Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?33653

Die Prinzen

Krumbiegel will "Hasso – Mein Hund ist schwul" nicht mehr singen

Nach dem Homophobie-Vorwurf von Johannes Kram zeigt sich Sebastian Krumbiegel einsichtig und will das 20 Jahre alte Lied der Band Die Prinzen nicht mehr aufführen.


Sebastian Krumbiegel ist Sänger der Band Die Prinzen, die mit fast sechs Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Musikgruppen in Deutschland gehört (Bild: Wustmann)

Sebastian Krumbiegel, Sänger der Band Die Prinzen, will das Lied "Hasso – Mein Hund ist schwul" nicht mehr singen. Das kündigte er jetzt gegenüber queer.de an. "Mir geht es nicht mehr über die Lippen", sagt er. Im vergangenen Jahr hatte Johannes Kram vom Nollendorfblog den Song in seinem Buch "Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber" als homophob kritisiert.

Im "Spiegel" reagierte Krumbiegel erstmals im März 2018 auf die Kritik. Er habe aufgrund der Sexismus-Diskussion um MeToo überlegt, "Hasso" aus dem Programm zu verbannen. "Aber wir wollen uns in unserer Kunst nicht einschränken lassen", sagte er damals dem Magazin. Noch im Jahr 2018 wurde das Lied bei einem Konzert der Prinzen in Dortmund aufgeführt (queer.de berichtete).

Seitdem, so der Sänger jetzt gegenüber queer.de, seien mehrere Menschen mit der Kritik auf ihn zugekommen. Dabei habe er gemerkt, dass er den Liedtext nicht mehr rechtfertigen könne. "Ich will mich verändern und dazulernen", erklärt er. Daher habe er sich entschieden, "Hasso" nicht mehr aufzuführen.

"Als Pudel ein Ästhet, dem öfter mal die Nudel steht"


Johannes Kram hatte das Prinzen-Lied in seinem Buch "Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber" kritisiert (Bild: Romy Haag)

In dem Lied wird mit mehreren Stereotypen über schwule Männer gespielt. So heißt es in den Lyrics: "Mein Hund ist schwul, die dumme Sau/er macht nicht 'kläff', er macht nur 'wau'/er ist als Pudel ein Ästhet/dem öfter mal die Nudel steht/was meistens nur im Rudel geht." Es erschien im Mai 1999 auf dem Album "So viel Spaß für wenig Geld".

Den Text habe die Band gemeinsam auf einem Urlaub in Sizilien geschrieben, so Krumbiegel. In dem Ferienhaus der Prinzen habe ein Hund seine Hoden geleckt. Daraufhin habe sich die Band Reime dazu überlegt. "Damals gehörte das leider auch zum Zeitgeist. Man brachte das Publikum zum Lachen, indem man sich über andere Leute lustig machte, ohne groß darüber nachzudenken", sagt Krumbiegel. "Heute ist man da, Gott sei Dank, sensibler. Wer sich heute ernsthaft damit beschäftigt, dem wird klar, wie sehr so etwas als Abwertung empfunden werden kann." Er achte zunehmend auf eine nicht-diskriminierende Sprache.

Nach den Gesprächen und seinem Sinneswandel habe er das Buch von Johannes Kram gelesen. "Ich teile die Kritik des Buches und bin dankbar", sagt Krumbiegel. "Wenn man Witze auf Kosten Anderer macht, ist das armselig." In dem Buch schreibt Kram, die Selbstwahrnehmung linksliberaler Kreise stehe oft im Gegensatz zu "tief sitzenden, nie aufgearbeiteten, homosexuellenfeindlichen Reflexen" (queer.de berichtete).

Lob von Johannes Kram

Dass sich Krumbiegel nun traue, einen Fehler einzugestehen, sei beeindruckend, so Johannes Kram. "Ich finde es sehr aufrichtig", sagt er. "Ich bin ja manchmal nicht zimperlich mit meiner Kritik. Aber ich mache das ja nicht, um Recht zu haben, sondern um was zu verändern." Krumbiegel sei damit der erste, der positiv auf direkte Kritik in dem Buch reagiert habe.

"Es gibt Leute wie Dieter Nuhr, die sich immer mehr verrennen", meint Kram. Er hatte auch Witze von Dieter Nuhr in seinem Buch als schwulenfeindlich kritisert. Nuhr hatte im vergangenen jähr die Kritik zurück gewiesen. Auch zuletzt hatte er seine Witze gegen Minderheiten verteidigt. So sagte er in der Sendung "3nach9" vom 8. März: "Ich glaube, dass man oft, was Minderheiten angeht, auch ein wenig überempfindlich ist." Transsexuelle seien nicht normal, weil Transsexualität nicht oft vorkommen würde. Er glaube jedoch nicht, dass er einen diskriminierenden Humor habe.

Direktlink | Dieter Nuhr in der Sendung "3nach9"

Das sei diskriminierend, so Johannes Kram: "Nuhr tritt immer mehr gegen Minderheiten und fühlt sich als Opfer von Political Correctness."

Ein Wort in eigener Sache
Hinter gutem Journalismus stecken viel Zeit und harte Arbeit – doch allein aus den Werbeeinnahmen lässt sich ein Onlineportal wie queer.de nicht finanzieren. Mit einer Spende, u.a. per Paypal oder Überweisung, kannst Du unsere wichtige Arbeit für die LGBTI-Community sichern und stärken. Abonnenten bieten wir ein werbefreies Angebot. Jetzt queer.de unterstützen!


#1 Alexander_FAnonym
  • 21.05.2019, 19:32h
  • Dieses Lied war ein Grund dafür, weshalb ich die Prinzen jahrelang boykottiert und in eine Liga mit Xavier Naidoo und Elephant Man gesteckt hatte.

    Es freut mich, zu sehen, dass ein Verbleib in dieser Liga kein Schicksal sein muss und man sich ändern kann, wenn es will. Ich werde deshalb trotzdem wohl keine CD der Prinzen kaufen, aber man muss es doch einfach mal loben, wenn jemand den Arsch in der Hose hat, einen Fehler zuzugeben.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 lernfähigAnonym
  • 21.05.2019, 22:12h
  • Bravo, jemand zeigt sich lernfähig.
    Zwar gefällt mir diese Musik nicht, aber dass er aus seinem Lied aufgrund der Kritik von Kram nun diese Antwort gibt, finde ich klasse.
    Danke dafür :-)

    Bezüglich Nuhr:
    nach wie vor ist er mir unsympathisch. Verstehen kann er offenbar nur, was er persönlich erlebt. In andere Welten kann er sich nicht weit genug hinein empfinden, nur hinein denken - und das auch nur begrenzt.

    ©BuntesUndSchönes
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Patroklos
#4 ChorsängerAnonym
  • 22.05.2019, 09:41h
  • Ich fand das Lied immer lustig. Wir haben das sogar mit unserem schwulen Chor gesungen, weil wir alles es lustig fanden. Ich kann die Aufregung nicht nachvollziehen.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 TechnikerAnonym
  • 22.05.2019, 09:44h
  • Ist der mir bis gerade eben völlig unbekannte Herr Kram jetzt die oberste Instanz dafür, wer wann beleidigt sein darf? Und verteilt Fleißkärtchen?

    Die Zeiten sind wahrhaft bekloppt: Das mir bis zum Lesen des Artikels ebenfalls unbekannte Liedchen der "Prinzen" mag blöd sein - das war's dann aber. Und den Herrn Nuhr finde ich zwar auch eher nervig - aber nicht, weil er mal Witze über Minderheiten reißt, sondern weil er oft einfach unlustig ist, überlange Kunstpausen ein bißchen wenig für ein Bühnenprogramm sind und er sich leider viel zu selten an seinen eigenen Rat hält, die Fresse zu halten, wenn man keine Ahnung hat.

    Ein eitler Gockel ist er obendrein...
  • Antworten » | Direktlink »
#6 GreenbasicAnonym
  • 22.05.2019, 10:08h
  • Ich fand den Song immer schon diskriminierend und habe deswegen schon viele Postings auf Youtube geschrieben.

    Es gibt Leute denen es nicht stört diskriminiert zu werden, aber mich stört es schon. So ist jeder Mensch anders
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Total LustigAnonym
  • 22.05.2019, 14:41h
  • Antwort auf #5 von Techniker
  • Sobald auch nur eine Person sich wirklich diskriminiert oder verletzt fühlt, muss man was dagegen tun und es ist egal was andere davon halten oder ob es sie stört, dass man das ändern möchte. Außerdem schreibst du doch selbst dass es dir einerseits egal ist aber auch dass der krum dich nervt oder schon immer hat, wieso schreibst du das dann trotzdem noch?
    Ich muss zugeben, als ich den Titel las, fand ichs auch etwas übertrieben, denn wenn der Text harmlos wäre, wäre es sogar unschön das verbieten zu wollen und hätte wahrscheinlich gegenteilig eher Homophobie bzw anderweitige Diskriminierung gefördert, was er aber eben nicht ist. Kram fand ich ehrlich gesagt bei dem DSDS Thema übertrieben, dass man auch noch Mitleid mit diesem einen jungen haben sollte, der selbst schuld war in diese (inszenierte!) Show /Sendung zu gehen.... aber sonst gute Ideen und Argumentationen!
  • Antworten » | Direktlink »
#8 TechnikerAnonym
  • 22.05.2019, 15:30h
  • Antwort auf #7 von Total Lustig
  • Da nochmal drübergehen, "Total Lustig"?
    "Sobald auch nur eine Person sich wirklich diskriminiert oder verletzt fühlt, muss man was dagegen tun"

    Ja, nee - is klar. Irgendwer fühlt sich immer wegen irgendwas auf den Schlips getreten - also darf keiner mehr was sagen, nicht wahr?

    Klingt nach 'nem tollen Plan...
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Alexander_FAnonym
  • 22.05.2019, 21:04h
  • Antwort auf #5 von Techniker
  • "In schlechten Tagen dacht ich schon/ an öffentliche Kastration..."

    So eine Zeile aus diesem "lustigen" Lied, die damit gewisse Parallelen zur rechtsradikal veränderten Version des Liedes "Der Eiermann" von den "Zillertaler Türkenjägern" zeigt:

    "Und jede schwule Drecksau, die uns jemals sah/ hat keine Eier mehr und das ist wunderbar."

    Der Unterschied zwischen beiden Liedern ist, dass letzteres aus gutem Grund verboten ist, da rechtsradikal motiviert, während ersteres bloß ein "Spaß" ist, weil es ja von jemandem kommt, der wegen seiner Teilnahme an ein paar "Gegen Rechts"-Veranstaltungen seinen Ablass erkauft hat, um Witze darüber machen zu dürfen, dass er seinen schwulen Hund am liebsten kastrieren würde, sei es in völliger Unkenntnis oder ganz bewusst in Anspielung auf das, was zu Zeiten des § 175 tatsächlich praktiziert wurde.
    "Das alles ist Deutschland", um mit Krumbiegels Worten zu sprechen.

    Aber eigentlich ist das natürlich alles bloß lustig, und Johannes Kram ist ja nur so ein spießiger Spielverderber, der euch euren Spaß nicht gönnen will und der den armen Herrn Krumbiegel dazu nötigt, seine harmlosen Witzchen zurückzunehmen.

    Ein Glück nur, dass Krumbiegel offenbar mehr Einsichtsfähigkeit hat, als manche der Fans von diesem Lied.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 TechnikerAnonym
  • 23.05.2019, 07:25h
  • Antwort auf #9 von Alexander_F
  • Is recht, "Alexander_F"...

    "gewisse Parallelen zur rechtsradikal veränderten Version des Liedes "Der Eiermann" von den "Zillertaler Türkenjägern"

    Nazikeule, Unterstellungen, auf Argumente nicht eingehen - Sie haben sich brav ans Handbuch der Berufsempörten gehalten...

    Kleiner Tip: Drei Kommentare weiter oben hätten Sie lesen können, daß mir das Liedchen bis zum Erscheinen dieses Artikels völlig unbekannt war, ich also wohl kaum ein Fan desselben bin. Mir geht es nur mächtig auf den Zeiger, wenn Leute wie Sie oder offensichtlich Herr Kram komplett außer acht lassen, wer was mit welcher Absicht und in welchem Zusammenhang sagt bzw. singt. Dieses sauertöpfische "Er hat Jehova gesagt" kennt man ansonsten von Leuten, die sich an Zigeunerschnitzeln o.ä. aufhalten...

    www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/8895080.html
  • Antworten » | Direktlink »