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Grand Prix in Tel Aviv

Eurovision-Finale 2019: Das sind alle Teilnehmer

Unser Song-Contest-Experte Jan Gebauer stellt die 26 Songs der Show aus Israel vor und tippt, welche Länder bei der Jury und den Zuschauern punkten können.


Gelten als Favoriten in kaum vorhersagbaren Jahrgang (2 mal v.l.n.r.): Kate Miller-Heidke (Australien), Hatari (Island), Luca Hänni (Schweiz), Mahmood (Italien), Bilal Hassani (Frankreich) und John Lundvik (Schweden). Ebenfalls in den Top 10 der Wettbüros: Niederlande (auf Platz 1), Aserbaidschan, Russland und Norwegen. Alle Bilder: EBU

Ab 21 Uhr ist es im Ersten wieder soweit: Bühne frei für den 64. Eurovision Song Contest, der nach dem Sieg von Netta ("Toy") im letzten Jahr dieses Mal in Tel Aviv stattfindet. Auf eurovision.de gibt es die große Show auch als Webstream. Das von vielen sehnsüchtig erwartete Highlight: Zu den Pausenacts neben ESC-Gewinnern wie Conchita Wurst, Verka Serduchka oder Dana International zählt keine Geringere als Madonna. Die Homo-Ikone soll für zwei Lieder über eine Million US-Dollar und damit eine riesige Bühne für den Klassiker "Like a Prayer" und eine ihrer schwach laufenden neuen Singles erhalten.

Direktlink | 10-Minuten-Überblick: Alle Songs in der Startreihenfolge

Doch zuvor müssen die 26 Teilnehmer im Wettbewerb singen – live und ohne Playback. Hier unsere subjektive Übersicht aller Beiträge, hinter dem jeweiligen Songtitel verbirgt sich ein Link zum Musikvideo:


1. Malta: Michela – "Chameleon"



Keine weinte so herzzerreißend wie die kleine Michela, die als letzte Finalteilnehmerin im zweiten Halbfinale aufgerufen wurde. Verständlich, hatte sie doch gerade in der ersten Minute ordentlich Nerven gezeigt und zittrig die Töne versemmelt. Dabei ist ihr topmoderner Song mit originellem Drop eine starke Nummer, wie geschaffen für die Eröffnung des Finales.

Prognose: Mädchen, reiß dich zusammen, sonst wird das nichts mit der vorderen Hälfte.


2. Albanien: Jonida Maliqi – "Ktheju Tokës"



Schreihals oder Inbrunst? Das Weiterkommen der Albanerin war für manche am Donnerstag eine Überraschung. Dicke Lippen und großes Dekolleté, stechende Blicke und ganz viel Ethno-Drama: Ihre feurige Message an die Albaner in ganz Europa, endlich heimzukehren, wird überzeugend dargeboten.

Prognose: Die albanische Diaspora ist gut vernetzt und infiltrierte online schon einige Abstimmungen. Vergeblich, Jonida wird unterhalb der Top 20 durchgereicht.

 
3. Tschechien: Lake Malawi – "Friend Of A Friend"



Bunt, locker und smart. Die tschechischen Indie-Popper von Lake Malawi bringen frischen Wind auf die ESC-Bühne und lassen die vorherige Schwermut schnell vergessen. Die putzigen Jungs verzücken die Mädchen – und sicher auch Jungs – Europas, verschrecken aber auch Omi und Mutti nicht. Und sie haben einen catchy Ohrwurm! In der zweiten Hälfte kommt Video-Clip-Atmosphäre auf.

Prognose: Die hätten wir gerne als Freunde. Dann könnten wir zusammen einen Top-10-Platz feiern.


4. Deutschland: S!sters – "Sister"



Zwei talentierte Sängerinnen, ein solider Song und ein Nichts an Show. Selbst San Marino steht in den Wetten vor uns. Ein gerade veröffentlichtes Video mit Starpianist Lang Lang reißt es wohl auch nicht mehr raus. Traurige Randnotiz: Der Beitrag ist seit 2003 der erste, der noch nicht einmal die Top 100 der deutschen Single-Charts erreichte.

Homo-Faktor: In den ersten Proben gab es noch lesbische Liebe auf dem LED-Hintergrund, sendete aber wohl eine verwirrende oder falsche Message. Peinlich: Die Allerweltsbilder stammten aus bekannten Foto-Datenbanken (queer.de berichtete).

Prognose: Wetten, Kritiken und Fans sind sich einig: Letzter Platz wir kommen!


5. Russland: Sergei Lasarew – "Scream"


Drei Minuten "Russland will gewinnen" – mit aller Macht. Sergei beeindruckte 2016 mit seiner Show – weniger mit dem Song. Dieses Jahr ist der Titel zwar besser – eine Art Musical-Schnulze – und Sergej singt im Spiegelkabinett alles in Scherben, aber ansonsten werden sich die Russen vor allen Dingen auf ihr gutes Netzwerk in ganz Europa verlassen müssen.

Homo-Faktor: Sergei wurde in der letzten Zeit in der Heimat zunehmend homophob angegangen (queer.de berichtete). Der in ganz Osteuropa als Superstar geltende Sänger thematisiert Homophobie und die Lage von LGBTI in Russland zugleich immer häufiger und kritischer, diese Woche etwa in einem Interview mit dem russischsprachigen Dienst der BBC. So wird er zu einer wichtigen Stimme der Szene, der er mehrfach Konzerte gab.
In Tel Aviv hat Sergei wieder Komponist und Klemmschwester Filipp Kirkorow an seiner Seite. Der legte sich angeblich direkt mit Madonna an. Sie wollte eine ganze Hoteletage, er aber nicht sein Zimmer räumen. Zickenalarm!

Prognose: Singt vorne mit, aber ein Sieg ist nicht drin, vor allen Dingen nicht bei der schwierigen Startnummer.


6. Dänemark: Leonora – "Love Is Forever"


Da geht nicht nur auf der Bühne die Sonne auf. Dieses sympathische Mädchen schunkelte sich mit ihren Begleitern vor allen Dingen in die Herzen ESC-Fans hierzulande, denn immerhin ein Satz – "Liebe ist für alle da" – wird auf Deutsch gesungen. Ein sympathischer, sommerlicher Beitrag.

Prognose: Mehr als das Mittelfeld wäre eine riesige Überraschung.


7. San Marino: Serhat – "Say Na Na Na"


Aus dem Wettentief ins Finale – die Sensation des ersten Halbfinals. Und jetzt liegt Serhat, der als Türke bereits 2016 den Zwergstaat vertrat, sogar vor Deutschland in den Prognosen. Er ist komplett schmerzfrei, unsere Ohren leider nicht: Gesanglich eine der schaurigsten Leistungen der jüngsten ESC-Geschichte. Immerhin gibt es mit diesem Lied die letzte Schlagerbastion im Finale.

Prognose: Könnte unseren S!sters glatt den letzten Platz streitig machen.


8. Nordmazedonien: Tamara Todevska – "Proud"


Eine der besten Sängerinnen im Finale, die ebenso wie unsere S!sters eine Frauenhymne am Start hat. Tamaras Gesang ist jedoch beeindruckender. Die vom Russen entliehenen Spiegel hätte sie sich freilich sparen können, denn ihre insbesondere in den leisen Momenten überzeugende Ballade hat keine Gimmicks nötig.

Prognose: Hätte vor 30 Jahren abgeräumt, doch die Zeit der großen, klassischen Klavierballaden ist einfach vorbei.


9. Schweden: John Lundvik – "Too Late For Love"


Geile Oberarme! Dieser attraktive wie stimmgewaltige Mann gehört seit Monaten unangefochten zu den Favoriten des Wettbewerbs. Mit seinen genialen Gospel-Mamas bietet er fett produzierten Radio-Pop, wie geschaffen für alle Hausfrauensender. Zeitlos schön, aber auch extrem professionell und schon fast eine Ecke zu perfekt.

Prognose: Die Jurys werden es lieben! Reife Menschen ab 30 greifen beherzt zum Hörer. Reicht das fürs Treppchen?


10. Slowenien: Zala Kralj & Gašper Šantl – "Sebi"


Es sprühen Funken, wenn sich Zala und Gašper sanft zu ihrem entspannten, in Slowenisch gesungenen Chill-out-Titel umgarnen. Das Lied fällt total aus dem Rahmen – die Inszenierung ist schön und stimmig. Ob das Publikum vor den Fernsehern bereits bei Lied zehn in Kuschel- oder in Schlafstimmung ist?

Prognose: Von ganz hinten bis ganz vorne ist alles drin. Ein schwer einzuschätzendes Dark Horse!


11. Zypern: Tamta – "Replay"


Ein echter Top-Star: In Griechenland und Zypern! Musikalisch ist diese Dance-Nummer sehr heutig. Viele falsche Töne und ein grausiges Lack-Domina-Outfit mit Overknees lassen jedoch Zweifel an Tamtas Können und Geschmack aufkommen.

Homo-Faktor: Sieht aus wie eine schamlose Madonna-Kopie – die kratzt ihr hinter der Bühne erst mal ordentlich die Augen aus.

Prognose: Gegen Eleni Foureira im Vorjahr sieht Tamta ziemlich alt aus – landet in der zweiten Tabellenhälfte. Aber der Barbara-Dex-Award ist ihr sicher.


12. Niederlande: Duncan Laurence – "Arcade"


Gelingt es den Niederländern erstmals seit 1975 wieder den ESC zu gewinnen? So gut standen die Chancen seitdem noch nie. "Arcade" ist eine starke, moderne Ballade, die gefühlvoll ist, aber ohne Kitsch auskommt. Blöd: Die Totale im Halbfinale brauchte eine Minute, um den hervorragend singenden Duncan einzufangen. Dafür ist sein Abgang umso schöner.

Homo-Faktor: Duncan, der im Musikvideo viel Haut zeigt, ist offen bisexuell und derzeit mit einem Mann liiert.

Prognose: Den Haag und Rotterdam fangen schon an zu planen – es sieht einfach zu gut aus.


13. Griechenland: Katerine Duska – "Better Love"


Jetzt wird's floral. Engel- oder kükenartige Tänzerinnen scharen sich um Prinzessin Katerine, die mit ihrem applikationsreichen Look zwischen Barbie und Klorollenhaube auffällt. Dahinter Blümchen. Ein hinreißend kitschiger Prinzessinnentraum und ein einwandfreier Popsong. Und was für eine Stimme!

Prognose: Singt sich bedauernswerterweise nur ins Mittelfeld, denn der Niederländer vorher stiehlt ihr die Show.


14. Israel: Kobi Marimi – "Home"


Bloß nicht wieder gewinnen! Die Israelis gingen auf Nummer sicher und entschieden sich nach etlichen Vorentscheidrunden für eine klassische Ballade ohne Gewinnerpotential (queer.de berichtete). Da kann sich Kobi noch so inbrünstig die Seele aus dem Leib singen, sein grundsätzlich schönes Lied bräuchte mehrere Umdrehungen, um hängen zu bleiben.

Homo-Faktor: Je nach Lichtkegel sieht Kobi aus wie Freddie Mercury zu seinen besten "Barcelona"-Zeiten.

Prognose: Eine ungewöhnliche Stimme, die leider hinten landen wird.


15. Norwegen: KeiiNO – "Spirit In The Sky"


Das schreit nach ESC! Pop, Dance, EDM, dazu eine exotische Komponente mit Joik-Sänger und Rapper Fred Buljo. Kaum ein Act wurde in Tel Aviv auf der Bühne so gefeiert wie das sympathische Trio KeiiNO. Kein Wunder, beschwören die drei doch die guten alten Zeiten, als mit einer poppigen Dance-Ohrwurm die ESC-Welt noch in Ordnung war.

Homo-Faktor: Tom Hugo ist mit dem Songwriter Alex Olsson verheiratet und lebt in Berlin. KeiiNO gab queer.de vor dem Finale ein Interview.

Prognose: Ein Fan-Favorit! Die vorderen Ränge dürften dank der starken Konkurrenz aber unerreichbar bleiben.


16. UK: Michael Rice – "Bigger than us"


Schwedens Teilnehmer John Lundvik schrieb diesen Titel mit drei anderen Kollegen. Verglichen mit "Too Late For Love" ist das hier jedoch absolutes B-Seiten-Material. Michael, Typ netter Kerl von nebenan, ist außerdem so unscheinbar, dass er neben der starken Konkurrenz total abfällt. Erschreckend, dass die große Pop-Nation Großbritannien glaubt, damit eine Chance zu haben.

Prognose: Liegt sich um Mitternacht mit unseren S!sters in den Armen.


17. Island: Hatari – "Hatrið Mun Sigra"


Kinder, bringt eure Omis in Sicherheit, denn Hatari ziehen mit Käfig, Latex-Tänzerinnen und riesigem Stahlhammer in die Halle ein. Die bizarre wie feurige BDSM-Show ist der Schocker im Finale. Kaum einer wird den isländischen Text verstehen, darum eine Kostprobe: "Der Hass wird siegen, Europa wird zusammenbrechen, Netz aus Lügen, steigt aus der Asche empor". Dabei versichern die Jungs, dass sie nur hehre Ziele haben und den Kapitalismus und rechte Regierungen abschaffen wollen. Coole Jungs, die vorab Fans, Journalisten und Veranstalter humorvoll auflaufen ließen und nicht jeden lahmen ESC-Quatsch mitmachten. Mit Aussagen über "Apartheid" in Israel sorgten sie aber auch für Verstörung bei den Gastgebern und einen EBU-Rüffel.

Homo-Faktor: Hatari wollen auch mit Geschlechterrollen spielen und schwenken im Green Room auch gerne mal eine Regenbogenflagge.

Prognose: Ein stimmig in Szene gesetzter Albtraum, von dem man nicht eine Sekunde die Augen lassen kann. Wird die Jurys überfordern, das Publikum aber faszinieren. Top 10!


18. Estland: Victor Crone – "Storm"


Der Mann mit den schlimmsten gesanglichen Höhen im Wettbewerb ist zurück. Notfalls schalten wir den Fernseher auf stumm, denn Victor ist zweifellos ein sympathischer, dauergrinsender Hingucker. Gegen Ende geht aber selbst das in den schlechtesten Sturmeffekten aller Zeiten unter.

Homo-Faktor: Achtung, Victor trägt ein schwarzes Taschentuch an der rechten Hosentasche. BDSM-Kennzeichen oder nur sein Spültuch?

Prognose: Der gesangliche Hurrikan Katrina wird vom Winde zurück nach Tallin geweht.


19. Weißrussland: ZENA – "Like It"


ZENA, die weißrussische Antwort auf Britney Spears, überraschte im ersten Halbfinale und zeigte deutlich älteren Kollegen, was eine energiegeladene Performance ist. Der scheußliche Fummel mit weißen Overkneestiefeln fliegt nach ihrem Auftritt hoffentlich in die Altkleidersammlung.

Negativer Homo-Faktor: Erst machte ZENAs Produzent Viktor Drobysh vor wenigen Wochen unglückliche Scherze über die Abhaltung eines Contests in Brunei und betonte, er finde Schwule wie Freddy Mercury toll, sei aber gegen "Schwuchteln" und "Homo-Propaganda" – die in Minsk übrigens unterdrückt wird und in Festnahmen enden kann (mehr dazu). Dann machte der weißrussische ESC-Kommentator im ersten Halbfinale am Dienstag abfällige Bemerkungen zu den von einer Kiss-Cam eingefangenen Küssen unter Männern.

Prognose: ZENA hat keine Chance auf die vorderen Plätze. Aber vielleicht schnappt sie Zypern noch den Barbara-Dex-Award weg.


20. Aserbaidschan: Chingiz – "Truth"


Ohne Zweifel eines der optischen Highlights im Finale. Chingiz leistete gute Vorarbeit: er tanzte halbnackt auf YouTube, veröffentlichte immer wieder oberkörperfreie Fotos und nutzte in Tel Aviv jede Kamera, um mit breitem Grinsen auf Stimmenfang zu gehen. Auf der Bühne geht es (leider) züchtiger, aber trotzdem spektakulär zu. Roboter und Laser: Electro-Pop trifft auf pulsierende Herzen.

Homo-Faktor: Der Radar schlägt zwar aus, bleibt aber wage. Und warum diese hochgeschlossene Uniform? Kann man das Laserherz nicht auf die behaarte Brust projizieren?

Negativer Homo-Faktor: Ist die sehr campe Nummer ein Lockmittel, um wieder queere Menschen festnehmen zu können?

Prognose: Singt auf jeden Fall vorne mit. Aber nach Baku wollen wir nicht wieder.


21. Frankreich: Bilal Hassani – "Roi"


Ähnlich wie die Australierin wurde der kleine Bilal nach seinem Vorentscheidungssieg belächelt, kritisiert und offen angefeindet, darunter auch homophob. In Tel Aviv hat er in den Proben aber mit hervorragenden Auftritten fast alle Kritiker verstummen lassen. Man konnte sehen und hören, dass er hart an sich gearbeitet hat. Langsam verschwinden auch die unnötigen Vergleiche mit Conchita, denn Bilal und seine kraftvolle Midtempo-Ballade "Roi" haben genug eigenes Potential.

Homo-Faktor: Bilal ist offen schwul und sendet eine wichtige Botschaft der Akzeptanz und Selbst-Akzeptanz. Über die blonde Donatella-Versace-Perücke sehen wir gönnerhaft hinweg.

Prognose: "Roi" ("König") Bilal wird mithilfe des Publikums einen Platz in den Top-10 erreichen.


22. Italien: Mahmood – "Soldi"


Wochenlang vorne in den Prognosen, dann während der Proben krank und plötzlich redet kaum noch einer von einem italienischen Sieg. Dabei ist "Soldi" ("Geld") mit Abstand der lässigste, vielleicht sogar modernste Song im Finale. San-Remo-Sieger obendrein. Hintergrund und Darbietung sind nicht ohne: Die wütende Abrechnung mit seinem ägyptischen Vater, der die Familie einst im Stich ließ, wird von Mahmood entsprechend eindringlich dargeboten. Das wirkt wahlweise cool, kann aber auch als Arroganz missinterpretiert werden. Versteht das Publikum die Message ohne Italienischkenntnisse?

Homo-Faktor: Wurde nach seinem Vorentscheids-Sieg ebenfalls homophob und rassistisch angegangen (queer.de berichtete). Während die Boulevard-Presse Bilder mit einem angeblichen Liebhaber und frühere CSD-Auftritte ausfindig machte, diskutiert die italienische Szene weiter über Mahmoods auch in Tel Aviv vertretene These, ein öffentliches Coming-out sei nicht mehr zeitgemäß, da eher trennend als verbindend.

Prognose: Junge, gib alles, du packst das! Top 3 sind möglich.


23. Serbien: Nevena Božović – "Kruna"


Kein ESC ohne Balkan-Bombastschnulze à la "Molitva", dem Sieger 2007. "Kruna" wurde einfach, aber wirkungsvoll in Szene gesetzt. Dezentes Licht, dann zerbricht das Eis, bevor Nevena im schwarzen Kleid und klotzigem Eisenschmuck behangen einen virtuellen Strudel aus Sternen und Licht beschwört, um final zum gesanglichen Angriff überzugehen. Packend!

Prognose: Keine "Kruna" für Nevena mit der großen Stimme, aber könnte mithilfe der Jurys knapp in den Top 10 landen.


24. Schweiz: Luca Hänni – "She Got Me"


Beim Hüftschwung ist sexy Luca, einst DSDS-Gewinner, unschlagbar. Sein Latin-Pop-Song, der sicher absichtlich an "Despacito" erinnert, hat viele Fans und wurde mithilfe einer Top-Choregraphin perfekt auf die Bühne gebracht. Auch sonst hat die Schweiz endlich mal ihre Hausaufgaben gemacht.

Prognose: Vom Sieg redet kaum noch einer, aber Song und vor allen Dingen Luca haben genug Potential für die beste Platzierung der Schweiz seit Céline Dions Sieg 1988.


25. Australien: Kate Miller-Heidke – "Zero Gravity"


Im insgesamt recht gelungenen ersten Vorentscheid des Landes sah das noch aus wie ein ulkiger Beitrag aus der Trash-Ecke (Video). Doch das Operetten-Pop-Stück mit Hohepriesterin Kate und zwei Begleiterinnen auf sieben Meter hohen Stelzen wurde komplett überarbeitet und überzeugte im Halbfinale selbst harte Kritiker. Das hat insbesondere gegen Ende diesen gewissen magischen Moment, den Siegertitel oft ausgemacht haben. Kate singt perfekt, dazu glüht sie wie eine Wahnsinnige. DER visuelle Augenschmaus im Finale.

Prognose: Wenn einer dem Niederländer noch gefährlich werden kann, dann Princess Kate.


26. Spanien: Miki – "La Venda"


Wenn alle Ideen aufgebraucht sind, gibt's halt wieder Latin-Pop. Miki, das singende Monchhichi aus dem katalanischen Terrassa, hat sichtlich Spaß auf der Bühne. Hübsch bunte Inszenierung, aber was soll diese riesige Laternen-Pappfigur? Der Rausschmeißer macht nochmal Party-Stimmung. Aber ruft dafür wirklich jemand für an?

Prognose: Ein überaus knuffiger Kerl, der Spanien leider nicht aus dem anhaltenden Tief befreien wird. Sehen wir hinten, kommen aber gerne trösten.


Prognose für die ersten zehn Plätze, in der Startreihenfolge: Tschechien, Russland, Schweden, Niederlande, Island, Aserbaidschan, Frankreich, Italien, Schweiz und Australien. Aus allen 41 im Gesamtwettbewerb teilnehmenden Ländern vergeben Juries, die bereits das Dress Rehearsal vom Freitag bewerteten, und das Televote jeweils Punkte an nur zehn Länder. Um Spannung aufrecht zu erhalten, werden in der Show zuerst die Jury-Stimmen mit den bekannten Länder-Schalten vergeben, dann die gesammelten Televoting-Stimmen.


Geleitet wird die Show aus der Expo Tel Aviv von Model Bar Refaeli und den Moderatoren Erez Tal, Lucy Ayoub und Assi Azar (im Bild links). Letzterer ist einer der bekanntesten Schwulen des Landes, moderiert unter anderem den israelischen Vorentscheid und spendet seine Gage an einen queeren Jugendverband.

Bereits ab 20:15 Uhr gibt es im Ersten den traditionellen ESC-Countdown live von der Hamburger Reeperbahn. Es moderiert erneut Barbara Schöneberger. Neben Deutschlands Vorjahresteilnehmer Michael Schulte zählen unter anderem Sarah Connor, Stefanie Heinzmann und Annett Louisan zu den Gästen.


 Update  19.5., 01.05h: Duncan Laurence gewinnt ESC

Die Niederlande haben den Eurovision Song Contest gewonnen, mit 492 Gesamt-Punkten, gefolgt von Italien (465) und Russland (369). Ebenfalls in der Top Ten: Schweiz (360), Norwegen (338), Schweden (332), Aserbaidschan (297), Nord-Mazedonien (295), Australien (285) und Island (234). Frankreichs Bilal Hassani holte Platz 14 bzw. 105 Punkte.

Das Tabellenende: Deutschland 32 Punkte, Weißrussland 31 und UK 16 Punkte. Deutschland war zugleich das einzige Land mit null Punkten beim Televoting. Schweden gewann knapp das Jury-Voting vor Nordmazedonien (239 zu 237 Punkte), mit Niederlande (231) und Italien (212) auf dritten und vierten Plätzen. Die Niederlande hatten den Contest das letzte Mal 1975 gewonnen. Alle Detailergebnisse zu allen drei Shows sollten im Laufe der Nacht auf eurovision.tv veröffentlicht werden. Außerhalb des Wettbewerbs sorgte vor allem ein von vielen Nutzern in sozialen Netzwerken als miserabel empfundener Auftritt von Madonna für Schlagzeilen.

Das Ergebnis der zusätzlich vergebenen Marcel Bezençon Awards:
1. Press Award, ausgewählt durch akkreditierte Journalisten:
Duncan Laurence, Niederlande
2. Artistic Award, bestimmt durch alle Kommentatoren:
Kate Miller-Heidke, Australien
3. Composer's Award, Jury beteiligter Komponisten:
Mahmood, Dardust und Charlie Charles für Italien



#1 Andy2Anonym
  • 18.05.2019, 17:10h
  • Für mich ist Schwedens "Too late for love" eindeutig der beste Titel - eine wahre Hymne, die sicherlich die Top 5 knackt und vielleicht sogar gewinnt. Falls dem so sei, würden die Leute sie auch in Jahren noch hören, weil zeitlos (im Gegensatz zu unbedeutenden Siegen wie Israels "Toy" oder Ukraines Sieg vor ein paar Jahren). Stimmlich einfach top, sowohl Lead Vocals als auch die Backings. Da können wenige mithalten!
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#2 Mr XAnonym
  • 18.05.2019, 18:05h
  • Der schwedische Beitrag gefällt mir zwar auch, als Sieger wären mir aber Niederlande und Italien deutlich lieber (ach ja, und Island...)

    Bei Australien und Frankreich bekomme ich ganz schlimme Zustände. In beiden Fällen wird nur bestätigt, daß der ESC eine plüschige Veranstaltung ist, ich persönlich mag es lieber "kantiger" und innovativer. Schade übrigens um Portugal...

    Zum NDR-Liedchen fällt mich nichts mehr ein, erneut ein verlorenes Jahr für die große Musiknation Deutschland. Die Mädels tun mir jetzt schon leid...
    Leider werden die Verantwortlichen Schreiber & Co. keinerlei Konsequenzen ziehen und an ihren Sesseln kleben bleiben.
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#3 Andy2Anonym
  • 18.05.2019, 18:21h
  • Antwort auf #2 von Mr X
  • Über Geschmack sollte man ja bekanntlich nicht streiten, aber Frankreichs Beitrag als nicht kantig und zu plüschig zu beschreiben entbehrt meiner Meinung nach jedglicher Grundlage: Ein Titel, der sich gegen Stereotype und Vorurteile und für Akzeptanz ausspricht - von einem Teilnehmer, der wegen seines Aussehens und wegen seiner ESC-Teilnahem Morddrohungen und Hassbotschaften erhielt.
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#4 Mr XAnonym
  • 18.05.2019, 18:38h
  • Antwort auf #3 von Andy2
  • Ich muß es aber deswegen nicht gut finden und auf jede vermeintliche Gayhymne abgehen. Der Livegesang läßt zudem sehr zu wünschen übirg. Bilal wirkt leider wie eine ganz schwache Kopie von Conchita.
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#5 ffhjrjrhAnonym
  • 18.05.2019, 19:06h
  • Ich hoffe, dass Island gewinnt, denke aber dass Niederlande gewinnt.

    Island ist soooo gut, so anders wie der ganze langweilige Rest, den man schon tausend Mal gehört hat.
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#6 Madame_MAnonym
#7 Madame_MAnonym
  • 18.05.2019, 19:40h
  • Ich finde auch, dass man das Lied aus Frankreich nicht unbedingt mögen muss. Und das hat nichts mit Frankreich zu tun und auch nicht mit der Persönlichkeit des Sängers. Es ist ausschließlich seine Stimme, die ich nicht überzeugend finde.

    Zypern hat ein gutes Lied.

    ©BuntesUndSchönes
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#8 ZenkimausAnonym
  • 18.05.2019, 20:10h
  • Hoffe das es bis zum Schluss spannend bleibt. Ja ich mag Australien, Italien, Niederlande, Zypern. Mal schauen wer gewinnt.
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#9 zenkikaterAnonym
#10 zwei_sind_gutAnonym