Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?33750

Kassel

Kutschera wegen homofeindlicher Äußerungen vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Biologen zu seinen Aussagen zur Ehe für alle Volksverhetzung, Beleidigung und Verleumdung vor.


Professor Ulrich Kutschera, hier als Experte zu Charles Darwin in einer ARD-Sendung, macht seit Jahren mit Aussagen gegen die vermeintliche "Gender-Ideologie" von sich reden (Bild: Screenshot ARD)

Der wegen homo- und transsexuellenfeindlichen Aussagen umstrittene Kasseler Biologieprofessor Ulrich Kutschera muss sich am Mittwoch vor dem dortigen Amtsgericht verantworten. Wie die "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" (HNA) am Montag in ihrer Print-Ausgabe berichtet, wirft die Staatsanwaltschaft dem 64-Jährige Volksverhetzung, Beleidigung und Verleumdung vor.

Anlass ist ein Interview, das Kutschera dem Portal kath.net im Juli 2017 anlässlich der gerade im Bundestag beschlossenen Ehe-Öffnung gegeben hatte. Darin betonte er unter anderem: "Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann- bzw. Frau-Frau-Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen" (queer.de berichtete).

Laut Kutschera gebe es bei "heteronormalen Elternpaaren mit Kindern" ein "genetisch verankertes Inzucht-Verbot". Bei schwulen Männern fehle dies: "Warum sollte ein 40-jähriger Homo-Mann nicht z. B. den 15-jährigen Adoptivling begehren, da zu diesem Kind überhaupt keine direkte erbliche Verwandtschaft besteht?" Daher bahne sich ein "Horror-Kinderschänder-Szenario" an – übrigens auch bei homosexuellen Frauen: "Da lesbische Frauen in verstärktem Maße zur Pädophilie neigen, ergeben sich dort analoge Probleme."


Das Interview war 2017 auf dem in Linz beheimateten Portal kath.net erschienen

Der Staat habe "nichts davon, wenn er sterile Homo-Pärchen privilegiert, denn die Rente dieser Menschen muss von den Kindern aus fertilen Mann-Frau-Ehen aufgebracht werden – eine Ungerechtigkeit ersten Ranges", so Kutschera weiter. Die Ehe-Öffnung sei Ausdruck der "perversen Kinderschänder-Ideologie" der "Gender-Ideologie".

Staatsanwaltschaft prüfte Anzeigen

Laut HNA habe es nach dem Interview zwei Strafanzeigen gegen Kutschera gegeben. Nach Ansicht der Kasseler Staatsanwaltschaft seien die Äußerungen geeignet, Homosexuelle und speziell gleichgeschlechtliche Paare "in ihrer Geltung und ihrem Ansehen gegenüber heterosexuellen Mitmenschen als ungleichberichtigte Personen herabzuwürdigen und zu verletzen", so die Lokalzeitung.

Kutschera hatte damals seine Aussagen gegenüber dem Hessischen Rundfunk und der HNA noch zu verteidigen versucht und dabei auf fragwürdige wissenschaftliche Aussagen verwiesen (queer.de berichtete). Wenige Wochen später legte Kutschera in einem Interview mit einer polnischen Zeitung, das bei kath.net übersetzt erschien, nach: Homosexuelle betrieben ein "biologisch sinnloses Paarungs-Verhalten", die Ehe-Öffnung sei eine "Abwertung potenziell fruchtbarer Ehen" und eine "politisch einflussreiche links/grün/rot-indoktrinierte Gender-Homo-Lobby" habe die "'christlichen' Parteien fest im Würgegriff", meinte er damals (queer.de berichtete).

Homophobe Hetze bei AfD willkommen

Der Evolutionsbiologe hatte 2016 das Buch "Das Gender-Paradoxon" verfasst und gilt seitdem als einer der führenden Kritiker einer vermeintlichen "Gender-Ideologie" in Deutschland. Inzwischen sitzt er im Kuratorium der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung. Erst letzte Woche hielt er im Kieler Landeshaus auf Einladung der AfD-Landtagsfraktion einen Vortrag zum Thema "Mann = Frau? Wie weit geht der Gender-Wahn?" (queer.de berichtete).


AfD-Werbung für die Veranstaltung mit "dem international angesehenen Biologen Prof. Dr. Ulrich Kutschera"

Für das von der AfD-Politikerin Beatrix von Storch und ihrem Ehemann betriebene Portal "Freie Welt" verfasste Kutschera zuletzt mehrere homofeindliche Kommentare. In einem beklagte er "Gender-Indoktrination" in der "Sesamstraße": Zu der Meldung, Ernie und Bert könnten schwul sein, betonte er, "die gleichgeschlechtliche Veranlagung von Männern" basiere "in aller Regel auf hormonellen bzw. immunologischen Entwicklungsprozessen, die vorgeburtlich nicht so verlaufen sind wie bei ca. 98 % der Heteronormalen". Es sei "unakzeptabel, Kindern eine auf 'developmental disorders' basierende Homo-Verhaltensweise als 'freiwilligen Lebensstil' zu vermitteln." Das "Motto 'schwul ist genauso normal wie hetero'" widerspriche aktuellen biomedizinischen Forschungsergebnissen.


Viele seiner umstrittenen Thesen wiederholte Kutschera 2018 in einem Video-Interview mit der AfD-Bundestagsabgeordneten Beatrix von Storch für das Portal "Freie Welt"

In einem weiteren Gastkommentar gab er unter Verweis auf seine kath.net-Interviews jenen Stimmen in der katholischen Kirche Recht, die die Verantwortung am Missbrauchsskandal auf Homosexualität zurückführen wollen. "Die Wahrscheinlichkeit, mit der ein junger Mann (heranwachsender Jugendlicher, Seminarist usw.), der im Schwule-Männer-Milieu aufwächst, als 'Objekt der Begierde' angesehen wird, ist höher als in der heteronormalen Durchschnittsbevölkerung", so Kutschera. "Dieser Sachverhalt darf nicht tabuisiert werden, obwohl er als 'politisch inkorrekt' angesehen wird." (nb)



#1 MonomiloAnonym
  • 03.06.2019, 15:48h
  • Aber....

    Also...

    Ohne "Ehe für alle" werden wir trotzdem alt und pflegebedürftig...

    .
    Und die Kinder aus "fertilen Familien" (ich hab so kp was fertil heißt aber egal) müssen doch trotzdem "unsere Rente" zahlen... (muahaha, als ob ich oder irgendjemand unter 35 noch sowas wie ne staatliche Rente bekommen wird oO)

    Die Argumentation ist selbst für das Spektrum, in dem sich der werte Herr bewegt, löchrig und absurd
  • Antworten » | Direktlink »
#2 IronikerAnonym
  • 03.06.2019, 16:14h
  • Ich bin dann wieder mal für einen Fertilitätsnachweis für beide heiratswilligen Hetero-Partner, der künftig dem Standesamt bei Einreichung des Aufgebots vorzulegen ist. Zuzüglich zu einer schriftlichen Erklärung, dass das Hochzeitspaar innerhalb maximal 12 Monaten mindestens ein Kind zeugen wird. Sowie mindestens weitere zwei innerhalb 5 Jahren.

    Frauen ab dem Klimakterium dürfen dann natürlich gar nicht mehr heiraten - bringt ja nix mehr.

    Adoptionen gehören auch ganz generell verboten. Schließlich ersetzen diese fehlende eigene Fertilität durch die Fertilität Anderer. Das ist Fertilitätsraub und muss mit Kopulationsverbot nicht unter 3 Jahren bestraft werden.

    Ich bin sicher, Herr Professor (*Lachanfall unterdrück*) K. hat noch viel mehr auf Lager - meine Phantasie reicht dazu gerade nicht aus...

    *AUGENROLL*
  • Antworten » | Direktlink »
#3 schwulenaktivist
#4 maaaartinAnonym
  • 03.06.2019, 17:31h
  • ein blick auf wikipedia verrät, wie relevant die beiträge dieses herren zum thema adoption sind:

    "Die Physiologie und Evolution verschiedener Organismen, d. h. Ringelwürmer (Anneliden), Wirbeltieren (z. B. Schlammspringer), Pflanzen, Bakterien und Myxomyceten stehen im Zentrum seiner Interessen"

    seit wann spielt adoption eine rolle in der welt der ringelwürmer und schlammspringer? gar keine.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 alter schwedeAnonym
  • 03.06.2019, 18:42h
  • Der Staat habe "nichts davon, wenn er sterile Homo-Pärchen privilegiert, denn die Rente dieser Menschen muss von den Kindern aus fertilen Mann-Frau-Ehen aufgebracht werden eine Ungerechtigkeit ersten Ranges", so Kutschera weiter.

    Die Pfeiffe vergißt allerdings zu erwähnen, daß die sterilen Homo-Pärchen während ihres Arbeitslebens, u. a. über ihre sozialversicherungspflichtigen Abgaben, auch für im Ruhestand befindliche fertile Man-Frau-Rentner aufkommen müssen.

    Kann natürlich sein, daß akadämliche Professoren und aufgeplusterte Adels-Schateken aus der AfD so etwas nicht wissen, da sie ihr Leben lang noch keine Sozialversicherungsabgaben gezahlt haben.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Alexander_FAnonym
  • 03.06.2019, 18:57h
  • Antwort auf #4 von maaaartin
  • Die Masche kennt man auch von solchen "Wissenschaftlern", die die Evolutionstheorie oder den Holocaust leugnen. Man legt sich einen wissenschaftlichen Titel zu, um an Autorität zu gewinnen, und äußert sich dann in der Öffentlichkeit zu Themen, die gar nichts mit dem zu tun haben, womit man sich in der wissenschaftlichen Karriere befasst hat, die einem aber weltanschaulich bedingt am meisten am Herzen liegen.

    Zu Herrn Kutschera kann ich ihn nur selbst etwas verfremdet zitieren: Volksverhetzungsanklage für Kutschera? Diese Entscheidung überrascht mit nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 antosProfil
  • 03.06.2019, 21:02hBonn
  • Antwort auf #5 von alter schwede
  • Und da darf man doch fragen: Was für eine Art Wissenschaftler ist eigentlich so ein Ideologe wie der Herr Kutschera, der schon einfache Zusammenhänge wie den unseres staatlichen Rentensystems (Stichwort: Umlageverfahren) nur verzerrt und falsch wiederzugeben in der Lage ist?

    Für die garantiert fette Beamtenpension, die Herr Prof. Kutschera beziehen wird kommen übrigens wir Steuerzahler auf - fertil oder nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Ralph
  • 03.06.2019, 22:18h
  • Sage mir, mit wem du dich einlässt, und ich sage dir, wer du bist. Wer die AfD und kath.net bedient, steht in der äußersten rechten Ecke. Dass inzwischen schon wieder Rechtsradikale an einer deutschen Uni "lehren" dürfen, ist fast so erschreckend wie die Aussicht, dass wir nächstens wohl eine rechtsradikale Bundeskanzlerin bekommen werden. Ich lebe in einer "infertilen" Ehe mit einem Mann (nicht anders als Angela Merkel) und habe zwei Kinder und fünf Enkel, die Herrn Kutscheras üppige Professorenpension werden zahlen müssen. Das sind immerhin schon mal sieben Nachkommen - wie viele haben Sie zu Stande gebracht, Herr Professor? Und wenn Sie schon vom Inzesttabu bei Heten schwafeln - woher kommen dann die ganzen Missbrauchsfälle mit heterosexuellen Vätern und Onkeln? Ja - Menschen sind schon was anderes als Ihre Spulwürmer und Algen. Sie wollen Atheist sein? Warum käuen Sie dann katholischen Mist wieder?
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Ith_Anonym
  • 03.06.2019, 22:58h
  • "Warum sollte ein 40-jähriger Homo-Mann nicht z. B. den 15-jährigen Adoptivling begehren, da zu diesem Kind überhaupt keine direkte erbliche Verwandtschaft besteht?""

    Ich hatte das Interview zwischenzeitlich ja schonmal raussuchen müssen, weil man mir an der Uni nicht glauben wollte, dass ein Biologe sowas von sich geben würde, aka kannte den Inhalt bereits, aber erlaube mir hier dennoch eine semi-emotionale Auslassung:

    Argh, der Mann möge einfach mal ein Fachbuch zum Thema lesen, das nach 2005 geschrieben wurde.
    My 2 cents als HuBi.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 TheDadProfil
  • 03.06.2019, 23:26hHannover
  • ""Der Staat habe "nichts davon, wenn er sterile Homo-Pärchen privilegiert, denn die Rente dieser Menschen muss von den Kindern aus fertilen Mann-Frau-Ehen aufgebracht werden eine Ungerechtigkeit ersten Ranges", so Kutschera weiter.""..

    Wer muß eigentlich für die Rente dieses Fortpflanzungsverweigerers aufkommen ?
    Denn über eine Ehe oder über eigenen Nachwuchs ist derzeit nichts bekannt..

    Und wenn wir schon dabei sind :
    Wie kann man die möglichst weit kürzen ?

    Die "Argumentations-Linien" dieses Menschen sind so absurd, da lohnt es nicht einmal die als Unfug zu zerlegen..

    Als "Wissenschaftler" gelingt es ihm nicht einmal seine angeblich vorhandenen ""biomedizinischen Forschungsergebnisse"" zu belegen, die angeblich beweisen würden daß 98 Prozent der Menschheit ""Heteronormal"" sei, und es sich bei "Homosexualität" um einen ""'freiwilligen Lebensstil'"" handeln würde..

    Man darf hier also auf eine Verurteilung hoffen ?

    Und wenn, dann bitte schön mehr als 90 Tagessätze, denn dann ist der Mann vorbestraft, und vorbestrafte dürfen nicht in die USA einreisen, was die Ausübung seiner Tätigkeit an der Stanford- University erheblich erschweren dürfte..
  • Antworten » | Direktlink »