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Mit alten Mustern brechen

Kreatives Multitalent: Schwarz

Mit "White Room" hat der Indie-Rock-Musiker Roland Meyer de Voltaire alias Schwarz ein vielversprechendes Debütalbum veröffentlicht.


Roland Meyer de Voltaire alias Schwarz ist ohne Zweifel ein kreatives Multitalent und arbeitet unter anderem als Sänger, Filmmusik-Produzent, aber auch als Songwriter mit und für andere Künstler wie Enno Bunger oder Schiller (Bild: Tanja Tikarli - Styleheads Music)
  • 5. Juni 2019, 08:33h, noch kein Kommentar

Roland Meyer de Voltaire ist der Mann hinter "Schwarz". "White Room" sind seine Lieder. Seine Gefühle gekleidet in seine Worte und Klänge. Es ist der Ausbruch aus der Komfortzone, ein selbstbewusster Schritt in eine neue Richtung. Elektronische Popmusik eines Künstlers, der die Grenze zwischen Songwriter und Produzent als fließenden Übergang versteht.

Dieses Leben ist von Musik bestimmt. Nachdem Roland Meyer de Voltaire bereits als Schüler die meiste Zeit mit seiner Gitarre verbrachte und das Potential der eigenen Stimme erforschte, zählte er Mitte der 2000er mit der Band Voltaire zu den Hoffnungsträgern der deutschen Indie Rock-Szene. Als dieses Abenteuer ein Ende fand, blieb eine große Frage: Neustart ja, aber wohin?

Es war nicht das erste Mal, dass sich Meyer de Voltaire mit einem Umbruch konfrontiert sah. Seine Kindheit hatte er in den Achtzigerjahren in Moskau verbracht, doch im Teenager-Alter zog die Familie um nach Bonn. Aus der russischen Metropole in die damalige deutsche Hauptstadt, mehr als nur ein Ortswechsel. Das neue Zuhause brauchte Zeit, um sich auch so anzufühlen. Es wurde eine jener Erfahrungen, die fortan sein künstlerisches Schaffen begleiten sollten. Weitere prägende Eindrücke lieferten die regelmäßigen Besuche bei seinen Eltern in Peking, die Ende der Neunziger Jahre für einige Zeit in der chinesischen Hauptstadt lebten. Ein Zuhause in der Ferne, irgendwie.

Mit alten Mustern brechen und ohne Scheuklappen dazulernen


Das Debütalbum "White Room" von Schwarz ist am 24. Mai 2019 erschienen

Ein nächtlicher Aufbruch. Durch dunkle Straßenschluchten dem Morgen entgegen. Im Rückspiegel droht der Geist der Entfremdung mit knöchrigen Fingern, die Straße vor Augen, rauschen im Kopf viele Fragen. Raus aus falschen Vorstellungen und der Umklammerung erdrückender Erinnerungen. Wie lange diese Fahrt dauern wird, ist ungewiss, doch ihr Ziel ist klar: Dort anzukommen, wo man sich zugehörig fühlt.

Roland Meyer de Voltaire beschloss, mit alten Mustern zu brechen und ohne Scheuklappen dazuzulernen. Mit einem Umzug nach Berlin begann eine neue Phase im musikalischen Leben. So arbeitete er als Studio-Musiker und komponierte unter anderem den Score zu Alijoscha Pause's hochgelobter Dokumentation "Trainer". Er arbeitete mit Rapper MEGALOH an dessen Album "Endlich unendlich" und fing an, Songs mit und für Künstler wie Enno Bunger oder Tom Gregory zu schreiben.

Auch wurde er vom französischen Star-DJ Feder sowie dem deutschen Produzenten Robot Koch zu Sessions eingeladen und traf mit dem früheren Archive-Sänger Craig Walker zusammen. Im Falle des Platz #1 Elektro-Künstlers Schiller führte die Kollaboration bis zur gemeinsamen Single "Avalanche".

Der abwechslungsreiche Austausch brachte Momente des Zusammenhalts. Er erweiterte die persönliche Palette musikalischen Ausdrucks. Und noch etwas passierte in dieser Zeit: Es entstanden neue Lieder und es wuchs der Wunsch, diese auszuarbeiten. "Schwarz" betrat die Bühne der Vorstellungskraft.

Direktlink | Offizielles Video zu "Leftwing Duckling"

2017 veröffentlichte "Schwarz" zunächst die Single "Home". Das Video zum Song, eine stimmungsvolle Collage aus Bildern des Dokumentarfilms "Meanwhile in Mamelodi", steht heute bei über 1 Mio. YouTube-Views. Im Folgejahr erschien dann die EP "In Your Eyes" und das darauf enthaltene Stück "Shine" kam als Titelsong der Dokumentation "Being Mario Götze" zu besonderen Ehren.

Mit seinem Debütalbum "White Room" thematisiert "Schwarz" selbstbewusst den Mut zur Veränderung. Die Stücke stellen Fragen zur eigenen Identität und lassen schmerzhafte Momente zu. Aus ihnen schöpfen sie die Kraft, um das krampfhafte Konservieren eines Lähmungszustandes zu überwinden.

"Wake Up", lautet der Appell zu Beginn von "Cold Sunlight". Es gilt den Takt des Alltags zu durchbrechen, es ist Zeit, sich nicht länger in einem viel zu kleinen Zimmer im Kreis um die eigenen Sorgen zu drehen. Freude und Schmerz betrachtet "Schwarz" als umschlungene Einheit und verkündet in "Change", Sonne und Regen gleichermaßen zu begegnen. So zeigen sich die Texte des Albums von der Einsicht geleitet, dass Scheitern grundsätzlich möglich ist, aber ebenso der Weg zurück ans Licht.

"Do As You're Told" ist eine zentrale Zeile in "Outside Looking In". Es droht die völlige Fremdbestimmung. Das Stück beschreibt das Gefühl, buchstäblich neben sich zu stehen, und sich zu fragen, was alles anders sein könnte. Doch da ist dieser Traum. Und da ist der Wille, die Kontrolle zurück zu gewinnen, einen eigenen Weg zu gehen.

Direktlink | Offizielles Video zu "Outside Looking In"

Man spürt eine Größe im Klang von "White Room", die sich aus den Emotionen speist, die der Ursprung dieser Lieder sind. Hymnisch, cineastisch, orchestral. Glaubhaftes Pathos, nicht das totale Theater. Es sind tiefe Gefühle, die das Songwriting inspirieren, und so ihren Widerhall in Stücken finden, die analoge und digitale Elemente zu einer vielschichtigen Popmusik verbinden. Im Studio eingespielte Streicher treffen hier mit verfremdeten field recordings zusammen; es mischen sich sorgfältig arrangierte Synthie-Sounds mit Beats, die dem gegenwärtigen Club-Kontext entstammen.

Im Zentrum des Albums steht eine facettenreiche Stimme, die mal extrovertiert über Tonhöhen tanzt, dann wieder zurückgenommen, fast wie ein lauteres Flüstern durch die Lieder führt. Das Zusammenspiel von rhythmischen Parts und fließenden Sound-Flächen verleiht der Musik eine besondere Dramaturgie.

Die Stücke von "Schwarz" sind geduldig und detailreich konstruiert, aber mit Raum für Überraschungen. Dieser Künstler hält sich gern in Spannungsfeldern zwischen verschiedenen musikalischen Visionen auf. Zarte Momente und brachiale Wucht, feierlicher Bombast und fragile Finesse. Im Klang von "Schwarz" existieren zahlreiche Gegensätze miteinander und verbinden sich zu einem größeren Ganzen. (cw/pm)