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Zwischen camp und queer

Elf Gründe für "Roxy und ihr Wunderteam"

An der Komischen Oper Berlin premierte am Freitag die historische Fußball-Operette von Paul Abraham. Christoph Marti von den Geschwistern Pfister spielt, singt und tanzt eine Milliardärsnichte, die mit dem ungarischen Nationalteam durchbrennt.


"Roxy und ihr Wunderteam" ist eine verrückt-turbulente Sportsatire über eine Braut auf der Flucht, die einer ganzen Fußballmannschaft den Kopf verdreht (Bild: Iko Freese / drama-berlin.de)

In der Operette "Roxy und ihr Wunderteam" von Paul Abraham brennt eine Milliardärsnichte knapp vor ihrer Hochzeit mit den elf Fußballern des ungarischen Nationalteams durch. Nach einigem Dribbeln, Abseits und Freistößen landet sie zum Schlusspfiff in den Armen des Mittelfeldspielers.

Dass diese Nichte Christoph Marti von den Geschwistern Pfister spielt, singt und tanzt, ist Grund genug, die Inszenierung zu sehen. Aber es gibt noch zehn weitere, warum die Fankurve in der Komischen Oper Berlin dafür einen Besuch wert ist.

1. Paul Abraham schrieb "Roxy" 1937 im Exil. Intendant Barry Kosky hält damit weiterhin das Werk von in der Nazizeit vertriebenen Künstlern lebendig.


Bild: Iko Freese / drama-berlin.de

2. Inszenierung und Bühnenbild erlauben gleich zu Beginn den Blick in die Kickerkabine und zeigen das Umziehen und Duschen als charmante (und auch erotische) Pointe.

3. Regisseur Stefan Huber und sein Ausstattungsteam bringen nach dem Erfolg mit einer opulenten "Clivia" (2014) nicht "more of the same", sondern reduzieren auf das Maximum, um die schönen Momente von "Roxy" zum Leuchten zu bringen. Konzentriert, rasant und kurzweilig geht es so durch vergnügliche drei Stunden inklusive Pause.

4. Der musikalische Leiter Kai Tietje poliert die Musik mit zeitgenössischen Arrangements wunderbar zwischen Puszta-Pep, Operettenschmelz und Jazz auf. Er sorgt dafür, dass Lieder wie "Black Walk" das Zeug zum Fangesang bekommen.

5. Flattert ein riesiger Schmetterling durch die Szenerie, bringt Bühnenbildner Stephan Prattes die Daseinsberechtigung von Operette 2019 auch optisch auf den Punkt. Offenbart dann noch der die Bühne dominierende Fußball sein Innenleben, heißt es: Champions League!

6. Sobald die "Donaunixen" in den funkelnden Glitzerbikinis der Kostümbildnerin Heike Seidler "Cocktails mixen" und unterstützt von den Fußballern in Badehosen steppen, erfreuen sich Augen und Ohren des geneigten Publikums. Camp as f***!


Bild: Iko Freese / drama-berlin.de

7. Die mitreißende Choreographie von Danny Costello überrascht auch mit Zeitlupenwiederholungen von Flugkurven.

8. Der bestens aufgestellte Jörn Felix Alt beweist mit seinem Spiel, Tanz und Gesang, dass auch Torwarte Spielmacher sein können.

9. In mehreren Rollen ist Fräulein Schneider/Andreja Schneider zu sehen. Aber gleich, ob sie als Zimmermädchen oder strenge Mädchenpensionatsleiterin auftritt: Wie immer knallt sie jede Pointe passgenau in die Kreuzecke.

10. Für die romantischen Momente mit Augenzwinkern sorgt wie so oft Tobias Bonn, dessen Toni Pfister als Mittelfeldspieler lange braucht, um mit seinen Gefühlen aus der Defensive zu kommen.

11. Christoph Marti gibt Ursli Pfister, der Roxy spielt. Vom frivolen Liedtext "Mach eine kleine, feine Handarbeit, für den, der dich verehrt" bis zum dramatischen Verbeugen beim Schlussapplaus: Hinreißender und entspannter lässt sich der Doppelpass zwischen camp und queer nicht auf die Bühne bringen.

Direktlink | Offizieller Teaser der Komischen Oper

Infos zum Stück

Roxy und ihr Wunderteam. Fußball-Operette von Paul Abraham. Musikalische Leitung: Kai Tietje. Inszenierung: Stefan Huber. Choreographie: Danny Costello. Bühnenbild: Stephan Prattes. Kostüme: Heike Seidler. Mit: Christoph Marti, Tobias Bonn, Andreja Schneider, Jörn Felix Alt u.v.m. Komische Oper Berlin. Nächste Vorstellungen: 7., 13., 15., 19. Juni