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Brandenburg

Deutschlands erster offen HIV-positiver Bürgermeister

Thilo Christ wurde am Sonntag mit absoluter Mehrheit zum ehrenamtlichen Bürgermeister von Sieversdorf-Hohenofen gewählt – vor zwanzig Jahren war er mit seinem Mann in das 700-Seelen-Dorf gezogen.


Bürgermeister Thilo Christ: "Meine Wahl ist ein Signal" (Bild: IWWIT)

Deutschland hat seinen ersten offen HIV-positiven Bürgermeister: Am Sonntag wurde Thilo Christ zum ehrenamtlichen Vorsteher seines Heimatdorfes Sieversdorf-Hohenofen in Brandenburg gewählt. Mit 54,5 Prozent der Wählerstimmen setzte er sich klar gegen seinen Kontrahenten Thomas Leitert durch.

Christ war vor 20 Jahren mit seinem Mann René in die 700-Seelen-Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin gezogen, bereits vor fünf Jahren zog der gelernte Konditormeister in den Gemeinderat ein. Seine HIV-Infektion war im Dorf bekannt. "Spätestens seit wir 2009 in der Dorfkirche geheiratet haben", erklärte er 2011 als Rollenmodell und Kampagnensprecher der schwulen Präventionskampagne ICH WEISS WAS ICH TU (IWWIT) der Deutschen Aids-Hilfe (DAH). "Der Pfarrer hat in seiner Ansprache erzählt, dass wir uns auf einem Positiventreffen im Waldschlösschen kennengelernt haben."

Einige Äußerungen unter der Gürtellinie


Thilo Christ im Einsatz für die Deutsche Aids-Hilfe (Bild: IWWIT)

Er verstehe seine Wahl "als Mut machend und auch als ein Signal, zum Beispiel an Menschen mit Behinderungen, sich politisch zu engagieren oder eben auch zur Wahl zu stellen", erklärte der 55-Jährige am Montag in einem Interview mit iwwit.de. Im Wahlkampf habe es allerdings auch Aussagen unterhalb der Gürtellinie gegeben: "Mein Mann René wurde mit mir verwechselt und von einem Gemeindemitglied im Zug angesprochen, wie er sich denn erdreisten könne, sich als 'schwuler Aidskranker' für das Bürgermeisteramt zu bewerben."

Dennoch fühle sich das schwule Paar "darin bestätigt, dass es richtig war unser Häuschen hier zu kaufen", erklärte Thilo Christ. "Und es ist ein Beweis dafür, dass es – gerade nach dem Ergebnis der Europawahl – in Brandenburg doch bunte Flecken gibt, in denen man auch als Minderheit akzeptiert und unterstützt wird."

Auch zwei Landtagsabgeordnete sind offen positiv

Die Deutsche Aids-Hilfe begrüßte den Wahlsieg ihres ehrenamtlichen Mitarbeiters. "Er zeigt: HIV muss heute nicht mehr im Vordergrund stehen. Menschen mit HIV können am öffentlichen Leben teilhaben wie andere Menschen auch", erklärte DAH-Sprecher Holger Wicht. "Wir wünschen Thilo Christ viel Erfolg bei seinen neuen Herausforderungen." Bisher gibt es in Deutschland zwei offen HIV-positive Landtagsabgeordnete, Carsten Schatz (Die Linke) in Berlin und Felix Martin (Grüne) in Hessen.

Als seine großen Aufgaben in Sieversdorf-Hohenofen nannte Thilo Christ das Insektensterben, die Sanierung der Straßenbeleuchtung, das Rekrutieren neuer Mitarbeiter für die freiwillige Feuerwehr sowie die Wiederbelebung des kulturellen Dorflebens. (cw)



#1 ZenkimausAnonym
  • 28.05.2019, 06:28h
  • Glückwunsch an den neuen Bürgermeister. Da sieht man das es im kommunalen darum geht, wer kann für meine Gemeinde das beste machen. Egal ob schwul Oder hetero.
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#2 DerHartmutAnonym
  • 28.05.2019, 12:11h
  • Glückwunsch an Thilo!
    Deutschland ist und bleibt vielfältig! Heute, am Tag der Vielfalt feiert hoffentlich die ganze Gemeinde deine Wahl,
    Hartmut
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#3 AuchAnonym
  • 28.05.2019, 17:07h
  • Sorry verstehe nicht was die HIV infection damit zu tun hat , ich bin selber positiv, aber man muss das im Jahre 2019 nicht mehr heraus stellen , es ist eine Krankheit wie viele andere auch , und es gibt mit weitem Abstand viel schlimmere Krankheiten
    Auch das es mit einem Atemzug mit Behinderung gleichgesetzt wird , HIV positiv sind nicht behindert, das tut den wirklich Behinderten nicht gut , da diese Menschen leider ein wirklich sehr schweres Leben mit unter haben ,
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#4 JorisAnonym
  • 28.05.2019, 17:24h
  • Ich finde es gut, dass immer mehr HIV-Positive sich nicht mehr verstecken.

    Man hat eine ernste Krankheit, die immer noch nicht heilbar ist, mit der man aber dennoch durch Therapie sehr alt werden kann und die Viruslast sogar unter die Nachweisgrenze drücken kann. Das erfordert natürlich eine disziplinierte Therapie, aber das ist immer noch besser als die Alternative...

    Jeder, der HIV hat, kann genauso gut jeden Job ausüben, wie jeder andere.
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#5 FaktencheckAnonym
  • 28.05.2019, 17:49h
  • Antwort auf #3 von Auch
  • "es ist eine Krankheit wie viele andere auch"

    Das sollte so sein, klar.

    Aber die im Artikel beschriebene Beleidigung im Zug ist ja leider kein Einzelfall. Medizinisch gesehen ist HIV heute eine sehr gut behandelbare Infektion. Gesellschaftlich gesehen existiert eine massive Diskriminierung weiter, und das macht HIV leider immer noch "besonders".

    Ohne "offene" HIV-Positive wird sich daran aber eben auch nichts ändern. Wir brauchen sichtbare HIV-Positive, um das Stigma zu bekämpfen. Ohne sie geht es nicht.
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#6 AuchDasNochAnonym
  • 28.05.2019, 17:51h
  • Antwort auf #3 von Auch
  • Möchtest Du, dass man nicht mehr drüber reden soll, HIV positiv zu sein?

    Du klingst wie die Menschen, die meinten, dass man Homosexualität ja nicht mehr herausstellen müsse, weil mal mit der Ehe für alle ja jetzt Anerkennung habe.

    Und damit letztenendes ein Kommunikationsverbot gefordert haben.

    Eine HIV Infektion ist nichts, was man irgendwie verstecken müssen sollte. Davon sind wir, so scheint mir, allerdings immer noch weit weg. Viel weiter noch als bei Homosexualität.
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#7 andreAnonym
  • 28.05.2019, 17:53h
  • Antwort auf #3 von Auch
  • Bin auch Betroffener und doch, ich bin behindert. Ich habe es schwarz auf einer /grün/pinken Karte. Sogar 100%. Zugegeben, selbst gestaunt und konnte es kaum glauben. Einfach so eingereicht. Habe jetzt einige Vorteile und 5 Tage mehr Urlaub. Habe auch nie irgendwelche Hilfe gebraucht. Arbeiten und Sportstudio, Bergwandern etc war die größte Hilfe. An meinem Tagesablauf hat sich nichts geändert. Die ersten Tage nach Feststellung lag ich im Krankenhaus an Infusionen. Naja, mit 19 T-Helferzellen und AIDS Vollbild. Jetzt nicht mehr nachweisbar, nach 2 Jahren. Die Caritas und der ASB kamen an mein Krankenbett um mir irgendwelche Selbsthilfegruppen aufzuschwatzen. Fast habe ich dadurch geglaubt, daß ich eigentlich schon tot bin. Die haben noch dazu so mitleidig geschaut. Gedacht, ich bekomme die letzte Ölung. Fürchterlich. Die Leute gleich weggeschickt. Was ich nur schwer verstehen kann, dieses öffentliche Outing. Was bringt das ? Aber das ist meine Meinung.
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#8 Homonklin44Profil
  • 29.05.2019, 08:37hTauroa Point
  • ""Mein Mann René wurde mit mir verwechselt und von einem Gemeindemitglied im Zug angesprochen, wie er sich denn erdreisten könne, sich als 'schwuler Aidskranker' für das Bürgermeisteramt zu bewerben.""

    Mir tut das leid, Man kann in solchen Fällen ja ob Sprachlosigkeit nicht immer gut Kontra geben, aber man hätte den Typ fragen sollen, wie er es mit dem flachen Horizont bloß hinbekommen hat, ohne fremde Hilfe in den Zug einzusteigen.

    Evtl. mit der Feuerwehr, bei den Kleinen anfangen. Viele träumen davon und trauen sich nicht zu fragen.

    Insektensterben ist leider zum Großteil Pestizid bedingt - etwas auch Habitat und Nahrungsangebot relevant bzw. durch Lichtverschmutzung. Verdrängende Neozoen und Krankheiten/Parasiten sind auch Einflüsse. Die Gegend müsste sich ideal zum Vergrößern des Nahrungsangebots/Habitat anbieten, um Verinselung der Biodiversität und der Lebensräume abzuwenden. Anlegen von Brachen und Mahden verschieben könnte schon was nützen, Wiesen und Raine artenreich anlegen, anstatt Monokultur. An ungenutzten Stellen können Wildblumen gedeihen, Samenmischungen verschenken, Wettbewerbe bei den Schulkindern ect.
    Nur so paar Ideen, nix Großes.

    Viel Erfolg bei der anspruchsvollen Aufgabe!
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#9 anjelyAnonym
  • 31.05.2019, 10:26h
  • Herzlichen Glückwunsch, finde ich (70 Jahre alt weiblich) ganz toll! Ich bin selbst HIV+ seit 25 Jahren, aufgrund eines Krankenhausaufenthaltes in Maputo/Mozambique 1994. Diskriminierung ist leider immer noch ein Problem. Im November hat mir ein Arzt eine Schmerztherapie mit Akupunktur verweigert, mit der Begründung "es könnte ja eine Nadel herunterfallen und jemand hineintreten und sich infizieren"!!!! Offensichtlich laufen die Mitarbeiter in dieser Praxis alle barfuss herum und diesem Arzt ist auch nicht bekannt, dass man nicht mehr infektiös ist, wenn man Medikamente schluckt, wie ich seit 25 Jahren.
    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg
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