Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?33681

Geschichte im Ersten

ARD zeigt "Der 'Schwulen-Paragraf' – Geschichte einer Verfolgung"

Am Montag zeigt Das Erste eine Dokumentation des Hessischen Rundfunks über die Geschichte der Schwulenverfolgung in Deutschland – leider zu sehr später Stunde.


Die Sendung über den Paragrafen 175 läuft am Montagabend um 23.30 im Ersten (Bild: HR)

Die Geschichte des Paragrafen 175 wird am Montagabend (27. Mai) in der ARD behandelt: Um 23.30 Uhr wird aus der Reihe "Geschichte im Ersten" die HR-Dokumentation "Der 'Schwulen-Paragraf' – Geschichte einer Verfolgung" ausgestrahlt. Das Gesetz, das von Gründung des Deutschen Reiches 1871 bis 1994 in abgeschwächter Form gültig war, stellte Homosexualität in Deutschland unter Strafe. In der DDR galt bis 1988 der homophobe Paragraf 151, mit dem anders als in der Bundesrepublik auch Lesben verfolgt worden waren. Erst 2017 wurden die Opfer dieses Unrechts rehabilitiert (queer.de berichtete).

In diesem Film berichten Zeitzeugen davon, was die Verfolgung angerichtet hat. So wird der 80-jährige Hermann Landschreiber aus dem hessischen Gelnhausen vorgestellt, den die Polizei 1966 vom Postamt abgeführt hat, weil die Mutter seines Ex-Freundes ihn angeschwärzt hatte. Oder Günter Werner, der im katholischen Franken mit einem amerikanischen Soldaten in flagranti erwischt wurde und deshalb im Jugendarrest landete. Sie alle sprechen über ihre Verhaftung, den Knast, ihre Angst, erwischt zu werden oder erpressbar zu sein, aber auch über ihren Wunsch, trotzdem ein selbstbewusstes schwules Lebens zu führen.

Sie lassen die Zuschauer verstehen, wie lang und beschwerlich der Weg war von der damals verbotenen Sexualität und Heimlichkeit bis hin zur gleichgeschlechtlichen Ehe heute. Auch "Täter" wie Klaus Beer werden vorgestellt; er hat als Richter sechs Männer wegen Verstoßes gegen den Unrechtsparagrafen verurteilt. Heute setzt er sich offen mit seiner beruflichen Vergangenheit auseinander.

Auch Verfolgung in DDR ist ein Thema

Der Film führt auch in die ehemalige DDR. Interviewt wird etwa Wolfgang Schmidt, der Leiter der Auswertungs- und Kontrollgruppe in der Hauptabteilung XX des Ministeriums für Staatssicherheit. Er gibt offen Auskunft, warum man sich dort mit den Schwulen- und Lesbengruppen beschäftigte.

Autor der Doku ist Grimme-Preisträger Marco Giacopuzzi, der mit großer Sensibilität auf seine Zeitzeugen zugeht. Sein Film zeigt, wie ein menschenverachtender Paragraf und brutale Diskriminierung das Leben unschuldiger Männer und auch Frauen zerstörte, und warum es so lange dauerte, bis der Paragraf 175 aus der bundesdeutschen Rechtsprechung endlich verschwand. (pm/cw)



#1 Ralph
  • 24.05.2019, 16:29h
  • Wieso steht das Wort Täter in Anführungszeichen? - Ärgerlich natürlich die späte Sendezeit. Diese Doku sollen wohl möglichst wenige Menschen sehen. Wenn ich mir vergegenwärtige, dass diverse ARD-Sender zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr unausgesetzt Dokus von Hitlers Frauen, Familie, Vasallen und Vermögen dauerwiederholen, ist die Verbannung dieser außergewöhnlichen Reportage auf kurz vor Mitternacht ein Skandal. Wer am nächsten Tag raus muss, sieht sie nicht, wenn er sie nicht aus besonderem Interesse aufnimmt.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 MediathekAnonym
  • 24.05.2019, 16:47h
  • Ich finde es auch ärgerlich.

    Ich werde mir die Doku aus der Mediathek runterladen.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 CarstenFfm
#4 Ith_Anonym
  • 24.05.2019, 19:04h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • Die ARD kennt ihr Publikum, und ist sich darüber im Klaren, dass interessierte Mitglieder von Zuschauerfamilien sich abends heimlich zurück zum Fernseher schleichen müssen, und das mit extrem reduzierter Lautstärke ansehen, damit der Rest nicht mitbekommt, was für einen Schweinkram sie sich ansehen.
    Wenn Schwule vorkommen, kann es sich nur um Pornographie handeln. Insbesondere, wenn einige von denen dann nichtmal als Monster präsentiert werden, geht das zu anderen Sendezeiten einfach gar nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 MaschinerieAnonym
  • 24.05.2019, 19:24h
  • Antwort auf #4 von Ith_
  • Und über eine Form der Diskriminierung zu reden, käme einem Verrat gleich. Das geht nicht, das muss möglichst verdrängt werden (in die späten Abendstunden). Wo kämen wir denn hin, wenn wir plötzlich offen und akzeptierend wären? Dann sind wir ja gar nicht mehr so überlegen, sondern bloß noch.....menschlich? Oooh, schlimm, bloß nicht! Nein, nein, nein, das senden wir ganz spät. Da schlummern die meisten schon und wissen am nächsten Tag nicht mehr so genau, was sie gesehen haben. "Problem" gelöst (Sarkasmus).

    (Ironie off)

    ©BuntesUndSchönes
  • Antworten » | Direktlink »
#6 snowAnonym
#7 MaschinerieAnonym
#8 IronikerAnonym
  • 24.05.2019, 20:22h
  • "Schwul" scheint immer noch FSK 18 zu sein. Und zwar unabhängig davon, ob tatsächlich irgendetwas Pornographisches gezeigt würde, oder eine historische Dokumentation.

    Willkommen im Deutschland des Jahres 2019.

    Bei FSK 16 wäre eine Ausstrahlung wenigstens ab 22:00 Uhr "möglich" gewesen - aber man darf die armen Kinder ja nicht so früh "verunsichern" - wo sie doch ausgerechnet in diesem Alter noch in der "Findungsphase" sind... es könnten ja welche auf den Gedanken gebracht werden, schwul sein zu wollen - vor allem, nachdem sie die Doku über jahrzehntelange unrechtsstaatliche Verfolgung angesehen haben: das macht sicher so richtig Lust auf "Schwul werden" für Jugendliche, die sich da "noch unsicher" sind. Auf jeden Fall muss man das ganz offenbar immer noch von unter 18jährigen fernhalten. Denn schwul sein ist eben immer noch giftig oder ansteckend oder beides. Auf jeden Fall aber bäh.

    Armes Deutschland.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 TheDadProfil
  • 24.05.2019, 21:41hHannover
  • ""Die Geschichte des Paragrafen 175 wird am Montagabend (27. Mai) in der ARD behandelt: Um 23.30 Uhr""..

    Zusätzliche Sendetermine :
    Dienstag, 28.Mai, 03.25 Uhr, ARD
    Mittwoch, 29.Mai, 21.17 Uhr. tagesschau24
    Samstag, 01.Juni, 13.15 Uhr, tageschau24
    Donnerstag, 06.Juni, 19.15 Uhr, tagesschau24
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Ith_Anonym
  • 24.05.2019, 22:17h
  • Antwort auf #8 von Ironiker
  • "aber man darf die armen Kinder ja nicht so früh "verunsichern""

    Stimmt auffallend.
    Hinterher guckt das eine 15-jährige Lesbe oder ein 16-jähriger Schwuler, oder, noch schlimmer, Bisexuelle_r, und am Ende kommt irgendwer von denen auf die Idee, Beziehungen einfach mit den Leuten zu führen, in die sie sich verlieben, und gerät in Zweifel darüber, ob das dann vielleicht nichtmal ein Grund sei, sich zu schämen.

    Immer diese ewige Gleichmacherei beim Recht auf Persönlichkeitsentfaltung, von dem schließlich jede_r weiß, dass das eigentlich bloß Heterosexuellen erlaubt sein sollte.
    Unmöglich, sowas.
  • Antworten » | Direktlink »