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Opferkult

Kutschera vergleicht seinen Homophobie-Prozess mit Bücherverbrennung

Professor Ulrich Kutschera hatte die Adoption durch Homo-Paare als "staatlich geförderte Pädophilie" bezeichnet und stand deshalb vor Gericht.


Die echte Bücherverbrennung 1933. Dabei zerstörten die Nazis unter anderem Werke von Magnus Hirschfeld. (Bild: Joseph Schorer)

Der Kasseler Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera hat den Amtsgerichts-Prozess wegen seiner homophoben Aussagen als "eine Art 'Bücherverbrennung 2019'" bezeichnet. Der 64-Jährige erklärte in einem Interview auf der Website der "Initiative Familienschutz", er sei wegen seiner wissenschaftlicher Arbeit angeklagt worden. Er interpretiere "das Kasseler Gerichtsverfahren als eine Art 'Bücherverbrennung 2019'", so Kutschera.

Die LGBTI-feindliche "Initiative Familienschutz" wird vom Ehemann der homophoben AfD-Bundestagsabgeordneten Beatrix von Storch verantwortet. Das Interview erschien auch auf dem Portal "Freie Welt" des Ehepaars; es nutzt redaktionell Begriffe wie "Regenbogen-Propaganda" und sieht eine "Diffamierungskampagne" gegen den Wissenschaftler.


Kutschera ist häufig Gast in Interviews

Der Professor stand Anfang Juni wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verleumdung vor Gericht (queer.de berichtete). Grund ist ein Interview, das er dem Portal kath.net im Juli 2017 anlässlich der gerade im Bundestag beschlossenen Ehe-Öffnung gegeben hatte. Darin betonte er unter anderem: "Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann- bzw. Frau-Frau-Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen" (queer.de berichtete). Der Prozess wurde aus formalen Gründen nach einer sechsstündigen Verhandlung ausgesetzt und muss nun neu aufgerollt werden (queer.de berichtete).

Kutschera: Ich bin nicht homophob, weil ich "Homoerotiker" Tschaikowsky mag

Kutschera behauptete in dem Interview mit der "Initiative Familienschutz", er habe mit den beanstandeten Aussagen lediglich die "Gender-Irrlehre" des amerikanischen Psychologen John Money kritisiert. Der 64-Jährige sagte auch, er könne gar nicht homophob sein, da er Musik des "geborenen Homoerotikers" Peter Tschaikowsky schätze. "Der Vorwurf, ein 'homophober Professor' zu sein, ist in Anbetracht meiner Verehrung von Peter Tschaikowsky nicht haltbar."

In dem Interview stilisiert sich Kutschera zu einem Opfer einer Verfolgung aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeiten zur "Gender-Ideologie". Er sprach in diesem Zusammenhang von einem "Kampf von David gegen Goliath". Der Professor sieht sich dabei offenbar auch in einer Linie mit einem der bahnbrechendsten Entdecker der Menschheitsgeschichte: "Der Journalist und Filmproduzent Holger Douglas vergleicht […] in einer klugen Analyse der 'Strafsache Kutschera' meine Gerichtsverhandlung mit dem Fall 'Galileo Galilei – katholische Kirche'", so Kutschera. Wie Douglas "korrekt" anmerke, gehe es in dem Verfahren "um die Frage, ob eine naturwissenschaftliche Aussage im Rahmen der Meinungs- bzw. Wissenschaftsfreiheit gegenüber der Gender-Ideologie geäußert werden darf." Holger Douglas ist Autor von Empörungsbüchern wie "Die Diesel-Lüge" und gilt – wie Kutschera selbst – als AfD-nah.

"Regenbogen-Fiktionen" versinken laut Kutschera bald in Versenkung

Kutschera erklärte auch, dass es bald mit "Regenbogen-Fiktionen" zu Ende sein werde: "Man könnte in der Tat verzweifeln, aber die 'politische Correctness' und Regenbogen-Fiktionen werden irgendwann einmal von der wissenschaftlichen Wahrheit eingeholt und dann in der Versenkung verschwinden." Er werde seine "Agenda der Vernunft und Aufklärung" fortführen.

Erst vor knapp zwei Wochen hatte Kutschera in einem neuen kath.net-Interview seinen vermeintlichen Opferstatus kultiviert. Darin behauptete er, er habe keine "homoerotisch veranlagte[n] Männer und Frauen" beleidigen wollen, sondern sei lediglich missverstanden worden. Dazu gab es eine "Entschuldigung": "Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei all jenen Menschen entschuldigen, die meine offensichtlich zu drastischen Formulierungen persönlich genommen und falsch verstanden haben." In Zukunft werde er sich "diplomatischer ausdrücken". (dk)



#1 Alexander_FAnonym
  • 21.06.2019, 12:46h
  • Hat man je so viele Trugschlüsse und Scheinargumente auf einmal gesehen? "Alle sind gegen mich, wie bei Gallilei, deshalb muss ich Recht haben", "Ich kann ja gar nicht homophob sein, weil ich [berühmten Schwulen oder berühmte Lesbe einfügen] mag", die Weigerung, Verantwortung für die eigenen Worte zu übernehmen ("Das hab ich ja gar nicht so gemeint") und natürlich, wenn alle Stricke reißen, der "gute" alte Nazivergleich.

    Lieber Herr Kutschera,
    niemand würde Ihnen weiter böse sein, wenn Sie sich aufrichtig für Ihre Äußerungen entschuldigen und Ihren Irrtum einsehen würden. Als Atheist und Wissenschaftler dürften Sie ja wissen, dass der eigene Irrtum und die Verwerfung desselben den Königsweg zur Wahrheit darstellen. Wenn Sie aber weiterhin katholischen Extremisten Interviews geben, um sich bei denen auszuweinen, tun Sie eher das Gegenteil und diskreditieren sich weiter selbst. Und dann haben Sie es auch nicht anders verdient, als mit solchen Schießbudenfiguren in einen Topf geschmissen zu werden.
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#2 KontenonzAnonym
  • 21.06.2019, 13:13h
  • Warum als Homosexueller nicht mal kontenonz (oder ähnlich) bewahren.
    Man muss nicht alles verbieten was einem nicht passt. Die meisten Menschen sind tatsächlich schlau genug um eine eigene Meinung zu haben und interessieren sich nicht für so einen Blödsinn.

    Wenn man sich ständig als humorloses Opfer geriert, kann das nerven und ist der Toleranz sogar abträglich.

    Was kümmert es den Mond...?
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#3 oskar030Anonym
  • 21.06.2019, 13:17h
  • Einfach nur widerlich wenn sich die AFD Neo Faschisten des nationalsozialistischen Unrechts bedienen um sich als Opfer darzustellen.
    Diese Leute sind keine Opfer, sondern Hetzer mit einer faschistoiden Ideologie im Hintergund.
    "Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen"
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#4 zundermxeAnonym
  • 21.06.2019, 13:48h
  • Antwort auf #1 von Alexander_F
  • Denke, wir nehmen diesen Mann in seiner Rolle als Wissenschaftler zu ernst wenn wir auf seinen Beruf als Herleitung eingehen. Großer Fehler!

    Hetze ist Hetze.
    Vollkommen gleich ob sich wer dabei auf Ideologien, Religionen oder die Wissenschaft berufen möchte.

    Beispiel:
    Auf der Bezugsebene der aktuellen körperlichen Leistungsfähigkeit könnte ein sehr alter und gebrechlicher Mensch gegenüber einem jungen Menschen nur niedrige Werte gegeben werden. Daraus könnte eine Belastung älterer für jüngere Menschen gefolgert werden.
    Obwohl die erste Aussage objektiv zutreffen könnte, ist der mögliche Schluss hieraus Menschenverachtung.
    Das ist, auf andere Gruppen angewandt, tatsächlich eine Logik der Nazis. Wenn er schon selbst Vergleiche aus der braunen Zeit anführt.

    Gegen das friedliche Selbstbestimmungsrecht einzelner oder Gruppen von Menschen zu agitieren, ist Hass und Hetze. Dem einen pseudo-wissenschaftlichen Charakter geben zu wollen macht es noch infamer.
    Diese Gesprächsebene anzunehmen bietet solchen Menschen nur weiteren Raum für ihre Hetze.
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#5 Julian SAnonym
  • 21.06.2019, 13:58h
  • """""""""""""""""""""""""""""""""
    hatte die Adoption durch Homo-Paare als "staatlich geförderte Pädophilie" bezeichnet
    [...]
    Bücherverbrennung 2019
    """""""""""""""""""""""""""""""""

    Genau da liegt der Unterschied:
    Die Nazis haben Bücher verbrannt, deren Inhalte ihnen einfach nicht gepasst haben oder teilweise ging es sogar nur um die Autoren und nicht mal um die Inhalte.

    Das ist (alleine schon rein logisch) etwas anderes, als wenn man homosexuelle Eltern generell in die Nähe von Pädophilen rückt.

    """""""""""""""""""""""""""""""
    er sei wegen seiner wissenschaftlicher Arbeit angeklagt worden
    """""""""""""""""""""""""""""""

    Wissenschaft bedeutet, dass man Dinge irgendwie belegen muss. Entweder theoretisch oder empirisch.

    Nur weil man einen wissenschaftlichen Titel trägt, werden dadurch nicht unbelegte Thesen oder Vermutungen zu wissenschaftlichen Fakten.

    Und da es zig unabhängige Studien gibt, die das Gegenteil belegen, ist er in der Bringschuld. Solange er seine Thesen nicht wissenschaftlich nachprüfbar belegen kann, sind sie auch nicht wahr bzw. nur seine eigene Privatmeinung, aber keine wissenschaftlichen Fakten.

    """"""""""""""""""""""""""""""
    sieht eine "Diffamierungskampagne" gegen den Wissenschaftler
    """""""""""""""""""""""""""""

    Das ist keine Diffamierung, sondern ein rechtsstaatliches Verfahren. Es wird jetzt rechtsstaatlich geprüft, ob seine Aussagen in Ordnung sind oder nicht. So einfach ist das.

    Ich wundere mich sehr, dass manche Leute rechtsstaatliche Verfahren als Diffamierung ansehen.

    """""""""""""""""""""""""
    Mann-Mann- bzw. Frau-Frau-Erotikvereinigungen
    """""""""""""""""""""""""

    Wir haben keine "Erotik-Vereinigungen", sondern wir haben Ehen. Und Liebe. Woher will jemand wissen, wie andere Menschen empfinden.

    """""""""""""""""""""""""""
    "Regenbogen-Fiktionen" versinken laut Kutschera bald in Versenkung
    """""""""""""""""""""""""""

    Homosexualität, Bisexualität, Trans- und Intergeschlechtlichkeit sind so alt wie die Menschheit. Das hat es erwiesenermaßen in allen Zeiten gegeben.

    Das es das gibt ist Fakt und keine Fiktion. Und wieso soll das nach Jahrtausenden plötzlich "in der Versenkung" landen?
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#6 KetzerEhemaliges Profil
  • 21.06.2019, 14:01h
  • Antwort auf #2 von Kontenonz
  • "Wenn man sich ständig als humorloses Opfer geriert, kann das nerven und ist der Toleranz sogar abträglich."

    Na auf diesen dummen Spruch hab' ich ja wieder gewartet. Wir sollen Volksverhetzung, die ganz gezielt gegen uns gerichtet ist, also mit Selbstveräppelung begegnen, weil sonst die arme, ach so geschundene Mehrheitsgesellschaft ihre Toleranz uns gegenüber verliert?

    Weder Leuten wie "Professor" Kutschera noch Kommentator_innen wie Dir gegenüber bin ich bereit, auch nur irgendeine Contenance zu zeigen.

    Keine Toleranz der Intoleranz!

    Abgesehen davon, kämpfen wir hier für AKZEPTANZ und keine bloße Duldung. Wenn Dir das nicht liegt, geh' doch zu Karnevalsveranstaltungen, bei denen AKK auftritt. Vielleicht ist das dann ja eher Dein "Humor"-Niveau.

    Tä-täää, tä-täää, tä-täää!
    *augenroll*
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#7 Julian SAnonym
  • 21.06.2019, 14:04h
  • Antwort auf #1 von Alexander_F
  • Ich würde sogar noch weiter gehen:

    Ich könnte gut damit leben, wenn er sagen würde "Ich persönlich lehne die Eheöffnung, Regenbogenfamilien, etc. aufgrund meiner persönlichen Einstellungen ab" und es dabei belassen würde.

    Solange er auf zwei Dinge verzichtet:
    1. Seine Privatmeinung als wissenschaftliches Faktum hinzustellen. Ohne das irgendwie belegen zu können (während die Gegenpositionen sehr gut belegt sind und man das alleine schon aufgrund der Erfahrungen in zig anderen Ländern sieht).

    2. Nicht zu diffamieren, indem er z.B. schwule oder lesbische Eltern generell in die Nähe von Pädophilen rückt.

    Ich bin ja z.B. auch nicht seiner Meinung, aber ich würde ja weder Lügen über ihn verbreiten, noch ihn irgendwie beleidigen oder diffamieren, nur weil ich seine Meinungen nicht teile. Und dasselbe erwarte ich auch von ihm: Meinung ja, aber nicht Diffamierung und auch nicht persönliche Meinung als wissenschaftliches Faktum hinstellen.
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#8 Alexander_FAnonym
  • 21.06.2019, 15:27h
  • Antwort auf #7 von Julian S
  • Sehr richtig. Und wenn der Fall Kutschera sonst nichts ist, dann ein trauriges Lehrstück darüber, wie der Unwille zur Selbstkritik und die Überhöhung eigener Privatmeinungen einen zuvor anerkannten, einigermaßen vernunftbegabten Wissenschaftler zu einem rückgratlosen, sich windenden und rausredenden Jammerlappen machen kann.
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#9 sickoAnonym
  • 21.06.2019, 16:00h
  • Antwort auf #2 von Kontenonz
  • es heißt contenance (frz. ursprung).

    und die gleiche verliere ich ob deiner aussagen. der typ tätigt ja keine witze im kollegen- oder freundeskreis. und selbst ist sowas indiskutabel.

    man muß dagegen vorgehen, damit jugendliche nicht ständig so einem unsinn ausgeliefert werden, sondern selbstbewußt in ihrem "lgbttiq*" wesen aufwachsen können. denk bitte mal daran, daß die suizid-rate unter diesen jugendlichen viel höher ist.
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#10 AFD-WatchAnonym
  • 21.06.2019, 16:11h
  • Antwort auf #2 von Kontenonz
  • "Wenn man sich ständig als humorloses Opfer geriert, kann das nerven und ist der Toleranz sogar abträglich."

    Eine passende Beschreibung für das Verhalten des Professors, der als humorloses Opfer nervt und dafür kaum Toleranz erwarten kann!

    Ach, du meinst was anderes?
    Sein Vergleich homosexuell = pädophil sollte man mit Humor nehmen, zumal er es ja nicht so böse gemeint hat? Und sich nun rausredet, die Definition von pädophilie sei nur doch nur "übertriebene Liebe der Eltern"??
    Ernsthaft?!
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