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Premiere

Schwuler will bei Präsidentschaftswahl in Tunesien kandidieren

Homosexuelle werden in Tunesien verfolgt, gefoltert und gesellschaftlich geächtet. Trotzdem will erstmals ein offen schwuler Mann im Herbst bei der Direktwahl zum Staatschef antreten.


LGBTI-Aktivist Mounir Baatour will den Präsidentschaftswahlkampf in Tunesien aufmischen

Zum ersten Mal will ein offen homosexueller Kandidat bei der Präsidentschaftswahl in Tunesien antreten. "Nach so vielen Jahren Kampf für die Rechte von Minderheiten habe ich festgestellt, dass keiner einen besseren Job machen kann als man selbst", teilte der Vorsitzende der ersten tunesischen Organisation für die Rechte von Homosexuellen und Transgender, Mounir Baatour, am Dienstagabend mit. Seine Organisation "Shams" setzt sich für die Entkriminalisierung von Homosexualität in dem nordafrikanischen Land ein.

Er habe bereits mehr als die geforderten 10.000 Unterstützer für die Kandidatur, sagte der als Anwalt arbeitende Baatour. Das Land wählt im November einen neuen Präsidenten. Der 92 Jahre alte Amtsinhaber Beji Caid Essebsi tritt nicht noch einmal an.

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Tunesien inhaftiert und foltert Homosexuelle

Homosexuelle Handlungen stehen in dem muslimischen Land noch immer unter Strafe – Schwulen und Lesben drohen bis zu drei Jahre Haft. Die Gesetze werden auch vollstreckt: Anfang des Jahres wurde etwa ein Mann, der eine Vergewaltigung anzeigte, wegen Homosexualität zu acht Monaten Haft verurteilt (queer.de berichtete). Letztes Jahr beklagte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass der Staat schwule Männer mit sogenannten Analtests foltert (queer.de berichtete)

Die deutsche Bundesregierung sieht die Verfolgung von Homosexuellen in dem nordafrikanischen Land nicht als Problem an: Immer wieder behaupten Vertreter der Regierungskoalition gebetsmühlenartig, dass es keine systematische Verfolgung von Schwulen und Lesben in den Maghreb-Ländern gebe (queer.de berichtete). Deshalb wollen sowohl die Parteien der großen Koalition als auch FDP und AfD Tunesien, Algerien und Marokko das Prädikat "sicherer Herkunftsstaat" verleihen, wodurch Flüchtlinge – unter ihnen auch LGBTI – erheblich leichter abgeschoben werden können. Bislang scheiterte die Verleihung des Prädikats aber am Widerstand von Linken und Grünen im Bundesrat (queer.de berichtete). (dpa/dk)