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Europaabgeordnete Widdecombe

Britische Politikerin: Wissenschaft kann Homosexuelle möglicherweise "heilen"

Die Brexit-Partei wurde bei der Europawahl stärkste Kraft in Großbritannien. Eine führende Politikerin der Rechtspopulisten wirbt nun offen für Homo-"Heilung".


Ann Widdecombe hält Homosexualität immer noch für eine Störung, die man möglicherweise einmal behandeln kann (Bild: Screenshot Sky News)

Die Provokateurin Ann Widdecombe hat mit neuen Äußerungen zu Homo-"Heilung" erneut für Proteste gesorgt. Die ehemalige Unterhausabgeordnete der Torys, die vor gut einer Woche als Mitglied der Brexit-Partei des Rechtspopulisten Nigel Farage ins Europaparlament eingezogen war, erneuerte ihre Haltung, dass Homosexualität unter Umständen "geheilt" werden kann.

Als sie am Sonntag in einem Interview des privaten Nachrichtensenders Sky News mit einer früheren Aussage zu dem Thema konfrontiert wurde, sagte sie: "Es gab mal eine Zeit, als wir dachten, dass es unmöglich ist, dass Männer Frauen werden und umgekehrt", so Widdecombe unter Anspielung auf Transpersonen. Es sei nun "gut möglich", dass man seine sexuelle Orientierung "ändern" könne. "Die Tatsache, dass wir denken, dass es unmöglich für Menschen ist, ihre Sexualität zu ändern, bedeutet nicht, dass die Wissenschaft irgendwie nicht doch eine Antwort darauf findet", so die 71-Jährige. Diese Möglichkeit auszuschließen sei unfair gegenüber Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung "verwirrt" seien.

"Schwulsein ist keine Krankheit"

Die Aussagen der Politikerin wurden von vielen Politikern der etablierten Parteien scharf kritisiert. So erklärte der offen schwule Labour-Abgeordnete Luke Pollard auf Twitter: "Ich schäme mich sehr, dass ich von dieser gemeinen Frau [im Europaparlament] repräsentiert werde. Schwulsein ist keine Krankheit, die geheilt werden muss. Ann Widdecombe setzt ihre kranke Anti-LGBT-Kampagne fort."

Twitter / LukePollard

Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan, ebenfalls ein Labour-Politiker, ergänzte: "Sie mag zwar ihre Parteizugehörigkeit geändert haben, aber tut genau das gleiche wie immer: Ann Widdecombe verbreitet immer noch homophoben, vorurteilsbeladenen, Anti-LGBT- und antiwisseschaftlichen Nonsens."

Der offen schwule Schauspieler Stephen Fry versuchte, mit Humor auf den Angriff Widdecombes zu reagieren. Auf Twitter schrieb er: "Aber wird die Wissenschaft jemals eine Antwort auf Ann Widdecombe finden?"

Twitter / stephenfry

Brexit-Parteichef Nigel Farage steht dagegen hinter seiner Parteifreundin – mit einem für homophobe Rechtspopulisten üblichen Argument: "Viele, viele" Muslime hätten schließlich extremere Ansichten über Homosexualität als Widdecombe, sagte der enge Trump-Freund am Dienstag im Frühstücksfernsehen des Senders ITV. Mit praktisch dem gleichen "Argument" wirbt auch die AfD um homosexuelle Wähler (queer.de berichtete).

Ärzte- und Psychologenverbände warnen seit Jahren vor "Konversionstherapien", weil diese nutzlos seien und "Patienten" in die Depression oder gar in den Selbstmord treiben könnten. Der Weltärztebund erklärte bereits 2013, dass derartige "Therapien" die Menschenrechte verletzten und nicht zu rechtfertigen seien (queer.de berichtete). In Deutschland wird nach einer Initiative von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) derzeit über ein Totalverbot von "Konversionstherapien" diskutiert (queer.de berichtete).

Widecombe kämpfte für Homo-"Propaganda"-Gesetz

Widdecombe hatte in Großbritannien lange Jahre als eine der notorischsten Homo-Hasserinnen in der Politik gegolten. Als Tory-Unterhausabgeordnete zwischen 1987 und 2010 setzte sich unter anderem für die Beibehaltung des Homo-"Propaganda"-Gesetzes Section 28 ein oder sagte in Interviews, dass Homosexualität kein "gleichberechtigter Lebensstil" sein dürfe.

Für Schlagzeilen sorgte Widdecombe im vergangenen Jahr durch ihre Teilnahme beim britischen "Promi Big Brother". In der Sendung gab sie sich als freundliche Großmutter aus und verzichtete auf homophobe Ausbrüche. Am Ende wurde sie von den Zuschauern auf den zweiten Platz gewählt – ausgerechnet hinter einer Dragqueen (queer.de berichtete).

Bei den Europawahlen ging die Brexit-Partei am 23. Mai mit rund 31 Prozent als stärkste Kraft vor den LGBTI-freundlichen Liberaldemokraten hervor, die rund 20 Prozent erzielten. Erst danach folgten Labour mit rund 14 Prozent und die Grünen mit rund zwöf Prozent. Die regierenden Konservativen schafften es mit unter neun Prozent nur auf Rang fünf. (dk)

Direktlink | Das Interview mit Ann Widdecombe (Die Äußerungen über Homosexualität beginnen ca. in der siebten Minute)



#1 gatopardo
  • 04.06.2019, 17:01h
  • Alte Damen mit wirren Ansichten kommen doch immer wieder vor und man solle sie einfach ignorieren.
    Dagegen halte ich diesen unerträglichen Farage mit seiner süffisanten Miene und jenem zynischen Lächeln für weitaus schlimmer. Wir wissen, dass wir von den meisten Muslimen nichts erwarten können, aber von diesen Rechtspopulisten doch mindestens ebensowenig. Das ist jedenfalls derselbe rechtsradikale Sumpf.
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#2 MariposaAnonym
  • 04.06.2019, 18:36h
  • Was für eine widerliche Schreckschraube, sozusagen die britische Ausgabe von der Störchin....
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#3 Anschaulich gemachtAnonym
#4 alter schwedeAnonym
  • 04.06.2019, 19:17h
  • Wenn ich mir die Dame Widdecombe so ansehe und anhöre wird mir immer klarer welche Gnade mir im Leben widerfahren ist schwul zu sein.

    Die Lady sollte ihr hinausposauntes wirres Heilorakel besser beim Besprechen von eitrigen Furunkeln einsetzen, als erwachsene Menschen mit ihren altjüngferlichen Begehrlichkeiten zu belästigen.

    Im übrigen Miss Widdecombe. Mit 115 Lebensjahren
    dürften sie ruhig etwas kürzer treten. Der im Körper eingelagerte Schwefel soll doch noch ein wenig vor halten. Oder?
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#6 gatopardo
#7 Ralph
  • 04.06.2019, 23:56h
  • Antwort auf #6 von gatopardo
  • Ja, religiöser und politischer Extremismus gehen gerne Hand in Hand. Nicht umsonst hatten es Hitler und Pacelli 1933 so eilig, ihr noch heute gültiges Bündnis, das sog. Reichskonkordat, abzuschließen, und nicht umsonst gesellte sich bald auch der berüchtigte Großmufti von Jerusalem hinzu. Faschismus, Katholizismus, Islam - das gibt eine ganz trübe braune Soße.
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#8 Alexander_FAnonym
  • 05.06.2019, 00:26h
  • Ein Land, in dem sich so Leute in der Öffentlichkeit so äußern, muss wirklich viel mitmachen. Nicht, dass wir nicht auch so einige Narren zu bieten hätten, aber dieser Rattenschwanz an Dummschwätzern, den das Brexitvotum nach sich gezogen hat , spottet schon jeder Beschreibung.

    Herrn Frys Frage ist da nicht ganz unangemessen. Die Historiker, die diese Phase der britischen Geschichte dereinst untersuchen werden, werden damit zumindest ein Kuriosum sondergleichen geboten bekommen.
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#9 Ralph
#10 Gerlinde24Ehemaliges Profil