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Filmzensur
Russen sehen bei "Rocketman" keinen schwulen Sex
In der russischen Sprachversion des Elton-John-Biografiefilms sind wegen des Homo-"Propaganda"-Gesetzes alle eindeutigen Hinweise, dass der Star schwul ist, getilgt worden.

Russische Zuschauer werden denken, dass Elton John (Taron Egerton) und John Reid (Richard Madden) stockheterosexuell sind (Bild: Paramount Pictures)
- 31. Mai 2019, 13:27h 2 Min.
Wer in Russland den Film "Rocketman" im Kino anschaut, sieht einen Elton John, der weder Rauschmittel nimmt noch schwul ist. Wie Doschd TV am Freitag meldete, sind alle alle Hinweise auf die Homosexualität des Sängers aus der russischen Sprachfassung des Films entfernt worden, ebenso wie Szenen mit Drogenkonsum.
Zum Opfer fielen etwa eine 40-sekündige Sexszene zwischen John (dargestellt von Taron Egerton) und seinem Manager John Reid (Richard Madden). Auch alle gleichgeschlechtlichen Küsse – selbst beiläufige – seien entfernt worden, ebenso wie nichtsexuelle "schwule" Szenen: Dies schließt ein aktuelles Foto des echten Elton John und seines Ehemannes David Furnish während des Filmabspanns ein. Die dazugehörige Einblendung, das Paar lebe zusammen und ziehe Kinder auf, fehle.
Insgesamt seien so rund fünf Minuten des Films entfernt worden. "Rocketman" ist am Donnerstag in Deutschland angelaufen, am Freitag startete der Film auch in Großbritannien und den USA. In Russland gab es eine erste Voraufführung am Donnerstag, der Filmstart ist allerdings erst am 6. Juni.
Verleihfirma verweist auf russische Gesetze
Laut der Nachrichtenagentur "Interfax" hat das russische Kulturministerium erklärt, der Filmverleih habe freiwillig und ohne Druck der Regierung die Szenen aus dem Film entfernt. Ein Sprecher der russischen Verleihfirma sagte, man habe die Szenen nur entfernt, "um die Gesetze der Russischen Föderation einzuhalten". Konkret geht es dabei um das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" aus dem Jahr 2013, das "Werbung" für "nicht traditionelle sexuelle Verhältnisse" gegenüber Minderjährigen verbietet. Medien können sich mit einer Selbstauszeichnung als 18+ der Gesetzeswirkung entziehen.
In Russland haben viele Filme, in denen Schwule und Lesben vorkommen, Probleme bei der Veröffentlichung. Selbst dem Kinderfilm "Die Schöne und das Biest" drohte ein Verbot, weil darin zwei Männer beim Tanzen zu sehen waren – am Ende gaben die Zensoren den Film ab 16 Jahren frei (queer.de berichtete).
Elton John hatte persönlich darauf bestanden, dass der Film auch Sex- und Drogenszenen aus seinem Leben enthielt (queer.de berichtete). Damit setzt sich der Film von der Freddie-Mercury-Biografie "Bohemian Rhapsody" ab, die weitgehend auf Hinweise über die sexuelle Orientierung des Stars verzichtete.
Eltonn John hatte Konzerte in Russland dazu genutzt, um sich gegen das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" und gegen Homophobie auszusprechen (queer.de berichtete). Außerdem traf er sich öffentlich mit LGBTI- und Aids-Aktivisten (queer.de berichtete). (dk)















Das sollte verboten werden. Entweder man zeigt den Film unzensiert oder gar nicht. Alles andere ist ein Unding und mehr als bedenklich.
Dann sollte er in Russland gar nicht gezeigt werden. Und diejenigen, die sich dann informieren, warum er nicht gezeigt wird, werden die Wahrheit schon rausfinden und dann mal kritisch hinterfragen, was in ihrem Land passiert.