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Dortmund

Evangelischer Kirchentag: Ja zu queeren Themen, nein zur AfD

Mitten im Ruhrgebiet debattieren Christen am Kirchentag in dutzenden Veranstaltungen auch über LGBTI-Rechte.


Die diesjährige Losung des Kirchentages lautet "Was für ein Vertrauen" (2. Könige 18,19) (Bild: EKD)

  • 19. Juni 2019, 08:53h 14 2 Min.

Der 37. Evangelische Kirchentag ist am Mittwoch in Dortmund gestartet. Noch bis Sonntag werden geschätzt mehr als 100.000 Christinnen und Christen auf mehr als 2.000 Veranstaltungen über eine Vielzahl von Themen diskutieren, darunter auch LGBTI-Fragen. Zu den Besuchern der alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltung gehören hochrangige Politiker wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne), Markus Söder (CSU) und Armin Laschet (CDU). Bereits im Vorfeld des Kirchentages sorgte für Aufregung, dass die AfD nicht zu der christlichen Laien-Veranstaltung eingeladen wurde.

Regenbogenzentrum eingerichtet

In der Evangelischen Kirchengemeinde Hörde im Süden Dortmunds wurde ein Regenbogenzentrum eingerichtet, in dem mehr als 50 Veranstaltungen zu queeren Themen geplant sind. Am Donnerstag, an dem im katholischen Nordrhein-Westfalen dank Frohnleichnam arbeitsfrei ist, gibt es Vorträge zu Themen wie "Homophob sind doch nur die anderen?" oder Workshops wie "Schritte zu einer trans*inklusiven Gemeinde". Am Freitag wird unter anderem über "Gleichberechtigung und queere Menschenrechte" diskutiert. Am Wochenende bietet der Kirchentag dann einen "Mitmachgottesdienst für Kleine und Große" an unter dem Titel "Es ist noch Platz unterm Regenbogen".

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Im Vorfeld des Kirchentages hatte insbesondere der Workshop "Vulven malen" im Zentrum Geschlechterwelten für Aufregung gesorgt, der Frauen dabei helfen soll, freier mit ihrem Geschlecht umzugehen. Darüber machte sich unter anderem die homophobe Aktivistin Birgit Kelle lustig.

/ Hallaschka_HH | Ein Twitter-Nutzer fordert Birgit Kelle auf, andere Prioritäten zu setzen
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AfD wieder einmal empört

Empört äußerten sich Politiker der AfD, weil das Kirchentagspräsidium kurz nach dem Schulterschluss der Partei mit Rechtesextremisten in Chemnitz entschieden hatte, keine AfD-Vertreter zu Podiumsdiskussionen einzuladen. EKD-Chef Heinrich Bedford-Strohm begründete das in der "Bild"-Zeitung mit der "deutlichen Radikalisierung der AfD", die mit den Werten des Christentums nicht vereinbar sei. Vor zwei Jahren nahm noch eine Vertreterin der "Christen in der AfD" am damaligen Kirchentag in Berlin und Wittenberg teil (queer.de berichtete).

Die rechtspopulistische Partei nutzte die diesjährige Entscheidung, um sich als Opfer darzustellen und den Hass auf LGBTI anzustacheln. So erklärte der AfD-Bundestagsabgeordnete Volker Münz in einer Presseaussendung vom Montag, es sei "einfach skandalös", Themen wie Geschlechtsanpassungen zu behandeln. "Hier wird mehr der Zeitgeist als der Heilige Geist verherrlicht", so der evangelische Kirchengemeinderat im schwäbischen Uhingen, der seine politische Ablehnung der Ehe für alle mit der Bibel begründet hatte (queer.de berichtete). Erika Steinbach, die homophobe frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und heutige Chefin der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung, schimpfte auf Twitter mit den Worten: "Aber mit Linken, Atheisten oder Muslimen hat [EKD-Chef Bedford-Strom] überhaupt kein Problem……."

-w-

#1 FinnAnonym
  • 19.06.2019, 11:01h
  • " [...] debattieren Christen am Kirchentag in dutzenden Veranstaltungen auch über LGBTI-Rechte."

    Alleine schon, dass die darüber "debattieren" wollen, sagt ja schon ganz viel aus. Das impliziert, dass es da unterschiedliche (berechtigte) Auffassungen geben kann und man über die Gleichheit von Menschen diskutieren kann.

    Ein guter Test ist immer, wenn man eine Minderheit durch eine andere ersetzt und dann mal guckt, wie man das findet: Denn das ist so, als würde man darüber diskutieren wollen, ob Schwarze auch Menschen sind und ob sie gleiche Rechte verdient haben.

    Bei letzterem wäre jedem klar, dass das Rassismus pur ist. Aber sobald es um LGBTI geht, findet man grundlegende Menschenrechte und demokratisch-rechtsstaatliche Prinzipien auf einmal verhandelbar.
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#2 SolanaceaeAnonym
  • 19.06.2019, 13:11h
  • Antwort auf #1 von Finn
  • > Alleine schon, dass die darüber "debattieren" wollen, sagt ja schon ganz viel aus. Das impliziert, dass es da unterschiedliche (berechtigte) Auffassungen geben kann und man über die Gleichheit von Menschen diskutieren kann.

    Leider ist das so. Ich gerate oft mit meinem CIS Hetero Freundeskreis aneinander, weil anscheinend unterschiedliche Vorschriften, Normen und Bewertungsweisen für CIS Heteros und Queere Menschen gellten.

    Letztes Wochenede habe ich erst wieder eine Debatte da drüber gehabt, dass sich "Einige Schwule beim CSD nicht benehmen können", und daher der CSD sehr kritisch gesehen wird (Seine Aussage). Auf mein Anliegen hin, dass zwar schon seine Kritik an den Handlungen einzelner gerechtfertigt sei, aber genau das gleiche Verhalten von CIS Heteros an Karneval an den Tag gelegt werde, antwortete er dann, dass das ja wohl was anderes sei. "Die Homos müssen sich benehmen, wenn sie akzeptiert werden wollen"

    Leider erlebe ich genau diese Ungleichheit immer und immer wieder.
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#3 Bonifatius49Anonym
  • 19.06.2019, 13:28h
  • Antwort auf #2 von Solanaceae
  • Lobenswert wie sich die EKD und deren 20 Landeskirchen in den letzten 25 Jahren entwickelt haben.

    Mittlerweile sind in 10 von 20 Landeskirchen reguläre kirchliche Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare erlaubt und in weiteren 9 Landeskirchen wurden zumindest öffentliche Segnungsgottesdienste ermöglicht.

    www.huk.org/themen/segnung-trauung/81-segnung-und-trauung-ev
    angelisch


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    Als evangelischer Christ halte ich es auch für absolut richtig, wenn der Evangelische Kirchentag zur AfD NEIN sagt. Lobenswert, lobenswert, lobenswert ....
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