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Staatshomophobie

Libanon verbietet Grindr

Der Nahoststaat will Schwule davon abhalten, sich auf Dating-Apps zu verabreden. LGBTI-Aktivisten vermuten hinter dem Verbot eine Ablenkungsaktion der Regierung.


Eine Grindr-Verabredung wird schwieriger im Libanon

  • 29. Mai 2019, 11:49h, noch kein Kommentar

Die schwule Dating-App Grindr ist nach Angaben der Zeitung "Daily Star" am vergangenen Freitag vom libanesischen Telekommunikationsministerium verboten worden. Internet-Provider hätten demnach eine Anordnung erhalten, den Zugang zu grindr.com und den dazugehörigen IP-Adressen zu blockieren. Am Wochenende informierte der staatliche Telekommunikatioskonzern Ogero schließlich seine Nutzer über das Verbot. Laut der Nichtregierungsorganisation Smex, die sich für ein freies Internet einsetzt, haben einige Provider das Verbot allerdings noch nicht umgesetzt.

Einen Grund für die Anordnung nannte das Ministerium nicht. LGBTI-Aktivisten gehen aber davon aus, dass die Regierung gezielt gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten vorgeht – und zeigten sich über das Verbot entsetzt: "Dies ist kein Einzelfall, sondern Teil einer größeren Kampagne und Strategie, um den Bewegungsfreiraum der LGBT-Community einzuschränken", erklärte Tarek Zeidan von LGBTI-Organisation Helem.

Der Aktivist fügte hinzu, dass Homo- und Transsexuelle von der Führung des Landes gerne als Ablenkung genutzt würden, um von Problemen im Land abzulenken. "Das Verbot trat ausgerechnet dann in Kraft, als die Regierung unpopuläre Sparmaßnahmen umsetzte", so Zeidan. Er bezog sich auf einen Haushaltsentwurf mit vielen Einschnitten, der nur wenige Stunden vor dem Verbot veröffentlicht wurde.

Twitter / khashab99

Die Bevölkerung des sechs Millionen Einwohner zählenden multireligiösen Libanon – knapp über die Hälfte sind Muslime und rund 40 Prozent Christen – ist äußerst homophob eingestellt. 70 Prozent halten laut Umfragen Homosexualität für unnatürlich. Wegen staatlicher Repressionen musste im vergangenen Jahr auch der CSD in der Hauptstadt Beirut abgesagt werden (queer.de berichtete).

Dennoch gilt das Land im Vergleich zu anderen Staaten der Region als relativ liberal. Letztes Jahr stellte etwa ein Gericht fest, dass homosexuelle Handlungen keine Straftat darstellten (queer.de berichtete). Die meisten anderen Staaten im Nahen Osten verbieten dagegen die gleichgeschlechtliche Liebe – in sechs dieser Länder droht sexuellen Minderheiten sogar die Todesstrafe. (dk)