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Ab Donnerstag im Kino

Frauen zwischen Überwachung, Verfolgung und Macht

Das Drama "Der Boden unter den Füßen" über die Beraterin Lola, ihre Freundin und Chefin Elise sowie ihre Schwester Conny in der Psychiatrie ist in der selbstverständlichen Darstellung einer lesbischen Beziehung vorbildlich.


Unternehmensberaterin Lola jettet von Wien nach Rostock, wo sie mit ihrer Lebensgefährtin Elise an einem Projekt arbeitet. In Wien ist ihre Schwester Conny nach einem Selbstmordversuch in der Psychiatrie (Bild: Edition Salzgeber)
  • Von Fabian Schäfer
    13. Mai 2019, 07:19h, noch kein Kommentar

"Ich kann jetzt nicht telefonieren, ich rufe dich später zurück." Ein Satz, den Lola (Valerie Pachner) immer wieder zu ihrer Schwester Conny (Pia Hierzegger) sagt. Lola eilt von Besprechung zu Besprechung, Meeting da, Kundengespräch hier. Die Unternehmensberater lebt in einer Welt der Conference Calls, Forty-Eight-Schichten und Associate Principles. Eine sterile Welt, farblos, anonym, ergebnisorientiert. Die immer gleichen Hotelzimmer, Aufzüge, Flughäfen. Nicht-Orte.

Ihre Schwester dagegen ist nach einem Suizidversuch in einer Wiener Psychiatrie. Genauso farblos, weiß, schmucklos. Sie werde stundenlang fixiert, bekomme keine Mahlzeiten, nur Verrückte hier, erzählt Conny am Telefon. Dabei kann sie auf der geschlossenen Abteilung gar nicht telefonieren, teilt die Krankenschwester mit.

Von Karriere und Schizophrenie


Poster zum Film: "Der Boden unter den Füßen" startet am 16. Mai 2019 im Kino

Lola kommt nicht mehr mit ihrer paranoid-schizophrenen Schwester zurecht, von der niemand erfahren darf. Schwäche, Stress und Belastung gehören zwar zur Beraterwelt, sie zu zeigen jedoch nicht. Sie kümmert sich um ihre Schwester wie um Zahlen: Schnell und pragmatisch – und doch wird deutlich, dass sie von ihrem Schicksal mitgenommen wird. Ihr passieren Fehler, sie kommt zu spät, ihre Beziehung zu Elise (Mavie Hörbiger) – auch noch ihre Vorgesetzte – leidet.

Überhaupt, diese Beziehung. Die fast ausschließlich in Hotels stattfindet. Die im Kollegenkreis zwar bekannt ist, Lola und Elise aber trotzdem diskret leben. Richtig glücklich wirken die beiden selten, die Arbeit bestimmt jede Konversation.

Die österreichische Regisseurin Marie Kreutzer bringt mit "Der Boden unter den Füßen" einen Film ins Kino, wie man ihn sich aus queerer Sicht wünscht: Die lesbische Beziehung wird nie problematisiert, sondern ist stattdessen selbstverständlicher und nicht bestimmender Teil der Handlung.

Zutiefst Foucaultsche Themen

Marie Kreutzer gibt Einblicke in zwei Welten, die mehr miteinander zu tun haben, als es auf den ersten Blick scheint: Überwachung – ob durch Personal in der Psychiatrie oder das ständig klingelnde Smartphone – genauso wie Verfolgung, Druck, Medikamente, Gesundheit, Macht, zutiefst Foucaultsche Themen.

Diese Parallelität wird auch visuell deutlich, verstärkt durch die sparsam, aber sorgfältig eingesetzte Musik. Leider verfängt sich Regisseurin und Drehbuchautorin dabei allzu oft in klischeehaften Darstellungen. Ein Blick über den Tellerrand der althergebrachten Bilder wäre erfrischend gewesen.


Zwei Welten treffen aufeinander, die mehr miteinander zu tun haben, als es auf den ersten Blick scheint (Bild: Edition Salzgeber)

Weniger stereotyp sind dagegen die drei Frauen, die alleine die Handlung vorantreiben. An sich schon grundverschiedene Charaktere, die durch ihre verschiedenen Rollen authentisch statt vorhersehbar werden. Lola, Karrierefrau und fürsorgliche, aber effektive Schwester, Elise, Liebhaberin und Vorgesetzte, Conny, genauso leidend wie berechnend-intelligent.

"Der Boden unter den Füßen" ist ein solides Drama, trotz inhaltlicher Schwächen und Längen vor allem aufgrund der Darstellerinnen sehenswert, und nimmt in der selbstverständlichen Darstellung der lesbischen Beziehung eine Vorbildfunktion ein.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film

Infos zum Film

Der Boden unter den Füßen. Drama. Österreich 2019. Regie: Marie Kreutzer. Darsteller: Valerie Pachner, Pia Hierzegger, Mavie Hörbiger, Michelle Barthel, Marc Benjamin, Axel Sichrovsky, Dominic Marcus Singer, Meo Wulf. Laufzeit: 108 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. Verleih: Edition Salzgeber. Kinostart: 16. Mai 2019