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Katholische Kirche

Erzbischof: "Gay Mafia" verhindert Aufklärung von sexuellem Missbrauch

Die Schwulen sind schuld – das ist die These des ehemaligen vatikanischen Diplomaten Carlo Maria Viganò, der damit den Papst zu Fall bringen will.


Erzbischof Carlo Maria Viganò hält die "Homo-Mafia" offenbar für den Ursprung allen Übels in der katholischen Kirche (Bild: Roman Catholic Archdiocese of Boston / flickr)

Erzbischof Carlo Maria Viganò hat in einem ausführlichen Interview mit der "Washington Post" der angeblich innerhalb der katholischen Kirche existierenden "Homo-Mafia" vorgeworfen, die Aufklärung des Missbrauchsskandals zu verhindern. Gleichzeitig behauptete der 78-jährige frühere vatikanische Diplomat, dass Schwulsein verantwortlich für den Missbrauch sei: "In den meisten Fällen in der heutigen Kirche haben [der sexuelle Missbrauch und die kriminelle Vertuschung] eine homosexuelle Komponente, die gewöhnlich heruntergespielt wird, die aber der Schlüssel der Krise ist", so der italienische Geistliche.

Viganò kritisierte, dass bei einem Gipfeltreffen zum sexuellen Missbrauch in der Kirche das Thema Homosexualität nicht behandelt worden sei: "Ein besonders ernstes Problem ist, dass sich das Treffen ausschließlich mit dem Missbrauch von Minderjährigen beschäftigt hat", so Viganò. "Wenn das Problem der Homosexualität im Priestertum ehrlich eingeräumt und angesprochen wird, wäre das Problem mit sexuellem Missbrauch weit weniger schlimm."

Viganò: "Gay Mafia" sabotiert Reformversuche

Für Viganò ist der gesamte Missbrauchsskandal innerhalb der Kirche die Schuld von versteckt schwulen Bischöfen: "Die 'Gay Mafia' unter Bischöfen hält nicht wegen sexuellen Intimitäten zusammen, sondern wegen ihres gemeinsamen Interesses, einander im beruflichen Fortkommen zu helfen und alle Reformversuche zu sabotieren."

Viganò war von 2011 bis 2016 "Apostolischer Nuntius" (Botschafter) des Vatikans in den USA. Nachdem ihn der Papst gefeuert hatte, entwickelte sich der Italiener zu einem der lautstärksten innerkirchlichen Widersacher von Franziskus.

Bischöfe: Homosexuelle sind "schwerwiegendes Problem" und "weniger wertvolle" Menschen

Mehrere besonders homophobe Bischöfe haben in den letzten Jahren bereits wiederholt versucht, Homosexuelle oder eine ominöse "Gay Mafia" für Kindesmissbrauch innerhalb der katholischen Kirche verantwortlich zu machen. Raymond Leo Kardinal Burke verbreitete beispielsweise auch diese Verschwörungstheorie und erklärte, das "sehr schwerwiegende Problem der homosexuellen Kultur" innerhalb der Kirche sei Schuld an den Missbrauchsfällen (queer.de berichtete). Das führte auch dazu, dass Homosexuelle generell in Teilen der Kirche als pauschal minderwertig dargestellt wurden. So erklärte der schweizerische Weihbischof Marian Eleganti vergangenes Jahr in einem Interview, Schwule und Lesben seien eine weniger "wertvolle Variante der Schöpfung" (queer.de berichtete).

Von Papst Franziskus kommen widersprüchliche Signale: So erklärte er letztes Jahr, dass junge Schwule und Lesben zum Psychiater geschickt werden sollten und dass Homosexualität eine Mode sei. Kürzlich sagte er aber, dass Homosexualität doch keine Sünde sei.

Innerhalb der deutschen katholischen Kirche kam es in den letzten Monaten teilweise zu Annäherungen an Schwule und Lesben. In Hamm outete sich deshalb im Februar sogar ein Priester (queer.de berichtete). Andererseits wurde letzten Monat bekannt, dass der Leiter der Priesterausbildung im mächtigen Erzbistum Köln Schwule und Lesben als krank bezeichnete (queer.de berichtete). (dk)



#1 LotiAnonym
  • 12.06.2019, 12:16h
  • Hat der Mann noch alle Tassen im Schrank? Pädophilie gleichzusetzen mit Homosexuallität.
    Schafft endlich dieses bescheuerte Zölibat ab und damit wären unter Garantie 95% der Mißbrauchsfälle vom Tisch. Im übrigen bin ich für einen völligen Kurswechsel und einer grundlegende Reform der kath. Kirche, was Frauen in führende Positionen betrifft.
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#2 Carsten ACAnonym
  • 12.06.2019, 13:35h
  • Wie immer:
    Schuld sind immer die anderen...

    Ist der vielleicht schon mal auf die Idee gekommen, dass deren Strukturen und vor allem auch dieses Zölibat dafür verantwortlich ist?! Wenn man seine Sexualität krampfhaft unterdrückt, führt das zu psychischen Problemen. Und vielleicht zieht das ja überhaupt erst bestimmte Personen an...

    Übrigens:
    Homosexualität und Pädophilie sind zwei verschiedene Dinge und es gibt ja auch Kindesmissbrauch an Mädchen, nicht nur an Jungen...
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#3 Bonifatius49Anonym
  • 12.06.2019, 14:07h
  • Antwort auf #1 von Loti
  • Es ist lobenswert, das unter Papst Franziskus Homosexualität nicht mehr als Krankheit bewertet wird und die Vorgaben der WHO diesbzezüglich akzeptiert werden und keine "Umpolungstherapien" befürwortet werden, Mittlerweile haben sich auch aufgrund einer positiven veränderten Haltung zu homosexuellen Priestern, die ersten Priester wie Gregory Greiten in Milwaukee oder Bernd Mönkebüscher im Erzbistum Paderborn in Deutschland öffentlich als schwul geoutet und können weiterhin in ihrem Amt verbleiben. Auch wurde mittlerweile vor vier jahren das Katholische Kirchenrecht insofern geändert, das homosexuelle katholische Mitarbeiter, wenn sie am Standesamt heiraten, nicht mehr automatisch gekündigt werden. Diesbezüglich haben auch Urteile des Europäischen Gerichtshofes dabei geholfen, hier eine Änderung zu erreichen.

    Weitere "Kleinere" Reformen, die unter Papst Franziskus mittlerweile in seiner Amtszeit umgesetzt wurden:

    * wiederverheiratete Katholiken nach Scheidung sind nunmehr zu den Sakramenten zugelassen
    * konfessionsverschiedene Ehepartner von Katholiken sind nach Einzelgespräche mit dem Ortspriester zur Eucharistie zugelassen
    * Neustrukturierung der vatikanischen Kirchenbehörden
    * schlichtere Amtskleidung von Papst Franziskus im Vergleich zu seinen Vorgängern
    * Verweigerung des Fischerringkusses aus hygienischen Gründen
    * Fokussierung des Pontifikats von Franziskus auf die Armen der Welt, das Franziskus selbst viele Jahre als Priester in den Armenvierteln Buenos Aires tätig war

    Bereits bei diesen "Kleineren" Reformen gingen Traditionalisten wie Burke, Müller, Brandmüller, Huonder oder auch Vigano auf die Barrikaden und versuchen in der Tat Papst Franziskus öffentlich zu schaden.

    Gleichwohl die "großen" Reformen bleiben bisher aus:
    * Frauenordination
    * Reform der Katholischen Sexualmorallehre und Änderung des Katechismus im Umgang mit homosexuellen Ehepaaren
    * Zulassung von verheirateten Priestern neben zölibatären Singlepriestern

    Wobei im letzten Punkt scheinen im Herbst Reformen beim Zölibat zu kommen, wenn man so zuhört, das viele Bischöfe und Kardinäle verheiratete Priester befürwortet haben ("viri probati").

    Ob eine Reform der Katholischen Sexualmorallehre unter Papst Franziskus kommt, ist schwierig zu vermuten: vielleicht,,,

    Die Zulassung von Frauen als Priesterin wird es wohl sicherlich unter Papst Franziskus nicht geben. Es ist ja auch "soviel schöner" für diese älteren Herren, wenn sie ohne Frauen entscheiden können und nicht in der Konklave Frauen dabei haben müssen...

    Das aktuell der Vatikan einen Angriff auf transsexuelle/intersexuelle Menschen veranlasst hat, ist ebenso kritikwürdig.
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#4 niccinicciAnonym
  • 12.06.2019, 15:26h
  • danke an bonifatius für die sachliche, endlich mal nicht emotiosgeladene vorwurfsvolle zusammenfassung über die veränderungen in der kirche.
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#5 zundermxeAnonym
  • 12.06.2019, 15:43h
  • Antwort auf #3 von Bonifatius49
  • Hallo Bonifatius,

    verstehe Deine Kommentare eher als Meinung und Information. Weniger als Werbung.
    Wenn ich dem auch teils sehr kritisch gegenüber stehe und Dich wohl auch schon zumindest indirekt beleidigt habe, gefällt es mir von Dir auch mal von der anderen Seite zu hören.
    Egal wie ich zu den Inhalten stehe, finde ich es gut und bemerkenswert, dass Du Deine Sicht hier mitteilst.

    Differenzierung tut Not - auch unter uns. Vielfalt lässt sich nur erreichen wenn wir offen bereit sind uns zu zu hören. Widerspruch und manchmal auch Kampf sollte den Standpunkten gelten und nicht den Menschen, die sie vertreten.
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#6 AFD-WatchAnonym
  • 12.06.2019, 15:52h
  • Antwort auf #4 von niccinicci
  • Naaaajaaa... dieses Verhalten ist ja auch "nur zu kritisieren", und wohl auch nicht der Rede wert wohingegen die fehlende Segnung ja ein "SKANDAL" ist! Obwohl letzteres durch einen Übertritt (oder Austritt) ja erledigt !
    Irgendwie liegen die Gewichtungen völlig falsch.
    Und dass der Vatikan den Begriff der Krankheit nach dem Shitstorm (angeblich) nicht mehr so häufig benutzt, geschieht ganz sicher nicht aus Einsicht.
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#7 LotiAnonym
  • 12.06.2019, 15:54h
  • Antwort auf #3 von Bonifatius49
  • Danke Dir für diese Informationen. Zum Teil sind diese mir schon bekannt. Als ehemaliger Katholik sehe ich den jetzigen Papst als den sympathischsten an. Ändert aber nichts daran nie wieder eintreten zu wollen. Gestehe, dass mich Gotteshäuser immer noch wegen ihrer Bauweise und zur inneren Einkehr sehr faszinieren. Naja, als ehemaliger Münsteraner, jetzt in Berlin lebend, da bleibt so einiges haften.
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#8 Bonifatius49Anonym
  • 12.06.2019, 16:33h
  • Antwort auf #7 von Loti
  • @Loti
    "Danke Dir für diese Informationen. Zum Teil sind diese mir schon bekannt. Als ehemaliger Katholik sehe ich den jetzigen Papst als den sympathischsten an. Ändert aber nichts daran nie wieder eintreten zu wollen. Gestehe, dass mich Gotteshäuser immer noch wegen ihrer Bauweise und zur inneren Einkehr sehr faszinieren. Naja, als ehemaliger Münsteraner, jetzt in Berlin lebend, da bleibt so einiges haften."

    --> Da auch ich in Münster studiert habe und katholisch getauft wurde, würde es mich nicht überraschen, wenn wir uns als Studenten am Autonomen Schwulen ASTA-Referat in Münster irgendwann einmal "über den Weg" gelaufen sind oder uns zumindest vom Gesicht her von Partys am KCM Schwulencentrum am Hawerkamp in Münster kennen.

    Und wir haben noch eine Gemeinsamkeit: ich bin ebenso vor Jahren bereits aus der Katholischen Kirche genauso wie mein Ehemann ausgetreten und bin zu einer evangelischen Landeskirche der EKD übergetreten, weil dort damals begonnen wurde, öffentliche Segnungsgottesdienste für homosexuelle Ehepaare zu ermöglichen und mittlerweile seit ein paar Jahren immer mehr Landeskirchen der EKD reguläre kirchliche Trauungen ermöglicht haben, wie es zuletzt in den Landeskirchen Hannover, Oldenburg und Pfalz der Fall ist und wahrscheinlich dieses Wochenende auch in Detmold in der Landeskirche Lippe ermöglicht wird.

    Gleichwohl verstehe ich mich als Anhänger der Ökumene und befürworte die Zusammenarbeit zwischen römisch-katholischer Kirche und den Landeskirchen der EKD, wo es möglich ist und habe die Katholische Kirche nicht im Zorn verlassen, sondern nur weil ich bestimmte Punkte bei den evangelischen Landeskirchen der EKD besser fand, wozu auch die Frauenordination immer schon gehört und das dort sowohl Singlepfarrer als auch verheiratete Pfarrer erlaubt sind.

    Mein Antrieb ist, differenziert die Lage in der römisch-katholischen Kirche darzustellen, und überhaupt die Lage innerhalb des Christentums darzulegen, besteht darin, das ich seit vielen Jahren eine Reihe atheistischer LSBTI-Aktivisten (auch im LSVD, wo ich 15 Jahre Mitglied war), die sehr undifferenziert immer verallgemeinern und schlichtweg mitunter böswillig die Kirchen des Christentums "alle in einen Topf werfen". Mir hat diesbezüglich immer schon eher die Organisation "Homosexuelle in der Kirche" als der LSVD letztlich gefallen, weil zu viele LSBTI-Aktivisten aus Enttäuschung insbesondere zur Katholischen Kirche dann undifferenziert ihren Zorn "freien Lauf lassen" und dadurch letztlich Nichts erreichen. Da sind mir die innerkirchlichen Aktivisten wie bei der HuK lieber, die seit Jahrzehnten bemüht sind, LSBTI-Veränderungen zu erreichen und das mussten sie oftmals sogar gegen den Widerstand und gegen die Beleidigungen manches LSBTI-Aktivisten erkämpfen, der nur "stumpf" auf die Kirchen und Religionen schimpfte. Ich kann mich da noch an Worte von Manfred Bruns im LSVD erinnern, wie er die HuK kommentierte, aber das will ich hier dann nicht weiter ausführen, weil ich Manfred Bruns ansonsten für sein jahrzehntelanges Engagement sehr schätze.

    Ich möchte lieber nicht wissen, was dort die Mitglieder in der HuK alles im Laufe der Jahrzehnte seitens atheistisch bzw. "enttäuschter" ehemaliger Kirchenmitglieder sich anhören mussten und gleichwohl hat die Huk (Homosexuelle und Kirche) immer weiter gemacht und sich engagiert und das finde ich als Christ gut.

    Ob es überhaupt einen Gott gibt, ist natürlich jedem selbst überlassen, diese Frage zu beantworten, aber ich halte Nichts davon, diese Frage in den LSBTI-Aktivismus "hineinzuziehen".
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#9 Pseudo-ChristAnonym
  • 12.06.2019, 17:16h
  • Antwort auf #8 von Bonifatius49
  • Da spricht ja der Richtige. Was du alles an Beleidigungen an alles was vermeintlich links ist vom Stapel gelassen hast, bis hin zur Herabwürdigung sogar von Kindern (!!!) als "Sozialschmarotzer", zeigt wie sehr du es mit den christlichen Werten hältst. Konnte und kann jeder immer wieder nachlesen.
    Und da beklagst du dich ernsthaft über euren Ruf und die Reaktion auf Pseudo-Christen?
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#10 LotiAnonym
  • 12.06.2019, 17:17h
  • Antwort auf #8 von Bonifatius49
  • Und wieder ein Danke für Deine offenen Worte. Als ich schrieb, ich besuche noch immer gerne Gotteshäuser, unter anderem zur inneren Einkehr, wollte ich nicht schreiben, dass ich immernoch beten tue, wenn ich mich dort aufhalte. Ich bin auch nicht im Zorn ausgetreten aus der Kirche, sondern weil ich sie schlichtweg für nicht mehr Zeitgemäß hielt. Ich habe eine sehr gottesfürchtige Pflegeoma gehabt, da Vollwaise. Selbst im Kinderheim waren die Nonnen überwiegend gut zu mir. Die Mutter Oberin wollte mir sogar ein Mutterersatz sein. Schenkte mir Liebe und Aufmerksamkeit. Als ich dann später nur wegen meiner Veranlagung ins Erziehungsheim kam, war wieder der Pater Direktor da und sehr einsichtig mit mir. Er sorgte dafür, dass ich schon nach nur zwei Jahren wieder entlassen wurde.Mit 18 hing ich fast täglich mit den anderen Studenten vor der Lambertikirche ab. Besonders im Sommer. Der Platz war täglich gegen Mittag übervoll mit Langhaarigen um den Brunnen besetzt. Sehr zum Unmut der Münsteraner Bürgerschaft. Nun bin ich 68 und gehöre somit zum Alten Eisen. Lebe seit 40 Jahren in Berlin und fühle mich hier sauwohl. Aber Münster besuche ich hin und wieder sehr gerne.
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