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USA

Erste lesbische Bürgermeisterin tritt Amt in Chicago an

Die Demokratin Lori Lightfoot verspricht einen Kampf gegen Korruption und Waffengewalt.


Lightfoot (r.) am Montag beim Ablegen des Amtseids mit Ehefrau und Tochter

Chicago, die drittgrößte Stadt der USA, wird erstmals von einer lesbischen Frau regiert. Die Demokratin Lori Lightfoot trat ihr Amt am Montag an und versprach, sich dem Kampf gegen Korruption und Waffengewalt zu widmen. Als erste Amtshandlung sorgte die 56-Jährige dafür, dass Mitglieder der Stadtrats künftig weniger Macht haben.

"Jahrelang hieß es, Chicago ist nicht bereit für Reformen", sagte Lightfoot bei ihrer Amtseinführung vor über 8.000 Gästen in einer großen Sportarena. Nun aber stünden Reformen an, fügte sie hinzu und erwähnte vor allem die Bereiche Korruption, Polizei und wirtschaftliche Ungleichheit.

Bereits der Amtseid zeigte einen Wandel: Neben Lightfoot standen ihre Ehefrau Amy Eshleman, eine frühere Bibliothekarin, und die gemeinsame Adoptivtochter Vivian. In der Arena trat unter anderem der Chicago Gay Men's Chorus auf.

Twitter / thehill

Lightfoot ist auch die erste schwarze Frau, die das Amt übernimmt. Seit 1837 gab es in Chicago erst eine Frau als Bürgermeisterin sowie einen schwarzen Mann. Die Stadt solle zu einem "Zufluchtsort gegen Angst" werden, in der sich niemand im Schatten verstecken müsse, und zu einem Ort der sozialen Gerechtigkeit und Hoffnung, so Lightfoot in ihrer Ansprache.

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Stadt vor notwendigem Wandel

Waffengewalt ist in Chicago vor allem in einkommensschwachen, überwiegend von Schwarzen bewohnten Vierteln ein Problem. Allein im vergangenen Jahr kamen dabei mehr als 550 Menschen ums Leben.

Lightfoot hatte die Bürgermeisterwahl im April überraschend gewonnen. In der Vergangenheit war die politische Landschaft von Chicago von Insiderabsprachen unter demokratischen Parteifunktionären bestimmt gewesen. Im Stadtrat hatte die Machtverteilung seit langem zu Problemen mit Korruption geführt, aktuell stehen zwei Ratsmitglieder in unterschiedlichen Verfahren vor Gericht.

Als erste Amtshandlung erließ Lightfoot daher eine Verfügung, welche die Macht der Ratsmitglieder einschränkt. In ihrer Antrittsrede wandte sie sich direkt an die Abgeordneten und andere gewählte Vertreter und forderte sie auf, sich ihr nicht in den Weg zu stellen.

Twitter / tictoc | In der Antrittsrede lobte Lightfoot ihre im Publikum sitzende 90-jährige Mutter als Vorbild, die zusammen mit ihren Mann vier Kinder aufzog und ihr Leben schlecht bezahlt im Pflegebereich arbeitete

Für Bürger wie Experten ist Lightfoots Wahl ein Meilenstein. Evan McKenzie, Politik-Dozent an der Universität von Illinois in Chicago, sprach von der bedeutendsten Bürgermeisterwahl seit Harold Washington. Der war 1983 als erster Schwarzer in das Amt gewählt worden. Die Rentnerin Wanda Dillard, einer der Gäste bei Lightfoots Amtseinführung, sagte der Nachrichtenagentur AFP, angesichts der Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen in Chicago sei Lightfoots Wahl "wunderbar" und ein Zeichen der Hoffnung.

Der bisherige Amtsinhaber Rahm Emanuel, der erste Stabschef von Ex-Präsident Barack Obama, hatte auf eine dritte Kandidatur verzichtet. Lightfoot hatte im April eine Stichwahl gegen die ebenfalls schwarze Demokratin Toni Preckwinkle gewonnen; die beiden dem linken Parteiflügel angehörigen Politikerinnen hatten sich zuvor gegen zwölf Konkurrenten durchgesetzt. Obama beglückwünschte Lightfoot und dem neuen Stadtrat am Montag in einer Videobotschaft. (afp/nb)