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Geschichte im Ersten
ARD zeigt "Der 'Schwulen-Paragraf' – Geschichte einer Verfolgung"
Am Montag zeigt Das Erste eine Dokumentation des Hessischen Rundfunks über die Geschichte der Schwulenverfolgung in Deutschland – leider zu sehr später Stunde.

Die Sendung über den Paragrafen 175 läuft am Montagabend um 23.30 im Ersten (Bild: HR)
- 24. Mai 2019, 13:19h 2 Min.
Die Geschichte des Paragrafen 175 wird am Montagabend (27. Mai) in der ARD behandelt: Um 23.30 Uhr wird aus der Reihe "Geschichte im Ersten" die HR-Dokumentation "Der 'Schwulen-Paragraf' – Geschichte einer Verfolgung" ausgestrahlt. Das Gesetz, das von Gründung des Deutschen Reiches 1871 bis 1994 in abgeschwächter Form gültig war, stellte Homosexualität in Deutschland unter Strafe. In der DDR galt bis 1988 der homophobe Paragraf 151, mit dem anders als in der Bundesrepublik auch Lesben verfolgt worden waren. Erst 2017 wurden die Opfer dieses Unrechts rehabilitiert (queer.de berichtete).
In diesem Film berichten Zeitzeugen davon, was die Verfolgung angerichtet hat. So wird der 80-jährige Hermann Landschreiber aus dem hessischen Gelnhausen vorgestellt, den die Polizei 1966 vom Postamt abgeführt hat, weil die Mutter seines Ex-Freundes ihn angeschwärzt hatte. Oder Günter Werner, der im katholischen Franken mit einem amerikanischen Soldaten in flagranti erwischt wurde und deshalb im Jugendarrest landete. Sie alle sprechen über ihre Verhaftung, den Knast, ihre Angst, erwischt zu werden oder erpressbar zu sein, aber auch über ihren Wunsch, trotzdem ein selbstbewusstes schwules Lebens zu führen.
Sie lassen die Zuschauer verstehen, wie lang und beschwerlich der Weg war von der damals verbotenen Sexualität und Heimlichkeit bis hin zur gleichgeschlechtlichen Ehe heute. Auch "Täter" wie Klaus Beer werden vorgestellt; er hat als Richter sechs Männer wegen Verstoßes gegen den Unrechtsparagrafen verurteilt. Heute setzt er sich offen mit seiner beruflichen Vergangenheit auseinander.
Auch Verfolgung in DDR ist ein Thema
Der Film führt auch in die ehemalige DDR. Interviewt wird etwa Wolfgang Schmidt, der Leiter der Auswertungs- und Kontrollgruppe in der Hauptabteilung XX des Ministeriums für Staatssicherheit. Er gibt offen Auskunft, warum man sich dort mit den Schwulen- und Lesbengruppen beschäftigte.
Autor der Doku ist Grimme-Preisträger Marco Giacopuzzi, der mit großer Sensibilität auf seine Zeitzeugen zugeht. Sein Film zeigt, wie ein menschenverachtender Paragraf und brutale Diskriminierung das Leben unschuldiger Männer und auch Frauen zerstörte, und warum es so lange dauerte, bis der Paragraf 175 aus der bundesdeutschen Rechtsprechung endlich verschwand. (pm/cw)
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