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Kommentare zu:
Wilhelm Wieben ist tot


#11 KetzerEhemaliges Profil
  • 13.06.2019, 19:07h
  • Antwort auf #10 von tchantches
  • Schon mal was von Mehrfachbedeutungen von Wörtern gehört?

    Übrigens, für mich persönlich wäre es tatsächlich peinlich, mich zu einer Religion zu bekennen.

    Und nein, ich bekenne mich auch nicht zum Atheismus. Ich bin schlicht Atheist. Genauso BIN ich schwul. Und zwar offen schwul seit 1990. Zu meiner Homosexualität bekenne ich mich hingegen genauso wenig wie zu irgendeiner Religion oder irgendeiner "Sünde" oder Schuld. Ich BIN es einfach.
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#12 tchantchesProfil
  • 13.06.2019, 20:23hSonstwo
  • Antwort auf #11 von Ketzer
  • "Schon mal was von Mehrfachbedeutungen von Wörtern gehört?"

    Durchaus ja. Das beinhaltet aber auch, dass ich bei Begriffen mit mehreren Bedeutungen diejenige wähle, die der Situation und der Aussage entspricht, und nicht jene, die mir argumentativ gerade am besten in den Kram passt.

    So hat es Zeiten gegeben, die manche von uns noch erlebt haben, wo man sich wirklich zu seinem Schwulsein bekannt hat. Nicht weil es einem peinlich war, sondern aus Mut, Trotz und auch Stolz. Gay Pride. Der Begriff ist wahrscheinlich älter als Du.

    "Genauso BIN ich schwul. Und zwar offen schwul seit 1990."

    Siehste. Dann kannst Du das alles nicht gekannt haben. Ist ja keine Schande.
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#13 KetzerEhemaliges Profil
  • 13.06.2019, 20:42h
  • Antwort auf #12 von tchantches
  • Du hast von meiner persönlichen Geschichte und den Kämpfen mit meiner Familie nicht die leiseste Ahnung. Mir allein auf Grund eines Coming Out im Jahr 1990 zu unterstellen, ich könnte das alles ja gar nicht kennen, ist an Infamie kaum zu übertreffen.

    Und ja, in verschiedenen Kontexten können Wörter unterschiedliche Bedeutungen und Konnotationen haben. Das hat mit persönlichem Gutdünken überhaupt nichts zu tun.
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#14 Taemin
  • 13.06.2019, 20:49h
  • Wilhelm Wieben war im besten Sinne des altertümlichen Wortes ein vornehmer Mann.

    Zur Diskussion, dass sein Schwulsein nicht erwähnt wurde: Ja, das hat mich auch gestört. Bei Heten heißt es regelmäßig, er oder sie hinterlasse Ehefrau/Ehemann, zwei Kinder und acht Enkel. Damit ist alles klar. Warum das bei unsereinem in Nachrufen meist ein Tabuthema ist - keine Ahnung. Es fehlt noch immer die Normalität.

    Und zum Wort "bekennen": ein Quatschwort. Ich bekenne mich nicht als schwul, ich bin es, und ich gehe offensiv damit um.
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#15 FaktencheckAnonym
  • 13.06.2019, 21:41h
  • Antwort auf #6 von Loti
  • "Doch wissen wir, ob es dem Verstorbenen schon zu Lebzeiten auch solch ein Anliegen war?"

    Da er selbst zumindest zuletzt darüber gesprochen hat, sehe ich nicht, weshalb man annehmen sollte, dass er etwas dagegen gehabt hätte, es auch in einem Nachruf zu erwähnen.

    "Man soll den Toten ehren"

    Und was genau soll das jetzt in diesem Zusammenhang heißen? Hat Homosexualität etwas mit Ehre zu tun? Oder mit dem Gegenteil?

    Ich muss zugeben, dass ich wirklich nicht verstehe, worauf du eigentlich hinaus willst.
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#16 AlsoBitteAnonym
  • 13.06.2019, 21:57h
  • Ich würde mir verbitten, dass mein Arbeitgeber in einem offiziellen Nachruf etwas zu meiner sexuellen Orientierung sagt, egal wie bekannt oder nicht bekannt die ist. WW war Nachrichtensprecher der Tagesschau, nicht Vorsitzender des LSVD. Das hat njchts mit totschweigen zu tun, sondern mit Respekt vor der Privatsphäre von Arbeitnehmern. Abgesehen auch mal davon, dass ich mich frage, wie die Tagesschau das hätte machen sollen.
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#17 tchantchesProfil
  • 13.06.2019, 21:58hSonstwo
  • Antwort auf #14 von Taemin
  • "Wilhelm Wieben war im besten Sinne des altertümlichen Wortes ein vornehmer Mann."

    Das war er in der Tat.

    "Bei Heten heißt es regelmäßig, er oder sie hinterlasse Ehefrau/Ehemann, zwei Kinder und acht Enkel. Damit ist alles klar."

    Und was steht bei denen, wenn sie niemand hinterlassen?

    "Es fehlt noch immer die Normalität."

    Er hat nie Aufhebens darum gemacht - auch so ein altmodisches Wort - es aber in seinem späteren Leben auch nicht mehr versteckt. Ist nicht genau das ein Stück Normalität? Ich frage nur.

    Die Zeit und der Spiegel erwähnen es auch nicht und die Süddeutsche nur in einem von zwei Artikeln.

    "Und zum Wort "bekennen": ein Quatschwort. Ich bekenne mich nicht als schwul, ich bin es, und ich gehe offensiv damit um."

    Aus heutiger Sicht richtig, aber man sollte Begriffe schon im Zusammenhang ihrer jeweiligen Zeit sehen, zumal dann, wenn sie in der Schilderung eines Ereignisses vorkommen, das über 30 Jahre zurück liegt.
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#18 Patroklos
#19 KetzerEhemaliges Profil
  • 13.06.2019, 22:16h
  • Antwort auf #15 von Faktencheck
  • Ralph hat das in #14 ja eigentlich schon ganz gut benannt. Ich übersetze mal, letztlich scheint es auch heute noch ehrenrührig, schwul zu sein. Deshalb z.B. ja auch das Schmierentheater mit Herrn Riewa vs. Queer.de.

    Bei Vorstellungsrunden wird sehr häufig automatisch dazu gesagt "Ich bin verheiratet, habe drei Kinder und sechs Enkel" - genauso, wie das bei Beerdigungen Standard ist, um zu erwähnen, welche legal und gesellschaftlich sanktioniert mit dem_der Toten verbundenen Personen offiziell trauern und das auch dürfen.

    Selbst z.B. bei "Wer wird Millionär" wird völliig unnötigerweise regelmäßig Beziehungs- und Fortpflanzungsstatus erwähnt, wenn ein_e neue_r Kandidat_in vorgestellt wird.

    Es gilt immer noch als ehrenhaft, Kinder und Enkel in die Welt gesetzt zu haben - natürlich nur, wenn diese hetero-ehelich entstanden sind. Alles andere ist eben doch immer noch suspekt, hat, wie man im Südwesten sagen würde, ein Gschmäckle.

    Bei Beerdigungen an AIDS verstorbener Schwuler in den 1980ern und 90ern galten als legitime Hinterbliebene und Trauernde oftmals auch nur die Blutsverwandten. Freund_innen, selbst Partner_innen wurden oftmals komplett ausgeschlossen.

    Meine Mutter hat mir kürzlich eröffnet, dass in ihrem Testament steht, dass ich meinen Erbanteil nicht etwa frei verwenden darf oder für den Fall, dass bei meinem Tod noch etwas davon übrig ist, nicht etwa meinem geliebten Gefährten weitervererben darf, sondern dass der Rest, so denn einer bleibt, an die Töchter meiner Schwester zu gehen hat, die schon seit vielen Jahren nichts mehr mit mir zu tun haben wollen. Und das 2019.

    Schwul zu sein, ist also auch 2019 noch ehrenrührig. Es gibt Menschen, wie z.B. auch meine Mutter, die mit aller Gewalt zu verhindern versuchen, dass diese unendlich peinliche Veranlagung irgendwie nach außen sichtbar wird.

    Und so werden bei Schwulen auch heute noch Freund_innen und Wahlverwandtschaft ausgemerzt, ausgeschlossen, existieren offiziell nicht, dürfen nicht offiziell um den geliebten verstorbenen Menschen trauern. Realität 2019. Und ich bin mir sicher, dass noch viele, viele Menschen ähnlich denken wie meine Mutter. Weshalb sollte ausgerechnet sie die einzige Person in Deutschland sein, die so denkt? Übrigens ist sie nicht etwa über 90, sondern 77.

    Ich habe die Geschichte mit meiner Mutter jetzt erzählt, um zu zeigen, was für Auswüchse das Ganze treiben kann: Homosexualität ist Vielen immer noch unendlich peinlich und muss mit aller Gewalt unterdrückt und totgeschwiegen werden. Gerade auch über den Tod hinaus.

    Ich traue meiner Mutter z.B. auch zu, sollte sie noch leben, wenn ich sterbe, meinem geliebten Gefährten, mit dem ich seit über 13 Jahren durchs Leben gehe, nicht mitzuteilen, wann und wo genau meine Beisetzung stattfinden wird. Einbildung? Keineswegs. Als mein Vater starb, hat sie auch mir unter Strafandrohung verboten, einigen engen Freund_innen meines Vaters den Termin mitzuteilen.
    Dann wird sie an meinem Urnengrab stehen und zusammen mit meiner Schwester, die ihren Töchtern einst den Kontakt zu mir verboten hat, Krokodilstränen weinen, damit nach außen alles so aussieht, als sei man eine anständige Familie gewesen.

    Und nun geh' ich mich übergeben.

    P.S. Mit dem Ratschlag, ich müsste meinen Gefährten doch nur heiraten, bitte ich mich zu verschonen. Wir haben Gründe, das nicht zu tun. Danke.
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#20 TheDadProfil
  • 13.06.2019, 22:56hHannover
  • Antwort auf #12 von tchantches
  • ""So hat es Zeiten gegeben, die manche von uns noch erlebt haben, wo man sich wirklich zu seinem Schwulsein bekannt hat.""..

    Wann und wo soll das gewesen sein ?

    Sich zu outen und dann dazu zu stehen Schwul zu sein, ist etwas vollständig anderes als
    "sich zu bekennen"..

    Dieser "Kunstbegriff" ist nichts weiter als ein von der Presse eingeführter Begriff der verdeutlichen soll, das es sich
    "immer noch um straftäter handelt, die sich jetzt endlich zu ihren handlungen bekennen"..

    Denn DAS ist der dahinter verborgene Kontext in dem der Begriff auch Heute noch ab und zu durch die Gazetten geistert !
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