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England

Liverpool: Zwölfjähriger wegen Messer-Attacke auf schwules Paar festgenommen

Drei Jungen zwischen 12 und 15 Jahren sollen die beiden Männer auf der Straße angegriffen und einen von ihnen mit einem Messer im Gesicht schwer verletzt haben.


Die Szene Minuten nach der Tat, wie sie in einem Video bei Twitter festgehalten wurde. Der Junge auf dem Fahrrad ist unbeteiligt.

Vier Tage nach einer offenbar homophob motivierten Messerattacke in Liverpool, die das Land bewegte, hat die örtliche Polizei einen Zwöfjährigen als mutmaßlichen Haupttäter festgenommen. Wie die Merseyside Police mitteilte, werde ihm schwere Körperverletzung aus Homophobie vorgeworfen. Der Junge werde nun von Detektiven befragt.

Das angegriffene schwule Ehepaar war am Samstagabend gegen 21.20 Uhr nach einem Pub-Besuch auf einer Straße im Stadtteil Anfield unterwegs, als es auf drei Kinder oder Jugendliche stieß, die die Männer, beide in den Dreißigern, offenbar ohne weiteren Anlass beleidigten und mit homophoben Sprüchen belegten. Einer der jungen Homo-Hasser zückte dann ein Messer und griff das Paar an. Ein Mann erlitt dadurch schwere Verletzungen im Gesicht und am Hals, sein Partner wurde leicht an der Hand verletzt.

Twitter / LivEchonews

Die Polizei beschrieb die Angreifer, die flüchten konnten, in einem ersten Zeugenaufruf als zwischen 12 und 15 Jahre alt, einer von ihnen sei mit einem Fahrrad unterwegs gewesen. Die Lokalzeitung "Liverpool Echo" sprach später von unsozialen Halbstarken ("yobs"), die die Männer attackiert hätten. Einer der älteren Jugendlichen habe eine ungeordnete Wuschelfrisur (lokal als "ket wig" bekannt) getragen. Bei dem festgenommenen Zwölfjährigen soll es sich offenbar um den Messerträger handeln. In Großbritannien gelten Kinder ab dem vollendeten 10. Lebensjahr als strafmündig.

"Dies ist ein schockierender Angriff, da wir eine Gruppe junger Männer haben, die homophobe Beschimpfungen schreien, was an sich schon beunruhigend ist", so Polizei-Inspektorin Tracey Martin. Noch schlimmer sei "die Tatsache, dass ein Zwölfjähriger ein Messer trägt und bereit ist, es zu benutzen". Liverpools Bürgermeister Joe Anderson meinte, er sei "so wütend und beschämt" über die Tat. Sowohl der anglikanische als auch der römisch-katholische Bischof der Stadt verurteilten den Angriff.

Erinnerung an frühere Hassverbrechen

Beide Bischöfe hatten 2009 zusammen mit weiteren Kirchenanführern eine viel beachtete Erklärung gegen Homophobie und Gewalt veröffentlicht (queer.de berichtete). Anlass war ein lebensgefährlicher Angriff auf einen damals 22-Jährigen; der Polizei-Anwärter war beim Verlassen einer Gay-Bar in der Innenstadt von einem Mob aus rund 20 Jugendlichen angegriffen worden (queer.de berichtete).

Ein Jahr zuvor hatte der Mord an einem schwulen Jugendlichen für landesweites Entsetzen gesorgt: Der 18-jährige Michael Causer wurde bei einer Hausparty von zwei Jugendlichen unter homophoben Beleidigungen verprügelt, nachdem diese, während Causer schlief, freizügige Bilder von ihm auf seinem Handy fanden. Causer erlag im Krankenhaus seinen Hirnverletzungen. Einer der Täter, James O'Connor, wurde nach einem Geständnis wegen Mordes zu Lebenslänglich mit einem Mindestgefängnisaufenthalt von elfeinhalb Jahren verurteilt. Der andere Verdächtige, Gavin Alker, wurde von der Jury freigesprochen, nachdem er Selbstverteidigung geltend gemacht und seinen Kumpel als Anstifter und Haupttäter belastet hatte. Das Urteil, das eine homophobe Motivation abstritt, hatte zu Demonstrationen vor dem Gericht geführt.

Twitter / bbcthree | Bericht der BBC aus dem letzten Jahr zum Mord an Michael Causer zehn Jahre danach

Der CSD in Liverpool findet seit 2010 rund um das Wochenende statt, das Causers Todestag am nähesten kommt. Die Stadt begleitet auch aus Reaktion auf die Taten 2009 und 2008 den Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie mit einer eigenen Veranstaltungswoche, in der Innenstadt gibt es seit einigen Jahren ein belebtes Gay Village, das von der Stadt mit Straßenschildern mit Regenbogen ausgestattet wurde (queer.de berichtete).

Vor der aktuellen Tat in Liverpool hatte bereits eine weitere homophobe Tat landesweite Schlagzeilen gemacht: Anfang Juni war ein lesbisches Paar in einem Nachtbus in London von einer Jugendgang attackiert und ausgeraubt worden (queer.de berichtete). Die von Medien ebenfalls als "yobs" beschriebenen Jugendlichen hatten die Frauen demnach umstellt, vulgär beleidigt und aufgefordert, sich zu küssen. Nach ihrer Weigerung wurden sie demnach mit Münzen beworfen, bevor die mutmaßlichen Täter auf sie einschlugen. Eine der Frauen sagte später der BBC, sie glaube, dass die Zunahme von Rechtspopulismus für eine Zunahme von Hassverbrechen verantwortlich sei. (nb)

 Update  28.6.: Zwei weitere Festnahmen

Die Polizei Liverpools hat am Donnerstag bekannt gegeben, dass sie im Zuge der Ermittlungen zwei weitere Jungen, 13 und 14 Jahre alt, festgenommen habe. Während der 13-Jährige unter Kautionsauflagen später freigelassen wurde, werde der 14-Jährige weiter befragt. Der am Dienstag festgenommene 12-Jährige sei ebenfalls unter Auflagen auf freiem Fuß.



#1 Alexander_FAnonym
  • 27.06.2019, 03:10h
  • Haben die da auf der Insel eigentlich irgendwas ins Trinkwasser getan? Erst dieser feige Angriff auf das lesbische Paar, und jetzt geht ein Zwölfjähriger (sic!) mit einem Messer auf ein schwules Paar los. Es ist einfach nur unfassbar.

    Vor allem frage ich mich, woher der Bub wohl die Ideen hat, die ihn zu dieser Tag getrieben haben. Es würde mich nicht wundern, wenn da irgendwelche imaginären Freunde und Teekessel im Orbit des Saturns im Spiel wären, bzw. Eltern oder Un-Geistliche, die ihm irgendeinen Stuss eingetrichtert haben.
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#2 DramaQueen24Profil
  • 27.06.2019, 06:03hBerlin
  • Die Täter waren 12 bis 15 Jahre alt? Dann könnte es sein, dass der Messerangriff deshalb passierte, weil die Jungen sich in ihrer sexuellen Identität durch die schwulen Männer bedroht fühlten, oder sich und den anderen in der Gruppe beweisen wollten, dass sie nicht schwul sind.
    Das entschuldigt oder rechtfertigt nicht die Tat, würde sie aber für mich erklärbar machen.
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#3 YannickAnonym
  • 27.06.2019, 07:50h
  • Wie pervers ist eine Gesellschaft, wenn selbst schon 12-jährige so viel Hass in sich haben, dass sie mit Messern auf andere losgehen.

    Es muss sich wirklich einiges grundlegend ändern. Vor allem muss der Einfluss der Religionen massiv reduziert werden: sie bringen Hass in die Welt, der dann direkt und indirekt das Klima für solche Taten schafft.

    Und natürlich muss sich auch politisch einiges ändern...
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#4 YannickAnonym
  • 27.06.2019, 07:59h
  • Antwort auf #2 von DramaQueen24
  • Sorry, aber immer diese Westentaschen-Psychologie nervt.

    Egal was passiert, immer fängt irgendwer an mit "der Täter war wohl gerade in einer schweren Phase", "kommt aus schwierigen Verhältnissen", "hat dies oder jenes Problem".

    Sorry, aber ich habe die Schnauze voll davon, dass bei schweren Gewaltverbrechen immer zuerst mal überlegt wird, was den Täter dazu bewogen haben könnte und ob irgendwelche Gesprächskreise, Musiktherapien, Delphinschwimmen oder was auch immer das ändern kann.

    Bei Verbrechen geht es zuerst mal um das Opfer. Punkt. Bei der Bewertung der Tat kann sowas durchaus einfließen, aber das müssen Jugendarbeiter, Psychologen, Richter, etc. klären. Es kotzt mich ehrlich gesagt an, wenn immer aus der Ferne irgendwelche Vermutungen angestellt werden, was alles der Grund dafür sein könnte, ohne mit einem Wort auf das Opfer einzugehen, dass jetzt vielleicht für immer entstellt ist oder mit lebenslangen psychischen Problemen und Ängsten leben muss.
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#5 LotiAnonym
  • 27.06.2019, 08:01h
  • Antwort auf #2 von DramaQueen24
  • Du hast noch etwas wichtiges ausgelassen. Es könnte leider auch schlichtweg Missbrauch in der eigenen Familie vorliegen. Muß nicht einmal sexuelle Gewalt dahinterstecken. Aber Gewalt gegenüber diesem Jungen.
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#6 LotiAnonym
  • 27.06.2019, 09:11h
  • Antwort auf #4 von Yannick
  • Hier stimme ich Dir auch zu. Doch selbst Du schreibst, es müsse sich was verändern. Woher willst Du wissen, ob nicht dieser Junge selbst ein Opfer ist? Gleichzeitig hackst Du aber, wie in diesem Fall auf den zwölfjährigen herum, als sei er vollmündig und sich seiner Tat voll bewusst. Als ich meinen 1. Kommentar hierzu schrieb, habe ich sowohl an das Opfer wie auch an den Täter gedacht. Ich komme selbst aus einer zerrüttende Familie. War schon mit 8 Jahren Vollwaise. Ich habe es vielen Menschen zu verdanken, dass ich nicht schon als Kind vom Wege abgekommen bin. Denk bitte auch mal daran.
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#7 realistischerAnonym
  • 27.06.2019, 09:43h
  • UK wie USA: Zunahme von Hass (gegen Schwule, Ausländer usw.), angeheizt durch das aggressive verbale Auftreten von Putins Vasallen Trump, Farage usw.

    Die gute Nachricht steckt im Nebensatz: "Messerattacke in Liverpool, die das Land bewegte"

    In Deutschland ist bei Gewalt gegen LGBT*IQ das Land nicht bewegt, sondern gleichgültig.

    In Deutschland kommen sofort wachsweiche oder hausfrauenpsychologische Entschuldigungen für die Täter(!), wie wir das hier z.B. bei DramaGerlinde und Loti sehen können.

    Oder es kommen Statements, dass das nun mal passiert, wenn man sich öffentlich sichtbar macht, und wir deshalb alle lieber wieder in den Schrank zurück sollten und die Klappe halten.
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#8 zundermxeAnonym
  • 27.06.2019, 10:26h
  • Antwort auf #4 von Yannick
  • Teile Deinen Kommentar.
    Spätestens wenn die Grenze zur physischen Gewalt gegen andere, willkürlich gewählte Menschen überschritten wird, steht eine solche Tat für sich und das oder die zuvor unbekannten und unbeteiligten Opfer müssen ohne Einschränkung das Maß des rechtsstaatlichen Verfahrens sein.

    Zuvor eventuell selbst erlittenes Unrecht kann und darf nicht die Verantwortung für die eigene Gewalttat gegen unbeteiligte Dritte heilen oder mildern.
    Mag ein Hass- oder Gewaltverhalten individuell psychologisch erklärbar und am Ende für Täter*in oder Täter*innen auch in der Konsequenz menschlich tragisch sein.
    Jedoch muss Gewalt gegen Menschen im konkreten Einzelfall immer deutlichst sanktioniert werden.

    Am Ende wird sonst in der großen Mehrheit der Fälle eine Umkehr der Verantwortung und des Tragens der Tatfolgen stehen. Das Opfer wird so in doppelter Hinsicht zum Opfer (gemacht).
    Kommt nur drauf an wie gut und engagiert der Strafverteidiger ist.

    Alle Täter*innen können als Produkt der Umstände erklärt werden.
    Die Eltern, die ihr Kind prügeln oder missbrauchen, waren oft vormals auch kindliche Opfer.
    Macht es das für ein aktuelles Opfer weniger grausam und traumatisch?!
    In der aktuellen Tat-Situation in keiner Weise!
    Das ganze sollte nichts mit Moral im Sinne von Sühne und Schuld zu tun haben. Sondern mit Verantwortung und Konsequenzen.
    Wer einmal die Grenze zur physischen Gewalt gegen unbeteiligte Dritte überschreitet, überschreitet sie einmal zu viel.

    Hier auf gesellschaftliche Hintergründe einzugehen und zu verweisen kann, insbesondere zur Erklärung und Prävention, sinnvoll und richtig sein.
    Es darf aber in einer Demokratie niemals im konkreten Einzelfall zur Entschuldigung oder Verantwortungsminderung der Täter*innen führen. Auch wenn gesellschaftliche Brandstifter*innen im Kontext immer ihren pauschalen Teil der Verantwortung an Hass und Gewalt haben.
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#9 Homonklin44Profil
  • 27.06.2019, 10:51hTauroa Point
  • Dass sowas dort anscheinend häufiger als anderswo von Jugendlichen ausgeht, könnte ein Eindruck sein, der durch selektive Berichterstattung entsteht. Aber heftig ist sowas doch, wenn von diesen Rückwärts-Boys (yob ist backward für boy) so eine Bedrohung ausgeht. Da müsste die Polizei wohl auch härter eingreifen, und diese Typen schon bei kleineren Vergehen in die Mangel nehmen, aktenkundig machen können.

    Immer wieder scheint Erziehung und Umgang mit anderen ein zentraler Missstand zu sein, ob in "Liverpuddle" oder hierzulande.
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#10 DramaQueen24Profil
  • 27.06.2019, 14:01hBerlin
  • Antwort auf #4 von Yannick
  • "Bei Verbrechen geht es zuerst mal um das Opfer. Punkt. "

    Genau! Wenn ich die Todesstrafe in den USA differenzierter sehe, wird dieser Punkt unterschlagen, weil die Täter ja Rechte haben, und die Todesstrafe sowieso in der EU verboten ist (und gegen die Menschenrechte sein soll).
    Man schaut prinzipiell auf die Täter, und weniger auf die Opfer. Das versuche ich in meinen Beiträgen immer deutlich zu machen.
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