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Sachsen

Schwulen getötet: Haftstrafen für drei Männer

Drei Rechtsextreme müssen zwischen elf und 14 Jahre in Haft, weil sie einen Homosexuellen umgebracht hatten.


Die brutale Tat führte zu Entsetzen in Sachsen (Bild: Emmanuel Huybrechts / flickr)

Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Chemnitz hat am Freitag Urteile gegen drei Männer gesprochen, die am 17. April 2018 in Aue einen 27-jährigen Schwulen auf brutale Weise zu Tode geprügelt hatten. Alle drei Männer wurden wegen Totschlags an Christopher W., einem früheren Kumpel, verurteilt; der 27-jährige Haupttäter Terenc H. erhielt 14 Jahre, die beiden je 22-jährigen Mittäter Stephan H. und Jens H. müssen je elf Jahre hinter Gitter.

Weil einer der Täter, Stephan H., rechtsextrem war und laut Zeugenaussagen Homosexuelle hasste, wurde die Tat noch während des Prozesses in die offizielle Statistik für politisch motivierte Kriminalität als rechte Straftat aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft und der psychiatrische Gutachter sahen dagegen kein rechtes Motiv für die Tat. Alle drei Täter fielen jedoch laut Medienberichten durch eine rechte Gesinnung auf. Jens H. posierte etwa auf einem Foto im Pullover der Neonazi-Band "Landser". Terenc H. ist zudem ein alter Bekannter der Justiz: Er hat 27 Vorstrafen, darunter eine wegen Schwingens antisemitischer Parolen und der öffentlichen Zurschaustellung eines Hakenkreuz-Tattoos auf seiner Brust.

Der Anwalt von Stephan H. hatte vor Gericht angegeben, sein Mandant habe geglaubt, dass das spätere Opfer etwas damit zu tun gehabt habe, dass seine Freundin Schluss gemacht habe. Dies habe er Terenc H. erzählt, der daraufhin auf einem ehemaligen Bahngelände mit den beiden anderen auf den 27-jährigen Schwulen eingeschlagen habe – nach Aussagen eines Experten dauerte die brutale Attacke 20 Minuten lang. Dann verstarb das Opfer an schwersten Verletzungen im Gesicht, am Kopf und am Gehirn.

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Staatsanwaltschaft beantragte Verurteilung wegen Mordes

Das Gericht blieb mit seinem Urteil beim Haupttäter unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte empfohlen, den 27-Jährigen wegen Mordes zu lebenslanger Haft zu verurteilen. Für die beiden Mittäter plädierte der Anklagevertreter auf Haftstrafen wegen Totschlags.

Einer der 22-Jährigen hat das Urteil bereits angenommen. Die anderen beiden Angeklagten und die Staatsanwaltschaft prüfen dagegen, ob sie noch Rechtsmittel einlegen wollen. (cw)



#1 MimigmaAnonym
#2 Alexander_FAnonym
  • 07.06.2019, 16:34h
  • "Alle drei Männer wurden wegen Totschlags an Christopher W., einem früheren Kumpel, verurteilt."

    Ein früherer Freund wird umgebracht. Damit liegen gleich zwei gewichtige Faktoren vor, die gegen Totschlag und für Mord sprechen: einerseits die Arglosigkeit des Opfers, das den Tätern bekannt war und dementsprechend leicht in eine Falle gelockt werden konnte, anderseits die klar auf der Hand liegenden niederen Beweggründe.

    "Die Staatsanwaltschaft und der psychiatrische Gutachter sahen dagegen kein rechtes Motiv für die Tat."

    Und dann ist die Sache natürlich in Doofland halb so schlimm. Unter Völkermord ist halt alles ein Kavaliersdelikt. Dementsprechend sind Hassverbrechen dann auch nur dann schlimm, wenn sie in Gedenken an Mr. Moustache durchgeführt werden. Und auch dann genügt offenbar etwas Lavieren, um diesen Zusammenhang wegzukonstruieren und einen Schuldfaktor auszuräumen. Ob man einen Landser-Pulli trägt, ist damit gewichtiger, als ob man einen Freund umbringt, weil einem nicht passt, mit wem er in die Kiste steigt.

    Wieder einmal ein Beweis dafür, weshalb bei Hassverbrechen nicht mehr unterschieden werden sollte, ob es brauner oder sonstiger Hass ist. Hass bleibt Hass, Scheiße bleibt Scheiße. Eine Justiz, die nach solch pharisäischen Winkelzügen verfährt, wie Hassverbrechen je nach Hassideologie zu werten bzw. Scheiße nach Geruch zu sortieren, setzt ihre Glaubwürdigkeit arg aufs Spiel.

    Auch wenn ich froh bin, dass die Täter geschnappt und verurteilt wurden, geben diese Umstände dem Ganzen doch ein gewisses Geschmäckle.
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#3 feli491Anonym
  • 07.06.2019, 17:32h
  • Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: die Attacke dauerte 20 Minuten. Aber für das Gericht reicht das nicht für Mord, sondern "nur" für Totschlag? Sorry, für mich absolut unverständlich! Wenn man innerhalb von 20 Minuten nicht mal auf die Idee kommt, dass man da gerade jemanden umbringen könnte, ist die Grenze doch definitiv überschritten. Da könnte man schon bald noch Folter mit aufnehmen, wenn man bedenkt, dass der Ermordete so lange leiden musste. Aus meiner Sicht ein absolutes Armutszeugnis für die Justiz!
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#4 AfD WatchAnonym
  • 07.06.2019, 17:43h
  • Tja, max. 11- 14 Jahre für einen heimtückischen und hinterhältigen Mord aus niederen Gründen. Und dann noch ein wenig Reue heucheln, was von schwerer Kindheit erzählen und man ist nach 5 Jahren wegen guter Führung wieder draußen. Das gibs nur in Deutschland. In Albama oder South Carolina hätts dafür locker die Todesstrafe gegeben.
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#5 TomDarkProfil
  • 07.06.2019, 17:49hHamburg
  • Der Tathergang, der hier nicht geschildert wurde, war an Brutalität und Menschenverachtung kaum zu überbieten und gewährt einen tiefen Einblick in die kranke Psyche von Neonazis.

    Jeder AfD-Wähler sollte sich im Klaren sein, mit was für Auswüchsen diese Partei paktiert und zu was diese fähig sein können.

    Aber da sie in Sachsen bald die stärkste politische Kraft sein wird, spielt das wohl eh keine Rolle mehr.
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#6 marcocharlottenburgAnonym
  • 07.06.2019, 17:57h
  • Immer wieder erfrischend, dass der juristische Laie ohne genaue Kenntnis der Urteilsbegründung sich anmaßt zu wissen, dass diese oder jene Entscheidung falsch ist. Zum einen, die große Strafkammer ist auch mit zwei Laienrichtern besetzt, die gleiches Stimmrecht haben. Denkbar auch, dass die Laien Zünglein an der Waage waren. Vielleicht leidet die Entscheidung aber tatsächlich an Fehler, die StA sieht das ebenso und geht in Revision. Darauf sollte man setzen. Auch das Gericht ist mit Menschen besetzt und die haben durchaus unterschiedliche Rechtsmeinungen. Was meint ihr, warum es dicke Wälzer von Kommentarliteratur gibt...

    Grundsätzlich zeigt sich aber in dieser Entscheidung das Problem bei der Unterscheidung von Mord und Totschlag, insbesondere es dem Laien nicht immer erklären zu können. Ich selbst vertrete die Auffassung, dass es keiner Unterscheidung bedarf. Wer einen Menschen vorsätzlich, rechtswidrig und schuldhaft tötet, ist mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu bestrafen PUNKT.
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#7 GrüzefixAnonym
  • 07.06.2019, 18:25h
  • Es ist unglaublich wozu Menschen fähig sind. Ich möchte nicht wissen wie sehr das Opfer gelitten haben muss.
    Ich hoffe, auch wenn es böse klingt das die Täter die ganze Strafe absitzen müssen. Mord bleibt Mord.
    Schade das die Medien nicht über diesen grausamen Mord berichtet haben.
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#8 Vater
  • 07.06.2019, 18:31h
  • 27 Vorstrafen....erklärter Menschenhass - und nun sowas?

    Mordurteile wären hier das Mindeste...mit anschließender Sicherungsverwahrung.

    Meinetwegen auch lebenslange Forensik.

    Das jetzige Urteil ist doch ein Hohn.
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#9 Alexander_FAnonym
  • 07.06.2019, 18:32h
  • Antwort auf #6 von marcocharlottenburg
  • Dass auch Juristen nicht immer richtige Entscheidungen treffen bzw. deren Entscheidungen durch Privatansichten beeinflusst werden können, ist aber auch kein Geheimnis.

    Entsprechend naheliegend ist es, bei diesem sächsischen Gericht zu vermuten, dass diese Tat deshalb nachsichtiger gewertet wird, weil die beteiligten Richter und Staatsanwälte in eine bestimmte politische Richtung gehen.

    Die Unterscheidung zwischen Mord und Totschlag hat ihre Berechtigung, und es ist nicht so, dass die Kriterien dafür derartig schwammig wären, dass der Interpretationsspielraum ungebührend groß wäre. Zu den Unterscheidungsmerkmalen gehören dabei unter anderem Affekt, Streit und wahrgenomme Bedrohung für den Totschlag sowie Absicht, Heimtücke und niedere Beweggründe für Mord.

    Und ja, auch ich als juristischer Laie (wenn auch aus einer Juristenfamilie stammend) maße es mir absolut an, das Urteil dieser Richter in Frage zustellen, weil es schon ein gewisses Maß an Naivität oder ganz bewusster Blindheit erfordert, die hier vorliegende Heimtücke (das Opfer war den Tätern bekannt), Absicht (Zugehörigkeit zu einer Ideologie, die das Töten von LGBTIs fordert bzw. gutheißt) und niedere Beweggründe (Hass gegen LGBTI) nicht zu erkennen.
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#10 daVinci6667
  • 07.06.2019, 18:39h
  • Antwort auf #7 von Grüzefix
  • Weshalb böse? Mit solchen Typen habe ich Null Erbarmen. Was mich zutiefst bedrückt sind jedoch die grausamen Qualen die das Opfer erleiden musste.

    Ich halte die Strafen für viel zu mild. Die sollen verrotten und drinnen bleiben bis zu ihrem bitteren Ende! Essen ja, anständig behandeln ja, eine Std im Gefängnishof spazieren auch. Aber nicht mehr. Und bitte 8 Std arbeiten wie wir draussen auch und natürlich wirklich nie mehr rauslassen.
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