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Italien

Star-Regisseur Franco Zeffirelli gestorben

Die Shakespeare-Verfilmung "Romeo und Julia" machte ihn 1968 weltberühmt. Später outete er sich als homosexuell, nicht aber als Unterstützer von LGBTI-Rechten.


Zeffirelli 2008 in Moskau (Bild: Alexey Yushenkov / wikipedia)

Er arbeitete mit Stars wie der Schauspielerin Elizabeth Taylor und der Opern-Diva Maria Callas zusammen: Am Samstag ist der italienische Regisseur Franco Zeffirelli im Alter von 96 Jahren gestorben. Als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent wurde Zeffirelli mit rund 20 Spielfilmen bekannt. Die Nachricht von seinem Tod sorgte in Italien und darüber hinaus für Bestürzung.

Zeffirelli litt schon lange an einer Lungenentzündung, wie italienische Medien unter Berufung auf Familienmitglieder Zeffirellis berichteten. Am Samstag starb er in seinem Haus in Rom, im Beisein seiner Adoptivsöhne Pippo und Luciano, eines Arztes und des Pfarrers der Kirche San Tarcisio. Er soll auf dem Friedhof Cimitero delle Porte Sante in seiner Heimatstadt Florenz beigesetzt werden.

Shakespeare und Oper

Internationale Berühmtheit erlangte Zeffirelli durch seine Verfilmung von William Shakespeares "Romeo und Julia" aus dem Jahr 1968, für die er für vier Oscars nominiert wurde. Der Filmkritiker Roger Ebert bezeichnete Zeffirellis Adaption zu jener Zeit gar als "den aufregendsten Shakespeare-Film, der jemals gedreht wurde".

1967 hatte Zeffirelli bereits Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" mit dem berühmten Hollywood-Paar Elizabeth Taylor und Richard Burton in den Hauptrollen verfilmt. 1992 folgte "Hamlet" mit Mel Gibson und Glenn Close. 2004 wurde der Regisseur von der britischen Königin für seine "wertvollen Verdienste um die britische darstellende Kunst" zum Ehrenritter ernannt.

Seine zweite große Liebe war die Oper. Als Regisseur setzte er mehr als 30 Theaterstücke und Opern in Szene. In Filmen wie "Callas Forever" (2002), "Pagliacci" (1981) und "La Bohème" (2008) übernahm er teilweise mehrere Rollen gleichzeitig: als Opernregisseur, Produzent und Kostümdesigner.

Zeffirelli wurde am 12. Februar 1923 als Sohn eines Kaufmanns geboren. Da sowohl seine Mutter als auch sein Vater mit anderen Partnern verheiratet waren, konnte er deren Namen nicht annehmen. Seine Mutter gab ihm den Namen "Zeffiretti", was "leichte Brise" auf Italienisch bedeutet. Ein Schreibfehler auf seiner Geburtsurkunde machte aus ihm jedoch Franco Zeffirelli.

Nach einem Architekturstudium arbeitete Zeffirelli zunächst als Theater- und Filmdekorateur, dann als Schauspieler. Schließlich kam es zu einer schicksalshaften Begegnung mit dem berühmten Regisseur Luchino Visconti. Er wurde dessen Schützling, später sein Liebhaber.

Zeffirelli, der in seiner Autobiografie auch von heterosexuellen Beziehungen in seiner Jugend berichtete, unterstützte Visconti bei der Verwirklichung von "Die Erde bebt" (1948), "Bellissima" (1951) und "Sehnsucht" (1954). Die Beziehung zu Visconti war stürmisch und endete mit einer schmerzhaften Trennung, läutete aber Zeffirellis künstlerische Karriere ein.

Ein Homosexueller in einer schwulen Welt

Öffentlich outete sich Zeffirelli 1983 im US-Magazin "The Advocate". Später betonte er unter anderem in seiner Autobiografie, er sei "homosexuell", nicht "schwul". Den auch im Italienischen verwendeten Begriff "gay" lehnte er ab, weil die Öffentlichkeit so Clowns bezeichnen würde. "Homosexuell" zu sein, sei hingegen "kein Witz": "Das bedeudet, eine erwachsene, schwierige Entscheidung getroffen zu haben."

Bei LGBTI-Aktivisten machte sich der Regisseur keine Freunde: Den CSD nannte er eine "obszöne Perfomance". Er sprach sich gegen die Homo-Ehe aus und unterstützte öffentlich die Sexualmoral der katholischen Kirche. Auch Abtreibung lehnte er ab, bis hin zum Ruf nach einer Todesstrafe.

Von 1994 bis 2001 saß Zeffirelli für die konservative Forza Italia des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi im italienischen Oberhaus. 2006 sorgte er für eine Kontroverse, als er meinte, es habe ihn nicht geschadet, von einem Priester missbraucht worden zu sein.

Italiens Politik reagierte betroffen auf Zeffirellis Tod. Regierungschef Giuseppe Conte würdigte ihn im Kurzbotschaftendienst Twitter als "großen Filmemacher, Drehbuchautoren und Szenografen". Italiens Kulturminister Alberto Bonisoli bezeichnete ihn als "Genie unserer Zeit". Der Bürgermeister seiner Heimatstadt Florenz, Dario Nardella, lobte Zeffirelli als "einen der größten Männer in der Welt der Kultur". (afp/nb)



#1 Patroklos
  • 15.06.2019, 22:20h
  • Seinen Namen las ich zum ersten Mal im Vorspann des vierteiligen Spielfilms "Jesus von Nazareth".

    Außerdem wurde der Regisseur vor 15 Jahren mit dem britischen Verdienstorden Knight Commander of the Order of the British Empire (KBE) und er war auch Träger des Verdienstorden der Italienischen Republik.

    Ruhe in Frieden!
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#2 queergayProfil
  • 15.06.2019, 22:48hNürnberg
  • Der letzte der 4 großen italienischen Filmregisseure hat unseren Planeten verlassen. Nach Visconti, Fellini und Pasolini nun noch der Filmzauberer Zeffirelli. Vielleicht macht er ja weiter Filme in anderen Realitäten.
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#3 stromboliProfil
  • 16.06.2019, 07:51hberlin
  • Antwort auf #2 von queergay
  • na ja, zeffirelli in einem atemzug mit Visconti,Pasolini und Fellini zu nennen, wird oben genannten nicht gerecht.
    Zeffirelli war ein durchaus mittelmäßiger regisseur, der eher auf bombast, denn tiefe gesetzt hat.
    Aber für seine Opernfilme kommt dieses talent geradezu als hervorhebende beigabe dem publikumsgeschmack entgegen.
    Und die Callas ist in seinen filmen exellenter mittelpunkt.
    Was sie auch verdient.

    Und was sein "homosexuell_sein" anbelangt: zum fremdschämen!
    Wir hätten uns in jenen zeiten andere , mutige und die zeichen der damaligen zeit filmisch umsetzende gewünscht.
    So bleibt die erinnerung an taylor/burton ohne den biss von "w.h. angst vor virginia woolf"; ein zugegeben äusserts hübscher romeo , mit einer aufregenden fast-nacktszene....
    War da noch was, an dass ich mich erinnern sollte?
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