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Jetzt im Kino

Sex mit einer hypersexuellen Pflanzenmasse

Im queeren Fantasy-Spielfilm "The Wild Boys" werden fünf junge Männer, die auf einer mysteriösen Insel stranden, allesamt von Frauen gespielt. Im Interview erklärt Regisseur Bertrand Mandico warum.


Die Pflanzen auf der Insel sehen aus wie Genitalien und ihre Früchte haben ungeahnte Wirkungen… (Bild: Ecce Films)

Im Langfilmdebüt "The Wild Boys" des Experimentalfilmers Bertrand Mandico begehen fünf Jungs aus gutem Hause, die dem Okkulten huldigen, zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ein scheußliches Verbrechen. Daraufhin werden sie einem alten Kapitän anvertraut, der ihnen auf seinem Kahn mit harter Hand wieder Zucht und Ordnung beibringen soll. Von der Schikane zermürbt und mit den Kräften am Ende proben sie den Aufstand – und stranden auf einer Insel voller bizarrer Gewächse, von der eine mysteriöse Kraft ausgeht. Nach einiger Zeit beginnt ihr Zauber, sie zu verändern…

Im Interview spricht Mandico über sein queeres Undergroundrama, das seit Donnerstag im Kino läuft. (cw/pm)

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Bertrand Mandico dreht seit fast 20 Jahren experimentelle Kurzfilme und Musikvideos (Bild: Ecce Films)

Wie kam es zu "The Wild Boys"?

Ich wollte einfach nur den Film machen, den ich gerne sehen wollte, aber auch meinen Spaß als Zuschauer nicht vergessen. Eine Art fantastisches Erzählen erforschen, das man für gewöhnlich nicht entwickelt, wenn man an seinen ersten Spielfilm angeht. Eine Geschichte, die Abenteuer und Surrealismus, eine tropische Insel und Studiokulissen, ein Schiff und einen Sturm vermisch…

Beim Drehen habe ich jeden Tag versucht, die Fantasie beim Schopf zu packen, immer mit dem Wunsch, das Publikum mitzunehmen.

Der Titel des Films stammt von William S. Burroughs' gleichnamigen Roman (1973), auf dessen Umschlagsseite steht, dass "jugendliche Guerilleros, die mit allen Sexwaffen und Drogen gewappnet sind, sich aufmachen, die Erde zu verwüsten".

Dieser Titel verfolgt mich. Die Umschlagsseite ist prophetisch. Burroughs stellte sich seine Romane wie Filme vor. Einige Teile des Romans waren direkte Inspirationen, um Beispiel für die Szenen, in denen die Jungen mit einer hypersexuellen Pflanzenmasse Sex haben.

Aber es handelt sich in keinster Weise um eine Adaptation, sondern vielmehr um eine Träumerei über diesen Titel. Ich wollte einen Steckling, eine Kreuzung von Jules Verne und Burroughs kreieren, einen unmöglichen Steckling, so als hätte Burroughs eine Robinsonade à la Jules Verne kontaminiert.


Poster zum Film: "The Wild Boys" läuft seit 23. Mai in deutschen Kinos

Sprechen wir über das Casting: Deine "Wild Boys" werden von Frauen gespielt und diese Illusion ist erstmal erstaunlich für den nicht eingeweihten Zuschauer.

Ich hatte von Anfang an Schauspielerinnen im Kopf. Ich wollte ihnen provokante Rollen anbieten und nach den wilden Jungs in ihnen suchen. Es ist spannend, Schauspielerinnen, die sich in den Rollen, die ihnen sonst angeboten werden, vielleicht eingeengt fühlen, eine Möglichkeit zu geben, anders zu spielen.

Es hat lange gedauert, die fünf jungen Schauspielerinnen und die entsprechende Gruppendynamik zu finden: Ich wollte nicht in die Karikatur eines Ensemblefilms abrutschen, in dem das physische Erscheinungsbild jeder Figur so ausgeprägt ist, dass man erkennt, welche Rolle sie spielt. Ich wollte eine vereinte Bande, fast so was wie eine Rockband.

Egal, ob Körperflüssigkeiten oder das Verschwimmen von Geschlechtern, deine Kurzfilme – und jetzt auch "The Wild Boys" – sind von der Idee des Flüssigen durchzogen…

Die Mechanik des organisch Lebendigen ist das, was mich antreibt, das Zusammenspiel der Flüssigkeiten, die Verschmelzungen und Verwandlungen: die Grenzüberschreitungen, die unerforschten Gebiete. Ich behandle das auf eine zwanghafte, unbewusste Art. "The Wild Boys" ist kein Thesenfilm, sondern es ist vielmehr etwas Triebhaftes: ein funkelndes Objekt der Begierde. Meine Ideen sagen mir, wo ich mich befinde, aber sie zeigen mir nicht, wohin ich gehe.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

The Wild Boys, Fantasy.Drama. Frankreich 2017. Regie: Bertrand Mandico. Darsteller: Pauline Lorillard, Vimala Pons, Anaël Snoek, Diane Rouxel, Mathilde Warnier. Laufzeit: 110 Minuten. Sprache: französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Bildstörung. Kinostart: 23. Mai 2019