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Minsk

"Die Todesstrafe wird bleiben, die Verfolgung von Homosexuellen auch"

Am Freitag beginnen im diktatorisch regierten Weißrussland die Europaspiele – für Sportausschuss-Chefin Dagmar Freitag (SPD) ist die Veranstaltung "völlig überflüssig".


Die SPD-Politikerin Dagmar Freitag ist seit 2009 Vorsitzende des Sportausschusses und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Die Sportausschuss-Vorsitzende im Bundestag, Dagmar Freitag, hat die am Freitag in Minsk beginnenden Europaspiele heftig kritisiert. "Wir alle wissen aus Erfahrung, dass insbesondere Länder mit zweifelhaftem Zugang zu demokratischen Wertevorstellungen und Errungenschaften solche Veranstaltungen zu prunkvollen Selbstdarstellungen nutzen", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstag).

Zu spürbaren Veränderungen im Gastgeberland führten diese Veranstaltungen nicht. "Die Todesstrafe wird bleiben, die Verfolgung von Homosexuellen auch", betonte Freitag, die "schon die Einführung dieses Wettbewerbs aus sportlicher Sicht für völlig überflüssig" hält.

Von der deutschen Delegation erwartet die Sportausschuss-Chefin hinsichtlich kritischer Auseinandersetzung "wenig bis nichts". Der frühere DOSB-Generalsekretär Michael Vesper habe als Vertreter des Deutschen Olympischen Sport-Bundes nach Meinung von Freitag "nicht die Kraft oder auch nicht den Willen" gehabt, gegen die Vergabe nach Weißrussland zu stimmen. "Wer den Kopf einzieht, wenn es darauf ankommt, verliert das Recht, hinterher zu kritisieren", sagte sie.

Rund 4.000 Athleten nehmen an dem zehntägigen Sportfest teil, davon 149 aus Deutschland. Auf dem Programm der 2. Europaspiele stehen 15 Sportarten. Die ersten Spiele hatten 2015 ebenfalls umstritten in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku stattgefunden; 2023 wird Krakau nächster Gastgeber sein.

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LGBTI in der "letzten Diktatur Europas"

Weißrussland unter Diktator Alexander Lukaschenko gehört zu den Schlusslichtern bei LGBTI-Rechten in Europa. Zwar sind homosexuelle Handlungen seit 1994 legal, es gibt aber keinen Diskriminierungsschutz und keine rechtliche Anerkennung von Homo-Paaren – eine Ehe für alle ist in der Verfassung ausgeschlossen. Schwule dürfen nicht im Militär dienen.

Lukaschenko selbst hatte sich mehrfach homophob geäußert und 2011 etwa gemeint: "Ich mag keine Schwulen". Er reagierte damit auf Kritik an seinen Rat an den damaligen deutschen Außenminister Guido Westerwelle, ein "normales Leben" zu führen. Im Beisein des schwulen Politikers hatte er einst auch gefordert, Schwule in Sowchosen (Bauernhöfe in Staatseigentum) zu stecken (queer.de berichtete). Ein anderes Mal hatte er betont, dass er "lieber Diktator" sei "als schwul" (queer.de berichtete).

LGBTI-Proteste in dem Land sind rar, nachdem ein erster CSD-Versuch im Jahr 2010 mit der Festnahme der Teilnehmer endete – sie wurden ganze zwei Tage lang auf einer Wache festgehalten (queer.de berichtete). Viele der Teilnehmer haben inzwischen das Land verlassen, zumal queeren Organisationen eine Registrierung verweigert wird. Im vergangenen Jahr wurden drei Aktivisten festgenommen, die vor einem Polizisten-Denkmal in Minsk Blumen und Blumenkästen in Regenbogenfarben abgestellt hatten (queer.de berichtete). 2013 war es zu mehreren Razzien in Homo-Clubs gekommen (queer.de berichtete), auch gibt es oft gewalttätige Übergriffe auf LGBTI, denen die Behörden gleichgültig gegenüberstehen. (cw/dpa)



#1 Ralph
  • 20.06.2019, 09:49h
  • Wir haben Freunde in Weißrussland. Die dortige Lage ist verheerend. Einmal im Jahr besuchen sie uns für ein paar Wochen und fühlen sich in Deutschland wie im schwulen Paradies. - Dass weltweit bedeutende Sportveranstaltungen immer wieder mal in Diktaturen stattfinden, hat Tradition und Erfolg. Wie die Geschichte lehrt, änderte schon 1936 nach den Olympischen Spielen in Deutschland die Regierung Hitler völlig ihre Politik und verwandelte das Land in eine freiheitliche Demokratie. Dass die historische Wahrheit das Gegenteil lehrt, ist den internationalen Sportfunktionären sch...egal.
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#2 Ana NymAnonym
  • 20.06.2019, 14:45h
  • Frau Freitag hat recht und sie sagt, was nötig ist.
    Europa steht für gewisse Werte, und nicht wenige davon werden in Weißrussland nicht beachtet oder sogar verachtet.
    Die Sportveranstaltung, nennt sich EUROPAspiele.
    Es gibt auch Sportspiele in den USA, und die haben auch die Todesstrafe nicht flächendeckend abgeschafft. Die aktuelle Regierung schmeißt Trans* aus ihrer Armee. Sie verhindern Diskriminierungsschutzgesetze. Sie polemisieren gegen LSBTIQ+.
    USA ist nicht Weißrussland. Es finden dort allerdings keine Europaspiele statt.
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#3 niccinicciAnonym
  • 20.06.2019, 19:05h
  • usa mit weissrussland zu vergleichen sagt schon sehr viel über den intellekt des autors aus. ungefähr so zutreffend wie, beides sind staaten auf dieser schönen welt. echt kopfschüttelnd: dümmer gehts immer!
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#4 DramaQueen24Profil
  • 21.06.2019, 10:37hBerlin
  • Weißrussland die "letzte Diktatur Europas"? Und was ist mit Russland, das de facto eine Diktatur ist, oder den Ländern, wo Minidiktatoren wie Orban oder Kaczinsky herrschen, die Justiz und Medien einschüchtern? Oder was ist mit Erdowahn, der zumindest teilweise (geografisch betrachtet) zu Europa gehört?
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#5 FinnAnonym
  • 21.06.2019, 12:10h
  • Inhaltlich eigentlich berechtigte Kritik, aber vollkommen unglaubwürdig, wenn sie von einer Partei kommt, die Waffen und Spähtechnik an solche und ähnliche Staaten schicken, die ein generelles Asylrecht für LGBTI verhindert, die keine Sanktionen durchsetzt, etc. etc.. etc.
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