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Anstieg um 18 Prozent

Mehr homo- und transfeindliche Übergriffe in Berlin gemeldet

Das Antigewaltprojekt Maneo hat im vegangenen Jahr mehr als einen homo- oder transfeindlich motivierten Übergriff pro Tag registriert.


Homophobe Gewalt kann auch Heteros treffen: Ryan Langenegger wurde 2013 in Omaha verprügelt, weil er schwulen Freunden zur Hilfe geeilt war (Bild: Omaha PD)

Deutlich mehr Übergriffe mit homo- oder transfeindlichem Hintergrund sind im vergangenen Jahr in Berlin erfasst worden. Die Zahl der Fälle habe sich um 58 auf 382 erhöht, teilte das Antigewaltprojekt Maneo am Dienstag bei der Vorstellung seines Jahresberichts 2018 in der Hauptstadt mit. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg von 18 Prozent, im Vergleich zu 2016 betrug der Anstieg sogar 31 Prozent. Der Großteil der erfassten Übergriffe richtete sich mit 286 Fällen gegen schwule oder bisexuelle Männer.

Es seien außerdem 50 Übergriffe gegen Transmenschen erfasst worden und 27 gegen Lesben oder bisexuelle Frauen. 19 Fälle hätten sich allgemein gegen die Gruppe gerichtet, wie etwa Angriffe auf Gedenkstätten.

In der Mehrzahl der Fälle habe es sich um Beleidigungen gehandelt. Im Vergleich zum Vorjahr verdoppelten sich diese demnach fast auf 123. Auch 67 Körperverletzungen seien erfasst worden. Darüber hinaus habe es 54 Nötigungen und Bedrohungen sowie 20 Raubstraftaten mit homo- oder transfeindlichem Hintergrund gegeben. Die meisten Fälle registrierte Maneo in Schöneberg, gefolgt von Neukölln. In diesem Bezirk wurde der größte Anstieg registriert: Die gemeldeten Übergriffe haben sich binnen eines Jahres verdoppelt.

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Hohe Dunkelziffer vermutet

Dennoch geben die Zahlen nur einen Teil der Wahrheit wieder: "Wir müssen von weit mehr Vorfällen ausgehen, die sich 2018 in Berlin ereignet haben", erklärte Maneo-Leiter Bastian Finke mit Blick auf die Dunkelziffer. Sebastian Stipp, eine von zwei Ansprechpersonen der Berliner Polizei für queere Menschen, schätzt die Zahl der nicht angezeigten LGBTI-feindlichen Übergriffen auf 80 bis 90 Prozent. "Insofern sind wir tatsächlich sehr erfreut, dass die Anzahl der angezeigten Straftaten hochgegangen ist", sagte Stipp nach RBB-Angaben.

Die Berliner Polizei führt eine eigene Statistik, die mit anderer Definition von Hasskriminalität auf weniger angezeigte Fälle kommt. Nach im Herbst vorgestellten vorläufigen Zahlen wurden von ihr im Bereich der Hasskriminalität aufgrund sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität in den ersten drei Quartalen 2018 insgesamt 105 Fälle statistisch erfasst, darunter 30 Gewaltdelikte (queer.de berichtete). Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren, samt Nachmeldungen, 139 Fälle registriert worden.

Die Maneo-Statistik weist so allein für Berlin mehr LGBTI-feindliche Straftaten aus als die Bundesregierung im selben Zeitraum für ganz Deutschland gemessen hatte. Das Bundesinnenministerium hatte im Februar erklärt, dass bundesweit 313 politisch motivierte Straftaten mit der Nennung des Unterthemas "Sexuelle Orientierung" gemeldet worden seien, davon 91 Gewalttaten (queer.de berichtete). Maneo-Chef Finke erklärte die Diskrepanz mit den Worten: "Wir sind mehr mit den Szenen vernetzt, vor allem aber sind wir eine unabhängige Stelle." Zudem gebe es in der LGBTI-Community noch immer Vorbehalte gegenüber der Polizei, die noch bis 1994 Homosexuelle nach dem Unrechtsparagrafen 175 verfolgt hatte. (AFP/dk)



#1 FelixAnonym
#2 AllieAnonym
  • 07.05.2019, 15:29h
  • Passt ja sehr gut zu dem Bericht von heute über Homohass an Schulen. Wer seine Menschenfeindlichkeit ungestört entwickeln und ausleben darf wird dann unter Umständen eben auch physisch gewalttätig. Hier muss schon an den Schulen angesetzt werden.
    Aufklärung über LGBTIQ-Themen gehört fest in die Lehrpläne und jeder Form von Hass sollte sofort von den Lehrkräften Widersprochen und die Täter sanktioniert werden. Wenn diese Leute die erste Körperverletzung begehen ist es schon zu spät! Dieser Hass resultiert daraus, dass (u.a.) queere Menschen als "anders" oder "fremd" wahrgenommen werden und alles Unbekannte bei manchen Menschen sofort Ablehnung hervorruft.
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#3 Homonklin44Profil
  • 07.05.2019, 16:46hTauroa Point
  • Ob diese Zahlen bis in "die Politik" hochsteigen, weiß man ja nicht, aber wegen einer niederen Zahl Hunderterbereich winken die das als Mini-Minderheitenfälle ab. Da müssten dann schon mehrere Dutzend Politiker angegriffen oder überfallen worden sein, bis die mal reagieren. Oder geldwerter Sachschaden, wie demolierte Autos.
    Als queerer Mensch Gewalt zu erfahren, das wird häufig noch in die "selbst Schuld"-Kategorie eingeordnet.
    Ja ihr hättet ja nicht Händchen halten gebraucht, nicht küssen, euch nicht provokant anzuziehen brauchen und so weiter, heißt es da.

    Wohl gehen die Zahlen darauf zurück, dass mehr Leute Anzeigen erstatten oder wenigstens Hilfe holen.

    Die Sache mit der Polizei ist halt problematisch. Weiß man denn sicher, dass man nicht auf intern geführten Listen landet? Im Moment, indem man das Motiv in der Anzeige wählt, outet man sich - will nicht jeder, wenn Polizisten eventuell auch gemeinsame Bekannte über 3 Ecken rum haben könnten.
    Selbst wenn man Polizisten ansonsten Vertrauen schenken will, schämt man sich vielleicht oder denkt, Bagatell, was soll dabei rauskommen, Jemand anzuzeigen, der einen Schwuchtel oder Arschficker genannt hat? Und wenn man das jedes Mal machte, müsste die Polizei 500 neue Stellen besetzen, und wer übernimmt dann die wirklich ernsthaften Fälle?
    Wo Leute tätlich angegriffen werden.

    Klar, man müsste die vollständige Vielfalt an den Schulen einbringen und im ethischen Heranbildungslauf schon zu Bewusstsein stärken, dass der Mensch vielfältig ist, und das ganz gewöhnlich ist. Solange immer wieder diese Abgrenzungsideale und Abscheide-Rituale traditiert und weitergegeben werden, in denen queere Menschen als irgendwie suspekt, krank oder abwertig gehandelt werden, wird es solche Straftaten auch immer weiter geben.
    In der aktuellen Zeit, wo die soziale Kälte populär ist, und die Glutnester der Vergangenheit sich neui nach oben arbeiten, ist es umso wichtiger, Obacht zu geben.
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#4 PetterAnonym
  • 07.05.2019, 18:33h
  • Wir brauchen endlich mehr Aufklärung an Schulen (Ländersache) und volle rechtliche Gleichstellung (inkl. Art. 3 GG) (Bundessache) als Zeichen, dass Diskriminierung nicht mehr geduldet wird.

    Wenn das mit Union und SPD nicht zu machen ist, müssen eben andere Parteien ran.
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#5 TheDadProfil
  • 07.05.2019, 22:34hHannover
  • Antwort auf #3 von Homonklin44
  • ""Im Moment, indem man das Motiv in der Anzeige wählt, outet man sich - will nicht jeder, wenn Polizisten eventuell auch gemeinsame Bekannte über 3 Ecken rum haben könnten.""..

    Du lebst im Kopf in den Sechzigern..
    Inzwischen hat es Kontakt-Beamte für LGBTTIQ*-Menschen..
    Oft selbst Schwul oder Lesbisch gehen die auch begleitend mit..
    Anzeigen kann man sowohl anonym, als auch nicht anonym auch Online erstatten..

    ""Jemand anzuzeigen, der einen Schwuchtel oder Arschficker genannt hat? Und wenn man das jedes Mal machte, müsste die Polizei 500 neue Stellen besetzen, und wer übernimmt dann die wirklich ernsthaften Fälle? ""..

    Facepalm..

    Das SIND die ""wirklich ernsthaften Fälle""..

    Und wenn es dazu 500 NEUE Stellen braucht werden sich die Kolleg*innen bei der Polizei gegen die Aufstockung des Personals garantiert nicht wehren !
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#6 stromboliProfil
  • 08.05.2019, 10:02hberlin
  • Antwort auf #5 von TheDad
  • ich denke nicht die polizei ist da das eigentliche problem was die strafverfolgung solcher übergriffigen hassmenschen anbelangt , sondern die justiz!
    Ausgehend von staatsanwaltschaften die das überhaupt erst zu verfahren werden lässt oder oft wegen geringfügigkeit einstellt und natürlich auch die richterschaft, die dann die trosturteile sprich "bewährungsauflagen sprechen, die den opfern hohn spricht.

    Polizei selbst ist nur büttel des staates.
    Allenfalls bürgerwilliger büttel, aber niemals interessenvertreter der betroffenen.
    Da müssen die sogar "neutral" sein um die ermittlungen nicht zu gefährden und der rechtsanwaltschaft deren steilvorlagen für verfahrensfehler zu bieten.
    Und dann sollten wir nicht das lauernde gespenst "Hanibal" vergessen. Jene sich als braune schutzstaffel verstehenden rechtsgewickelten innerhalb des polizeiapparates, die mittlerweile den polizeidienst infiltrieren.
    Ausser der kriminalpolizei so sie nicht mit "politischen straftaten beschäftigt, würd ich dem sich dort sichtbar werdendem "staat im staate" - bestehend aus bürgerkriegtrainiernden bereitschaftspolizisten , politisch wie auch zwischenmenschlich nicht über den weg trauen!
    Und da fangen für mich die "vertrauensprobleme denn auch an.
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#7 HyenadykeProfil
  • 08.05.2019, 10:14hKöln
  • Antwort auf #5 von TheDad
  • "Inzwischen hat es Kontakt-Beamte für LGBTTIQ*-Menschen.."
    Es gibt Kontakt-Beamt*innen für LGBTTIIQ* leider nicht überall. In Berlin auf jeden Fall, dort werden die Übergriffe ja auch gezählt und gemeldt.
    Keine Ahnung wie das in Hannover aussieht, aber hier in Köln möchte die Polizei das nicht einführen, da sie "möchte, dass alle Bürger gleich behandelt werden". Immerhin ist sie mit mit Community-Vertreter*innen im Gespräch (ja, ich bin auch dabei ...), aber leider tut sich da im Moment nicht all zu viel. An der Position "keine Extrawurst für Schwule (und dem ganzen Rest)" ändert sich aber nichts und wird sich auch absehbar nichts ändern.
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#8 berliner_bärchenAnonym
  • 08.05.2019, 14:11h
  • Ich glaube nicht, dass sich "die Politik" von sich aus für die Interessen der Community einsetzt - das müssen "wir" schon selbst machen bzw. auf uns aufmerksam machen. Das setzt voraus, dass sich möglichst viele outen auch wenn der Rollback es wieder schwieriger macht.

    Es setzt auch voraus, dass ein möglichst großer Teil der Community sich solidarisch zeigt anstatt sich selbst zu zerlegen und in sinnlosen Diskussionen verliert. Das nützt wenigen und schadet vielen.

    Trotz der Anfeindungen und Übergriffe ist ein Großteil der Gesellschaft doch eher positiv gegenüber Lesben, Bi*s und Schwulen eingestellt (bei Trans- und Intermenschen sieht das leider anders aus). Die positive Wahrnehmung gegenüber Schwulen und Lesben wurde aber nicht durch die Politik erreicht, sondern durch viele geoutete Krankenschwestern und -Pfleger, Lehrer/innen, Ärztinnen, Schriftsteller, Aktivistinnen usw., die sich täglich in die Gesellschaft eingebracht haben. Wir alle kommen aus meist heterosexuellen Familien, haben Hetero-Freunde/Freundinnen, Kollegen und Kolleginnen, Nachbarinnen usw. Da können wir Einfluss nehmen und z.B. auch auf die zunehmende Gewalt gegen LGBTI aufmerksam machen.
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