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Ex-"Tagesschau"-Sprecher

Wilhelm Wieben ist tot

Mit Wilhelm Wieben ist einer der bekanntesten und beliebtesten Sprecher der "Tagesschau" im Alter von 84 gestorben. Er war in den Neunzigerjahren geoutet worden.


Wilhelm Wieben moderierte die Nummer 1 unter den deutschen Nachrichtensendungen bis 1998 (Bild: NDR)

Von 1973 bis 1998 gehörte Wilhelm Wieben zur Standardausstattung der meisten deutschen Wohnzimmer: Wie die ARD am Donnerstagmittag mitteilte, ist der Moderator im Alter von 84 Jahren gestorben.

Die Homosexualität des 1934 im schleswig-holsteinischen Hennstedt geborenen Wieben war über Jahre ein offenes Geheimnis. Er hatte dieses Thema stets diskret behandelt. Geoutet wurde er 1995 von Inge Meysel (1910-2004), die in einem Interview mit dem "Stern" erklärte: "Eigentlich habe ich nur schwule Freunde. Ich verreise zum Beispiel gerne mit Wilhelm Wieben." Das Outing verübelte Wieben der Kultschauspielerin nicht – er stimmte sogar ausdrücklich der Veröffentlichung der Interviewpassage zu.

Twitter / NDRinfo

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"Dass ich schwul bin, wusste ich schon vor der Pubertät"

2006 sprach er in der "Bild"-Zeitung offen über seine sexuelle Orientierung: "Das letzte Mal verliebt war ich vor fünf Jahren", so der damals 70-Jährige. "Ich hatte noch nie eine feste Beziehung, nur lockere. Ich habe keinen getroffen, mit dem ich mein Leben verbringen wollte." Seine Homosexualität sei ihm schon früh bewusst gewesen:  "Dass ich schwul bin, wusste ich schon vor der Pubertät. Ich bin nie damit hausieren gegangen, habe die Schwulenszene gemieden. Männer habe ich meist auf Partys kennengelernt." Er verwies darauf, dass er es schwer gehabt habe, da bis zu seinem 34. Lebensjahr Homosexualität in der Bundesrepublik verboten gewesen sei. "Ich war von Angst besetzt. Es gab niemanden, dem ich mich anvertrauen konnte", so Wieben damals.

In einem anderen Interview sagte Wieben auch, dass es auf sein Outing nur positive Reaktionen gegeben habe. Jetzt sei ein verstecktes Leben für ihn unvorstellbar: "Inzwischen habe ich eigentlich kein Verständnis dafür, wenn jemand aus seiner Homosexualität ein Geheimnis macht."

Seine berufliche Karriere begann Anfang der Sechzigerjahre. Er war zuerst Fernsehansager im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – so kündigte er die Jugendsendung "Beat Club" an. Bei seiner ersten Anmoderation bat er damals ältere Zuschauer "um ihr Verständnis". Seit 1966 arbeitete er in der Redaktion der "Tagesschau" in Hamburg, sieben Jahre später moderierte er die Sendung. Von 1974 bis zu seinem Karriereende als Nachrichtensprecher 1998 moderierte er die 20-Uhr-Ausgabe.

Auch in die Popkultur hielt Wieben Einzug: Musiker wie Falco ("Jeanny"), Udo Lindenberg ("Mein Ding") und die Band Fettes Brot ("Können diese Augen lügen") verewigten den Sprecher in ihren Songs.

Direktlink | Ab 3:52 ist in diesem Falco-Video zum umstrittenen Chart­brea­ker "Jeanny Part 1" aus dem Jahr 1985 Wilhelm Wieben zu sehen und zu hören

Als Rentner schrieb Wieben Bücher auf Plattdeutsch, was er als seine Muttersprache ansah. Außerdem sprach er Hörbücher ein und war gelegentlich noch im Fernsehen zu sehen. (dk)

Direktlink | Die letzte "Tagesschau" mit Wilhelm Wieben



#1 BLSJAnonym
#2 ThommyAnonym
  • 13.06.2019, 13:21h
  • Kleiner Hinweis: Er wurde in Hennstedt geboren.
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  • Anm. d. Red.: Danke für den Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert.
#3 LotiAnonym
  • 13.06.2019, 14:18h
  • Antwort auf #1 von BLSJ
  • Ich glaube nicht, das dies auch unbedingt nötig ist. Denn Wilhelm Wieben hat nach Beendigung seiner beruflichen Laufbahn überhaupt kein Hehl daraus gemacht. Arme Dagmar Berghoff. Nun fehlt ihr jemand in der regelmäßigen Kartenspielrunde. Lieber Wilhem, RIP Du warst mir ein dufter Kumpel, wie man in Berlin sagt.
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#4 Bonifatius49Anonym
  • 13.06.2019, 15:03h
  • Antwort auf #3 von Loti
  • Ach ja was waren das für Zeiten in den frühen 1990er, als ich noch Student an der Universität war, und Wieben sich outete und dort eine Coming-Out-Welle über Deutschland in den frühen 1990er "hinwegfegte". Die Gespräche am Schwulen Autonomen ASTA-Referat am Freitag vormittag sind mir noch gut in Erinnerung und auch Wieben und Meysel waren damals Thema.

    Heute längst eine Selbstverständlichkeit in Deutschland, wenn Menschen sich öffentlich zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen und mittlerweile sind selbst standesamtliche Hochzeiten in ländlicher Region eine Normalität, wie ich selbst 2011 in meiner kleinen ländlichen Heimatstadt feststellen durfte, und wie dort viele Gratulanten aus meinem niedersächsischen katholischen Heimatdorf und aus der Schulzeit vom Gymnasium vor dem Standesamt gratulierten.

    Wo ich aber noch immer Ressentiments bei einigen Gesellschaftsschichten verstärkt auch im Jahre 2019 beobachte, so ist dies zum einem bei Migrationsfamilien aus Osteuropa/Naher Osten und ansonsten in der einheimischen Bevölkerung beim Thema "Kindererziehung durch verheiratete Männerpaare".

    Da könnte ich einige Namen in meinem Umfeld nennen, die mir im Laufe meines Lebens negativ in Bezug auf "Kindererziehung durch Männerpaare" aufgefallen sind. Die standesamtliche Hochzeit eines homosexuellen Paares wird von Ihnen akzeptiert, aber nicht wenn ein verheiratetes Männerpaar auch eine Familie mit Kindern gründen will.

    Vielleicht liegt es einfach daran, das es zu wenige verheiratete Männerpaare mit Kindern gibt; und das liegt wiederum daran, dass die gemeinschaftliche Adoption nichtleiblicher Kinder erst 2017 in Deutschland endlich erlaubt wurde und Leihmutterschaften leider in Deutschland immer noch gesetzlich verboten sind.
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#5 FaktencheckAnonym
  • 13.06.2019, 15:26h
  • Antwort auf #3 von Loti
  • "Ich glaube nicht, das dies auch unbedingt nötig ist. Denn Wilhelm Wieben hat nach Beendigung seiner beruflichen Laufbahn überhaupt kein Hehl daraus gemacht."

    Nach dieser Logik hätte man auch nicht erwähnen müssen, dass er Tagesschausprecher war. Es geht hier doch nicht darum, jemanden posthum zu outen, sondern in einem Nachruf die wichtigsten Fakten zur Person zu nennen und dabei nichts zu verschweigen. Wiebens Coming-Out war zu seinen Lebzeiten eine Nachricht wert. Aber nach seinem Tod soll das plötzlich unbedeutend sein?
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#6 LotiAnonym
  • 13.06.2019, 16:34h
  • Antwort auf #5 von Faktencheck
  • Da hast Du mich vielleicht missverstanden. Ich lebe offen schwul und tue dies auch kund, wenn es notwendig ist. Und so habe ich Wilhelm Wiebken auch zu Lebzeiten gesehen. Zudem kannte ich so einige ältere Männer, die nie ihr Schwulsein je auch nur laut in der Öffentlichkeit ausgesprochen hätten. Sicherlich ist es gerade heute enorm wichtig, darauf hinzuweisen. Das weiß ich auch. Doch wissen wir, ob es dem Verstorbenen schon zu Lebzeiten auch solch ein Anliegen war? Deshalb glaube ich nicht, das es Aufgabe seines ehem. Arbeitgebers ist, gerade jetzt darauf hinzuweisen. Man soll den Toten ehren. Nochmal, jeder der ihn kannte, wußte auch von seiner Veranlagung. Ich hoffe mich halbwegs verständlich ausgedrückt zu haben.
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#7 KetzerEhemaliges Profil
  • 13.06.2019, 16:54h
  • Antwort auf #4 von Bonifatius49
  • Bemerkenswert, wie Du Dir da wieder Deine ganz eigene Pippi-Langstrumpf-Realität zusammenschwadronierst...

    "Heute längst eine Selbstverständlichkeit in Deutschland, wenn Menschen sich öffentlich zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen"

    Ganz abgesehen davon, dass man sich in der Regel zu etwas "bekennt", das peinlich ist oder mit Schuld zu tun hat (und somit widersprichst Du Dir durch die Wahl der Formulierung praktischerweise gleich selbst) - in was für einem Elfenbeinturm lebst Du denn? Ach, ich vergaß, Dich interessiert ja immer nur, wie es DIR geht bzw. was DIR nützt. Wie es anderen Menschen geht, hat Dich nach all dem, was Du hier seit Jahren so schreibst, ja noch nie interessiert.

    Statt dessen jubelst Du die nach wie vor in der GESAMTEN Bevölkerung vorhandene Alltagshomophobie* mal eben ausschließlich Migrationsfamilien unter (Deine Nähe zur AfD ist ja bekannt, obwohl Du sie stets so hartnäckig leugnest) und postulierst, es gebe nur deshalb "zu wenige verheiratete Männerpaare mit Kindern", weil die Gesetzeslage ein Dir passenderes Bild verhindert. Auf den Gedanken, dass nicht alle Schwulen heiraten und/oder Kinder haben wollen, kommst Du in Deinem stockspießigen Gesellschaftsbild natürlich gar nicht erst.

    * Zum einen empfehle ich auch Dir die Lektüre dieses Buches:

    www.querverlag.de/ich-hab-ja-nichts-gegen-schwule-aber/

    - zum anderen bestes aktuelles Beispiel: in der als liberal geltenden 76.000-Einwohner-Universitätsstadt Marburg gibt es seit neuestem ein paar schwule und lesbische Ampelpärchen. Unter der gerade mal 1 Stunde alten Facebook-Meldung

    www.facebook.com/marburg.stadt/photos/a.683721078306198/2511
    379945540293/?type=3&theater


    überschlagen sich die homophoben Kommentare - und zwar von "ganz normalen Bürger_innen" und nicht irgendwelchen Migrant_innen.

    Also lass bitte das Geschwafel à la "Heute ist ja alles Friede, Freude, Eierkuchen - nur die bösen, bösen Migrant_innen, und zu wenig schwule Paare mit Kindern gibt es auch" einfach stecken.
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#8 Bonifatius49Anonym
  • 13.06.2019, 18:18h
  • Antwort auf #7 von Ketzer
  • @Ketzer
    "Also lass bitte das Geschwafel à la "Heute ist ja alles Friede, Freude, Eierkuchen - nur die bösen, bösen Migrant_innen, und zu wenig schwule Paare mit Kindern gibt es auch" einfach stecken."

    Erstens das wir eine unterschiedliche Wahrnehmung seit Jahren haben, das ist mir bereits bestens vertraut.

    Zweitens das in Bezug auf Migrationsfamilien eine erhöhte Homophobie und bei islamischen Migrationsfamilien zudem eine erhöhter Antisemitismus im Vergleich zur deutschen Gesellschaft vorhanden ist, ist Fakt und hat auch nichts mit meinerseitiger Hetze gegen Migranten zu schaffen, sondern liegt schlichtweg daran, das die Menschen in Osteuropa in Bezug auf LSBTI-Personen und in Nordafrika/Naher Osten in Bezug auf LSBTI-Personen und Juden anders dort vom Staat/von der Religion geprägt werden.

    In Osteuropa herrschen orthodoxe Kirchenprediger vor und in Nordafrika/Naher Osten sind es Imame und Moscheen, da gibt es nicht ein solches LSBTI-freundliches Fernseh- und Radioprogramm, wie wir es bei ARD, ZDF, RTL, ProSieben, Radio Berlin-Brandenburg, RadioBremen seit den 1990er beginnend mit Hella von Sinne, Georg Uecker bei der Lindenstraße und Hape Kerkeling nunmehr gewohnt sind. Seit Jahrzehnten ab den 1990er hat sich die deutsche Gesellschaft positiv verändert und das gilt auch in den ländlichen Regionen NRWs/Niedersachsen, wo ich aufgewachsen bin, mich gut auskenne und viele meiner schwulen Freunde/Bekannten wohnen.

    Deine ständige Wiederholungen, das die deutsche Gesamtbevölkerung immer noch genauso homophob wie in den 1950er&1960 ist, lehne ich scharf ab und fasse ich sogar als tiefe Beleidigung meiner heterosexuellen Nachbarn Berufskollegen und Schulkameraden auf. Da muss man sich als schwuler Mann mittlerweile schützend vor so Typen wie Ihnen stellen, die den Homophobievorworf anscheind inflationär verwendet.

    Vieles hat sich in den letzten drei Jahrzehnten in der deutschen Gesellschaft zum Besseren gewandelt. Aber bei Ihnen, Ketzer, habe ich sowieso den Eindruck, das wir auf verschiedenen Planeten wohnen.
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#9 KetzerEhemaliges Profil
  • 13.06.2019, 18:40h
  • Antwort auf #8 von Bonifatius49
  • Du kannst Dich ja offenbar nicht mal entscheiden, ob Du mich nun duzt oder siezt. Aber Beweise, Fakten zu ignorieren - dafür entscheidest Du Dich immer wieder gern, gell?

    Man muss Deine Nachbarn vor mir schützen? Och, mit der Rolle als Spießer_innenschreck hab' ich jetzt nicht wirklich Probleme LOL
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#10 tchantchesProfil
  • 13.06.2019, 18:55hSonstwo
  • Antwort auf #7 von Ketzer
  • "Ganz abgesehen davon, dass man sich in der Regel zu etwas "bekennt", das peinlich ist oder mit Schuld zu tun hat..."

    Das heißt, allen Leuten, die sich zu einer Weltanschauung oder einer Religion bekennen, ist die im Grunde peinlich?

    Komisches Sprachverständnis.
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