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"Es gibt keinerlei medizinische Indikation"

Weltärztebund zu Semenya: Hormonwert-Senkung ist unethisch

Der Leichtathletik-Weltverband verlangt von Caster Semenya eine Hormonbehandlung wegen zu hoher Testosteronwerte. Laut dem Chef des Weltärztebunds handeln Mediziner aber unethisch, wenn sie sich an einer solchen Art des "umgekehrten Dopings" beteiligen.


Leichtathletik-Ass Caster Semenya soll nach dem Willen des Weltleichathletikverbandes künftig nur noch mit Medikamenten im Blut bei Rennen antreten dürfen (Bild: Chell Hill / wikipedia)

Der Weltärztebund hält die vom Weltverband IAAF verlangte Hormonwert-Senkung bei intersexuellen Leichtathleten für falsch und umgekehrtes Doping. "Ein Mensch, der eindeutig primäre und sekundäre weibliche Geschlechtsmerkmale hat, ist Frau. Dieser Mensch hat aber das Glück oder Pech, mehr Testosteron zu produzieren als andere", erklärte Ulrich Montgomery, Präsident des Weltärztebundes WMA, im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag). Diese Menschen zu zwingen, so ein "inverses Doping" zu betreiben, hält er für falsch. "Daran sollten Ärzte sich genauso wenig beteiligen wie an Doping zur Leistungssteigerung", meinte Montgomery.

Nach einem Urteil des Internationalen Sportschiedsgerichts von Anfang Mai konnte die IAAF am Mittwoch eine Regel in Kraft setzen, nach der intersexuelle Frauen wie die südafrikanische 800-Meter-Olympiasiegerin Caster Semenya nur ein Startrecht erhalten, wenn sie ihren Hormonwert unter ein Limit von fünf Nanomol pro Liter Blut senken (queer.de berichtete).

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"Es ist eine absolute Gleichmacherei"

"Es gibt keinerlei medizinische Indikation. Frau Semenya ist kerngesund", sagte Montgomery. "Würde sie nicht Leistungssport betreiben, würden Sie und ich sagen, wenn wir sie auf der Straße treffen: Mensch, die ist aber herb. Ethisch gesehen, gibt es keinen Grund, in den Hormonhaushalt einzugreifen." Eine Auflage, die diesen Eingriff vorsehe, um an bestimmten Wettkämpfen teilzunehmen, halte der WMA für grundsätzlich falsch: "Es ist eine absolute Gleichmacherei."

Caster Semenya sei Frau. Sie werde im Sport als Frau anerkannt, solle aber ihre erhöhten Testosteronwerte senken, um starten zu dürfen. "Weil die dafür benötigten Medikamente in den meisten Staaten der Erde verschreibungspflichtig sind, sagen wir: Ärzte, die sich daran beteiligen, handeln unethisch", sagte der WMA-Vorstandsvorsitzende. "Wie gesagt: Das ist inverses Doping. Daran sollte ein Arzt sich nicht beteiligen." Dies sei eine rote Linie, die, "genauso wie wir sie beim Doping sehen", nicht überschritten werden dürfe.

Semenya hatte bereits erklärt, dass sie eine Hormonbehandlung als Auflage für ihre Teilnahme an Sportevents ablehne (queer.de berichtete). Ihr Verband prüft gerade, ob er gegen die Entscheidung des Sportgerichtshofs Einspruch beim Schweizer Bundesgericht einlegen soll. Auch die Anrufung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg steht der 28-Jährigen offen. (dpa/dk)



#1 thank_youAnonym
#2 PetterAnonym
  • 09.05.2019, 13:52h
  • Sehr richtig.

    Ohne medizinische Indikation in den Hormonhaushalt einzugreifen (oder andere Dinge zu manipulieren) ist nicht nur unethisch, sondern grenzt schon an Menschenversuche.

    Dass wieder mal aus dem Sport solche Ideen kommen, sagt sehr viel über den Zustand des Sports aus.

    Da muss man sich dann auch mal langsam fragen, ob immer noch Steuergelder und andere Fördermittel in etwas fließen sollen, wo solche unethischen, menschenverachtenden Dinge gefordert werden.
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#3 PetterAnonym
  • 09.05.2019, 13:54h
  • PS:
    Es ist doch auch natürlich, dass jeder Mensch anders ist.

    Beim Basketball wird doch auch niemand ausgeschlossen, weil er besonders groß ist und deshalb einen Vorteil gegenüber kleineren Spielern hat. Etc. etc. etc.

    Wenn man wirklich in jeder Sportart nur noch Leute mit gleichem Körperbau, gleichen Blutwerten, etc. gegeneinander antreten ließe, würden alle alleine antreten.
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