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Sarah Connor

Radiosender kürzen schwule Stelle in "Vincent"-Song

"Vincent kriegt kein' hoch, wenn er an Mädchen denkt" – dieser Satz ist vielen privaten Radiochefs offenbar zu heikel. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat dagegen weniger Probleme mit dem Song.


Sarah Connor in ihrem Video zu "Vincent"

Sängerin Sarah Connor wird mit ihrem neuen Lied "Vincent" oft nur gekürzt im Radio gespielt. Grund ist die als "anzüglich" kritisierte erste Textzeile des Songs, der unter Verweis auf eine mangelnde Erektion bei Mädchen die Homosexualität des Protagonisten andeutet. So strahlt etwa der private Radiosender Antenne Bayern "Vincent" ohne den ersten Satz aus – angeblich unter anderem aus Gründen des Jugendschutzes. Manche verbannen den Song, der vom früheren Rosenstolz-Frontmann Peter Plate mitverfasst wurde, sogar aus dem Programm.

"Vincent" handelt von Verwirrung und Schmerz in der Liebe bei verschiedenen Personen – unter anderem bei dem titelgebenden Jungen "Vincent", der erkennt, dass er schwul ist. Die Kritik richtet sich konkret gegen den ersten Satz im Lied: "Vincent kriegt kein' hoch, wenn er an Mädchen denkt". Diese Zeile werde wie auch eine Wiederholung später in dem Stück herausgeschnitten, sagte Antenne-Bayern-Programmdirektorin Ina Tenz der dpa. "Die erste Zeile gehört nicht on air bei Antenne Bayern." Über das Thema hatte zuerst die "Bild" berichtet.

Der private Berliner Familiensender "Radio Teddy" spielt das Lied laut "Bild" gar nicht. Hitradio Antenne 1 in Stuttgart sendet im Tagesprogramm eine entschärfte Version, wie Programmkoordinator Daniel Stupp der dpa sagte. Das Wort "hoch" ist dort nicht zu hören, sondern mit einem Instrumental unterlegt. Es sei ein familienorientierter Sender, und so gerieten Eltern nicht unter Erklärungszwang. "Damit, gehen wir mal davon aus, kann eine Familie an einem normalen Werktag mit zwei kleinen Kindern entspannt frühstücken, ohne dass sie sich danach mit den Kindern noch mal 25 Minuten extra hinsetzen muss." Auf keinen Fall wolle der Sender aber auf den Song verzichten, so Stupp: "Grundsätzlich finden wir, dass das das richtige Lied an der richtigen Stelle ist. Auch mit dem richtigen Inhalt."

Auch Tenz betonte: "Wir finden den Song ganz großartig und unterstützen auch das Thema Toleranz." Aber es müsse nicht sein, dass Kleinkinder das im Radio hören, sagte Tenz, die im Sender auch Jugendschutzbeauftragte ist. "Ich möchte Sarah Connor erleben, wie sie künftig ihrem kleinen Sohn erklärt, was damit gemeint ist."

Antenne Bayern hat mit dem Connor-Management über die Kürzung gesprochen. Aus Sicht von Programmdirektorin Tenz steckt hinter dem Text und der Veröffentlichung auch eine Strategie, eine Debatte auszulösen: "Wenn der erste Song des neuen Albums ausgerechnet mit einem solchen Satz beginnt, dann ist da PR einkalkuliert." Insgesamt warb Tenz für einen sorgsameren Umgang mit Sprache im Radio.

Öffentlich-Rechtliche spielen "Vincent" unzensiert

Zustimmung für Connor kommt vom Bayerischen Rundfunk. "Wir finden den Song musikalisch toll und textlich sehr mutig, und deswegen läuft er regelmäßig in Bayern 3", erklärte Bayern-3-Programmchef Thomas Linke-Weiser. "Wir haben bisher so gut wie keine Beschwerden unseres Publikums deswegen bekommen." Eher fänden es die Leute gut, dass sich eine Mainstream-Künstlerin wie Connor eines solchen Themas annehme.

Bei den RBB-Sendern Antenne Brandenburg und rbb 88.8 gibt es laut Musikchef Holger Lachmann keine Einschränkungen für den Connor-Song. Es habe nur wenige Hörer-Einwände gegeben, die sich vor allem auf das Coming-Out des Protagonisten Vincent bezogen hätten. Lachmann findet den Song und das Thema "wahnsinnig wichtig" – und musikalisch sei der Titel "ein Hammer".

Christian Brost, Musikchef des öffentlich-rechtlichen Senders hr 3, kann die Aufregung nicht verstehen: "Er ist ein Statement, weil es um Toleranz geht. Wir haben mit einem Psychologen gesprochen, ob das Lied 'Vincent' Auswirkungen auf Kinder mit diesem Namen hat. Er hat darin aber kein Problem gesehen", betont er.

Die WDR-Jugendwelle 1Live spielt den Song zwar nicht. "Was allerdings daran liegt, dass Sarah Connor nicht in das 1Live-Musikprofil passt", wie Sprecherin Svenja Siegert erläuterte. In der Informationswelle WDR 2 lief das Lied dagegen unzensiert.

Gegenüber "Bild" hatte Sarah Connor bestätigt, dass sie daran gedacht habe, die erste Zeile für Radiosender in "Vincent wird nicht rot" zu ändern – diese Methode, eine Radioversion zu erstellen, wird oft von Künstlern mit englischsprachigen Liedern angewandt, da in amerikanischen Sendern eine Liste von "obszönen" Worten wie "Shit" nicht ausgesprochen werden darf – auch Großbritannien und Australien haben entsprechende Sprachverbote, zumindest zur Tageszeit. Am Ende habe sie sich aber dagegen entschieden, so Connor: "Ich weiß, dass die erste Zeile erst mal verblüfft, überrascht und vielleicht sogar empört. All das ist gut und wichtig für die Auseinandersetzung mit dem Thema."

Bereits kurz nach der Veröffentlichung des Songs hatte die 38-jährige Künstlerin erklärt, dass es Vincent "wirklich" gebe: "Es ist der Sohn einer Freundin von mir, der sich kürzlich geoutet hat, dass er schwul ist" (queer.de berichtete).

Der Song "Vincent" ist derzeit in Deutschland sehr erfolgreich: In den aktuellen Single-Charts von Media Control stieg er zuletzt fünf Plätze nach oben und befindet sich auf dem zehnten Rang. (dpa/dk)



#1 maenneAnonym
#2 cinnamonEhemaliges Profil
  • 04.06.2019, 18:08h
  • Die Geschmäcker sind ja verschieden, ich hab diese Künstlerin immer nur als plump und ordinär wahrgenommen und dass sie seelenlosen Schmonzes singt. Dieses neue Lied habe ich gestern (ungekürzt) im Radio gehört: ich fänds gut, wenns ganz verboten würde, so sch... finde ichs.
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#3 ZenkimausAnonym
#4 MariposaAnonym
  • 04.06.2019, 18:33h
  • Antwort auf #3 von Zenkimaus
  • Eben, es bleibt jedem überlassen, ob er das Radio einschaltet oder nicht.

    Danke Sarah für diesen Song ! Gerade die Kontroversen zeigen doch, daß sie alles richtig gemacht hat. Seitdem sie in Deutsch singt, finde ich sie richtig klasse. Ich freue mich schon auf das Album.
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#5 Patrick SAnonym
  • 04.06.2019, 19:41h
  • Antwort auf #2 von cinnamon
  • Erst denken, dann schreiben. Hätte Dir vermutlich geholfen, zu erkennen, was für einen faschistoiden Schwachsinn du hier schreibst. Bleibt nur zu hoffen, dass das nicht ernst gemeint war. Verbieten, weil es nicht deinem Geschmack entspricht: krank und völlig fehl am Platz bei diesem Thema.

    Hier gehts um Willkür und Zensur, bei einem Lied über gleichgeschlechtliche Liebe, Freiheit und Selbstverwirklichung. Mich würde mal die Statistik interessieren, wieviele der boykottierenden Sender, die sich an dieser (harmlosen) Strophe stören, stattdessen den frauenverachtenden, homophoben, juden- und ausländerfeindlichen Deutschrap ala Kollegah und Konsorten durchwinken...
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#6 tchantchesProfil
  • 04.06.2019, 19:54hSonstwo
  • Ich höre keine Sender, wo sowas läuft, und habe den Text erst mal gurgeln müssen. Tut mir leid, aber ich finde diese Prollnummer sowas von dämlich, dass ich jeden verstehen kann, der das - von der Thematik völlig abgesehen - nicht spielen mag. Aber gut, ich habe sowieso keine Ahnung und finde auch Madonna doof.

    Man kann nur hoffen, dass es in unseren Schulen möglichst wenig Jugendliche gibt, die Vincent heißen.
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#7 MogeleiAnonym
  • 04.06.2019, 20:41h
  • Danke erstmal für den Artikel. Das ist wichtig zu erwähnen.

    Hab gerade die Playlist von Antenne1 in Stuttgart durchforstet. Zuletzt wurde das Lied am 02.06. gespielt: um 02.46 Uhr (*ironisch-lach*) und um 21.42 Uhr. Seitdem nicht mehr.
    Und nur zensiert soll es gespielt werden (*augenroll*).

    "Familienorientiert"
    Das ist Mogelei. Es gibt in Deutschland Familien mit mindestens einer Tochter/einem Sohn, die/der sich zur LSBTTIQ bekennt. Manche von ihnen haben mittlerweile selbst Familie. Insofern ist das kein Widerspruch zur Familienorientierung. Manche LSBTTIQ sind durchaus familienorientiert - und manche Heteros nicht - nebenbei bemerkt(!)
    In Deutschland leben LSBTTIQ, Personen mit anderer Herkunft, Alleinerziehende, Singles, Geschiedene, Verwitwete, Jugendliche, Kinder, etc. Deutschland ist vielfältig.
    Und Sie nennen Ihren Sender "familienorientiert," obwohl sich diese Orientierung nur in Heterosexualität bemerkbar macht - alles andere ist nicht zu hören. Also geht es gar nicht um Familienorientierung, sondern um Heteronormativität, die Sie zur Priorität machen.
    Aber als einen von mehreren Sponsoren des CSDs in Stuttgart wollen Sie genannt werden.

    Diese Zensur ist völlig unnötig. Denn ganz ohne Zensur lassen Sie das Lied: "Ayo Technology" von Milow spielen.
    Aber Sie zensieren eine Umschreibung im Liedtext "Vincent," während das Lied von Milow ausschließlich von Sexualität handelt - völlig unverblümt.

    Manche Leute in der Presee fragen sich sogar, ob der erste Satz im Lied "Vincent" jugendfrei sei.

    Oh je, kann ich da nur sagen. So rückwärts gewandt sind gewisse Leute.
    Also wenn "Ayo Technology" unzensiert gespielt wird, dann kann "Vincent" genauso unzensiert gespielt werden. Hören Sie doch bitte mit dieser Doppelmoral auf. Zumal "Vincent" völlig harmlos ist, während das Lied von Milow von Sexualität nur so sprüht. Und Jugendliche können englisch verstehen.

    Manchmal frage ich mich, wer vor was geschützt werden muss. Sind es nicht Jugendliche, die vor falscher Befindlichkeiten von Erwachsenen geschützt werden sollten? Welches Weltbild wird denn da durch das Radio vermittelt? Eine Ideologie? Zumindest eine Welt, die es gar nicht gibt.
    Responsibility by CDU? Wie überraschend (Ironie).

    ©BuntesUndSchönes
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#8 cinnamonEhemaliges Profil
  • 04.06.2019, 21:18h
  • Genau, Prollnummer trifft es exakt. Und es stimmt, Radiosender drehe ich sofort weg, wenn sie sogenannte Musik von dieser Sarah Connor spielen (schon seit ich das erste Mal Sarah in love gehört habe, dem zweiten Lied, dass ich von ihr kenne). Aber in diesem Fall habe ich es wegen der Diskussion und dem Thema bewusst angehört. Eine üble Prollnummer, die bewusst darauf abzielt, mit kalkulierter Provokation Aufmerksamkeit zu erregen, so ist meine Meinung. Falls es zensiert wurde, weil es Homosexualität thematisiert, wäre das natürlich nicht hinzunehmen, Qualität hin oder her. Aber es geht möglicherweise lediglich um ihre unterirdische Ausdrucksweise und wäre auch zensiert worden, wenn es zum Beispiel hieße: Vincent kriegt bei Mädchen keinen hoch, weil er unter Mobbing leidet.
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#9 WindheimerAnonym
  • 04.06.2019, 21:33h
  • Der Sinn dieses Artikels ist doch nur zu zeigen,das es nur noch eine Minderheit gibt,die etwas rückwärts denken.....denn wenn man den Artikel richtig liest, zeigt sich, das die überragende Mehrheit diesen Titel spielt....

    Glùck Auf
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#10 FinnAnonym
  • 04.06.2019, 22:37h
  • Auch diese Zensur ist ein weiterer Beleg für einen konservativen Rollback, der mühsam erkämpfte Freiheiten wieder zunichte macht.
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