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Interview
Patrick Lindner: Hape Kerkeling riet mir vom Coming-out ab
Der bayerische Musikstar sprach vor 20 Jahren erstmals öffentlich über seine Homosexualität – damals, so berichtet er jetzt, war das noch viel schwieriger.

Patrick Lindner ist ein Entertainer, den sich der deutsche Fernsehzuschauer nicht schlecht gelaunt vorstellen kann (Bild: © Olaf Kosinsky / wikipedia)
- 4. Juni 2019, 10:58h 3 Min.
Schlagersänger Patrick Lindner hat im Interview mit der "Bild"-Zeitung davon erzählt, wie schwer ihm sein Coming-out als Schwuler im Jahr 1999 gefallen sei. "Es fühlte sich an, als ob ich mein Leben verloren hätte. Ich musste kämpfen, aber ich habe mich durchgebissen", sagte der 58-Jährige. Durch sein Coming-out habe er auch "enormen finanziellen Schaden" erlitten, den er nicht beziffern könne, weil seine Plattenverkäufe eingebrochen seien.
Lindner berichtete auch davon, wie ihm ein anderer schwuler Entertainer vom Coming-out abgeraten habe: "Hape Kerkeling hat mir inständig geraten, es nicht zu tun. Er hatte es selbst erlebt und wusste, wie schwierig es werden könnte."
Die Homosexualität von Kerkeling war bereits acht Jahre vor Lindners Coming-out, im Jahr 1991, Thema in der deutschen Boulevardpresse gewesen. Dabei hatte sich der damals 27-jährige Komiker nicht frewillig geoutet: Vielmehr erzählte Regisseur Rosa von Praunheim in der live ausgestrahlten RTL-Krawallshow "Der heiße Stuhl" davon, dass Kerkeling und Alfred Biolek schwul seien. Praunheim begründete das Outing damals damit, dass es in einer Zeit, in der Schwule nach wie vor gemobbt und verprügelt werden, die Pflicht von schwulen Promis sei, an die Öffentlichkeit zu gehen und eine Vorbildfunktion einzunehmen.

Hape Kerkeling war 1991 von Rosa von Praunheim geoutet worden (Bild: RTL)
Lindner hatte 1999 erstmals öffentlich von seiner Beziehung mit seinem Manager Michael Link berichtet. Im selben Jahr adoptiere er ein acht Monate altes russisches Heimkind. Im Jahr 2005 trennte er sich von Link. 2010 lernte er seinen neuen Freund Peter Schäfer kennen, mit dem er sich 2018 verlobte (queer.de berichtete).
Lindner: Coming-out ist heute "überhaupt kein Problem mehr"
Heute ist Linder froh über sein Coming-out. Damit lebe es sich viel "entspannter", so der Sänger gegenüber "Bild". Außerdem erhalte er Zuschriften, in denen ihm Menschen berichteten, dass seine Offenheit ihnen Mut gegeben habe. Auf seiner Instagram-Seite fuhr er über das Coming-out fort: "Und heute wäre es überhaupt kein Problem mehr… Da hat sich viel zum Positiven verändert, und ich bin froh, dass ich vielleicht einigen den Mut gegeben habe, zu sich selbst zu stehen."
Die Showkarriere des ausgebildeten Koches hatte bereits 1989 begonnen: Damals belegte er mit seinem Lied "Die kloane Tür zum Paradies" überraschend den zweiten Platz beim Grand Prix der Volksmusik – hinter Stefan Mross. Danach folgten viele volkstümliche Hits wie "Die kleinen Dinge des Lebens", "Ich hätt' dich sowieso geküsst" oder "Die Kloane aus der letzten Bank". 1999 nahm er auch am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teil, konnte mit "Ein bisschen Sonne, ein bisschen Regen" aber nur den sechsten Platz belegen.
Instagram / patrick_lindner | Patrick Lindner (Mitte) 1989 beim Grand Prix der Volksmusik
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Auch nach dem Jahrtausendwechsel blieb Lindner eine feste Größe im deutschen TV: 2008 übernahm er etwa die Hauptrolle im ARD/ORF-Fernsehfilm "Das Musikhotel am Wolfgangsee", 2012 nahm er an der RTL-Tanzshow "Let's Dance" teil. Am 5. Juli diesen Jahres erscheint Lindners neuestes Album "Ich feier' die Zeit". (dk)














