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Interview

Patrick Lindner: Hape Kerkeling riet mir vom Coming-out ab

Der bayerische Musikstar sprach vor 20 Jahren erstmals öffentlich über seine Homosexualität – damals, so berichtet er jetzt, war das noch viel schwieriger.


Patrick Lindner ist ein Entertainer, den sich der deutsche Fernsehzuschauer nicht schlecht gelaunt vorstellen kann (Bild: © Olaf Kosinsky / wikipedia)

Schlagersänger Patrick Lindner hat im Interview mit der "Bild"-Zeitung davon erzählt, wie schwer ihm sein Coming-out als Schwuler im Jahr 1999 gefallen sei. "Es fühlte sich an, als ob ich mein Leben verloren hätte. Ich musste kämpfen, aber ich habe mich durchgebissen", sagte der 58-Jährige. Durch sein Coming-out habe er auch "enormen finanziellen Schaden" erlitten, den er nicht beziffern könne, weil seine Plattenverkäufe eingebrochen seien.

Lindner berichtete auch davon, wie ihm ein anderer schwuler Entertainer vom Coming-out abgeraten habe: "Hape Kerkeling hat mir inständig geraten, es nicht zu tun. Er hatte es selbst erlebt und wusste, wie schwierig es werden könnte."

Die Homosexualität von Kerkeling war bereits acht Jahre vor Lindners Coming-out, im Jahr 1991, Thema in der deutschen Boulevardpresse gewesen. Dabei hatte sich der damals 27-jährige Komiker nicht frewillig geoutet: Vielmehr erzählte Regisseur Rosa von Praunheim in der live ausgestrahlten RTL-Krawallshow "Der heiße Stuhl" davon, dass Kerkeling und Alfred Biolek schwul seien. Praunheim begründete das Outing damals damit, dass es in einer Zeit, in der Schwule nach wie vor gemobbt und verprügelt werden, die Pflicht von schwulen Promis sei, an die Öffentlichkeit zu gehen und eine Vorbildfunktion einzunehmen.


Hape Kerkeling war 1991 von Rosa von Praunheim geoutet worden (Bild: RTL)

Lindner hatte 1999 erstmals öffentlich von seiner Beziehung mit seinem Manager Michael Link berichtet. Im selben Jahr adoptiere er ein acht Monate altes russisches Heimkind. Im Jahr 2005 trennte er sich von Link. 2010 lernte er seinen neuen Freund Peter Schäfer kennen, mit dem er sich 2018 verlobte (queer.de berichtete).

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Lindner: Coming-out ist heute "überhaupt kein Problem mehr"

Heute ist Linder froh über sein Coming-out. Damit lebe es sich viel "entspannter", so der Sänger gegenüber "Bild". Außerdem erhalte er Zuschriften, in denen ihm Menschen berichteten, dass seine Offenheit ihnen Mut gegeben habe. Auf seiner Instagram-Seite fuhr er über das Coming-out fort: "Und heute wäre es überhaupt kein Problem mehr… Da hat sich viel zum Positiven verändert, und ich bin froh, dass ich vielleicht einigen den Mut gegeben habe, zu sich selbst zu stehen."

Die Showkarriere des ausgebildeten Koches hatte bereits 1989 begonnen: Damals belegte er mit seinem Lied "Die kloane Tür zum Paradies" überraschend den zweiten Platz beim Grand Prix der Volksmusik – hinter Stefan Mross. Danach folgten viele volkstümliche Hits wie "Die kleinen Dinge des Lebens", "Ich hätt' dich sowieso geküsst" oder  "Die Kloane aus der letzten Bank". 1999 nahm er auch am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teil, konnte mit "Ein bisschen Sonne, ein bisschen Regen" aber nur den sechsten Platz belegen.

Auch nach dem Jahrtausendwechsel blieb Lindner eine feste Größe im deutschen TV: 2008 übernahm er etwa die Hauptrolle im ARD/ORF-Fernsehfilm "Das Musikhotel am Wolfgangsee", 2012 nahm er an der RTL-Tanzshow "Let's Dance" teil. Am 5. Juli diesen Jahres erscheint Lindners neuestes Album "Ich feier' die Zeit". (dk)



#1 Katholen-WatchAnonym
  • 04.06.2019, 13:57h
  • Passt. Kerkeling war schließlich Wahlmann für die CDU bei der Wahl des Bundespräsidenten.
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#2 IronikerAnonym
  • 04.06.2019, 14:02h
  • Na dann soll er mal "die Zeit feiern" und schön blauäugig, aber gefährlich falsch, behaupten, heute gebe es beim Coming Out doch keinerlei Probleme mehr. Die um ein Vielfaches höheren Selbstmord- und Selbstmordversuch-Raten bei queeren Menschen haben dann sicher ganz andere Gründe. *augenroll*

    Ein enger Freund von mir, 22 Jahre alt, steckt gerade mitten in seinem Coming Out. Bis vor kurzem traute er sich überhaupt nichts zu - dann hat er sich inzwischen zwei Geschwistern und zwei engen Freund_innen gegenüber geoutet. Vor allem vor seiner Mutter hat er allerdings höllische Angst, weil diese extrem religiös eingestellt ist. Und so verheimlicht er seiner restlichen Familie gegenüber weiterhin, dass er einen Partner hat, mit dem er gern zusammenziehen möchte - aus dieser Irrsinns-Angst heraus, von seiner Mutter verstoßen zu werden.

    Da ich selbst katastrophale Erfahrungen mit meiner Mutter machen musste und noch muss, kann ich sehr gut nachempfinden, was gerade in meinem Freund vor sich geht. Und auch nachempfinden, dass diese Angst nicht nur eingebildet, sondern verdammt real ist und einen Menschen im Leben ganz gewaltig lähmen kann.

    Und dann erzählen Herr Lindner und Andere, heutzutage sei doch alles kein Problem mehr. Dabei diejenigen nicht nur gefährlich ignorierend, sondern im Prinzip sogar verhöhnend, die sich nach wie vor extrem schwer damit tun, und zwar aus sehr guten und nachvollziehbaren Gründen.

    Nein, verflixt nochmal. Auch heute noch müssen sich viele Menschen ihre Freiheit erst noch schwer erkämpfen - mit heftigen Schmerzen und schweren Blessuren.

    Aber in der Schlagerwelt muss ja immer alles Friede, Freude, Eierkuchen sein. Ist halt bloß reinste Heuchelei.
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#3 Patrick SAnonym
  • 04.06.2019, 14:06h
  • Coming-out ist heute "überhaupt kein Problem mehr"...

    Falls das eine Allgemeingültigkeit abbilden soll und nicht nur auf ihn selbst zutrifft, kann ich nur sagen: an Schwachsinn und Dummheit kaum zu überbieten! Weltweit erleben wir den Versuch, gewonne LGBT+ Rechte wieder sukzessive einzuschränken oder gar ganz abzubauen, in manchen Staaten sogar die Kriminalisierung per Gesetz. Outing in Russland, Tschetschenien, diversen afrikanischen Staaten oder im arabischen Raum? Outing im Fussball kein Problem? Wäre mir auch neu. Muss ich wohl verpasst haben. Diskriminierung am Arbeitsplatz nach dem Outing? Seit Jahren steigt die Hasskriminalität gegen Homosexuelle in Deutschland, Berlin führt eine eigene Kartei! Outing auf dem Land? - Viel Spaß! Wer queer.de regelmäßig liest, erfährt von Morden und Suiziden zuhauf. Krassestes Beispiel: Der Mord von einer brasilianischen Mutter in Auftrag gegeben, weil sie lieber ein totes, als ein schwules Kind haben möchte. Erst letzten Monat ging der Suizid eines schwarzen US Teenies durch die Medien, der nach dem Outing in den Selbstmord gemobbt wurde. Oder nehmen wir das Youtubevideo eines US Teenies, der während des Outings von seiner Familie geschlagen und aus dem Haus geworfen wird. - Das sind doch alles nur Beispiele von Dingen die hunderttausendfach jeden Tag geschehen, nur dass es diese eben in die Medien geschafft haben und die anderen eben nicht. Wer also wie Herr Hitzelsperger und Lindner im goldenen Käfig lebt und die Probleme der Community bagatellisiert, während des Pridemonth und während immer noch Tausende beim CSD auf die Straßen gehen und für Akzeptanz und Gleichheit kämpfen, tut der Community keinen Dienst und spuckt auf das Andenken der eben erwähnten Menschen, die ihr Leben verloren haben, weil sie anders waren und sich geoutet haben.
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#4 finkAnonym
  • 04.06.2019, 15:33h
  • "ich bin froh, dass ich vielleicht einigen den Mut gegeben habe, zu sich selbst zu stehen."

    Solange man dazu Mut braucht, ist es auch ein Problem. Kann man das so einfach übersehen?

    Meine These ist ja, dass solches Kleinreden des homophoben Grundbrummens in unserer Gesellschaft für junge und ältere Menschen im Prä-Coming-Out inzwischen fast ein genauso großes Problem ist wie die Homophobie selbst.

    Da steht man mit seinen ganzen Ängsten, hört vielleicht, wie engste Vertraute abfällig über andere queere Menschen reden, bekommt vielleicht mit, wie Kolleg_innen gemobbt werden, hört vielleicht "schwule Sau" auf dem Schulhof, ohne dass irgendeine Lehrkrat eingreift, hört vielleicht, wie innerhalb der eigenen Glaubensgemeinschaft gehetzt wird usw. Gelegentlich bekommt man in den Medien mit, dass sich wieder einmal ein junger queerer Mensch das Leben genommen hat, der das Mobbing nicht mehr ertragen konnte, oder dass jemand in der Öffentlichkeit angegriffen, beleidigt und geschlagen wurde.

    Und dann muss man sich auch noch anhören, dass man sich das alles nur einbildet, weil es ja "heute kein Problem mehr" sei. Gleichzeitig spürt man aber, dass man Angst hat, und dass diese Angst nicht nur paranoid ist. Wie soll man mit dieser Dissonanz klarkommen?

    Für Manche_n dürfte die Lösung darin bestehen, zu glauben, dass man einfach spinnt und der einzige Mensch auf der Welt ist, der sich all diese Probleme noch einbildet. Dann ist man wohl selber schuld, wenn man Angst hat. Alles nur Einbildung.

    Aber das Schlimmste: Wie soll so ein Mensch auf die Idee kommen, dass er in seiner unsicheren Situation irgendwo echte Unterstützung bekommen kann, dass es irgendwo jemanden gibt, der ihm nicht nur auf die Schulter klopft und sagt "Kopf hoch, wird schon!", sondern der ihn MIT seinen Ängsten ernst nimmt, bereit ist, über seine reale Situation zu reden und ihm dabei hilft, in einer nicht nur vermeintlich, sondern wirklich schwierigen Situation Lösungen zu finden?

    Das Bagatellisieren lässt die Menschen allein, die Hilfe brauchen. Wenn ich solche Sätze höre wie die von Lindner, dann werde ich nicht nur wütend, sondern gleichzeitig unfassbar traurig, wenn ich mir vorstelle, wie das bei den Menschen ankommen mag, die sich gerade in der existenziellen Krise befinden, die das Coming-Out aller Schönlügnerei zum Trotz heute immer noch sehr oft ist.

    So wichtig es ist, Menschen Mut zum Coming-Out zu machen, so fahrlässig ist es, deren berechtigte Ängste zu bagatellisieren. Ja, Mut ist wichtig. Und manche Ängste stellen sich im Nachheinein als unberechtigt heraus. Aber eben nicht alle. Jedes Coming-Out ist riskant. Immer noch. Wir bezahlen für unseren Mut. Immer noch.

    Das ist deshalb kein Problem, das mit Negieren oder mit individuellem "Mut" zu lösen ist. Das ist ein gesellschaftliches und politisches Problem, das wir nur lösen werden, wenn wir überhaupt anerkennen, dass es eines ist.
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#5 WadersProfil
  • 04.06.2019, 15:50hWerne/Dortmund
  • Gerade Hape der heute mit seinen schwulsein reichlich Kohle verdient. Früher hat er sich dagegen gewehrt und heute scheffelt er Millionen.
    Wählt einen Bundepräsidenten der unsere Rechte mit Füssen getreten hat und vor Allen nie für die Ehe für alle war.
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#6 KetzerEhemaliges Profil
  • 04.06.2019, 16:42h
  • Antwort auf #4 von fink
  • Danke - wieder mal brillant analysiert.

    Passt übrigens wunderbar zum gesellschaftlichen Megatrend der Entsolidarisierung und Abwälzung kollektiver Probleme und Risiken auf die einzelne Person.

    Wer unter solchen Umständen nicht ausreichend "funktioniert", wird schnell zum Versager abgestempelt.
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#7 SmartakusProfil
  • 04.06.2019, 17:11hMöhnesee
  • Antwort auf #5 von Waders
  • Hape hat Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten gewählt und dem ist bezüglich LGBT Rechten nichts vorzuwerfen. Im Gegenteil fand ich seine Rede zu den Opfern des § 175 bewegend.
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#8 saltgay_nlProfil
  • 04.06.2019, 17:43hZutphen
  • Ich bin nach wie vor ein strikter Gegner vom Zwangsouting, wobei es eine Ausnahme geben darf. Diejenigen, die sich in solchen Parteien exponieren, welche ganz offen, bzw. systematisch Homosexualität unterdrücken, dürfen geoutet werden. Deshalb finde ich es auch notwendig, dass einer der ganz großen Heuchler der CDU, der abgehalfterte und später recycelte Bernhard Vogel, seines Zeichens ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen, auch als schwul bezeichnet wird. Gleiches gilt auch für schwule Showstars, die homophobe Äußerungen tätigen.

    Dem Durchschnittsschwulen allerdings soll es persönlich überlassen bleiben, wie er damit umgeht. Diese Normenkontrolleure, bestehend aus Bewegungsschwestern und Kreischtucken, die eh' nichts mehr zu verlieren haben, sind nicht befugt hier verbindliche Richtlinien vorzugeben.
    Im Gegenteil halte ich es für äußerst gefährlich in Ratgebern für Jungschwuppen, die rosaroten tollen Erlebnisse des persönlichen "Coming outs" schön zu reden. Ein Jugendlicher, der sich mit dieser Problematik auseinandersetzen muss, könnte sich noch mehr als Versager fühlen, weil er nicht den "Mut" sich zu outen aufbringt. Dabei hat Jeder seine persönlichen Gründe für seine Entscheidung.

    Wer allerdings seine Seele verkauft, der darf nicht noch Schonung und Mitleid erwarten. So ein akustisches Umweltferkel wie Patrick Lindner, der in eindeutig jugendgefährdenden Sendungen wie "Mutantenstadl", "volkstümliche Affenparade" oder gar in der "Lübbenauer Gurkenschänke" mit Achim Stenzel und Günter Jämmerlich im MDR auftritt, der muss abwägen, was ihm wichtiger ist. Kein Bestatter käme auf die Idee im Skater-Outfit und mit Rollbrett Kränze in die Friedhofskapelle zu fahren und als Kondolenzbuch sein Smartphone auszulegen, ganz zu schweigen von den hippen Selfies der Familie mit aufgepepptem Toten.

    Aus diesem Grunde ist es mir kotgleich, ob sich nun solche B-Promis outen oder nicht. Zugegeben Alfred Biolek hat ja alle Klischees auch vollständig bestätigt, einschließlich seines jungen Lovers, der im gesponsorten Sportwagen zur Kölner Uni fuhr und damit die homophoben Fantasien der kleinbürgerlichen Tütenüggel anheizte. Aber er hat das Risiko getragen. Soweit so gut.
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#9 KetzerEhemaliges Profil
  • 04.06.2019, 19:33h
  • Antwort auf #8 von saltgay_nl
  • Ich bitte mir Respekt für die von Dir so betitelten "Bewegungsschwestern und Kreischtucken" aus.

    Ohne die und ihr jahrzehntelanges wichtiges gesellschaftspolitisches Wirken stünde niemand von uns da, wo es uns heute möglich ist - trotz aller verbliebenen Schwierigkeiten.

    Ich bin wesentlich eher geneigt, mich nicht als Verhaltensnormen zu halten, die homonormative "Otto-Normal-Schwule" vorgeben zu dürfen glauben, die ums Verrecken so bürgerlich, spießig und unauffällig leben wie nur möglich (was sie dürfen) und dies auch von allen anderen fordern (was sie eindeutig nicht dürfen).
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#10 LotiAnonym
  • 04.06.2019, 20:29h
  • Antwort auf #9 von Ketzer
  • Stimme Dir voll zu. Ohne die Drag Queens, Transvestiten und ja auch den Tunten wäre ich mit Sicherheit niemals so offen mit meiner Homosexualität einhergegangen. Angefangen in den 70er Jahren und ganz besonders bei meinem Aufenthalt in San Francisco, wo ich vor Staunen anfangs den Mund nicht schließen konnte. Soviel an Solidarität und Kampfeswille ist mir danach nicht wieder begegnet. Immer wenn ich an den ermordeten Harvey Milk denke, kommen mir die Tränen. Aber auch innere Wut.
    Über diesen Schlagerfuzzi, Volkssänger oder was immer der vorzugeben meint zu sein, will ich mich gar nicht erst auslassen. Das haben andere hier vor mir schon sehr deutlich zur Sprache gebracht. Ein Coming Out, besonders unter Jugendlichen, ist beileibe noch immer nicht einfach. Da hatte ich es leichter, da Vollwaise. Deshalb gehört es sich für mich, alljährlich am CSD teilzunehmen. Sehr,sehr schade finde ich, dass die Lesben i.Berlin ihre eigene Demo abhalten wollen.
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