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Pille zum Schutz vor HIV

Auch AOK Nordost finanziert die PrEP

Die Ortskrankenkasse für Berlin, Brandenburg und MeckPomm startet das Versorgungsprogramm "HIV & STI Prophylaxe Berlin".


Truvada ist das bekannteste PrEP-Medikament: In Deutschland sollen die HIV-Neuinfektionszahlen mit Hilfe des Kombinationsprodukts nach unten gedrückt werden (Bild: NIAID / wikipedia)

Versicherte der AOK Nordost, die ein erhöhtes individuelles Risiko für eine sexuell übertragbare Infektion haben, können ab sofort am Versorgungsprogramm "HIV & STI Prophylaxe Berlin" teilnehmen. Zentrale Bestandteile sind eine qualifizierte Beratung und die Erstattung der Präexpositions-Prophylaxe (PrEP), mit der das Risiko für Negative, sich mit dem HI-Virus zu infizieren, medikamentös auf praktisch Null reduziert wird. Das Programm wurde kürzlich gemeinsam mit der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter e. V. (dagnä) gestartet.

"Wir wollen das Versorgungsnetz für Menschen mit einem erhöhten Risiko weiter ausbauen, um dazu beizutragen, die Infektionsraten noch weiter zu senken", erklärte Susanne Dolfen, die Leiterin der Unternehmenseinheit Arzneimittelversorgung der AOK Nordost.

Bereits im Februar hatte die DAK-Gesundheit als erste gesetzliche Krankenkasse die Erstattung der PrEP angekündigt (queer.de berichtete). Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plant außerdem, dass Gruppen mit erhöhtem HIV-Risiko künftig einen gesetzlichen Anspruch auf ärztliche Beratung, Untersuchung und Arzneimittel zur Vorsorge haben sollen. Bis Ende 2020 soll die Wirkung der PrEP evaluiert werden, so das Ministerium im März.

Schwerpunkt auf Beratung

Die AOK Nordost, die auch Mitglied im Berliner "Bündnis gegen Homophobie" ist, will dabei einen besonderen Schwerpunkt auf Beratung legen: "Einfach nur das Medikament zu erstatten, greift aus unserer Sicht zu kurz", sagte Dolfen, die dabei auf die Erfahrungen, die man in anderen Ländern wie den USA oder Australien nach der PrEP-Einführung gemacht hat, verweist. Die Einnahme der PrEP zum Schutz vor einer Infektion mit HIV gehe dort mit einem Anstieg von weiteren sexuell übertragbaren Infektionen einher. Auslöser hierfür könnte ein verändertes und bezüglich dieser Infektionen risikoreicheres Sexualverhalten wie beispielsweise häufigerer Kondomverzicht sein.

"HIV, aber vor allem andere STIs [Geschlechtskrankheiten] – wie etwa Syphilis oder Gonorrhö – sind seit einigen Jahren in Deutschland generell stärker zu verzeichnen", stellte dagnä-Vorstandsmitglied Dr. med. Axel Baumgarten fest. "Erfolgreiche Prävention muss aber immer auch Veränderungen im Risikoverhalten berücksichtigen. Das Programm gibt hier durch Qualität und Beratung die richtigen Impulse", erläuterte Baumgarten.

AOK Nordost mit 1,8 Millionen Versicherten

Bei der AOK Nordost sind über 1,8 Millionen Menschen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern versichert. Besonders in Berlin gibt es überdurchschnittlich viele HIV-Positive: Laut Robert-Koch-Institut (RKI) leben allein in der Bundeshauptstadt rund 14.900 Menschen mit HIV, in Brandenburg sind es knapp 400, in Mecklenburg-Vorpommern rund 900. In Berlin stieg in den letzten zehn Jahren insbesondere die Zahl der Syphilis-Fälle stark an. Das RKI zählte allein 2017 mehr als 1.300 Fälle, das entspricht 18 Prozent aller neuen Diagnosen in Deutschland.

Bei der PrEP handelt es sich um ein Kombinationsprodukt mit den Wirkstoffen Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil, die auch zur Behandlung von HIV-Positiven eingesetzt werden. Laut Aids-Aktivisten könnten mit der Hilfe der PrEP – neben den anderen Safer-Sex-Methoden Kondomnutzung und "Schutz durch Therapie" – die Neuinfektionszahlen erheblich gesenkt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stimmt dieser Einschätzung zu und hat deshalb im Juni 2017 die PrEP-Wirkstoffe in die Liste der "unentbehrlichen Arzneimittel" aufgenommen (queer.de berichtete).

Die Europäische Kommission ließ die PrEP-Nutzung für Erwachsene im Sommer 2016 zu. Seit 2017 ist auch für Erwachsene in Deutschland ein Generikum erhältlich, das die Kosten des Medikaments von 800 auf knapp über 50 Euro pro Monat drückte (queer.de berichtete). Laut einer Schätzung aus dem vergangenen Jahr nehmen in Deutschland 6.000 Menschen die PrEP ein. (dk)



#1 SchlüssigAnonym
  • 18.06.2019, 12:44h
  • ""HIV, aber vor allem andere STIs [Geschlechtskrankheiten] wie etwa Syphilis oder Gonorrhö sind seit einigen Jahren in Deutschland generell stärker zu verzeichnen"
    Es ist irreführend hier den tatsächlich zu anerkennendenAnstieg der klassischen STD in den letzten Jahren in einem Atemzug mit den im Gegensatz dazu fast gleichbleibendem Zahl der Neuinfektionen mit HIV, auch Dank der therapeutischen Schutzwirkung der HIV Behandlung bei Positiven,
    zu nennen.
    Richtig ist das der Gebrauch von Kondomen nachlässt und daher Standard STD wieder stärker auf dem Vormarsch sind.
    Dies geschieht aber wie auch im Artikel beschrieben schon seit 10 Jahren, also lange vor dem Zurverfügungstehen oder gar Verschreiben von PrEP.
    Es handelt sich schlicht und ergreifend um die in Folge guter Behandlungsmöglichkeiten der HIV Infektion nachlassenden Ängste vor ungeschützten Sex.
    Die PrEP dagegen, korrekt verschrieben und die betroffenen Personen regelmäßig kontrolliert, wird eher zu einer auf Dauer niedrigeren Inzidenz der klassischen STD's führen.
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#2 PetterAnonym
  • 18.06.2019, 13:05h
  • Das sollte für alle Krankenkassen eine verpflichtende Regelleistung sein. Nicht nur aus moralischen Gründen, sondern einfach auch deshalb, weil die lebenslangen Behandlungskosten bei HIV deutlich teurer sind als die Vorsorgekosten. Das ist also auch finanziell günstiger.
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#3 TheDadProfil
#4 TheDadProfil
  • 18.06.2019, 23:14hHannover
  • Antwort auf #1 von Schlüssig
  • ""Richtig ist das der Gebrauch von Kondomen nachlässt und daher Standard STD wieder stärker auf dem Vormarsch sind.""..

    Richtig ist die Behauptung das die STI's ansteigen..

    Falsch ist es zu behaupten, dies läge an der PrEP, denn das war schon vor der Aufnahme als Kassenleistung zu beobachten..
    Siehe dazu die Zahlen der DAH aus den Jahren ab 2013, folgende..
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#5 SchlüssigAnonym
#6 ZouphoutAnonym