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"Großer Sprung"

Blutspenden: Kanada senkt Sex-Karrenzzeit für Schwule von 12 auf 3 Monate

Wenn ein homo- oder bisexueller Mann in Kanada Blut spenden will, muss er "nur" noch drei Monate auf Sex verzichten – in Deutschland sind es zwölf Monate.


Drei Monate keinen Sex und – schwups – schon gilt der gemeine Schwule als so gesund wie ein Hetero… (Bild: Matt Hecht / flickr)

Kanada will mehr schwule und bisexuelle Männer zum Blutspenden animieren und hat daher die Vorlaufzeit, in der die Spender keinen Sex haben dürfen, für diese Gruppe auf drei Monate gesenkt. Seit 2013 hatte eine Karenzzeit von zwölf Monaten gegolten, zuvor war männlichen Homosexuellen das Blutspenden generell untersagt worden (queer.de berichtete).

Mit der Neuregelung würden Diskriminierungen abgebaut, erklärte Gesundheitsministerin Ginette Petitpas am Mittwoch. "Wir machen einen großen Sprung Richtung eines fairen, evidenzbasierten Blutspendesystems, indem wir den Aufschubzeitraum auf drei Monate verringern und uns in Richtung einer auf Verhalten basierenden Überprüfung von Spendern zubewegen."

LGBTI-Aktivisten halten Karenzzeit für Diskriminierung

Für heterosexuelle Spenderinnen und Spender oder für Lesben gibt es keine Sex-Karrenzzeit, sondern hier wird vor einer Spende nach dem individuellen Verhalten gefragt. Als Grund dafür, dass Schwule anders behandelt werden, wird die durchschnittlich höhere HIV-Rate in dieser Gruppe angegeben. LGBTI- und Aids-Aktivisten fordern bereits seit Jahren, Spender nach ihrem tatsächlichen Risikoverhalten zu beurteilen und nicht nach ihrer sexuellen Orientierung. Die Deutsche Aids-Hilfe argumentiert etwa, dass "viele Heterosexuelle zumindest zeitweise höhere Infektionsrisiken" aufweisen würden als Schwule.

In Deutschland dürfen seit 2017 schwule und bisexuelle Männer nur Blut spenden, wenn sie versichern, zwölf Monate lang keinen Sex mit einem Mann gehabt zu haben (queer.de berichtete). Der Lesben- und Schwulenverband kritisierte, dass diese Regelung realitätsfremd sei, weil niemand ein Jahr auf Sex verzichte, um Blut zu spenden (queer.de berichtete).

In Europa wird der Status Homosexueller beim Blutspenden höchst unterschiedlich geregelt: Sieben der 28 EU-Staaten, darunter auch Österreich, verbieten etwa generell die Blutspende durch schwule und bisexuelle Männer. Sechs Länder der EU betrachten hingegen nur das Risikoverhalten des Spenders und nicht dessen sexuelle Orientierung. In diesem Ländern (Bulgarien, Italien, Lettland, Polen, Portugal und Spanien) werden Homo- und Heterosexuelle also gleich behandelt. (dk)



#1 ZenkimausAnonym
  • 10.05.2019, 13:48h
  • Pech gehabt. Ich verzichte nicht auf Sex. Die Krankenhäuser sollen sich also nicht mehr aufregen.
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#2 LinusAnonym
  • 10.05.2019, 15:17h
  • Und wie lange müssen Heteros vorher auf Sex verzichten?

    Achja, gar nicht.

    So als ob HIV nur Schwule betreffen würde...
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#3 PreyAnonym
  • 10.05.2019, 16:07h
  • Antwort auf #2 von Linus
  • Das stimmt so nicht! Mädchen und Jungs die hetero sind müssen auch (wenn angegeben ist das die einen wechselnden Sexpartner hatten) mindestens 4 Wochen aussetzen .... allerdings zwischen 4Wochen und 3 Monaten ist ein unterschied ... der immernoch nicht akzeptabel ist
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#4 Jens MarderAnonym
  • 10.05.2019, 16:21h
  • Antwort auf #3 von Prey
  • Die 4 Wochen Frist gilt (zumindest beim DRK Hessen und B-W) nur für ständig wechselnde Sexpartner. Die Frist für homo- bzw. bisexuelle Männer gilt dagegen auch, wenn Sie immer mit demselben Mann Geschlechtsverkehr haben; Insbesondere gilt hier eine 12-Monate-Frist.
    Irgendwie scheint mir, dass die das Blut nicht so nötig haben, ansonsten würden sie es sich nicht leisten, so mit potentiellen Spendern umzugehen. (Noch dazu finde ich lächerlich, dass sie HIV nach 2 Wochen sicher nachweisen können*, und die Regelung schon alleine deshalb keinen Sinn macht).

    *= In aller Regel.
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#5 KmmKsAnonym
#6 TheoAnonym
  • 10.05.2019, 20:31h
  • Ich b9in selbst im DRK aktiv und helfe auch bei Blutspenden mit.
    Ist schon eine ziemliche Sauerei.
    Ich würde denen eigentlich gerne mein Blut zur Verfügung stellen, vor allem da ich weiß, dass ich eine begehrte Blutgruppe habe... tja... Pech gehabt...
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#7 Patroklos
  • 10.05.2019, 20:33h
  • Besser wäre es gewesen, diese unsägliche und sog. "Sex-Karrenzzeit" komplett abzuschaffen! Schlechte Arbeit, Kanada!
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#8 FaktencheckAnonym
  • 10.05.2019, 21:45h
  • Antwort auf #4 von Jens Marder
  • "Noch dazu finde ich lächerlich, dass sie HIV nach 2 Wochen sicher nachweisen können*, und die Regelung schon alleine deshalb keinen Sinn macht"

    Würde standardäßig jede einzelne Probe auf alle Infektionen individuell getestet, dann könnte man sich diese ganze Fragebogengeschichte (auch, was die anderen Ausschlusskriterien angeht) sparen: Alles einsammeln, egal von wem, testen, infizierte Spenden rausschmeißen, fertig. So einfach ist es aber eben nicht.

    Blutspenden werden, so weit ich das weiß (aber meine Infos sind drei oder vier Jahre alt), NICHT INDIVIDUELL auf HIV getestet, sondern in sogenannten Pools von bis zu 100 zusammengemischten Proben. Wird ein Pool positiv getestet, weil mindestens eine Probe positiv ist, müssen alle hundert Spenden gesperrt und dann in kleineren Pools getestet werden, bis man die individuellen positiven Proben gefunden hat. Jede gesammelte positive Spende kostet deshalb zusätzliches Geld und Zeit. Das ist einer der Gründe, weshalb man versucht, von vornherein möglichst viele auch nur EVENTUELL positive Spenden auszusondern, selbst wenn man alle positiven Spenden mit extrem hoher Sicherheit aussondern kann.

    Ich will damit nicht sagen, dass ich den Ausschluss sinnvoll finde. Vermutlich spielen neben der Kostenfrage auch Vorurteile eine Rolle. Es schadet aber nicht, alle Fakten zu kennen, die in solche Entscheidungen hineinspielen.
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#9 MatzedoAnonym
  • 11.05.2019, 08:16h
  • Antwort auf #4 von Jens Marder
  • >(Noch dazu finde ich lächerlich, dass sie >HIV nach 2 Wochen sicher nachweisen >können*, und die Regelung schon >alleine deshalb keinen Sinn macht).
    >
    >*= In aller Regel.

    Das ist doch gerade genau das Problem: Erst wird gesagt, man kann eine Infektion sicher ausschließen, dann wird die Aussage mit einem * Relativiert.

    Der normale HIV Test hat eine diagnostische Lücke von drei Monaten.
    Ich möchte niemanden, der eine Bluttransfusion erhalten hat erklären, dass er nun HIV Positiv ist, weil das Blut nur "in aller Regel" frei von HIV ist...

    Die Sicherheit sollte hier vorgehen, daher ist meiner Meinung nach eine Frist von zwei Wochen viel zu kurz.

    Darüber hinaus denke ich zwar, dass alle Spendergruppen grundsätzlich gleich behandelt werden sollten, jedoch ist es statistisch auch eindeutig, dass der Anteil von HIV positiven bei MSM am höchsten ist in der Gesellschaft!
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#10 DKMPAnonym
  • 11.05.2019, 11:26h
  • Antwort auf #9 von Matzedo
  • Wenn Du mit dem "normalen HIV-Test" den herkömmlichen Labortest meinst, dann hat der zwischenzeitlich nur noch eine diagnostische Lücke von 6 Wochen.

    Bei den Schnelltests sind es drei Monate.
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