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Berlin

Neuer Wirbel um Kumpel-Foto mit Grenell

Die Frauenbeauftragte des Berliner Bezirks Spandau kritisiert, dass sich LSVD-Landesgeschäftsführer Jörg Steinert vor einem Jahr mit dem rechten US-Botschafter Richard Grenell ablichten ließ.


Ausschnitt aus dem Foto, das vor einem Jahr auf dem Lesbisch-schwulen Stadtfest entstand: LSVD-Landesgeschäftsführer Jörg Steinert (re.) mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (li.) und US-Botschafter Richard Grenell (Bild: Jörg Steinert / facebook)

Das traditionelle Hissen der Regenbogenfahne zum CSD vor dem Bezirksrathaus von Berlin-Spandau wird in diesem Jahr von einem Streit um ein elf Monate altes Foto überschattet. Weil sich LSVD-Landesgeschäftsführer Jörg Steinert 2018 mit dem schwulen, aber strammrechten US-Botschafter Richard Grenell ablichten ließ, hat Spandaus Frauenbeauftragte Juliane Fischer offensichtlich einige Bauchschmerzen mit ihm als Festredner für die am 4. Juli geplante Flaggenhissung.

Per E-Mail forderte Fischer den LSVD-Landeschef zu einer Stellungnahme auf: "Sie sind auf einem Foto mit Richard Grenell zu sehen, der selbst unter den Republikanern noch weit rechts steht", heißt es in dem Schreiben an Steinert. "Wie passt das für Sie zu den Themen Vielfalt, Toleranz & Respekt, die wir mit dem Hissen der Fahne einfordern?"

Politische Umarmung auf dem Stadtfest

Das beanstandete Foto hatte Steinert am 22. Juli 2018 auf seiner privaten Facebookseite veröffentlicht. Es entstand am LSVD-Infostand auf dem Lesbisch-schwulen Stadtfest und zeigt ihn zusammen mit zwei LSVD-Kolleginnen sowie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Richard Grenell, der seinen Arm um Steinert legt. Beide hatten den Stand ohne Ankündigung besucht. Dazu schrieb Steinert: "Auch Gesundheitsminister Jens Spahn hat uns besucht. PrEP als Kassenleistung war unser Gesprächsthema" – den Botschafter erwähnte er nicht.

Partei für Steinert ergriff ausgerechnet der "B.Z"-Kolumnist Gunnar Schupelius, der seit Jahren unter der Gürtellinie in Berlin Stimmung macht gegen fast alle Maßnahmen gegen LGBTI-Feindlichkeit. Er warf Fischer in einem Artikel "ungeschminkten Anti-Antiamerikanismus" vor und kommentierte: "So tief ist die politische Kultur in Berlin gesunken, dass sich nur noch Gleichgesinnte gegenseitig akzeptieren und alle anderen vor die Tür setzen."

Der offen schwule Generalsekretär der Berliner CDU, Stefan Evers, teilte Schupelius' Artikel auf seiner Facebookseite und schrieb dazu: "Absurd! Ausgerechnet den LSVD mit der regenbogenbunten Moralkeule erschlagen wollen…". Die Spandauer Frauenbeauftragte passe "wohl besser ins Zeitalter der Inquisition".

Auch Jörg Steinert selbst brachte Fischers E-Mail-Frage auf die Palme: "Demokratie, Meinungsfreiheit und Vielfalt: Lass ich mir nicht nehmen!", kommentierte er den Vorfall auf Facebook. Gegenüber der "B.Z." meinte er: "Ich bin seit 13 Jahren hauptberuflich beim Lesben- und Schwulenverband tätig, aber das Demokratie- und Amtsverständnis der Gleichstellungsbeauftragten aus Spandau ist auch für mich neu."

"Von Redeverbot oder Ausperren ist noch keine Rede"

In sozialen Netzwerken wurde Juliane Fischer allerdings auch verteidigt. "Da hat die Frauenbeauftragte nur ihren Job gut gemacht", kommentierte die lesbische Journalistin und Aktivistin Stephanie Kuhnen auf Facebook. "Sie hat Fragen gestellt, die alle stellen sollten. Von Redeverbot oder Aussperren ist noch keine Rede. Das ist nur eine Behauptung. Schon armselig, wenn man sich ausgerechnet von Schupelius Schützenhilfe holen muss."

Mit einem privaten Kumpelfoto mit Grenell hatte im vergangenen Jahr bereits Jörg Litwinschuh, der geschäftsführende Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, für Wirbel gesorgt. Er hatte ein Bild gepostet, das ihn eng umschlungen mit dem schwulen Botschafter bei einer CSD-Party in dessen Anwesen zeigt.


Das Foto dieser schwulen Kumpelrunde wurde mittlerweile gelöscht: Jörg Litwinschuh (ganz links) neben Richard Grenell, ganz rechts Modedesigner Michael Michalsky

Anders als Steinert entschuldigte sich Litwinschuh nach heftiger Kritik aus der Community für die Aufnahme und löschte sie. Das Foto sei aus "persönlicher Eitelkeit" entstanden und habe sein "eigentliches Anliegen konterkariert, mit dem US-Botschafter Richard Grenell in einen kritischen und selbstbewussten Dialog eintreten zu wollen" (queer.de berichtete). (mize)



#1 TommmiAnonym
  • 28.06.2019, 08:22h
  • Ach Herrje, diese erzkonservativen(incl. katholisch fanatisch) Tucken haben einfach nicht mehr alle Tassen im Schrank. ;-)
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#2 michael hnkAnonym
  • 28.06.2019, 08:43h
  • Den Herren links und rechts im Bild scheint irgendwie nicht ganz klar zu sein, dass zwischen ihnen ein Rechtsradikaler steht. Wenn der Teufel mächtig ist, kommt man als demokratischer Interessensvertreter natürlich nicht umhin, auch mit ihm zu reden. "Best Buddys smilen um die Wette"-Fotos jedoch tragen dazu bei, den rechtsradikalen Teufel salonfähig zu machen. Kurzum: Die Kritik sowohl an dem Foto als auch an der fehlenden Einsicht ist mehr als berechtigt.
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#3 BobAachenProfil
#4 QueerBierHereEhemaliges Profil
  • 28.06.2019, 09:21h
  • Sowohl Aktion als auch Reaktion machen gleichermaßen unsympathisch, aber yay, immer sind sie allezu empört, mit irgendwas muss man ja die zeit füllen...
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#5 michael hnkAnonym
#6 Rechtsaußen-WatchAnonym
  • 28.06.2019, 10:46h
  • Sowohl Steiner als auch Litwinschuh haben sich mittlerweile mehrfach disqualifiziert und sollten die Konsequenzen ziehen müssen.
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#7 cinnamonEhemaliges Profil
  • 28.06.2019, 10:58h
  • Die Frage, die Frau Fischer stellt, ist durchaus berechtigt. Herr Steinert sollte sie halt beantworten und damit ist es dann auch gut; aus meiner Sicht.

    Der Name Schupelius sagte mir bisher nichts. Aber mit seinem Kommentar trifft er ins Schwarze.
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#8 trans naysayerAnonym
  • 28.06.2019, 12:11h
  • Gruppenfoto mit einem Stadthalter und Repräsentanten der frauen- und transfeindlichen, faschistischen "Make America White Again" Trump-Administration.

    Nachdem Spahn (§219a, Fachkonferenz zu Konversions-Therapien) und Litwinschuh (Fachkonferenz zu Konversions-Therapien) Cisfrauen und Trans unter den Bus geworfen haben, jetzt also auch noch der deutsche LSVD.

    Bestätigt die engmaschig erfolgte Entsolidarisierungs-Offensive der letzten Wochen in Deutschland.

    Dass auf die berechtigte Frage einer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten mit hochmütiger Arroganz reagiert wird, passt auch.

    Ein klares statement, das den Vorteil hat, dass niemand in der community hinterher mehr sagen kann, er*sie hätte es nicht gewusst.

    Teile der Deutschen (community) sind schon wieder Mitläufer und beteuern bereits im Vorfeld "von nichts gewusst zu haben".

    We see you guys...
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#9 LorenProfil
  • 28.06.2019, 14:33hGreifswald
  • Man muss m.E. schon ziemlich weit sinken, um sich mit einem Rechtsradikalen auf so einem "Buddy-Foto" ablichten zu lassen. Widerlich.
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#10 RobbyBlnAnonym
  • 28.06.2019, 18:16h
  • Die meinen, konservativ zu sein = rechtsradikal, haben einen gewaltig an der Klatsche.
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