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Fußball

"Wir dürfen niemanden dazu auffordern, sich zu outen"

Der Profifußball der Männer sei "noch nicht so weit" für einen offen schwulen Spieler, meinte Ex-Bundestrainerin Steffi Jones in einem "Spiegel"-Interview. Sie selbst sei vom DFB im Stich gelassen worden.


Steffi Jones spielte von 1991 bis 2007 in der Bundesliga der Frauen und von 1993 bis 2007 in der Nationalmannschaft. Von September 2016 bis März 2018 war sie Bundestrainerin (Bild: Sven Mandel / wikipedia)

In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (Paywall-Artikel) hat die ehemalige Bundesliga- und Nationalspielerin, DFB-Direktorin und Bundestrainerin Steffi Jones Verständnis dafür gezeigt, dass schwule Profispieler ihre sexuelle Orientierung verheimlichen. Die 46-Jährige hatte sich selbst 2013 beim "Ball des Sports" in Wiesbaden als lesbisch geoutet und ihre Partnerin vorgestellt, die Bankerin Nicole Parma (queer.de berichtete).

"Ich gehe nicht mit, wenn Leute meinen, Fußballer sollten sich outen. Das muss jedem selbst überlassen sein, weil es etwas sehr Persönliches ist", sagte Jones gegenüber dem Magazin. "Für uns war es ein schöner Moment, weil wir dadurch wahnsinnig befreit wurden. Bei homosexuellen Männern ist es anders, sie werden als unästhetisch angesehen."

Wenn ein Einzelner "Du schwule Sau" rufe oder sich diskriminierend verhalte, sei das "schon unwahrscheinlich verletzend", meinte Jones. "Aber wenn es das ganze Stadion brüllt – muss man sich das echt antun? Das ist doch keine Befreiung. Der Fußball ist da noch nicht so weit. Deshalb dürfen wir niemanden dazu auffordern, sich zu outen."

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Jones beklagt "Neid und Missgunst" beim DFB

Gleichzeitig forderte die ehemalige Bundestrainerin den DFB dazu auf, sich bei persönlichen Angriffen gegen Spieler nicht wegzuducken, sondern klar zu positionieren. Sie selbst habe dies vermisst. "Als ich noch Bundestrainerin war, gab es mal einen Artikel mit der Überschrift: 'Jones muss weg – aber nicht weil sie schwarz oder lesbisch ist'", erklärte die gebürtige Frankfurterin. "Ich war der Meinung, dass da eine Grenze überschritten wurde. Beim DFB hat man mir gesagt: Ach, komm, das bringt nichts. Da wollte man keine Stellung beziehen. Auf Facebook haben sich die Leute mehr aufgeregt als mein DFB."

Der Deutsche Fußball-Bund sei ein von Männern geführter Verein, der mal "ordentlich Durchzug" brauchte, so Jones in dem "Spiegel"-Interview: "Was mich super nervt, ist dieses Klüngel-Klüngel beim DFB. Jeder sucht da immer erst seinen eigenen Vorteil." Jones kritisiert, dass es in den 21 Landesverbänden keine Präsidentin gebe: "Auch beim DFB müssen Frauen an die Spitze. Männerdomänen sind Vergangenheit."

Steffi Jones war im März als Bundestrainerin gefeuert worden (queer.de berichtete). Ihre Zeit als Trainerin bezeichnete sie als "die schwerste in meiner Karriere, weil sie von Anfang von Neid und Missgunst geprägt war". Alle wollten sich bestätigten sehen, dass sie versage. "Da kämpft man gegen Windmühlen, die man nicht besiegen kann."

Als Spielerin hatte Jones zu den erfolgreichsten Fußballerinnen der Welt gehört. Sie spielte 111-mal für die deutsche Nationalmannschaft und wurde mit ihr ein Mal Weltmeisterin und drei Mal Europameisterin. Mit ihren Teams FSV Frankfurt und 1. FFC Frankfurt gewann sie außerdem sechs Mal die deutsche Meisterschaft. (cw)



#1 myysteryAnonym
#2 marcocharlottenburgAnonym
#3 marcocharlottenburgAnonym
  • 08.06.2019, 20:02h
  • Recht hat sie! Auch wenn es wünschenswert wäre, wenn es einen/mehrere aktive Spieler gäbe, die sich outen, es bleibt aber eine höchstpersönliche Angelegenheit!
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#4 daVinci6667
  • 08.06.2019, 20:37h
  • Antwort auf #3 von marcocharlottenburg
  • Ja, ja bei Schwulen ist es höchstpersönlich, bei den Heten selbstverständlich nicht.

    Nicht das ich für ein Zwangsouting wäre. Nein, das darf man nur wenn der Betroffene uns eindeutig schadet. Doch habe ich dieses bloss nicht auffallen, dieses Versteckspielen nur des Geldes wegen so was von extrem satt!

    Sind sich diese Profispieler eigentlich bewusst wie dringend schwule Teenager positive männlich agierende schwule Vorbilder brauchen? Was haben denn diese Männer im Vergleich zu einem 14 jährigen Jugendlichen an unseren Schulen gross zu befürchten?
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#5 VeränderungAnonym
  • 08.06.2019, 23:04h
  • Der DFB an sich sollte mal seine mittelalterlichen Einstellungen beiseite legen. Fußball hat was mit Talent zu tun. Homo oder Hetero ist schnurzegal.
    Genauso auch die Vereine: wieviele lassen denn Homosexuelle spielen?

    Und weshalb wird hier nur über Schwule gesprochen? Was ist mit Trans*? Etc.?

    Vielleicht sollte rezo auch mal im Fußball etwas aufdecken ;-)

    ©BuntesUndSchönes
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#6 111111111111Anonym
  • 09.06.2019, 01:37h
  • Als schwuler Profi der 1. Fußballbundesliga würde ich mich schlicht nicht beeindrucken lassen von der homophoben Minderheit und mein Schwulsein nicht künstlich verstecken.

    Mir wäre mein Leben und meine Freiheit zu schade als dass ich mir von Idioten aus der homophoben Minderheit meine Freiheit nehmen lasse.

    Ich lache über homophobe Sprüche, weil sie dumm und Ausdruck von Neid auf eine gelebte Freiheit sind.

    Ich kann nur jedem schwulen Fußballspieler raten sich nicht zu verstecken. Es fühlt sich gut an zu sich selbst zu stehen und sich nicht zu verleugnen.
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#7 1111111111111Anonym
  • 09.06.2019, 01:45h
  • Wenn einige im Stadion "Schwule Sau" brüllen, dann kann man doch sicher jedes Mal viele dieser Leute identifizieren und ein lebenslanges Stadionverbot aussprechen.

    Mal gucken wie lange die dann noch "schwule Sau" brüllen, wenn die konsequente Strafe lebenslanges Stadionverbot ist.

    Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit darf man nicht tolerieren und man muss dagegen mit aller Härte vorgehen. Man geht mit Sicherheit nicht mit aller Härte dagegen vor, wenn man als Konsequenz daraus schwulen Spielern dazu rät sich nicht zu outen. Das ist doch lächerlich in die Defensive zu gehen. Man muss das offensiv angehen. Auch im Fußball kann man kein Tor schießen und kein Spiel gewinnen, wenn man sich nur defensiv verhält und sich zurückzieht.
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#8 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 09.06.2019, 06:50h
  • Stimme ihr zu! Und das aus vollstem Herzen, weil ich damals mitbekommen hatte, wie mit ihr umgegangen wurde. Einem Löw verlängert man bei mieser Leistung seiner Jungs den Vertrag, Steffi lässt man feuern.
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#9 Gerlinde24Ehemaliges Profil
#10 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 09.06.2019, 06:54h
  • Antwort auf #3 von marcocharlottenburg
  • Jeder Verein reagiert anders darauf. Ich kenne Vereine, wo man dem Spieler rät, öffentlich zu sein, aber auch Vereine, wo man dem Spieler rät, sich ne Alibifreundin zuzulegen. Denn der Verein will mit dem Spieler Kohle machen (Werbung, etc.), und da stört ein nicht heterosexueller Spieler sehr, weil Deutschland oft heterosexistisch (z.B. im Beruf, Sport, Film) ist.
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