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Israel

Zehntausende feiern Pride in Jerusalem – Mann mit Messer festgenommen

2.500 Polizisten sorgten für die Sicherheit der CSD-Teilnehmer und nahmen fast 50 Personen fest, die den friedlich verlaufenen Pride offenbar stören wollten.


Der CSD in Jerusalem fand zum 18. Mal statt (Bild: JessicaMontell / twitter)

Zehntausende Israelis haben am Donnerstag in Jerusalem an der diesjährigen Gay-Pride-Parade teilgenommen. Sie hielten bei einem Zug durch die Innenstadt Schilder in die Höhe und forderten gleiche Rechte für LGBTI. Nach Angaben eines Polizeisprechers waren rund 2.500 Polizisten zum Schutz der Teilnehmer im Einsatz.

Am Rande der Demonstration wurden im Laufe des Nachmittages laut Polizei 49 Personen festgenommen, die verdächtigt wurden, die Kundgebung stören oder Teilnehmer angreifen zu wollen. Unter den Festgenommenen sei auch ein Mann, der ein Messer versteckt bei sich getragen habe. Über seine Absichten wurde zunächst nichts bekannt. Lokale Medien berichten, Undercover-Polizisten seien auf den verdächtig wirkenden Mann aufmerksam geworden und hätten das in seinem Schuh versteckte Messer gefunden.

Vor vier Jahren hatte ein strengreligiöser Jude bei der Parade in Jerusalem auf mehrere Teilnehmer eingestochen und mehrere von ihnen schwer verletzt (queer.de berichtete). Eine 16-Jährige, Shira Banki, starb einige Tage später im Krankenhaus. Ein Gericht verurteilte den Mörder später zu lebenslanger Haft plus 31 Jahre. Er hatte bereits 2005 beim Pride in Jerusalem Teilnehmer mit einem Messer verletzt.

Twitter / lyonsinisrael | Die kanadische Botschafterin in Israel bei einem Gedenken an die bei einem CSD ermordete Shira Banki. Deren Eltern nahmen am Donnerstag am Pride teil: "Wir – Familie und Freunde – marschieren in ihrer Erinnerung, um Toleranz in der israelischen Gesellschaft zu fördern", sagte Vater Uri Banki.

Das Motto der diesjährigen Veranstaltung lautete: "Eine Gemeinschaft – viele Gesichter." Zu den – teilweise mit Buhrufen empfangenen – Teilnehmern gehörte auch Amir Ohana; der Politiker der rechtskonservativen Likud-Partei war am Vortag als erster offen schwler Minister des Landes ernannt worden (queer.de berichtete). Er soll mindestens bis zu den Neuwahlen im September das Justizressort in einer Übergangsregierung leiten.

Hundert Menschen bei Gegendemonstration

Zeitgleich zum CSD fand auch eine Gegendemonstration der rechtsextremen Vereinigung Lehava statt. Auf schwarzen Spruchbändern stand: "Das ist kein Stolz, sondern ein Gräuel." Die Kundgebung sprach sich für eine "normale Nation in unserem Land" aus. Eine andere rechtsreligiöse Gruppe hatte in den letzten Tagen in der Innenstadt Plakatwerbung geschaltet mit dem Aufdruck "Vater und Mutter = Familie" und dazu "Courage" eingefordert, "normal zu sein". Die Stadtverwaltung ließ die Plakate später einziehen.

Der Pride in Jerusalem war in den letzten Jahren immer wieder von Gegenprotesten von Rechtsextremen und Ultraorthodoxen begleitet worden. Der große CSD in der liberalen Metropole Tel Aviv, an dem jährlich hunderttausende Menschen aus dem In- und Ausland teilnehmen, findet am Freitag der nächsten Woche statt.

In der Küstenmetropole hatten am Dienstag 23 gleichgeschlechtliche Paare eine Massenhochzeit abgehalten, um eine Zivilehe für homo- und heterosexuelle Paare zu fordern – bisher werden nur im Ausland geschlossene Ehen anerkannt, da Eheschließungen in Israel bislang nur über Religionsgemeinschaften erfolgen.

Twitter / haaretzcom

Israel ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich toleranter gegenüber Homo- oder Transsexuellen geworden, kommt aber bei LGBTI-Rechten kaum voran. Strengreligiöse Koalitionspartner hatten großen Einfluss in den Regierungen von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Sie lehnen Gesetzesänderungen zugunsten von LGBTI ab, weil sie dies als Verstoß gegen jüdische religiöse Gebote ansehen. (dpa/nb)



#1 kuesschen11Profil
  • 06.06.2019, 23:01hFrankfurt
  • Es ist gut, dass Zehntausende bei der Parade in Israel teilgenommen haben. Sie kämpfen alle für Freiheit und Mitgefühl.

    Und im Hintergrund ist es immer wieder die Religion, die den Minderheiten ihre Rechte verweigert. Es geht hier nicht um Stolz, sondern um gleiche Rechte für LGBTs vor dem Gesetz.

    Und das "Gräuel" liegt in der Religion selbst, die mit Gewalt und Bedrohung gegen Menschen vorgeht. Ein trauriges Kapitel ist das.
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#2 Religioten-WatchAnonym
  • 07.06.2019, 11:05h
  • NIcht nur ultraorthodoxe Juden, sondern auch Christen und Muslime agitieren immer wieder gegen den Pride in Jerusalem. Es ist nicht nur eine, sondern es sind alle abrahamitischen Religionen, die Hass predigen.
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#3 JasperAnonym
  • 07.06.2019, 15:01h
  • Das ist dort in der Gegend weit und breit das eigene Land, wo solche Veranstaltungen (oder überhaupt offen lebende LGBTI) möglich sind. Und noch dazu geschützt werden.

    Überall sonst in der Gegend wäre das nicht möglich oder sogar gefährlich für Leib und Leben.
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#4 FinnAnonym
  • 07.06.2019, 18:57h
  • Israel ist echt eine Insel der Freiheit im Nahen Osten.

    Ich hoffe, dass sich bald die Mehrheitsverhältnisse im Parlament ändern, so dass sich dies auch in den Gesetzen widerspiegeln kann.
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#5 Alexander_FAnonym
  • 08.06.2019, 13:58h
  • Antwort auf #2 von Religioten-Watch
  • Absolut richtig. Vielleicht ist es gerade deshalb kein so schlechtes Symbol, einen Pride in dieser "heiligen Stadt" der drei größten Beklopptenvereine, Verzeihung, Weltreligionen abzuhalten. Dadurch bekommt der Pride seine ursprüngliche Funktion als politische Demo zurück. Denn mal ehrlich: mit einem Pride in Tel Aviv würde man nur offene Türen einrennen.

    Und wenn ich mir vorstelle, dass es vielleicht ein paar junge Schwarzkittel zum Nachdenken anregen wird, wer diese Leute mit Regenbogenflaggen eigentlich sind und warum die coolere Partys feiern, als daheim in der Thora- bzw- Koran- oder Bibelschule, haben sie ihr Ziel voll und ganz erreicht. Man kann sich kaum vorstellen, in welcher sektiererischen Abschottung manche Gemeinschaften dort leben, und mit jedem Einblick in die "sündige, unreine" Welt da draußen kann sie nur weiter durchbrochen werden.
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