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Ukraine

Kiew: Tausende feiern CSD unter Polizeischutz

So viele Teilnehmer wie nie zogen durch eine abgeriegelte Innenstadt. Während es zu mehreren Gewalttaten durch Gegner kam und offenbar ein Angriff mit Fäkalien verhindert wurde, schwebte über dem Geschehen eine Drohne mit Regenbogenflagge.


Tausende Polizisten schützten den CSD

Trotz Gewaltandrohungen durch Nationalisten im Vorfeld haben sich am Sonntagmorgen so viele Menschen wie noch nie an der Demonstration des CSD in Kiew beteiligt. Mehrere tausende Menschen, nach Schätzungen der Veranstalter 8.000, beteiligten sich an dem rund einstündigen Zug durch die Innenstadt unter dem Motto "Unsere Tradition ist Freiheit", der von tausenden Polizisten beschützt wurde.

Twitter / schfm

Wie in den Vorjahren war die Innenstadt aus Sicherheitsgründen weitgehend abgeriegelt worden, Pride-Teilnehmer mussten vor Beginn um 10 Uhr Ortszeit durch Sicherheitsschleusen zu dem CSD vordringen. Nach der Demo über eine im Vergleich zu Vorjahren deutlich längere Strecke wurden sie per U-Bahn und Bussen aus dem Bereich geleitet.

Twitter / MaximEristavi

Die Demonstration wurde teilweise von zwei Reihen Polizisten auf beiden Seiten begleitet, die Gegendemonstranten größtenteils auf größere Entfernung hielten konnten. Am Rande hatten sich etwa rund 50 nationalistische Gegendemonstranten versammelt, die Demo nahm aber gezielt eine andere Richtung.

Twitter / anastasia_maga | Dieses kurze Video zeigt die Festnahme eines Mannes, der gewaltvoll ein Banner des Kyiv Pride entreißen wollte. Auch zu sehen: Die deutschen Grünenpolitikerinnen Ulle Schauws und Rebecca Harms, die zur Unterstützung angereist waren

Einzelne Gegendemonstranten konnten bis zum CSD vordringen, wurden aber schnell beiseite gedrängt und teilweise festgenommen. Auch flogen mindestens einmal Eier auf Pride-Teilnehmer. Mehrere Gegendemonstranten mit schwarzen Bannern mit Aufdrucken wie "Sodomie ist der Weg zur Hölle" wurde allerdings ermöglicht, direkt neben der ersten Polizeireihe mitzulaufen. Auch Demonstranten, die am Rande mit Schildern wie "Schützt Kinder vor Schwuchteln" standen, wurden geduldet.

Twitter / GermanyinUA | Auch die deutsche Botschaft unterstützte den Pride


Bei der Abschlusskundgebung fehlte diesmal der Wagen mit Musik und Lautsprechern für Reden: Medienberichten zufolge floh der Fahrer mit dem angemieteten Wagen und Equipment, als er von Drohungen erfuhr, das Fahrzeug in Brand zu setzen. Die Polizei gab später an, sie habe einen "Plot" gegen den CSD verhindert und neun Menschen im Alter von 18 bis 48 Jahren festgenommen, bei denen man "Gegenstände für Provokationen" beschlagnahmt habe und denen nun Haft zwischen drei bis sieben Jahre drohten. Einige Medien hatten berichtet, die Männer hätten Fäkalien aus Baustellen-WCs am Wegesrand nehmen und in Kondomen verpackt auf Pride-Teilnehmer werfen wollen.

Twitter / anastasia_maga | Über dem Geschehen flog eine Drohne mit Regenbogenflagge

CSD-Organisatoren betonten nach der Demo, ihnen lägen keine Berichte über Verletzungen von Teilnehmern vor. Sie hatten diese aufgefordert, bei der Heimreise LGBTI-Symbole zu verstecken – Nationalisten planten wie in Vorjahren Übergriffe.

Twitter / BcatMonitoring

An der Parade beteiligten sich Vertreter mehrerer Botschaften, darunter der deutschen, und Organisationen wie der UN; auch viele ukrainische und internationale Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International waren vertreten. Aus München war erneut eine Delegation von Munich Kyiv Queer angereist, die Besucher berichten auf ihrer Webseite von den Erfahrungen bei dem mehrtägigen Austausch. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter wurde in Kiew offiziell vom Grünen-Stadtrat Dominik Krause vertreten. Zum CSD in der bayrischen Hauptstadt Mitte Juli wird eine ukrainische Delegation anreisen.

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Protest gegen offizielles Schweigen

Am Samstag hatten mehrere CSD-Organisatoren bereits einen kleinen Protest am Sitz des Präsidenten abgehalten und von Bürgermeister Vitali Klitschko und Präsident Wolodymyr Selenskyj eine solidarische Erklärung mit dem Pride und eine Teilnahme an der Demonstration eingefordert. Ein Schweigen zu einem Angriff auf mehrere Teilnehmer des Pride-Houses vor wenigen Tagen im Rahmen der CSD-Woche hinterlasse den inakzeptablen Eindruck einer Legitimierung. Man sei überzeugt, dass die Mehrheit der Gesellschaft Gewalt und Diskriminierung ablehne.

Direktlink | Aufgezeichneter Video-Livestream der CSD-Demo von Radio Svoboda / Radio Free Europe

Am Sonntagmorgen veröffentlichte das Präsidentenamt eine kurze Stellungnahme, dass alle Bürger die gleichen Rechte und Freiheiten hätten. Die recht allgemeine Erklärung benannte dazu mehrere Diskriminierungsmerkmale, aber nicht sexuelle Orientierung. "Jeder Bürger sollte sich sicher fühlen und nicht Gewalt ausgesetzt sein", so die Erklärung weiter. "Die Polizei sollte die Sicherheit aller Ukrainer beim 'Marsch der Gleichberechtigung' gewährleisten und Maßnahmen treffen, Rangeleien zwischen Unterstützern und Gegnern zu verhindern."

Twitter / TaniaKozak

In den Vorjahren war der "Marsch der Gleichberechtigung" nicht immer so gut geschützt wie in diesem Jahr: Mehrfach konnten Nationalisten Teilnehmer attackieren und teils schwer verletzen. In einigen Jahren hatte die Stadtverwaltung nach Drohungen durch Rechtsextreme auch Absagen gefordert; 2012 und 2014 fand deshalb kein Pride statt. In den letzten Jahren hat sich die Zusammenarbeit zwischen CSD-Organisatoren und Stadtverwaltung und Polizei aber deutlich verbessert. Als wichtiger Wendepunkt gilt der CSD 2016, als viele Bürger den CSD nach einer Unmenge von Drohungen unterstützten (queer.de berichtete). Im letzten Jahr hatte die Polizei über 50 Gegendemonstranten festgenommen, während mehr als 5.000 Menschen durch die Innenstadt zogen (queer.de berichtete). In anderen Regionen der Ukraine schützte die Polizei auch in den letzten Jahren noch Pride- und LGBTI-Veranstaltungen weniger konsequent (s. Schlagwort-Archiv). (nb)

Twitter / ukraynahaber



#1 Carsten ACAnonym
  • 23.06.2019, 11:16h
  • Gut, dass der CSD in Kiew geschützt wurde. Meinungs-, Rede- und Versammlungsfreiheit gelten auch für LGBTI und in einer Demokratie müssen auch ihre Rechte gesichert werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 AnonymAnonym
#3 Bonifatius49Anonym
  • 24.06.2019, 11:54h
  • Antwort auf #1 von Carsten AC
  • Wohl wahr, wohl wahr...

    Und das haben wir in Kiew wohl auch dem Bürgermeister und Boxer Vitali Klitschko zu verdanken, das in Kiew der CSD möglich ist.

    ----
    Es geht hier einmal ein Lob an die Queer, weil Ihr lobenswert oft auch den Blick Richtung Osteuropa wendet, was ich gut finde.

    Nicht nach den Niederlanden, Luxemburg oder Spanien muss nämlich die Blickrichtung von LSBTI-Portalen gerichtet werden, denn dort "streitet" man sich allenfalls darum, ob es genügend schwule&kesbische Darsteller in Fernsehserien gibt. Die LSBTI-Rechtssituation in diesen Ländern ist gut.

    In der Ukraine, in Russland, in Lettland, in Litauen, in Polen, in Rumänien, in der Slowakei oder auch in Bulgarien hingegen schaut es ganz anders aus... und ich finde es gut, wenn diese Länder stärker in deutscher Sprache thematisiert werden,
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#4 Conrad BreyerAnonym
  • 25.06.2019, 09:52h
  • Antwort auf #3 von Bonifatius49
  • @Bonifatius49. Finde es als Vertreter von Munich Kyiv Queer auch gut, dass Queer.de den Blick nach Osteuropa richtet. Aber Klitschko unterstützt LGBTI* absolut nicht. Er ist eher ein Problem. In München, Kyjiws Partnerstadt, hat er einmal auf unsere Frage nach Unterstützung explizit gesagt: Menschenrechte, schön und gut, aber nicht LGBTI*. Er weigert sich seit Jahren die Münchner Delegation bein KyivPride zu empfangen, obwohl wir jedes Jahr mit einem Vertreter des Oberbürgermeisters anreisen.
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