https://queer.de/?33600
Tel-Aviv-Update
Eurovision sendet schwule Küsse um die Welt
Mit einer Kiss-Cam zu einem Auftritt von Dana International verbreitete der Song Contest am Dienstag Liebe für alle – bevor die ersten Länder aus der Show flogen.

Dana International und die Kiss-Cam
- 15. Mai 2019, 08:33h 3 Min.
Beim ersten Halbfinale des 64. Eurovision Song Contests am Dienstag aus Tel Aviv sorgte der gastgebende israelische Staatssender KAN für einige queere Momente. So sprach während der Sendung erstmals ein ESC-Moderator mehrfach sein eigenes Schwulsein an, etwa, indem er an einer Stelle von seinem Mann sprach.
Assi Azar ist eines der bekanntesten Gesichter des Landes, so moderiert er auch den israelischen Vorentscheid und kreierte die israelische Hitserie "Beauty and the Baker". Der 39-Jährige, der seine ESC-Gage für ein queeres Jugendprojekt spendet, moderierte auch den Gastauftritt von Dana International während der Punkteauszählung mit persönlichen Gedanken an.
|
Als die Transsexuelle 1998 den Eurovision Song Contest gewann, sei er als 20-Jähriger noch "tief im Schrank" gewesen, so Azar. Doch Dana habe Millionen gezeigt, wie man sich gut damit fühlen könne, wer man ist. Die 50-Jährige sang dann "Just The Way You Are" von Bruno Mars, wozu eine Kiss-Cam eingesetzt wurde, die mehrere gleichgeschlechtliche Küsse ebenso wie heterosexuelle einfing. "Liebe ist Liebe", so die Sängerin.

Die Gewinner des ersten Semis
Wie bei früheren Contests waren zwischenzeitlich mehrfach einige Regenbogenflaggen im Publikum zu sehen – die isländische BDSM-Truppe Hatari schwenkte später ebenfalls eine im Green Room und dann, nach dem Weiterkommen ins Finale, auch auf der Bühne.

Homo-Propaganda: Die Küsse waren auch im russischen Fernsehen zu sehen
Zehn Finalisten ausgewählt
Bei der aufwändig inszenierten Show aus der Expo Tel Aviv schafften Zypern, Slowenien, Tschechien, Weißrussland, Serbien, Australien, Island, Estland, Griechenland und, als größte Überraschung, San Marino den Einzug ins Finale. Unter anderem Polen und Ungarn schieden aus.
|
Die israelische Popsängerin Netta Barzilai hatte das Halbfinale mit ihrem Song "Toy" eröffnet, mit dem sie im vergangenen Jahr beim ESC in Portugal gesiegt hatte. Im zweiten, als stärker eingeschätzten Halbfinale am Donnerstag treten mehrere Favoriten von Wettbüros und Fans an, darunter die Niederlande, Schweden und Russland. Deutsche TV-Zuschauer dürfen dabei mit abstimmen. Während der deutsche Beitrag von S!sters als chancenlos gilt, haben laut Wettbüros aus den direkt fürs Finale am Samstag gesetzten Big-5-Ländern auch Frankreich und Italien eine Chance auf den Sieg. Aus dem ersten Halbfinale werden Island und zuletzt auch Australien Chancen eingeräumt.
|
Madonna gelandet – Auftritt noch offen
Derweil ist Popstar Madonna in der Nacht zum Mittwoch in Israel angekommen. Das berichtet das israelische Fernsehen, das trotz mancher Medienspekulationen weiter von einem Auftritt der Sängerin beim Eurovision-Finale am Samstag ausgeht. Dort soll sie während der Stimmauszählung zwei Songs darbieten.
Die 60-Jährige sei demnach in einem Privatjet des israelisch-kanadischen Geschäftsmanns Sylvan Adams gelandet, der ihr auch die berichtete Gage in Höhe von rund 1,3 Millionen Dollar (umgerechnet rund 1,15 Millionen Euro) zahle. Madonna habe ein Team von mehr als 130 Leuten und rund 30 Tonnen Ausrüstung dabei.
Offiziell ist weiter unklar, ob der Superstar wirklich in der Sendung auftreten wird. Bei der jährlichen Pressekonferenz der Show-Verantwortlichen hatte der Eurovision-Produktionsleiter Jon Ola Sand am Montag auf Nachfrage betont, dass bislang kein Vertrag mit der EBU und Israels Staatssender KAN unterzeichnet wurde und ohne diesen kein Auftritt erfolge. Er klang dabei für seine Verhältnisse leicht gereizt.
Unglück und Cyber-Angriff überschatten Halbfinale
Derweil ist der Song Contest von einer Tragödie überschattet worden: Bei den Aufbauarbeiten auf dem Expo-Gelände war am Montag ein Lastwagenfahrer schwer verletzt worden, als er Ausrüstung aus seinem Fahrzeug lud. Das Ichilov-Krankenhaus in Tel Aviv teilte am Mittwoch mit, der 66-jährige Mann sei gestorben.
Der israelische TV-Sender KAN wurde während des ersten Halbfinales Ziel eines Cyber-Angriffes. Nutzer des nationalen Livestreams sahen zwischenzeitlich für einige Minuten nicht die Bilder aus der Halle, sondern anti-israelische Botschaften und Drohungen. Die nationale und internationale TV-Übertragung wurde davon nicht beeinträchtigt. (nb)












Denn das Finale erreicht ja viel mehr Zuschauer und Aufmerksamkeit als die Semi-Finals.