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Katholische Kirche

Erzbischof: "Gay Mafia" verhindert Aufklärung von sexuellem Missbrauch

Die Schwulen sind schuld – das ist die These des ehemaligen vatikanischen Diplomaten Carlo Maria Viganò, der damit den Papst zu Fall bringen will.


Erzbischof Carlo Maria Viganò hält die "Homo-Mafia" offenbar für den Ursprung allen Übels in der katholischen Kirche (Bild: Roman Catholic Archdiocese of Boston / flickr)

  • 12. Juni 2019, 09:05h 23 3 Min.

Erzbischof Carlo Maria Viganò hat in einem ausführlichen Interview mit der "Washington Post" der angeblich innerhalb der katholischen Kirche existierenden "Homo-Mafia" vorgeworfen, die Aufklärung des Missbrauchsskandals zu verhindern. Gleichzeitig behauptete der 78-jährige frühere vatikanische Diplomat, dass Schwulsein verantwortlich für den Missbrauch sei: "In den meisten Fällen in der heutigen Kirche haben [der sexuelle Missbrauch und die kriminelle Vertuschung] eine homosexuelle Komponente, die gewöhnlich heruntergespielt wird, die aber der Schlüssel der Krise ist", so der italienische Geistliche.

Viganò kritisierte, dass bei einem Gipfeltreffen zum sexuellen Missbrauch in der Kirche das Thema Homosexualität nicht behandelt worden sei: "Ein besonders ernstes Problem ist, dass sich das Treffen ausschließlich mit dem Missbrauch von Minderjährigen beschäftigt hat", so Viganò. "Wenn das Problem der Homosexualität im Priestertum ehrlich eingeräumt und angesprochen wird, wäre das Problem mit sexuellem Missbrauch weit weniger schlimm."

Viganò: "Gay Mafia" sabotiert Reformversuche

Für Viganò ist der gesamte Missbrauchsskandal innerhalb der Kirche die Schuld von versteckt schwulen Bischöfen: "Die 'Gay Mafia' unter Bischöfen hält nicht wegen sexuellen Intimitäten zusammen, sondern wegen ihres gemeinsamen Interesses, einander im beruflichen Fortkommen zu helfen und alle Reformversuche zu sabotieren."

Viganò war von 2011 bis 2016 "Apostolischer Nuntius" (Botschafter) des Vatikans in den USA. Nachdem ihn der Papst gefeuert hatte, entwickelte sich der Italiener zu einem der lautstärksten innerkirchlichen Widersacher von Franziskus.

Bischöfe: Homosexuelle sind "schwerwiegendes Problem" und "weniger wertvolle" Menschen

Mehrere besonders homophobe Bischöfe haben in den letzten Jahren bereits wiederholt versucht, Homosexuelle oder eine ominöse "Gay Mafia" für Kindesmissbrauch innerhalb der katholischen Kirche verantwortlich zu machen. Raymond Leo Kardinal Burke verbreitete beispielsweise auch diese Verschwörungstheorie und erklärte, das "sehr schwerwiegende Problem der homosexuellen Kultur" innerhalb der Kirche sei Schuld an den Missbrauchsfällen (queer.de berichtete). Das führte auch dazu, dass Homosexuelle generell in Teilen der Kirche als pauschal minderwertig dargestellt wurden. So erklärte der schweizerische Weihbischof Marian Eleganti vergangenes Jahr in einem Interview, Schwule und Lesben seien eine weniger "wertvolle Variante der Schöpfung" (queer.de berichtete).

Von Papst Franziskus kommen widersprüchliche Signale: So erklärte er letztes Jahr, dass junge Schwule und Lesben zum Psychiater geschickt werden sollten und dass Homosexualität eine Mode sei. Kürzlich sagte er aber, dass Homosexualität doch keine Sünde sei.

Innerhalb der deutschen katholischen Kirche kam es in den letzten Monaten teilweise zu Annäherungen an Schwule und Lesben. In Hamm outete sich deshalb im Februar sogar ein Priester (queer.de berichtete). Andererseits wurde letzten Monat bekannt, dass der Leiter der Priesterausbildung im mächtigen Erzbistum Köln Schwule und Lesben als krank bezeichnete (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 LotiAnonym
  • 12.06.2019, 12:16h
  • Hat der Mann noch alle Tassen im Schrank? Pädophilie gleichzusetzen mit Homosexuallität.
    Schafft endlich dieses bescheuerte Zölibat ab und damit wären unter Garantie 95% der Mißbrauchsfälle vom Tisch. Im übrigen bin ich für einen völligen Kurswechsel und einer grundlegende Reform der kath. Kirche, was Frauen in führende Positionen betrifft.
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#2 Carsten ACAnonym
  • 12.06.2019, 13:35h
  • Wie immer:
    Schuld sind immer die anderen...

    Ist der vielleicht schon mal auf die Idee gekommen, dass deren Strukturen und vor allem auch dieses Zölibat dafür verantwortlich ist?! Wenn man seine Sexualität krampfhaft unterdrückt, führt das zu psychischen Problemen. Und vielleicht zieht das ja überhaupt erst bestimmte Personen an...

    Übrigens:
    Homosexualität und Pädophilie sind zwei verschiedene Dinge und es gibt ja auch Kindesmissbrauch an Mädchen, nicht nur an Jungen...
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#3 Bonifatius49Anonym
  • 12.06.2019, 14:07h
  • Antwort auf #1 von Loti
  • Es ist lobenswert, das unter Papst Franziskus Homosexualität nicht mehr als Krankheit bewertet wird und die Vorgaben der WHO diesbzezüglich akzeptiert werden und keine "Umpolungstherapien" befürwortet werden, Mittlerweile haben sich auch aufgrund einer positiven veränderten Haltung zu homosexuellen Priestern, die ersten Priester wie Gregory Greiten in Milwaukee oder Bernd Mönkebüscher im Erzbistum Paderborn in Deutschland öffentlich als schwul geoutet und können weiterhin in ihrem Amt verbleiben. Auch wurde mittlerweile vor vier jahren das Katholische Kirchenrecht insofern geändert, das homosexuelle katholische Mitarbeiter, wenn sie am Standesamt heiraten, nicht mehr automatisch gekündigt werden. Diesbezüglich haben auch Urteile des Europäischen Gerichtshofes dabei geholfen, hier eine Änderung zu erreichen.

    Weitere "Kleinere" Reformen, die unter Papst Franziskus mittlerweile in seiner Amtszeit umgesetzt wurden:

    * wiederverheiratete Katholiken nach Scheidung sind nunmehr zu den Sakramenten zugelassen
    * konfessionsverschiedene Ehepartner von Katholiken sind nach Einzelgespräche mit dem Ortspriester zur Eucharistie zugelassen
    * Neustrukturierung der vatikanischen Kirchenbehörden
    * schlichtere Amtskleidung von Papst Franziskus im Vergleich zu seinen Vorgängern
    * Verweigerung des Fischerringkusses aus hygienischen Gründen
    * Fokussierung des Pontifikats von Franziskus auf die Armen der Welt, das Franziskus selbst viele Jahre als Priester in den Armenvierteln Buenos Aires tätig war

    Bereits bei diesen "Kleineren" Reformen gingen Traditionalisten wie Burke, Müller, Brandmüller, Huonder oder auch Vigano auf die Barrikaden und versuchen in der Tat Papst Franziskus öffentlich zu schaden.

    Gleichwohl die "großen" Reformen bleiben bisher aus:
    * Frauenordination
    * Reform der Katholischen Sexualmorallehre und Änderung des Katechismus im Umgang mit homosexuellen Ehepaaren
    * Zulassung von verheirateten Priestern neben zölibatären Singlepriestern

    Wobei im letzten Punkt scheinen im Herbst Reformen beim Zölibat zu kommen, wenn man so zuhört, das viele Bischöfe und Kardinäle verheiratete Priester befürwortet haben ("viri probati").

    Ob eine Reform der Katholischen Sexualmorallehre unter Papst Franziskus kommt, ist schwierig zu vermuten: vielleicht,,,

    Die Zulassung von Frauen als Priesterin wird es wohl sicherlich unter Papst Franziskus nicht geben. Es ist ja auch "soviel schöner" für diese älteren Herren, wenn sie ohne Frauen entscheiden können und nicht in der Konklave Frauen dabei haben müssen...

    Das aktuell der Vatikan einen Angriff auf transsexuelle/intersexuelle Menschen veranlasst hat, ist ebenso kritikwürdig.
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