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Erzbistum Köln
Kardinal Woelki entsendet homofeindlichen Priesterausbilder in Reform-Gremium
Ausgerechnet ein in Kritik geratener Pater, der Homosexualität für therapierbar hält, soll über Änderungen in der kirchlichen Sexualmoral mitberaten.

Woelki, hier im Februar in einem Interview mit EWTN, ist seit 2014 Erzbischof von Köln
- 26. Mai 2019, 23:00h 3 Min.
Zu Update springen: Erzbistum: "Verunglimpfter" Pater wird nicht Experte (16:15h)
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki will seinen wegen schwulenfeindlicher Äußerungen in der Kritik stehenden Chef-Priesterausbilder einem Medienbericht zufolge als Experten am "synodalen Weg" zur Aufarbeitung des Missbrauchskandals in der Kirche entsenden. Pater Romano Christen stehe auf einer Liste mit Personalvorschlägen für den kirchlichen Reformprozess, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger" in seiner Montagsausgabe.
Vor wenigen Wochen hatte die "Süddeutsche Zeitung" öffentlich gemacht, dass Christen im Januar vor Priesteranwärtern gesagt hatte, Homosexualität sei "Folge einer psychologischen (Fehl-)entwicklung" (queer.de berichtete). "Auch wenn sie von der Schwulenlobby regelrecht dämonisiert werden, gibt es Therapien und Männer, die sie erfolgreich bestanden haben", so der Leiter des Bonner Theologenkonvikts Collegium Albertinum damals.

Pater Romano Christen 2016 im Interview mit katholisch.de
Der SZ-Bericht hatte für große Empörung gesorgt, auch innerhalb der Kirche: Aus Laienorganisationen, darunter dem Kölner Diözesanrat, gab es Forderungen nach einer Entlassung Christens oder nach seinem Rücktritt. Der zunächst im Ausland weilende Woelki ging über seinen Sprecher zunächst auf Distanz und verbreitete eine entschuldigende Stellungnahme des Ausbilders (queer.de berichtete). Anfang der letzten Woche betonte Woelki aber, dass Christen im Amt bleibe: "Wir alle machen Fehler, ich auch, und es ist wichtig, dass ein einzelner Fehler nicht alles andere überschattet" (queer.de berichtete).
Kirche vor Kampf um Reformen
Nun hat sich Woelki offenbar entschieden, Christen mit einer weiteren Aufgabe zu betrauen. Bei der Frühjahrsvollversammlung 2019 in Lingen hatten die deutschen Bischöfe einen "verbindlichen synodalen Weg" zur Erneuerung und Veränderung der Kirche beschlossen. Als Reaktion auf den Missbrauchsskandal soll der gemeinsame Beratungsprozess von Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) nach Reformen in den Bereichen kirchliche Macht, Zölibat und Sexualmoral suchen.
Auch Woelki hatte diesem Weg zugestimmt – dem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers zufolge will er den Prozess mit Personalvorschlägen aber so beeinflussen, "dass es dabei katholisch zugeht". Aber auch liberale Stimmen bringen sich in Stellung: Unter drei Themenforen, die den Prozess bis September vorbereiten sollen, findet sich eines zu "Sexualmoral", das von dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode geleitet wird. Dieser hatte sich zuletzt mehrfach für eine Segnung homosexueller Paare ausgesprochen (queer.de berichtete).
Der KStA-Bericht dürfte für einigen Wirbel in der Domstadt führen. Bereits Woelkis Entscheidung, Christen im Amt zu belassen, hatte in den letzten Tagen für empörte Äußerungen des Diözesanrats und der Pfarrgemeinderäte (PGR) in Köln gesorgt. Der Gemeinderat der Pfarrei St. Theodor und St. Elisabeth hisste aus Protest nach dem Sonntagsgottesdienst vor der Kirche in Vingst sogar eine Regenbogenflagge. "Wir halten Kardinal Rainer Woelkis Distanzierung für halbherzig und Christens Entschuldigung für fadenscheinig", sagte der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Michael Paetzold, dem "Stadt-Anzeiger". (pm/nb)
Update 16.15h: Erzbistum: "Verunglimpfter" Pater wird nicht Experte
Das Erzbistum Köln hat am Montag in einer Pressemitteilung erklärt, dass Pater Romano Christen nicht als Experte am "Synodalen Weg" teilnehmen werde. Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki habe Pater Christen Anfang des Monats für die Arbeitsgruppe nominiert – "zu einem Zeitpunkt, als er noch keine Kenntnis von Pater Romanos Vortrag über Homosexualität hatte". "Inzwischen" habe der Kardinal die Deutsche Bischofskonferenz darüber informiert, dass er nicht länger an dieser Nominierung festhalten möchte.
Der Bericht lässt offen, wann diese Entscheidung kommuniziert wurde. Dafür kritisierte Generalvikar Dr. Markus Hofmann den "Kölner Stadt-Anzeiger" für die Verwendung des Begriffes "homophob": "Pater Romano hat einen Fehler gemacht und er hat sich dafür entschuldigt. Er hat auch sehr deutlich gesagt, dass jeder Mensch ungeachtet seiner sexuellen Orientierung Respekt verdiene und auf keinen Fall herabgewürdigt werden dürfe. Ihn nun als homophob zu verunglimpfen, ist ungerecht und geht über das verständliche Maß an Kritik zu seinem Vortrag weit hinaus".
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