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Trendumkehr?

Umfrage: Russen werden homofreundlicher

Fast die Hälfte der Russen zeigt sich inzwischen davon überzeugt, dass sexuelle Minderheiten gleiche Rechte verdienen. Das ist der höchste Wert in 14 Jahren.


LGBTI 2018 bei einer Demonstration zum 1. Mai in Sankt Petersburg (Bild: Straights for Equality / vk)

Laut einer neuen Umfrage des unabhängigen Meinungsforschungsinstituts Levada erklären 47 Prozent der russischen Bevölkerung, dass Schwule und Lesben die gleichen Rechte haben sollten wie die russische Mehrheitsbevölkerung. 43 Prozent glauben dagegen, dass Heterosexuelle grundsätzlich vom Staat bevorzugt werden sollten.

Das ist der höchste von Levada gemessene Wert bei dieser Frage seit 2005, als 51 Prozent Homosexuellen gleiche Rechte zubilligen wollten. In den Folgejahren war dieser Anteil gesunken – bis auf 39 Prozent im Jahr 2013, als das Putin-Regime das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" beschlossen hatte (queer.de berichtete). Der Politik-Experte Alexei Makarkin erklärte gegenüber der Mediengruppe RBK, Grund für die Abnahme von Homophobie sei möglicherweise, dass die staatlich kontrollierten Fernsehsender weniger LGBTI-feindliche Inhalte sendeten als noch vor wenigen Jahren.

Dennoch sehen die meisten Russen nach wie vor mit Ekel auf Homosexuelle: Auf die Frage, wie ihre persönliche Beziehung zu Schwulen und Lesben sei, antworteten nur drei Prozent, sie sei positiv. 56 Prozent gaben an, eine negative Einstellung gegenüber sexuellen Minderheiten zu haben. Der Rest zeigte sich neutral oder gleichgültig.

Russen kennen kaum Schwule und Lesben

Die negativen Zahlen kommen laut den Meinungsforschern zustande, weil sehr wenige Russen in ihrem Alltag geouteten Schwule und Lesben begegnet sind. Nur acht Prozent gaben an, eine "Person mit anderer sexueller Orientierung" persönlich zu kennen. Das ist aber der höchste Wert seit der ersten Befragung 2013.

Für die repräsentative Umfrage wurden 1.625 russische Staatsbürger über 18 Jahren zwischen dem 18. und 23. April persönlich interviewt.

Bislang hatten Umfragen stets darauf hingedeutet, dass die russische Bevölkerung wegen der Regierungs- und Medienpropaganda homophober wird. Letztes Jahr wurde etwa eine Umfrage veröffentlicht, nach der die russische Bevölkerung mehr Abneigung gegenüber Homosexuellen verspürte als Ende der Neunzigerjahre (queer.de berichtete). In einer weiteren Umfrage gab außerdem eine Mehrheit an, sich vor Homo-"Propaganda" zu fürchten (queer.de berichtete).

Politikwissenschaftler sehen Machtpolitik als Grund für die homophobe Grundhaltung der russischen Regierung. Die Regierung versuche mit nationalistischer Rhetorik, sich als einziger Vertreter des "wahren Russlands" zu profilieren. Homosexualität werde dabei als Teil westlicher Dekadenz beschrieben, von der man sich absetzen müsse. LGBTI-Aktivisten befürchten, dass das Putin-Regime bei einer eventuellen Wirtschaftskrise ihre homophoben Ausbrüche noch verstärkt, um an der Macht zu bleiben. (dk)



#1 KremlAnonym
  • 27.05.2019, 16:26h
  • Das ist die Meinung des Volkes.
    Aber die Regierung in Russland hat da eine andere Auffassung. Die Demokratie in Russland ist ausgehebelt.

    Eine Umkehr ist nur möglich, wenn der Präsident im Kreml ein anderer sein wird.

    ©BuntesUndSchönes
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#2 Alexander_FAnonym
  • 27.05.2019, 17:13h
  • Es ist sehr erfreulich, zu hören, dass sich selbst in einem Land wie Russland der Fortschritt nicht vollständig aufhören lässt.

    Dennoch würde ich noch etwas damit warten, die Sektkorken knallen zu lassen: man darf nicht vergessen, dass selbst wenn sich die Situation in Russland bessert, sie dennoch auf einem Stand ist, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Wie weit nämlich die negative Einstellung unsereinem gegenüber geht, die schließlich immer noch ganz 56 Prozent vertreten, wurde wahrscheinlich ganz bewusst nicht untersucht. Ohne allzu pessimistisch sein zu wollen gehe ich davon aus, dass davon ein Großteil davon Haftstrafen oder gar Schlimmeres für uns befürworten.
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#3 Alexander_FAnonym
  • 28.05.2019, 12:29h
  • Antwort auf #1 von Kreml
  • Ich behaupte nicht, Russland wie meine Westentasche zu kennen, aber als gelernter Slavist und Osteuropahistoriker dennoch etwas besser, als viele. Ich möchte dir deshalb, so sehr ich deine Ablehnung Putin gegenüber voll und ganz teile, etwas widersprechen.

    Tatsächlich ist Putin nämlich gemessen an den Ansichten, die manche Otto Normalrussen über uns haben, noch vergleichsweise sehr liberal, und seine Gesetzgebung weitestgehend ein Zugeständnis an solche in der russischen Gesellschaft tief verwurzelte Ansichten. Das ist etwas, was für uns Westeuropäer oft etwas schwer zu verstehen ist: Putin ist gerade deshalb so beliebt, WEIL er so autoritär ist, und viele derer, die ihn dort ablehnen, tun das deshalb, weil er ihnen nicht autoritär genug ist. Natürlich ist da wieder die Frage von Huhn und Ei, davon, ob autoritäre Herrscher für autoritäre Gesellschaften sorgen oder umgekehrt.

    Falls Putin also verschwindet, muss es nicht zwangsläufig besser werden. Ich teile aber natürlich deinen Wunsch, dass er dereinst durch einen weniger autoritären Nachfolger (damit es eine Nachfolgerin wird, muss noch etwas mehr Zeit vergehen...) ersetzt wird.
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#4 TheDadProfil
  • 28.05.2019, 22:15hHannover
  • Antwort auf #3 von Alexander_F
  • ""Falls Putin also verschwindet, muss es nicht zwangsläufig besser werden.""..

    Exakt die gleiche Einschätzung teile ich nicht nur, man muß sie genau so auch für die Türkei und das verschwinden von Erdogan treffen..

    Ob die russischen Bürger*innen wirklich "liberaler denken", oder gar "homofreundlicher" werden kann man an dem Tag untersuchen, wenn die erste Gleichgeschlechtliche Hochzeit in Moskau stattfindet..
    Vorher bleibt das alles Kaffeesatzleserei..
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