahn zu dem Besuch eingeladen hatte, kritisierte in einer eigenen Pressemitteilung, dass SPD-Gesundheitssenatorin Dilek Kolat "trotz mehrfacher Anfragen für die überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiter von Mann-O-Meter keine Termine frei" gehabt habe und Briefe unbeantwortet ließ. Laut dem "Tagesspiegel", der anders als vorab offenbar nicht informierte queere Medien bei dem Termin vor Ort war, äußerte auch der Verein selbst entsprechende Kritik.

Der Anspruch aus den Verpflichtungen im Rahmen der Fast-Track-Cities-Initiative und die "Wirklichkeit klaffen bei r2G [Rot-Rot-Grün] leider weit auseinander", kommentierte Luczak. "Dabei würden weniger als 30.000 Euro im Jahr ausreichen, um einen weiteren Testtag anzubieten." Er kritisierte eine "mangelnde Wertschätzung" gegenüber "überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeitern von Mann-O-Meter".



Die queerpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Melanie Kühnemann, sagte der "Morgenpost" zu der Kritik: "Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass Mann-O-Meter das Testangebot ausweiten wollen. Es gibt aber schon eine Menge Testmöglichkeiten in der Stadt." Vor den nächsten Haushaltsverhandlungen müsse man sich daher einen Überblick verschaffen, wie die einzelnen Angebote angenommen werden. Eine Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung betonte gegenüber dem "Tagesspiegel", Mann-O-Meter habe bereits für dieses Jahr eine Aufstockung der Mittel um 27.000 Euro auf 335.000 Euro erhalten, als einziger Träger im Bereich von HIV und sexuell übertragbaren Infektionen.

Die Pressemitteilungen von Luczak und Mann-O-Meter gehen nicht darauf ein, dass der Senat im letzten Herbst mit Checkpoint BLN in Neukölln eine weitere Anlaufstelle ermöglicht hat, die von der Schwulenberatung Berlin und der Berliner Aids-Hilfe gemeinsam mit niedergelassenen HIV-Ärzten betrieben wird. Neben Beratungen und Tests auf HIV und sexuell übertragbare Krankheiten werden auch Hepatis-Impfungen durchgeführt und eine kostenlose Prä- und Post-Expositionsprophylaxe gegen HIV abgegeben. Das Angebot wird vom Senat 2018 und 2019 mit insgesamt 2,15 Millionen Euro unterstützt.

Dass der Bundesgesundheitsminster sich dafür einsetzte, dass die PrEP, also die vorbeugende Medikamenteneinnahme gegen eine HIV-Infektion, in Kürze eine Kassenleistung wird, wurde am Montag von den Vertretern von Mann-O-Meter gelobt. Im Rahmen der Gesundheitsberatung des Vereins werde auch ein begleitendes Beratungs- und Test-Angebot zunehmend genutzt. (pm/nb)



#1 PetterAnonym
  • 07.05.2019, 12:14h
  • Es ist ja schön, wenn ein Minister solche Institutionen besucht und das ist ein wichtiges Zeichen. Aber wenn dieser und andere Vereine ihre hervorragende Arbeit weiter so gut machen sollen oder vielleicht sogar noch ausbauen sollen (was dringend nötig wäre), dann braucht es eben auch mehr finanzielle Unterstützung.

    Die Politik verschleudert so viel Geld für sinnlose Sachen, aber hier könnte man mit einem Bruchteil des Geldes wirklich etwas sinnvolles tun.

    Wenn das nicht nur Partei-Marketing vor der EU-Wahl sein soll, darf es nicht bei bloßem Händeschütteln für Fototermine und ein paar warmen Worten bleiben, sondern dann muss auch endlich mal gehandelt werden.
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#2 GerritAnonym
  • 07.05.2019, 13:18h
  • Jaja, vor jeder Wahl sind plötzliche alle Politiker immer sehr beschäftigt.

    Viel besser ist zu gucken, wer sich auch für uns einsetzt, wenn nicht gerade Wahlen sind.

    Im übrigen: gerade die Union hat in den letzten Jahren massiv zur Kürzung finanzieller Zuwendungen solcher Einrichtungen beigetragen. Solange Herr Spahn das nicht mindestens rückgängig macht oder sogar noch erhöht, kann er sich solche reinen Wahlkampf-Auftritte auch sparen.
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