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Verdächtige festgenommen

London: Entsetzen über Angriff auf lesbisches Paar

Die beiden Frauen wurden laut einem viralen Bericht von einer Gruppe Männer im Bus verprügelt, nachdem sie sich weigerten, sich für diese zu küssen.


Melania Geymonat (r.) und ihre Partnerin Chris kurz nach dem Angriff (Bild: privat)

Das virale Posting eines lesbischen Paares aus London über einen nächtlichen Angriff auf sie hat in Großbritannien zu einem großen Medienecho und binnen Stunden zur Festnahme von vier Verdächtigen geführt.

Der Angriff auf die 28-jährige Flugbegleiterin Melania Geymonat und ihre Freundin Chris hatte sich demnach in der Nacht zum 31. Mai in einem Bus Richtung Camden abgespielt. In einem Posting bei Facebook schrieb Geymonat an diesem Mittwoch, eine Gruppe junger Männer habe sie zunehmend belästigt, als sie feststellten, dass es sich um ein Paar handelte.

Twitter / BBCWorldatOne | Melania Geymonat im Gespräch mit der BBC

"Sie fingen an, sich wie Hooligans zu benehmen, und forderten, dass wir uns küssen, damit sie es genießen konnten, uns zu beobachten. Sie nannten uns 'Lesben' und beschrieben sexuelle Positionen", so die aus Uruguay stammende Geymonat. Sie habe noch versucht, die Situation mit Scherzen zu entspannen. Aber die Belästigungen wurden intensiver. "Bevor ich es wusste, lag Chris auf dem Boden in der Mitte des Busses und kämpfte mit ihnen", so Geymonat über ihre US-amerikanische Partnerin, mit der sie zusammen in England lebt.

Dann habe auch Geymonat Schläge einstecken müssen. Beide Frauen mussten nach der "chauvinistischen, misogynistischen und homophoben Gewalt" mit Gesichtsverletzungen im Krankenhaus behandelt werden. Am meisten erschrecke sie, wie solche Vorfälle zum Alltag werden, so Geymonat. Sie hoffe, dass das Öffentlichmachen der Tat dazu beitrage, dass entsprechende Gewalt aufhöre.

Politik und Gesellschaft verurteilen Tat

Der Eintrag verbreitete sich schnell viral, wurde von Medien aufgegriffen und führte zu einer großen öffentlichen Solidarität mit den Angegriffenen. Londons Bürgermeister Sadiq Khan verurteilte die Tat als "widerlich und frauenfeindlich" und bat Zeugen, sich zu melden: "Hassverbrechen gegen die LGBT+-Community werden in London nicht toleriert."

"Dies war ein ekelhafter Angriff und meine Gedanken sind bei dem betroffenen Paar", betonte die konservative Premierministerin Theresa May. "Niemand sollte jemals verbergen müssen, wer er ist oder wen er liebt, und wir müssen zusammenarbeiten, um die unakzeptable Gewalt gegen die LGBT-Community zu beseitigen."

Labour-Oppositionsführer Jeremy Corbyn sprach von einer "schockierenden Tat": "Wir dürfen und werden diese homophobe und misogynistische Gewalt in unserer Gesellschaft nicht akzeptieren. Unsere Solidarität gilt Melania und Chris und allen in der LGBT+-Community für alles, was sie ertragen, weil sie einfach nur sind, wer sie sind."

In sozialen Netzwerken wird die Tat ebenfalls stärker debattiert. Viele schwule oder lesbische, cis- und transsexuelle Nutzer berichteten von eigenen Belästigungs- und Gewalterfahrungen.

Verdächtige festgenommen

Am Freitag teilte der für Verkehr zuständige Bereich der Londoner Polizei zunächst mit, Videomaterial zu sichten. Am Nachmittag teilte die Met Police dann mit, vier junge Männer zwischen 15 und 18 Jahren wegen des Verdachts auf schwere Körperverletzung und Raub festgenommen zu haben (den Frauen wurde auch ein Smartphone und eine Einkaufstasche entwendet). Derzeit würden die Verdächtigen getrennt auf zwei Wachen verhört, während die Ermittlungen weiter gingen.

Twitter / MPSRTPC

"Dies war ein abscheulicher Angriff auf zwei Frauen, die von einer Gruppe von Jugendlichen gezielt ins Visier genommen worden zu sein scheinen", sagte Hauptkommissar Andy Cox. "Die Verdächtigen haben dem Paar gegenüber eine Reihe homophober Kommentare abgegeben, bevor sie Münzen nach ihnen warfen. Als die Frauen versuchten, mit der Gruppe zu reden, eskalierte der Angriff in tätliche Handlungen." (nb)


 Update  8.6., 13.10h: Weiterer Verdächtiger festgenommen

Am Samstagmorgen gab die Londoner Polizei bekannt, einen fünften Verdächtigen festgenommen zu haben. Er ist 16 Jahre alt. Die anderen vier jungen Männer würden weiter in Polizeigewahrsam befragt.

In einem am Freitagabend ausgestrahlten TV-Interview mit der BBC (Ausschnitte) gab sich das Paar kämpferisch: "Ich habe keine Angst, mich öffentlich queer zu zeigen. Jetzt sollte man sich erst recht zeigen", sagte Chris. Sie glaube, dass die Zunahme von Rechtspopulismus für eine Zunahme von Hassverbrechen verantwortlich sei. Man werde nicht nur angegriffen, weil man als Frauen Frauen liebe, sondern einfach auch als Frauen, ergänzte Melania Geymonat.

Rechtpopulisten versuchten zugleich, die Tat für sich zu nutzen. So teilte die AfD-Politikerin Alice Weidel bei Facebook und Twitter einen Artikel zu dem Angriff mit dem Hinweis "Schöne neue Welt. Frauenpaar wird von einer 'Gruppe von Männern' im Bus verprügelt" – von den über 1.000 Kommentaren wurde das als Andeutung verstanden, die Täter seien Muslime oder Flüchtlinge, was oft mit gehässigen Kommentaren über ein Selbstverschulden einer "bunten" Gesellschaft verbunden wurde. In einem Interview hatte Geymonat angegeben, dass einer der Angreifer einen spanischen und die übrigen einen britischen Akzent gehabt hätten. (nb)


 Update  9.6., 10.40h: Verdächtige vorerst auf freiem Fuß

Die Polizei hat die fünf Verdächtigen unter Kautionsbedingungen freigelassen. Für Anfang Juli gebe es eine Vorladung der Männer, teilte die Polizei am Samstag mit. Nach weiteren Verdächtigen werde derzeit nicht mehr gesucht.

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#1 LotiAnonym
  • 07.06.2019, 20:43h
  • Ich bin völlig fassungslos. Es ist zum Himmelschreiend. Mir fehlen einfach die Worte. Ich wünsche beiden gute Besserung. Und ich hoffe sehr, das den Tätern eine angemessene empfindliche Strafe droht.
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#2 Alexander_FAnonym
  • 07.06.2019, 21:33h
  • Es ist wohl normal, dass ich mich bei jeder Meldung über solche Angriffe persönlich betroffen fühle, aber ich gebe zu, dass mir diese Angreifer wirklich gut daran täten, mir nicht über den Weg zu laufen.

    Es ist einfach nur unfassbar, was da geschehen ist, und es würde mich nicht wundern, wenn die sich seit dem Brexitvotum mehrenden Fälle von entlaufenen rechtsdrehenden Psychiatriepatienten in der Öffentlichkeit zumindest teilweise dazu beitragen, dass sich solche Vorfälle häufen.
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#3 WahnsinnAnonym
  • 07.06.2019, 23:25h
  • Das ist ja gar nicht zu fassen :-(
    Erst dachte ich, sie seien mit roter Tinte bespritzt worden, bis ich das Foto größer sah.
    Diese Täter sind ja völlig wahnsinnig!
    Zum Glück sind sie gefasst worden.

    Aber es fand im Bus statt:
    Es gehört zum Schutz der Fahrgäste dazu, dass der Busfahrer einschreitet und die Polizei sofort alarmiert, und diese Ar..... er aus dem Bus "schmeißt."
    Wie konnte der denn einfach weiterfahren und diesen Angriff zulassen? Ein guter Busfahrer muss das mitbekommen und sofort handeln. Er transportiert ja keine Fracht, sondern fährt Menschen von A nach B.
    Selbst wenn dem Busfahrer auffällt, dass aggressive Leute einsteigen wollen, kann der Busfahrer das verweigern.

    Ich würde sagen, da hat der Busfahrer mal richtig versagt! Und hoffentlich bekommt er jetzt von seinem Chef was zu hören.

    Gut gemacht mit dem Foto von den beiden sympathischen Frauen.
    Gute Besserung und Genesung. Ich hoffe sehr, dass das euch nicht zu viele seelische Narben verursacht hat :-/

    Ansonsten kann ich sagen, dass London auch nicht viel besser ist als Deutschland - was LSBTTIQ Freundlichkeit betrifft, auch wenn das nach außen hin anders umworben wird.

    ©BuntesUndSchönes
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#4 SiegfriedAnonym
  • 08.06.2019, 05:00h
  • Antwort auf #3 von Wahnsinn
  • Diese Leute müssen lebenslang bekommen. dann dürfen sie darüber nachdenken, was es heißt, einfach fremde Menschen anzufassen, zu schlagen oder sogar zu töten. jeder sollte jetzt wissen, hände weg oder lebenslang nachdenken. Bringen tuen die auch nix für die gesellschaft. weg damit, sage ich.
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#5 SigurdAnonym
#6 LotiAnonym
  • 08.06.2019, 08:45h
  • Antwort auf #4 von Siegfried
  • Ich kann Deine innere Wut gut nachvollziehen. Auch mich umtreibt solch ein Gedanke und viel mehr. Einsperren und die Schlüssel wegwerfen. Doch die Realität sieht anders aus. Leider. Im Knast wird diesen Jungs wohl auf die Schulter geklopft und alles für gut befunden. So meine Vermutung. Trotzdem hoffe ich auf ein sehr hartes Urteil für deren wiederwärtiges und feiges Verhalten.
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#7 XXXXAnonym
  • 08.06.2019, 09:16h
  • Antwort auf #5 von Sigurd
  • Nee, natürlich nicht in Deutschland. Die Opfer stammen aus den USA und Uruguay, die Täter scheinen Briten zu sein, der Tatort war London. Die Zuständigkeit wird nicht bei deutschen Strafverfolgungsbehörden liegen.
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#8 AnonymAnonym
  • 08.06.2019, 09:36h
  • Mein ganzes Mitgefühl den beiden Frauen!!! Aber harte Strafen? In dem Alter? Bestimmt Fehlanzeige. Es wird nicht mehr als ein "Dudu dabei rauskommen: schwierige Kindheit usw. blablabla....man darf es ja nicht laut sagen, aber ich könnte wetten, dass ein bestimmter ......hintergrund dahintersteckt. Ich bin fassungslos, dass das hier in Europa wieder ständig passiert!
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#9 F**KAnonym
  • 08.06.2019, 10:49h
  • Lebenslang!?
    So scheusslich und feige der Angriff war,
    so wenig gehören solche populistischen Racheforderungen zu einem rechtsstaatlichen Bewusstsein.
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#10 BiedermeierjedermannAnonym
  • 08.06.2019, 12:52h
  • Die "Anteilnahme" hier ist ja wieder mal überwältigend und so was von glaubwürdig und überzeugend. Ich bin von der Fähigkeit zur Empathie ganz hingerissen und berührt.

    Von wegen. Stattdessen wird der Vorgang instrumentalisiert für das immer mehr anschwellende Geschrei nach einem autoritären und harten Staat, das hier bei solchen Vorkommnissen immer reflexartig und verlässlich einsetzt.

    Die beiden Frauen schreien in ihren statements übrigens nicht danach. Sie beklagen zunehmende Misogynie, Chauvinismus und daß sie es leid sind, als sexualisierte Objekte von Männern betrachtet zu werden. Sie benennen die Ursachen. Ursachen, die man nicht mit hohen Strafen beheben kann. Aber sich damit zu befassen, ist ja ungleich anspruchsvoller, als die selbstgerechte ziellose "Empörung" des "kleinen Mannes" gegen "die da oben", die nur einem Selbstzweck verpflichtet ist.

    Es geht hier übrigens nicht um Deutschland. Es geht um eine Amerikanerin, eine Uruguayerin und einen Vorgang in Großbritannien. Aber vorheriges Lesen und Informieren ist ja eher hinderlich, wenn es in Wahrheit um die eigene bigotte, reflexhafte Selbstproduktion geht.

    Diese scheinheilige bigotte Empörungskultur des deutschen Biedermanns, die nur der eigenen, selbstgewählten und dankbar angenommenen Ohnmacht huldigt, widert mich an.
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