Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?33891

Opferkult

Kutschera vergleicht seinen Homophobie-Prozess mit Bücherverbrennung

Professor Ulrich Kutschera hatte die Adoption durch Homo-Paare als "staatlich geförderte Pädophilie" bezeichnet und stand deshalb vor Gericht.


Die echte Bücherverbrennung 1933. Dabei zerstörten die Nazis unter anderem Werke von Magnus Hirschfeld. (Bild: Joseph Schorer)

  • 21. Juni 2019, 10:33h 20 3 Min.

Der Kasseler Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera hat den Amtsgerichts-Prozess wegen seiner homophoben Aussagen als "eine Art 'Bücherverbrennung 2019'" bezeichnet. Der 64-Jährige erklärte in einem Interview auf der Website der "Initiative Familienschutz", er sei wegen seiner wissenschaftlicher Arbeit angeklagt worden. Er interpretiere "das Kasseler Gerichtsverfahren als eine Art 'Bücherverbrennung 2019'", so Kutschera.

Die LGBTI-feindliche "Initiative Familienschutz" wird vom Ehemann der homophoben AfD-Bundestagsabgeordneten Beatrix von Storch verantwortet. Das Interview erschien auch auf dem Portal "Freie Welt" des Ehepaars; es nutzt redaktionell Begriffe wie "Regenbogen-Propaganda" und sieht eine "Diffamierungskampagne" gegen den Wissenschaftler.


Kutschera ist häufig Gast in Interviews

Der Professor stand Anfang Juni wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verleumdung vor Gericht (queer.de berichtete). Grund ist ein Interview, das er dem Portal kath.net im Juli 2017 anlässlich der gerade im Bundestag beschlossenen Ehe-Öffnung gegeben hatte. Darin betonte er unter anderem: "Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann- bzw. Frau-Frau-Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen" (queer.de berichtete). Der Prozess wurde aus formalen Gründen nach einer sechsstündigen Verhandlung ausgesetzt und muss nun neu aufgerollt werden (queer.de berichtete).

Kutschera: Ich bin nicht homophob, weil ich "Homoerotiker" Tschaikowsky mag

Kutschera behauptete in dem Interview mit der "Initiative Familienschutz", er habe mit den beanstandeten Aussagen lediglich die "Gender-Irrlehre" des amerikanischen Psychologen John Money kritisiert. Der 64-Jährige sagte auch, er könne gar nicht homophob sein, da er Musik des "geborenen Homoerotikers" Peter Tschaikowsky schätze. "Der Vorwurf, ein 'homophober Professor' zu sein, ist in Anbetracht meiner Verehrung von Peter Tschaikowsky nicht haltbar."

In dem Interview stilisiert sich Kutschera zu einem Opfer einer Verfolgung aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeiten zur "Gender-Ideologie". Er sprach in diesem Zusammenhang von einem "Kampf von David gegen Goliath". Der Professor sieht sich dabei offenbar auch in einer Linie mit einem der bahnbrechendsten Entdecker der Menschheitsgeschichte: "Der Journalist und Filmproduzent Holger Douglas vergleicht […] in einer klugen Analyse der 'Strafsache Kutschera' meine Gerichtsverhandlung mit dem Fall 'Galileo Galilei – katholische Kirche'", so Kutschera. Wie Douglas "korrekt" anmerke, gehe es in dem Verfahren "um die Frage, ob eine naturwissenschaftliche Aussage im Rahmen der Meinungs- bzw. Wissenschaftsfreiheit gegenüber der Gender-Ideologie geäußert werden darf." Holger Douglas ist Autor von Empörungsbüchern wie "Die Diesel-Lüge" und gilt – wie Kutschera selbst – als AfD-nah.

"Regenbogen-Fiktionen" versinken laut Kutschera bald in Versenkung

Kutschera erklärte auch, dass es bald mit "Regenbogen-Fiktionen" zu Ende sein werde: "Man könnte in der Tat verzweifeln, aber die 'politische Correctness' und Regenbogen-Fiktionen werden irgendwann einmal von der wissenschaftlichen Wahrheit eingeholt und dann in der Versenkung verschwinden." Er werde seine "Agenda der Vernunft und Aufklärung" fortführen.

Erst vor knapp zwei Wochen hatte Kutschera in einem neuen kath.net-Interview seinen vermeintlichen Opferstatus kultiviert. Darin behauptete er, er habe keine "homoerotisch veranlagte[n] Männer und Frauen" beleidigen wollen, sondern sei lediglich missverstanden worden. Dazu gab es eine "Entschuldigung": "Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei all jenen Menschen entschuldigen, die meine offensichtlich zu drastischen Formulierungen persönlich genommen und falsch verstanden haben." In Zukunft werde er sich "diplomatischer ausdrücken". (dk)

-w-

#1 Alexander_FAnonym
  • 21.06.2019, 12:46h
  • Hat man je so viele Trugschlüsse und Scheinargumente auf einmal gesehen? "Alle sind gegen mich, wie bei Gallilei, deshalb muss ich Recht haben", "Ich kann ja gar nicht homophob sein, weil ich [berühmten Schwulen oder berühmte Lesbe einfügen] mag", die Weigerung, Verantwortung für die eigenen Worte zu übernehmen ("Das hab ich ja gar nicht so gemeint") und natürlich, wenn alle Stricke reißen, der "gute" alte Nazivergleich.

    Lieber Herr Kutschera,
    niemand würde Ihnen weiter böse sein, wenn Sie sich aufrichtig für Ihre Äußerungen entschuldigen und Ihren Irrtum einsehen würden. Als Atheist und Wissenschaftler dürften Sie ja wissen, dass der eigene Irrtum und die Verwerfung desselben den Königsweg zur Wahrheit darstellen. Wenn Sie aber weiterhin katholischen Extremisten Interviews geben, um sich bei denen auszuweinen, tun Sie eher das Gegenteil und diskreditieren sich weiter selbst. Und dann haben Sie es auch nicht anders verdient, als mit solchen Schießbudenfiguren in einen Topf geschmissen zu werden.
  • Direktlink »
#2 KontenonzAnonym
  • 21.06.2019, 13:13h
  • Warum als Homosexueller nicht mal kontenonz (oder ähnlich) bewahren.
    Man muss nicht alles verbieten was einem nicht passt. Die meisten Menschen sind tatsächlich schlau genug um eine eigene Meinung zu haben und interessieren sich nicht für so einen Blödsinn.

    Wenn man sich ständig als humorloses Opfer geriert, kann das nerven und ist der Toleranz sogar abträglich.

    Was kümmert es den Mond...?
  • Direktlink »
#3 oskar030Anonym
  • 21.06.2019, 13:17h
  • Einfach nur widerlich wenn sich die AFD Neo Faschisten des nationalsozialistischen Unrechts bedienen um sich als Opfer darzustellen.
    Diese Leute sind keine Opfer, sondern Hetzer mit einer faschistoiden Ideologie im Hintergund.
    "Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen"
  • Direktlink »