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"Kultureller Missbrauch"
Petition gegen Drag-Show mit Heidi Klum
In Teilen der Szene regt sich Unmut darüber, dass die ProSieben-Show "Queen of Drags" mit Heidi Klum eine "heteronormative weiße Frau" als Moderatorin vorsieht.

Die Petition ging nur wenige Stunden nach der Ankündigung von "Queen of Drags" online
- Von
27. Juni 2019, 08:43h 3 Min.
Die Ankündigung von ProSieben, eine Art deutsche Version von "RuPaul's Drag Race" mit Heidi Klum, Conchita Wurst und Bill Kaulitz zu produzieren, hat in der Szene teils scharfe Kritik ausgelöst. Die bekannten Berliner Dragstars Margot Schlönzke und Ryan Stecken haben sogar eine Petition unter dem Titel "Kein Foto für Heidi" gestartet, in der gefordert wird, dass Klum aus der Show entfernt werden soll. Das Format "Queen of Drags", das zwar von ProSieben selbst entwickelt wurde, aber an "RuPaul's Drag Race" erinnert, soll ab Winter in der Hauptsendezeit von ProSieben ausgestrahlt werden.
"Heidi Klum hat von Drag, der dazugehörigen Historie, der Lebenseinstellung, der Identität, der Drag-Kultur, der Szene und der gesamten Branche absolut keine Ahnung", so Schlönzke und Stecken, die sich nach dem Orlando-Anschlag etwa als Organisator*innen der Mahnwache vor dem Brandenburger Tor einen Namen gemacht haben (queer.de berichtete). Zwar sei es zu begrüßen, dass es ein derartiges Format ins deutsche Fernsehen schaffe. Allerdings sei mit Klum der "Ausverkauf der Drag-Community an ein heteronormatives Publikum zu dessen bloßer Belustigung" zu befürchten. Das gehe über "kulturelle Aneignung" hinaus und sei "kultureller Missbrauch".
#keinFotofürHeidi Ryan Stecken und ich haben da mal was formuliert. Teilen, teilte, teilen! …und unterschreiben…
Gepostet von Margot Schlönzke am Mittwoch, 26. Juni 2019
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"Qualität wird geopfert"
"Es geht nicht mehr darum, eine gute, qualitativ hochwertige, informative oder aufklärerisch wirkende Sendung mit Niveau zu machen, wie es das Original bietet, es geht vielmehr um das Keifen, das persönliche Drama, die bloße Zurschaustellung übelster und erwarteter Klischees", mutmaßen Schlönzke und Stecken. "Qualität wird geopfert, um die Quote durch Bedienen des gesellschaftlichen Voyeurismus zu retten."
Statt Klum sollten "bekannte und erfahrene queere Menschen" die Show präsentieren. Als Beispiele wurden in der Petition Guido Maria Kretschmar, Ralph Morgenstern, René Koch, Lilo Wanders, Hella von Sinnen, Gayle Tufts, Desirée Nick, Harald Glööckler, Georg Preuße ("Mary") oder auch Conchita Wurst, die derzeit nur als "Nebenjurorin" vorgesehen ist, genannt.
Instagram / heidiklum | Neben "Queen of Drags" will Heidi Klum weiterhin "Germany's Next Topmodel" auf ProSieben präsentieren
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Schlönzke und Stecken nehmen in ihrer Petition insbesondere Unmut über Heidi Klums Erfolgsshow "Germany's Next Topmodel" auf, die seit Januar 2006 auf ProSieben zu sehen ist. Die Sendung wird oft kritisiert, weil Frauen darin als Ware dargestellt würden und die Show insgesamt ein rückwärtsgewandtes Frauenbild transportiere.
Die 46-jährige Klum hat wegen "Topmodel" in Deutschland ein völlig anderes Image als in ihrer Wahlheimat USA. Dort ist sie insbesondere als langjährige Moderatorin der Show "Project Runway" in der Szene bekannt und auch beliebt. In der preisgekrönten Sendung treten Modedesigner gegeneinander an – dabei gab es bereits viele queere Kandidaten, deren sexuelle Orientierung auch immer wieder thematisiert wurde.
"Es gibt genug queere Menschen in Deutschland"
Auch in sozialen Netzwerken gab es viel spontane Kritik an der Wahl von Klum als Moderatorin. "Es gibt genug queere Menschen in Deutschland, die viel besser geeignet dafür wären und die dann auch mal eine Chance bekämen, allen voran Olivia Jones vielleicht?", schrieb ein Twitter-Nutzer. Ein anderer konstatierte: "Man geht auf Nummer-Sicher. Heidi Klum fabriziert mit Bill Kaulitz eine Art Familien-Sendung; als Schwuler (räusper) kommt Conchita Wurst dazu – aber der allein hätte die Sendung getragen." Ein anderer Mann brachte es im sozialen Netzwerk auf die schlichte Formel: "Heidi Klum ist nicht RuPaul!"
Die Befürchtungen über eine neue Dragshow und den Einfluss auf die Szene sind indes kein speziell deutsches Phänomen: Als vor wenigen Monaten in Großbritannien die Adaption von "RuPaul's Drag Race" mit RuPaul als Moderator*in bekanntgegeben wurde, gab es in sozialen Netzwerken ebenfalls teils scharfe Kritik. Nutzer befürchteten, dass RuPaul den Briten die amerikanische Version von Drag aufzwinge und der eher anarchische britische Drag verschwinden werde. Die Show soll Ende des Jahres in einem kleinen Internet-Sender der BBC gezeigt werden. (dk)
Instagram / heidiklum | Heidi Klum beim CSD in Los Angeles
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Links zum Thema:
» Petition gegen Heidi Klum














