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Berlin
Umfrage an evangelischen Schulen: Jeder fünfte Schüler nicht heterosexuell
Selbst an religiösen Schulen gibt es eine große Anzahl von Schülern, die sich als Teil der queeren Community ansehen. Das ergab eine Umfrage aus Berlin und Brandenburg.

Vielfalt ist heutzutage auch bei religiösen Privatschulen angekommen (Bild: Patrik Tschudin / flickr)
- 23. Mai 2019, 13:09h 2 Min.
21 Prozent der Schülerinnen und Schüler an drei evangelischen Schulen in den Ländern Berlin und Brandenburg bezeichnen ihre sexuelle Orientierung als nicht heterosexuell. Das geht aus der Diversity-Studie "Bunt.Lieben.Leben" (PDF) hervor, die die Schulstiftung in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group erstellt wurde. In der nicht-repräsentativen Umfrage wurden 472 Schüler*innen zwischen zwölf und 23 Jahren befragt.
Demnach bezeichnen sich 79 Prozent der Befragten als heterosexuell. Sieben Prozent erklären, sie seien bisexuell, weitere drei Prozent identifizieren sich als homosexuell. Hinzu kommen zwei Prozent Asexuelle und neun Prozent, die sich keiner der genannten Kategorien zuordnen wollen.
Unterschiede zwischen Heteros und Nicht-Heteros
Nicht-heterosexuelle und heterosexuelle Befragte, so geht aus der Umfrage hervor, bevorzugen andere Ansprechpartner zum Thema Liebe und Sex. Während mehr als die Hälfte der heterosexuellen Lernenden am liebsten über diese Themen mit Mitschülern spricht, sind es bei nicht-heterosexuellen Befragten weniger als ein Drittel. In dieser Gruppe sind dagegen Vertrauenslehrer und Erzieher als Ansprechpartner populärer.

Die meisten der Befragten (82 Prozent) wollen ihre eigene sexuelle Orientierung nicht im Unterricht thematisieren. Allerdings ist das Interesse an Themen zur Sexualität und Vielfalt hoch. Am größten ist das Interesse bei den Themen HIV/Aids (56 Prozent), Vorurteile/Mobbing (53 Prozent) und Sexualisierte Gewalt (50 Prozent).

"Die Themen Liebe, Sexualität und Gender-Identität sind in Schulen immer noch mit vielen Vorurteilen belegt", erklärte Rainer Gronen, Co-Studienautor und Leiter der Weiterbildungsabteilung der Evangelischen Schulstiftung in der EKBO. "Lehrer wissen oft nur wenig über die Probleme und Wünsche ihrer Schüler*innen. Unsere Studie zeigt aber, dass sich Schüler*innen mehr Präsenz der Themen Liebe, Sexualität und Vielfalt in der Schule wünschen. Lehrkräfte sollten sich öffnen und Fachleute von außen einbeziehen, um diesen Bedürfnissen Rechnung zu tragen."
Die rund eine Million Mitglieder zählende Landeskirche Berlin-Brandenburg gehört zu den LGBTI-freundlichsten Gliedkirchen in der EKD. Sie hatte 2016 die Trauung für alle eingeführt – über ein Jahr, bevor der Bundestag das Gesetz zur Ehe für alle beschlossen hat (queer.de berichtete). (dk)















Will man wirklich weiterhin 20% der Gesellschaft ignorieren?