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Ex-"Tagesschau"-Sprecher
Wilhelm Wieben ist tot
Mit Wilhelm Wieben ist einer der bekanntesten und beliebtesten Sprecher der "Tagesschau" im Alter von 84 gestorben. Er war in den Neunzigerjahren geoutet worden.

Wilhelm Wieben moderierte die Nummer 1 unter den deutschen Nachrichtensendungen bis 1998 (Bild: NDR)
- 13. Juni 2019, 10:41h 2 Min.
Von 1973 bis 1998 gehörte Wilhelm Wieben zur Standardausstattung der meisten deutschen Wohnzimmer: Wie die ARD am Donnerstagmittag mitteilte, ist der Moderator im Alter von 84 Jahren gestorben.
Die Homosexualität des 1934 im schleswig-holsteinischen Hennstedt geborenen Wieben war über Jahre ein offenes Geheimnis. Er hatte dieses Thema stets diskret behandelt. Geoutet wurde er 1995 von Inge Meysel (1910-2004), die in einem Interview mit dem "Stern" erklärte: "Eigentlich habe ich nur schwule Freunde. Ich verreise zum Beispiel gerne mit Wilhelm Wieben." Das Outing verübelte Wieben der Kultschauspielerin nicht – er stimmte sogar ausdrücklich der Veröffentlichung der Interviewpassage zu.
/ NDRinfoWilhelm Wieben ist tot. Der langjährige Sprecher der Tagesschau starb mit 84 Jahren. https://t.co/26CVg4lm9h pic.twitter.com/AmaCDPtzV5
NDR Info (@NDRinfo) June 13, 2019
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"Dass ich schwul bin, wusste ich schon vor der Pubertät"
2006 sprach er in der "Bild"-Zeitung offen über seine sexuelle Orientierung: "Das letzte Mal verliebt war ich vor fünf Jahren", so der damals 70-Jährige. "Ich hatte noch nie eine feste Beziehung, nur lockere. Ich habe keinen getroffen, mit dem ich mein Leben verbringen wollte." Seine Homosexualität sei ihm schon früh bewusst gewesen: "Dass ich schwul bin, wusste ich schon vor der Pubertät. Ich bin nie damit hausieren gegangen, habe die Schwulenszene gemieden. Männer habe ich meist auf Partys kennengelernt." Er verwies darauf, dass er es schwer gehabt habe, da bis zu seinem 34. Lebensjahr Homosexualität in der Bundesrepublik verboten gewesen sei. "Ich war von Angst besetzt. Es gab niemanden, dem ich mich anvertrauen konnte", so Wieben damals.
In einem anderen Interview sagte Wieben auch, dass es auf sein Outing nur positive Reaktionen gegeben habe. Jetzt sei ein verstecktes Leben für ihn unvorstellbar: "Inzwischen habe ich eigentlich kein Verständnis dafür, wenn jemand aus seiner Homosexualität ein Geheimnis macht."
Seine berufliche Karriere begann Anfang der Sechzigerjahre. Er war zuerst Fernsehansager im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – so kündigte er die Jugendsendung "Beat Club" an. Bei seiner ersten Anmoderation bat er damals ältere Zuschauer "um ihr Verständnis". Seit 1966 arbeitete er in der Redaktion der "Tagesschau" in Hamburg, sieben Jahre später moderierte er die Sendung. Von 1974 bis zu seinem Karriereende als Nachrichtensprecher 1998 moderierte er die 20-Uhr-Ausgabe.
Auch in die Popkultur hielt Wieben Einzug: Musiker wie Falco ("Jeanny"), Udo Lindenberg ("Mein Ding") und die Band Fettes Brot ("Können diese Augen lügen") verewigten den Sprecher in ihren Songs.
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Als Rentner schrieb Wieben Bücher auf Plattdeutsch, was er als seine Muttersprache ansah. Außerdem sprach er Hörbücher ein und war gelegentlich noch im Fernsehen zu sehen. (dk)
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