https://queer.de/?33842
Reaktion auf "Genderwahnsinn"-Schmutzkampagne
Familienministerium stellt klar: Wir wollen Vater und Mutter nicht abschaffen
Mit homophoben Falschmeldungen wollen AfD und CSU die Stimmung gegen Regenbogenfamilien anheizen. Jetzt schlägt das Familienministerium zurück.

Die SPD-Politikerin Franziska Giffey ist seit März 2018 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im vierten Merkel-Kabinett (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)
- 14. Juni 2019, 09:58h 3 Min.
Das Bundesfamilienministerium von Ministerin Franziska Giffey (SPD) hat am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite klargestellt, dass es in Deutschland auch weiterhin Vater und Mutter geben werde. Hintergrund ist die Behauptung von AfD und CSU, die Regierung wolle mit den Begriffen "Elternteil 1" und "Elternteil 2" die "Mutter-Vater-Kind-Strukturen zerstören" und betreibe damit "Genderwahnsinn".
"Bei der Bezeichnung von 'Elternteil 1' und 'Elternteil 2' geht es lediglich um einen Oberbegriff in einem Behördenformular", heißt es in der "Klarstellung" des Ministeriums zu einer wochenlangen Kampagne. "Jede Mutter bleibt Mutter und jeder Vater bleibt Vater. Daran etwas zu ändern, steht überhaupt nicht zur Debatte." In den Formularen könnten "mit dem Begriff 'Elternteil' aber alle Familienkonstellationen wert- und hierarchiefrei berücksichtigt werden." Beim Elterngeld-Antrag sei dies schon seit Jahren "gelebte Praxis" und klappe reibungslos.
Klarstellung zur aktuellen Debatte um die Formulierung "Elternteil" in Formularen
Gepostet von Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am Donnerstag, 13. Juni 2019
|
AfD sauer über Regenbogenportal der Regierung
Hintergrund ist eine Formulierung im vom Familienministerium im Mai gelaunchten Regenbogenportal (queer.de berichtete). Darin wird in einem Text über sexuelle Vielfalt an Schulen deutlich gemacht, wie die Lebenswelten von sexuellen Minderheiten besser sichtbar gemacht werden können. Ein Punkt lautet: "in Formularen auf geschlechtsneutrale Formulierungen achten (beispielsweise 'Elternteil 1 und 2' statt 'Mutter und Vater')."
Die AfD nutzte dies Anfang Juni für eine Schmutzkampagne. Bundestagsvizefraktionschefin Beatrix von Storch meinte etwa auf Twitter, das gesamte Vorhaben des Familienministeriums sei ein "Irrsinn", der "der linksmotivierten Dekonstruktion der Familie und staatlichen Bevormundung" Vorschub leiste.

In ihren Tweets zeigt sich Beatrix von Storch praktisch täglich empört
Für den sächsischen AfD-Politiker Rolf Weigand drücken diese geschlechtsneutralen Formulierungen gar eine "unverhohlen zum Ausdruck gebrachte Feindseligkeit gegenüber klassischen Familien" aus. Die Regierung habe es sich scheinbar zur Hauptaufgabe gemacht, "normale Mutter-Vater-Kind-Strukturen zu zerstören".

Rolf Weigand verbreitet auch in einer Photoshop-Fleißarbeit Falschmeldungen über die Vorhaben des Bundesfamilienministeriums
Die AfD griff damit einen Kommentar von Gunnar Schupelius in der B.Z. auf, der damit offenbar auf eine Pressemitteilung der homo- und transfeindlichen "Demo für alle" reagiert hatte. Schupelius hatte schon mehrfach vermeintliche Aufreger zu LGBTI-Fragen in die größere Öffentlichkeit getragen, etwa im letzten Jahr mit einem irreführenden Kommentar zu "Sex-Broschüren für Kita-Kinder" (queer.de berichtete).
CSU beklagt "Genderwahnsinn"
Selbst in demokratischen Parteien gibt es populistische Kritik an den Plänen des Familienministeriums, Regenbogenfamilien gleich zu behandeln. Die CSU veröffentlichte am Donnerstag auf ihrer Facebookseite ein Bild, das eine heterosexuelle Cartoon-Familie zeigt. Dazu schrieb die Partei: "Der Genderwahnsinn tobt mal wieder – aber nicht mit uns. Wir machen keine bürokratische und lebensfremde Sprachpanscherei mit."
Völlig irre: Mutter und Vater sollen zu Elternteil 1 und Elternteil 2 werden. So empfiehlt es das SPD-geführte…
Gepostet von CSU (Christlich-Soziale Union) am Donnerstag, 13. Juni 2019
|
Auch christlich-fundamentalistische Aktivisten wollen Widerstand leisten. So kündigte Mathias von Gersdorff, der Chef der Aktion "Kinder in Gefahr", "in den nächsten Monaten mehrere Aktionen gegen die Angriffe des Bundesfamilienministeriums auf Kinder, Schule, Ehe, Familie, Väter und Mütter" an. Der angebliche Grund: "Hier geht es um die Abschaffung von Mann und Frau, von Ehe und Familie und auch um die Abschaffung von Vater und Mutter!"
Auch in anderen europäischen Ländern wird bereits geschlechtsneutral von Elternteilen in Formularen gesprochen. Erst im Februar beschloss etwa die Pariser Nationalversammlung eine entsprechende Änderung in Schulformularen, um Regenbogenfamilien nicht länger zu diskriminieren (queer.de berichtete). (dk)













