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Hördokumentation

Mit 21 Jahren wegen seiner Homosexualität hingerichtet

Das Radio-Feature "Mit einem Warmen kein Pardon! Der Fall Franz Doms" von Jürgen Pettinger wurde in Karlsruhe mit dem dokKa-Preis ausgezeichnet – am 12. Juni wird es auf SWR2 ausgestrahlt.


In seinem Feature "Mit einem Warmen kein Pardon! Der Fall Franz Doms" zitiert Jürgen Pettinger aus originalen Ermittlungs- und Gerichtsakten

Beim Anfang Juni zum sechsten Mal veranstalteten dokKa-Festival in Karlsruhe wurde der "dokKa-Preis für ausgezeichnete Hördokumentation" an ORF-1-Fernsehmoderator und -Redakteur Jürgen Pettinger verliehen: für sein im Rahmen der Ö1-"Hörbilder" gesendetes Feature "Mit einem Warmen kein Pardon! Der Fall Franz Doms".

Pettinger zeichnet in seinem Radiobeitrag nicht nur die Geschichte Franz Doms nach, der 1944 im Alter von 21 Jahren für seine Homosexualität hingerichtet wurde, sondern erforscht auch seine eigene Position als schwuler Mann in der heutigen Gesellschaft und geht der Frage nach, in welcher Beziehung er und der tote Junge stehen. "I Fell in Love with a Dead Boy" heißt der Titel-Song. Der Preis besteht in einer Ausstrahlung des Hörstücks auf SWR2 am 12. Juni um 22.03 Uhr. Ö1 wiederholt die Sendung am Samstag, den 15. Juni um 9.05 Uhr.

In der Jury-Begründung heißt es: "Jürgen Pettinger rekonstruiert das kurze Leben des Franz Doms aus Akten-Zitaten und lässt uns spüren 'I Fell in Love with a Dead Boy!' In einem imaginären, therapeutischen Dialog mit dem 'dead boy' reflektiert Pettinger sein eigenes Leben als Schwuler im heutigen Wien. Bei aller Freiheit scheint es so, als sei heute auch in Wien wieder Vorsicht geboten […] So weist das Feature von Jürgen Pettinger über sich hinaus: Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit und muss jeden Tag neu erstritten werden."

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18 Sekunden bis zur Hinrichtung


Jürgen Pettinger moderiert regelmäßig die Nachrichtensendungen ZIB20 und ZIB24 auf ORFeins (Bild: PriPru2018 / wikipedia)

In seinem Feature zitiert Jürgen Pettinger aus originalen Ermittlungs- und Gerichtsakten zu diesem unfassbaren Mord am 7. Februar 1944 im Landgericht Wien. Um 18 Uhr 41 Minuten wird Franz Doms vorgeführt. Um 18 Uhr 41 Minuten 8 Sekunden wird er dem Scharfrichter übergeben. Um 18 Uhr 41 Minuten 18 Sekunden meldet dieser den Vollzug des Todesurteils. In den Augen des Staates und der Justiz war der 21-Jährige "ein völlig haltloser, seinen widernatürlichen Trieben gegenüber machtloser Verbrecher, bei dem von Freiheitsstrafen kein erzieherischer oder abschreckender Erfolg zu erwarten ist".

Heute, 75 Jahre danach, steht auf einer Gedenktafel auf der Fassade des Landesgerichts Wien: "Ehre allen Opfern!". Im ehemaligen Hinrichtungsraum werden die "Namen derer, die wir niemals vergessen dürfen" aufgelistet, hunderte Opfer der NS-Justiz. Ein Name jedoch fehlt: Franz Doms.

Der Verein dokKa wurde im März 2013 in Karlsruhe gegründet mit dem Ziel, Filmemacher, Künstler und Autoren aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz in Verbindung zu bringen, sich mit Fragen des Dokumentarischen auseinanderzusetzen und verschiedene Disziplinen wie Film, Ton, Kunst oder auch Theater miteinander ins Gespräch zu bringen. Beim jährlichen dokKa-Festival werden Preise in den Kategorien Dokumentarfilme, Hördokumentationen/Radiofeature und dokumentarische Installationen vergeben. (cw/ots)



#1 thorium222Profil
#2 PetterAnonym
  • 06.06.2019, 15:22h
  • "Ein Name jedoch fehlt: Franz Doms. "

    Ich hoffe mal, dass das nur ein Versehen ist, das schnellstmöglich korrigiert wird.

    Wenn das Absicht ist, wäre das ein Armutszeugnis im Land des rosa Winkels. Um nicht zu sagen: ein Skandal.
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#3 JasperAnonym
  • 07.06.2019, 15:05h
  • Das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte, das niemals vergessen werden darf. Und eine Schuld, von der sich der deutsche Staat nie reinwaschen können wird und damit leben muss.

    Dann wäre es aber zumindest geboten, dass das Land des rosa Winkels jetzt besonders liberal mit LGBTI umgeht - leider ist das genaue Gegenteil der Fall.
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#4 MaaxAnonym
  • 10.06.2019, 13:04h
  • Danke für den Hinweis auf den Radiobeitrag, eine spannende Geschichte, die auch die Kontinuität der Homophobie zeigt: damals verfolgt, auf der opferliste vergessen.
    Ganz zu schweigen vom fortgelten der Nazifassung des Paragrafen 175 in der BRD nach 1945, und der Strafbarkeit in Österreich bis 1971.
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#6 FaktencheckAnonym
  • 12.06.2019, 00:22h
  • Antwort auf #5 von lindener1966
  • Ich habe mir das Feature gerade in der Mediathek angehört.

    Das ist einfühlsam, sensibel und klug komponiert und insgesamt absolut herzzerreißend.

    Herzlichen Dank für den Link, ohne deinen Hinweis hätte ich ein Kleinod des Journalismus' verpasst.
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