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Türkei

Ankara: Festnahmen bei queerer Uni-Demo

Mindestens 25 Personen wurden bei einer vom Rektor untersagten "Pride Parade" festgenommen. Die Polizei setzte Tränengas und Gewalt ein.

Wenige Wochen nach der Aufhebung des allgemeinen Verbots queerer Veranstaltungen in Ankara durch ein Gericht hat die Polizei am Freitag eine Pride-Kundgebung von Studenten gewaltsam unterbunden.

Twitter / etkinhaberajans

Mindestens 17 Teilnehmer der neunten "METU LGBTI + Pride Parade" wurden zu Beginn der Veranstaltung festgenommen, als sie Forderungen verlesen wollten. Auf Videos ist zu sehen, wie die Polizei Tränengas und Pfefferspray einsetzt. In einem Video sind möglicherweise Gummigeschosse zu hören – einige Twitter-Accounts berichten von einer Kopfverletzung, die ein Student durch sie erlitten habe. Über der Technischen Universität schwebte ein Polizei-Helikopter.

Twitter / etkinhaberajans

Ein weit verbeitetes Video zeigt mutmaßlich, wie ein Polizist mehrfach auf einen Studenten einschlägt. Aktuell halten Studenten eine Protest-Veranstaltung in einem Hörsaal ab und verlesen an mehreren Stellen des Campus ihre Forderungen. Die Situation ist weiter angespannt. Gegen 19.15 Uhr deutscher Zeit, rund zwei Stunden nach den ersten Meldungen, liegt die Zahl der Festgenommenen bei mindestens 25 – neben Studenten wurde offenbar auch ein Dozent festgenommen.

Twitter / dokuz8haber | Festnahme eines Dozenten

Am späten Abend wurden alle Festgenommenen offenbar freigelassen – und von Freunden und Unterstützern empfangen.

Twitter / KaosGL

Der Rektor der Universität hatte die Pride-Veranstaltung zuvor verboten. Bereits in den Vorjahren hatte er mehrfach LGBTI-Veranstaltungen untersagt, die von den Studenten dennoch friedlich durchgeführt wurden.

Twitter / dokuz8haber | An mehreren Stellen des Campus lesen Studenten und Studentinnen aktuell ihre Forderungen vor

In den letzten Jahren waren in der Türkei fast alle Pride-Demonstrationen verboten und teilweise mit enormer Polizeigewalt und Festnahmen unterbunden worden, darunter in den letzten vier Jahren der zuvor sehr erfolgreiche CSD in Istanbul sowie der Trans-Pride der Stadt (queer.de berichtete). Zugleich konnten manche Proteste, etwa zum Internationalen Tag gegen Homo- oder Transphobie, mehrfach ungestört stattfinden. Erst vor rund einer Woche gab es in mehreren Städten friedliche LGBTI-Proteste zum 1. Mai.

Twitter / KaosGL

In Ankara hatte der von der Erdogan-Regierung bestimmte Gouverneur im Herbst 2017 ein Komplett-Verbot von queeren Veranstaltungen erlassen, als Reaktion auf ein deutsch-türkisches LGBTI-Filmfestival, in dem unter anderem der deutsche Film "Romeos" gezeigt werden sollte. Im April hob ein Gericht die Entscheidung auf (queer.de berichtete). (nb)

mehrfach aktualisiert

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#1 PeerAnonym
  • 11.05.2019, 09:03h
  • Und wieder mal zeigt sich, dass dieser Staat nicht in die EU gehört. Übrigens nicht nur politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich, sondern auch geographisch, da die Türkei zu weniger als 3% auf europäischem Boden liegt und zu mehr als 97% in Asien.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 goddamn liberalAnonym
  • 11.05.2019, 09:55h
  • Antwort auf #1 von Peer
  • Das ist historisch und politisch dummes Zeug.

    Es ist schon ziemlich infam, an einen Bericht, der den mutigen Widerstand gegen das reaktionäre Erdogan-Regime zeigt, zu behaupten, die Türkei gehöre grundsätzlich nicht in die EU.

    Der Widerstand der säkularen Türken gegen Erdogan ist jedenfalls konsequenter als der Widerstand in Ungarn gegen Orban.

    Die Kommunalwahlen in den großen Städten haben einen Trend gezeigt, der sich auch unter jungen Türk*innen zeigt, wo 60% der Frauen sagen: "Ich bedecke mich auf keinen Fall" und ebensoviele sich in der Tradition Atatürks Europa zugehörig fühlen.

    Wie die wohl einen solchen blauäugigen 'Journalismus' bewerten?

    www.bento.de/politik/rassismus-im-alltag-also-am-haeufigsten
    -hoere-ich-kopftuchschlampe-a-7083942e-ed1e-4d7d-845b-f19274
    09f64c#refsponi


    Fazit: Ob die Türkei in die europäische Zivilisation gehört, wird die Zukunft zeigen. Dasselbe gilt für Deutschland, in dem romantische Zivilisationsverweigerung leider eine lange Tradition hat.
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#3 Carsten ACAnonym
  • 11.05.2019, 10:53h
  • Antwort auf #2 von goddamn liberal
  • Ja, der Widerstand ist löblich, aber den gibt es auch erst, seitdem die Wirtschaft den Bach runter geht. Offenbar geht es denen nur um ihre wirtschaftliche Situation.

    Und nach wie vor weiß die Regierung die überwältigende Mehrheit der Bürger hinter sich.

    Und Fakten wie die geographische Lage sind ja eh unabhängig davon.

    Wir haben genug Homohasser in der EU, da müssen nicht noch mehr hinzukommen.
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#4 goddamn liberalAnonym
  • 11.05.2019, 11:06h
  • Antwort auf #3 von Carsten AC
  • Nein, hier geht es nicht nur um Wirtschaft, sondern um einen schon sehr alten und harten Kulturkampf, bei dem sich die Gewichte langsam in Richtung Modernismus verschieben. Von dem allerdings die deutsche Orientromantik und Multi-Kulti-Schwärmerei nichts wissen will.

    "A 2015 poll by Ipsos found that 27% of the Turkish public was in favor of legalizing same-sex marriage, while 19% preferred civil unions instead.[51] 25% of those surveyed were against any form of legal recognition for same-sex couples and 29% stated that they didn't know which option to choose." (wiki)

    Da ist viel Luft nach oben, aber es ist besser als in vielen Ländern Osteuropas.
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#5 YannickAnonym
  • 11.05.2019, 12:41h
  • Antwort auf #4 von goddamn liberal
  • Wir müssen uns entscheiden, ob die EU wirklich eine EUROPÄISCHE Union sein soll oder irgendein weltweites Wirtschaftsbündnis. Für mich sollte es sich auf Europa beschränken und da gehört ein Staat der zu fast 98 Prozent in Asien liegt eben nicht dazu. Punkt.

    Und wie Du schon richtig sagst:
    die immer mehr nach rechts driftenden, teils extrem homophoben Staaten Ost-Europas schaden der EU schon genug. Wieso sollte man dann auch noch die Türkei aufnehmen?
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#6 vulkansturmAnonym
  • 11.05.2019, 12:45h
  • Antwort auf #3 von Carsten AC
  • Bitte keine objektiv fälschen Behauptungen. Angeblich hat die türkische Regierung die "überwältigende Mehrheit" der türkischen Bevölkerung hinter sich. Tatsache ist, dass es Erdogan trotz Gleichschaltung der Medien, trotz der Einschüchterung von Oppositionellen seit Jahren nur noch mit viel Mühe gelingt, eine sehr knappe Mehrheit der Bevölkerung hinter sich zu vereinen. Im Mai 2015 verlor er sogar seine parlamentarische Mehrheit, die er nur deswegen im November 2015 wieder erlangte, weil er auf die Eskalation der Kämpfe im kurdischen Osten setzte. Und selbst jetzt braucht er im Parlament die Unterstützung der nationalistischen MHP.
    Allein hat die AKP keine Mehrheit im Parlament mehr. Dazu jetzt der Verlust der Großstädte bei den Kommunalwahlen. Also eine "überwältigende Mehrheit" sieht anders aus.
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#7 Carsten ACAnonym
  • 11.05.2019, 13:03h
  • Antwort auf #4 von goddamn liberal
  • Nur weil es in den Großstädten auch ein paar aufgeschlossene Menschen gibt, heißt das noch lange nicht, dass die Mehrheit auf dem Land das ebenso sieht.

    Und nach wie vor gibt es Ehrenmorde, wo selbst liberalere Kräfte wegsehen.

    Auch interessant, dass niemand auf das Thema eingeht, dass das gar kein europäischer staat ist.
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#8 goddamn liberalAnonym
#9 TomDarkProfil
  • 11.05.2019, 14:29hHamburg
  • Antwort auf #3 von Carsten AC
  • Eine ablehnende Haltung gegenüber Erdogan gab es bei seinen Kritikern schon vor der Rezession. Das hat damit nichts zu tun.

    Ausserdem ist die türkische Mentalität längst nicht so homophob wie z. B. die in Ungarn oder Polen oder in anderen Bewerberstaaten wie Serbien oder Albanien.

    Solche Gründe in den Vordergrund zu stellen, finde ich fadenscheinig.

    Es geht eher darum, dass die meisten kein muslimisches Land in der EU haben wollen.
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#10 TheDadProfil
  • 12.05.2019, 14:26hHannover
  • Antwort auf #1 von Peer
  • ""Und wieder mal zeigt sich, dass dieser Staat nicht in die EU gehört.""..

    Und wieder nur diese absolut doofe Idee, in die EU gehören nur Staaten die in Europa liegen würden..

    Dann schließen wir als MORGEN Zypern wieder aus ?
    Denn das liegt VOLLSTÄNDIG in Asien !

    ""Übrigens nicht nur politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich, sondern auch geographisch,""..

    Die Geographie ist vollständig unerheblich !
    Die gesellschaftliche Situation korreliert und korrespondiert mit der politischen Situation der Türkei, die derzeit von Erdogan bestimmt wird..

    Doch bislang hat noch kein Staatschef oder Diktator 1.000 Jahre die Geschicke eines Staates gelenkt..
    Von "nie und nimmer" zu sprechen entbehrt also jeder Grundlage, und die Idee die Türkei darf nicht in die EU weil sie einen Erdogan hat, missachtet nicht nur die Opposition in der Türkei, sondern auch die Bevölkerung !

    Wirtschaftlich IST die Türkei als ein Staat der sich in einer Zoll-Union mit der EU befindet, übrigens im Gegensatz zu dem was man dem Brexit-willigem Großbritanien nicht zugestehen will, bereits "Teil der EU", denn die Türkei wickelt 80 Prozent ihres Außenhandels mit der EU ab, und davon wiederum 60 Prozent dieser 80 Prozent allein mit der BRD !

    Wirtschaftlich gesehen ist die Türkei gar nicht mehr herauszurechnen, und das unabhängig davon, ob das Leuten wie Dir gefällt, oder nicht..

    Was hier dann in Ankara passiert macht vor allem deutlich, daß sich die BÜRGER-BEWEGUNGEN nicht nur von LGBTTIQ*-Menschen immer mehr von Istanbul weg auf die gesamte Türkei ausweiten..
    es macht aber auch zusammen mit den Kommunal-Wahlen deutlich daß sich die Bevölkerung immer mehr vom Autokraten Erdogan distanziert..

    Die Aufhebung des Wahl-Ergebnisses bei den Bürgermeister-Wahlen in Istanbul erfolgte dann auch unter der Begründung, die Wahl sei ungültig weil nicht ALLE Wahlhelfer*innen Beamte des Staates gewesen sein sollen..

    Dementsprechend hat nun der CHP-Kandidat für das Bürgermeister-Amt in Istanbul seinerseits beantragt die Wahl Erdogans zu annullieren, denn auch bei seiner Wahl seien nicht alle Wahlhelfer*innen Beamte des Staates gewesen, und der Begründung nach ist diese Wahl dann auch ungültig und muß wiederholt werden..

    Schlage den Gegner mit seinen eigenen Waffen..
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