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Dortmund

Evangelischer Kirchentag: Ja zu queeren Themen, nein zur AfD

Mitten im Ruhrgebiet debattieren Christen am Kirchentag in dutzenden Veranstaltungen auch über LGBTI-Rechte.


Die diesjährige Losung des Kirchentages lautet "Was für ein Vertrauen" (2. Könige 18,19) (Bild: EKD)

Der 37. Evangelische Kirchentag ist am Mittwoch in Dortmund gestartet. Noch bis Sonntag werden geschätzt mehr als 100.000 Christinnen und Christen auf mehr als 2.000 Veranstaltungen über eine Vielzahl von Themen diskutieren, darunter auch LGBTI-Fragen. Zu den Besuchern der alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltung gehören hochrangige Politiker wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne), Markus Söder (CSU) und Armin Laschet (CDU). Bereits im Vorfeld des Kirchentages sorgte für Aufregung, dass die AfD nicht zu der christlichen Laien-Veranstaltung eingeladen wurde.

Regenbogenzentrum eingerichtet

In der Evangelischen Kirchengemeinde Hörde im Süden Dortmunds wurde ein Regenbogenzentrum eingerichtet, in dem mehr als 50 Veranstaltungen zu queeren Themen geplant sind. Am Donnerstag, an dem im katholischen Nordrhein-Westfalen dank Frohnleichnam arbeitsfrei ist, gibt es Vorträge zu Themen wie "Homophob sind doch nur die anderen?" oder Workshops wie "Schritte zu einer trans*inklusiven Gemeinde". Am Freitag wird unter anderem über "Gleichberechtigung und queere Menschenrechte" diskutiert. Am Wochenende bietet der Kirchentag dann einen "Mitmachgottesdienst für Kleine und Große" an unter dem Titel "Es ist noch Platz unterm Regenbogen".

Twitter / bzga_de | Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist auf dem Kirchentag präsent

Im Vorfeld des Kirchentages hatte insbesondere der Workshop "Vulven malen" im Zentrum Geschlechterwelten für Aufregung gesorgt, der Frauen dabei helfen soll, freier mit ihrem Geschlecht umzugehen. Darüber machte sich unter anderem die homophobe Aktivistin Birgit Kelle lustig.

Twitter / Hallaschka_HH | Ein Twitter-Nutzer fordert Birgit Kelle auf, andere Prioritäten zu setzen

AfD wieder einmal empört

Empört äußerten sich Politiker der AfD, weil das Kirchentagspräsidium kurz nach dem Schulterschluss der Partei mit Rechtesextremisten in Chemnitz entschieden hatte, keine AfD-Vertreter zu Podiumsdiskussionen einzuladen. EKD-Chef Heinrich Bedford-Strohm begründete das in der "Bild"-Zeitung mit der "deutlichen Radikalisierung der AfD", die mit den Werten des Christentums nicht vereinbar sei. Vor zwei Jahren nahm noch eine Vertreterin der "Christen in der AfD" am damaligen Kirchentag in Berlin und Wittenberg teil (queer.de berichtete).

Die rechtspopulistische Partei nutzte die diesjährige Entscheidung, um sich als Opfer darzustellen und den Hass auf LGBTI anzustacheln. So erklärte der AfD-Bundestagsabgeordnete Volker Münz in einer Presseaussendung vom Montag, es sei "einfach skandalös", Themen wie Geschlechtsanpassungen zu behandeln. "Hier wird mehr der Zeitgeist als der Heilige Geist verherrlicht", so der evangelische Kirchengemeinderat im schwäbischen Uhingen, der seine politische Ablehnung der Ehe für alle mit der Bibel begründet hatte (queer.de berichtete). Erika Steinbach, die homophobe frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und heutige Chefin der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung, schimpfte auf Twitter mit den Worten: "Aber mit Linken, Atheisten oder Muslimen hat [EKD-Chef Bedford-Strom] überhaupt kein Problem……."



#1 FinnAnonym
  • 19.06.2019, 11:01h
  • " [...] debattieren Christen am Kirchentag in dutzenden Veranstaltungen auch über LGBTI-Rechte."

    Alleine schon, dass die darüber "debattieren" wollen, sagt ja schon ganz viel aus. Das impliziert, dass es da unterschiedliche (berechtigte) Auffassungen geben kann und man über die Gleichheit von Menschen diskutieren kann.

    Ein guter Test ist immer, wenn man eine Minderheit durch eine andere ersetzt und dann mal guckt, wie man das findet: Denn das ist so, als würde man darüber diskutieren wollen, ob Schwarze auch Menschen sind und ob sie gleiche Rechte verdient haben.

    Bei letzterem wäre jedem klar, dass das Rassismus pur ist. Aber sobald es um LGBTI geht, findet man grundlegende Menschenrechte und demokratisch-rechtsstaatliche Prinzipien auf einmal verhandelbar.
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#2 SolanaceaeAnonym
  • 19.06.2019, 13:11h
  • Antwort auf #1 von Finn
  • > Alleine schon, dass die darüber "debattieren" wollen, sagt ja schon ganz viel aus. Das impliziert, dass es da unterschiedliche (berechtigte) Auffassungen geben kann und man über die Gleichheit von Menschen diskutieren kann.

    Leider ist das so. Ich gerate oft mit meinem CIS Hetero Freundeskreis aneinander, weil anscheinend unterschiedliche Vorschriften, Normen und Bewertungsweisen für CIS Heteros und Queere Menschen gellten.

    Letztes Wochenede habe ich erst wieder eine Debatte da drüber gehabt, dass sich "Einige Schwule beim CSD nicht benehmen können", und daher der CSD sehr kritisch gesehen wird (Seine Aussage). Auf mein Anliegen hin, dass zwar schon seine Kritik an den Handlungen einzelner gerechtfertigt sei, aber genau das gleiche Verhalten von CIS Heteros an Karneval an den Tag gelegt werde, antwortete er dann, dass das ja wohl was anderes sei. "Die Homos müssen sich benehmen, wenn sie akzeptiert werden wollen"

    Leider erlebe ich genau diese Ungleichheit immer und immer wieder.
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#3 Bonifatius49Anonym
  • 19.06.2019, 13:28h
  • Antwort auf #2 von Solanaceae
  • Lobenswert wie sich die EKD und deren 20 Landeskirchen in den letzten 25 Jahren entwickelt haben.

    Mittlerweile sind in 10 von 20 Landeskirchen reguläre kirchliche Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare erlaubt und in weiteren 9 Landeskirchen wurden zumindest öffentliche Segnungsgottesdienste ermöglicht.

    www.huk.org/themen/segnung-trauung/81-segnung-und-trauung-ev
    angelisch


    -------------

    Als evangelischer Christ halte ich es auch für absolut richtig, wenn der Evangelische Kirchentag zur AfD NEIN sagt. Lobenswert, lobenswert, lobenswert ....
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#4 DramaQueen24Profil
  • 19.06.2019, 16:57hBerlin
  • Ich sehe das Problem bei solchen Kirchentagen darin, dass man sich und seinen Glauben feiert, ohne an die Substanz gehen zu wollen. Man will sich z.B. nicht mit den Bibelzitaten auseinandersetzten, die angeblich gegen Homosexualität sprechen.
    Gut finde ich es hingegen, dass den rechten kein Raum zur Selbstdarstellung gegeben wird.
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#5 lindener1966Profil
  • 19.06.2019, 20:31hHannover
  • Das ist ja wie ein Flash Back. 1991 war ich auch in Dortmund auf dem Kirchentag kurz nach meinem Coming Out. Ich war dort mit ein paar sehr "schwule-bewegten" Freunden. Ein Paar war dabei, beide Mitte 50 und schon seit den 70ern zusammen, die sehr streitbar waren und gemeinsam bei einer Podiumsdiskussion zu Homosexualität und Kirche auf der Bühne mitdiskutiert haben, zusammen mit ein paar sehr konservativen Diakonissen und anderen Vertretern. Es ging da auch um das Berufsverbot für Schwule in kirchlichen Einrichtungen, z.B. Altenheimen. War sehr turbulent und beide haben sich echt in Rage geredet. Cool. Meine Helden!
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#6 Alexander_FAnonym
  • 20.06.2019, 11:08h
  • Darüber, dass auf einem Kirchentag queere Themen dabattiert werden, ist ungefähr genauso viel Freude angebracht, wie wenn "Reformer" in Staaten wie dem Iran und Saudi-Arabien an die Macht kommen.

    Die EKD ist also gegen die AfD. Wie mutig! Da kann man sich ja glatt mal auf die Schulter klopfen, bei all der Tapferkeit. Aber halt: sie tun es einzig deshalb, weil die AfD die Staatsleistungen abschaffen will (oder es zumindest in ihrem Programm so angibt; wie glaubwürdig diese Forderung vonseiten eines Theokratenclubs ist, steht auf einem anderen Blatte).

    Wo wir schon beim ersten Thema sind: dass 11. Gebot "Du sollt deinen Kirchentag selbst bezahlen" wurde selbstredend wieder nicht eingehalten, und darüber, ob man nicht vielleicht der Ehrlichkeit und Haltung halber künftig auf Staatsleistungen, den Status als inoffizieller Wächterrat oder die eigene Paralleljustiz in Form des kirchlichen Arbeitsrechts verzichten will, wegen der es überhaupt möglich ist, dass beispielsweise in der sächsischen Landeskirche Schwulsein ein Kündigungsgrund ist, fiel wahrscheinlich eher unter den Tisch. Und wie steht es mit der Frage, ob man Konversionstherapeuten in den eigenen Reihen dulden will? Herr Bedford-Strohm wollte in der Doku "Die Homoheiler" den Journalisten darauf weder eine Antwort geben noch Verantwortung übernehmen. Sollte sich das etwa geändert haben? Es würde mich doch sehr wundern.

    Da all das wahrscheinlich gar nicht erst zur Sprache kommt, frage ich mich, welche "Debatten" da noch übrigbleiben sollen. Etwa darüber, ob man schwule Organisten in Sachsen nicht etwas diskreter und aus offiziell anderen Gründen entlassen sollte? Ob die Konversionstherapeuten lieber die Füße etwas stiller halten sollen, weil die so schlecht für die Publicity sind? Und ob man nicht vielleicht doch den Glöckler oder ein paar andere CDU-wählende Vorzeigehausschwulen etwas häufiger präsentieren sollte, damit die LGBTI-Community nicht vollständig austritt?

    Falls ich mich irren sollte, werde ich gerne korrigiert. Ansonsten halte ich jeden Jubel über diese "same procedure as every year" für völlig unangebracht. Weckt mich auf, wenn etwas wirklich Überraschendes kommt.
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#7 Pexx89
  • 20.06.2019, 11:14h
  • Respekt.
    Bin zwar aus dem Verein ausgetreten, aber wenn ich diese eine Entscheidung einfach mal isoliert betrachte, dann Hut ab.
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#8 MariposaAnonym
  • 20.06.2019, 14:16h
  • Antwort auf #4 von DramaQueen24
  • Ähem.... Vor ein paar Jahren beim Kirchentag in Stuttgart gab es eine gut besuchte Veranstaltung, wo genau dies thematisiert (gut theologisch fundiert) behandelt wurde. Den Evangelikalen dürfte es nicht sonderlich gefallen haben....
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#9 FaktencheckAnonym
  • 20.06.2019, 15:48h
  • Antwort auf #4 von DramaQueen24
  • "Man will sich z.B. nicht mit den Bibelzitaten auseinandersetzten, die angeblich gegen Homosexualität sprechen."

    Das Problem ist nicht, dass sich Christ_innen welcher Sorte auch immer zu WENIG mit Bibeltexten auseinandersetzen, sondern dass sie alle glauben, uralte, meist schlecht übersetzte Texte aus einer furchtbaren, patriarchalen, sexistischen, unwissenden und queerfeindlichen Gesellschaft müssten bis in alle Ewigkeit weiterhin als moralische Ratgeber herangezogen werden, statt sich von diesem veralteten philosophischen Müll endlich zu trennen. Die Ergebnisse kann man in der ganzen Geschichte dieser Religion bestaunen.
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#10 FaktencheckAnonym