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Neugierde und Scham

Ich war in der "Fetish Black Box"!

Der österreichische Künstler Georg Kroneis lädt bei einer "haptischen Performance" in einem riesigen, schwarzen und sehr dunklen Würfel zum kunstvollen Selbsterfahrungstrip.


Die "Fetish Black Box" misst 2,4 mal 2,4 mal 2,4 Meter (Bild: Georg Kroneis)

  • Von Peter Fuchs
    30. Mai 2019, 06:53h, noch kein Kommentar

Karfreitag in Berlin: Am 19. April 2019 steht mitten im Kulturzentrum Wabe in Prenzlauer Berg ein riesiger, schwarzer Würfel. Der Künstler Georg Kroneis lädt zur Premiere seiner "haptischen Performance" in diesen Kubus. Performance heißt: der Künstler interagiert in seiner "Fetish Black Box" für 20 bis 30 Minuten nur mit einer Person. Haptisch bedeutet mit Berührung. Von außen kann niemand in den Würfel schauen, und man hört auch nicht, was im Inneren geschieht.

Der Würfel besteht aus einer Aluminiumkonstruktion, misst 2,4 mal 2,4 mal 2,4 Meter. In diesen mächtigen 13,8 Kubikmetern kann man aufrecht stehen oder auch ausgestreckt liegen. Die Hülle besteht aus schwarzem Lederimitat sowie jeder Menge schalldämpfenden und lichtschluckendem Gewebe. Der Österreicher Georg Kroneis ist nicht nur Performance-Künstler, sondern auch in der Szene für Alte Musik mit dem Spiel auf seiner Viola da Gamba bekannt (queer.de berichtete). Auch erwähnenswert: Kroneis wurde 2015 zum Mr. Bear Austria gewählt.

Der Künstler nimmt mich an der Hand


Georg Kroneis als Mr. Bear Austria 2015

Vor der Performance heißt es Schuhe ausziehen. Ich stelle sie ordentlich vor dem Eingang in den Würfel ab. Besonders charmant: Der Künstler nimmt mich an der Hand und zieht mich durch den Schlitz eines schweren Vorhangs in den Würfel.

Im Kubus ist es dunkel und riecht nach Lederimitat. Der Boden ist weich, ich muss mich breitbeinig hinstellen, um einen sicheren Stand zu haben. Stark gedämpft höre ich Geräusche von außen, die Stimmen eines Mannes und einer Frau im Gespräch, ohne ihre Worte zu verstehen und zwischendurch auch ein wenig Musik. Der Künstler, den ich nicht sehen kann, steht dicht neben mir und fragt nah an meinem Ohr, ob ich einen Schallschutz-Kopfhörer aufsetzen möchte. Kurz überlege ich, um dann dankend abzulehnen.

Mein Kopf sagt: Ich will für die Performance im Finstern neben dem Sehsinn nicht noch einen weiteren meiner sieben Sinne runter dimmen. Mein Bauch fragt: Was ist, wenn ich während der Performance etwas nicht hören kann? Mein Kopf antwortet spöttisch: Ist das vielleicht ein kleines Angstgefühl? Dieser interne Dialog endet jedoch sofort, als der Künstler die Performance startet und mich wieder an die Hand nimmt.

Spekulationen, Gewissheiten und Ängste

Um es an dieser Stelle kurz zu machen: Was in der "Fetish Black Box" passiert, bleibt in der "Fetish Black Box". Alles andere wäre ein Spoiler, der nachfolgenden Rezipient*innen dieser Performance-Installation den Spaß verdirbt. Außerdem ist zu vermuten, dass keine Performance der anderen gleicht.

Der Würfel entfaltet seine Wirkung in zwei Richtungen. Weil er nach außen blickdicht ist, bleiben alle Gespräche über die Performance nur Mutmaßungen. Dabei poppen auch wilde Spekulationen, vermeintliche Gewissheiten, aber auch Ängste auf. Zum Beispiel: "Nein, ich kann da nicht reingehen, wer weiß, wie enthemmt ich mich da drinnen aufführe."

Nach innen ist die Wirkung zuerst von der Erwartungshaltung bestimmt, mit der man den Würfel betritt. Das kann auf der einen Seite Neugierde sein, auf der anderen Seite Scham. Wohin geht diese Reise aber, wenn niemand zuschauen kann? Schon bald wird klar, dass diese Performance die Rezipient*innen trotz des anwesenden Künstlers auf die Wahrnehmung des eigenen Körpers konzentriert und sich so zu einem kunstvollen Selbsterfahrungstrip entwickelt.

Fazit: Eine Performance im Dunklen, die sehr erhellend sein kann.

Facebook | Eindrücke von der Premiere in der Wabe Berlin

Nächste Termine

31.05.2019: Kunsthaus Graz, "Performance NOW", 14-23 Uhr
01.06.2019: Kunsthaus Graz, "Performance NOW", 10-21 Uhr