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Jubiläum

50 Jahre Stonewall-Aufstand

Vor genau einem halben Jahrhundert machte der Stonewall-Aufstand weltweit Schlagzeilen – und gilt bis heute als symbolischer Startschuss für den Kampf für gleiche Rechte.


Die "Stonewall Riots" gelten als Startschuss der heutigen LGBTI-Bewegung (Bild: Stonewall Inn)

Am frühen Morgen des 28. Juni 1969 ab etwa 1.20 Uhr drangen Polizeibeamte in die queere Bar Stonewall Inn in der New Yorker Christopher Street und führten eine Razzia durch. Zu dieser Zeit war homosexueller Verkehr verboten, queere Menschen wurden von den Beamten routinemäßig belästigt und erniedrigt. Es gab viele Schikanen: Der Verkauf von Alkohol an Schwule war illegal, tanzen durften sie auch nicht, und Personen konnten verhaftet werden, wenn sie nicht mindestens drei geschlechtstypische Kleidungsstücke anhatten. Doch in dieser schwülen Nacht schlugen Trans- und Homosexuelle erstmals zurück.

Jahrelange Gewalt, Unterdrückung und Ausgrenzung entlud sich in offenem Protest und Widerstand, der später als Stonewall-Aufstand bekannt werden sollte. "Wir hatten nichts, und so hatten wir nichts zu verlieren", erinnert sich Tommy Lanigan-Schmidt, der damals dabei war. Flaschen und Steine flogen auf die Polizisten, die sich bald von 600 Menschen bedrängt sahen und sich zum eigenen Schutz in der eben geräumten Kneipe verbarrikadieren. Mülltonen flogen, Fensterscheiben barsten, die Demonstranten riefen "Gay Power". Die Krawalle rissen nicht ab, noch Nächte später versammelten sich rund 1.000 Demonstranten.


Das Stonewall Inn ist heutzutage die bekannteste queere Bar der Welt (Bild: Eric Fischer / flickr)

Die Unruhen waren der Funke, der nach und nach eine internationale Bewegung in Gang setzte – mit dem ersten Gay Pride in New York ein Jahr später, auf den sich bis heute Demonstrationen und Feste in der ganzen Welt berufen. Auch in Deutschland, wo in Erinnerung an die Ereignisse in der Christopher Street inzwischen Dutzende CSDs gefeiert werden. Viele der Prides gehen in diesem Jahr in ihrem Motto auf das Jubiläum ein.

Zumindest in den USA hat sich die Lage inzwischen deutlich verbessert (auch wenn unter Trump Rückschritte folgten und drohen): So erklärte 2015 der damalige Präsident Barack Obama das Stonewall Inn zum Nationaldenkmal (queer.de berichtete). Zum 50. Jahrestag der Aufstände, der in der Stadt am Wochenende mit dem WorldPride mit Millionen Besuchern aus dem In- und Ausland begangen wird, hat sich vor kurzem sogar der New Yorker Polizeichef James O'Neill stellvertretend für das New York City Police Department (NYPD) offiziell für das Verhalten der Polizisten von damals entschuldigt (queer.de berichtete). Für Aktivisten weltweite stellt der Aufstand ein Wendepunkt dar – auch wenn es Kritik gibt, dass dieses Ereignis eher symbolischen Charakter hat und an weitere Personen und Meilensteine erinnert werden sollte.

Twitter / TransEquality | Das "National Center for Transgender Equality‏" zeigt auf, dass die LGBTI-Emanzipationsgeschichte bereits vor Stonewall begonnen hat

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50 Jahre danach: Kampf für LGBTI-Rechte geht auch hierzulande weiter

Dennoch sind sich auch in Deutschland die Aktivisten der Strahlkraft von Stonewall bewusst: "Die wichtigen Leistungen von Magnus Hirschfeld, Karl-Heinrich Ulrichs und Karl Maria Kertbeny waren damals fast vergessen, Homosexualität wurde von Politik und Bevölkerung verabscheut und geächtet, verfolgt und bestraft", erklärte Alf Spröde vom Völklinger Kreis, dem Berufsverband schwuler Führungskräfte und Selbständiger. "Den mutigen Menschen, die sich damals gegen Polizeiwillkür gewandt haben, danken wir und erinnern mit unseren Pins und Bändern an sie." Wie auch andere deutsche Aktivisten will er den Aufstand vor 50 Jahren nutzen, um die Gleichstellung weiter voranzutreiben.

Sven Lehmann und Ulle Schauws von den Grünen umrissen auf Twitter kurz die nächsten Ziele der LGBTI-Bewegung: "Erkämpfte Rechte verteidigen, #LGBTIQ vor Gewalt schützen, Hasskriminalität effektiv bekämpfen, Aktionsplan gegen Homo- & Transfeindlichkeit auflegen, Verbot von Konversionstherapien!"

Twitter / dwnews

"Die LGBTTIQ-Community hat viel erreicht und steht gleichzeitig erst am Anfang ihrer Emanzipationsgeschichte", erklärte Doris Achelmwilm, die queerpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag. Sie warnte angesichts des Jubiläums vor "alten und neuen Rechten", die das Rad der Geschichte zurückdrehen wollten. Man müsse weiter rebellisch sein.

Die Ereignisse in der Christopher Street seien "gleichermaßen Mahnung und Verpflichtung für die Zukunft", betonte Petra Nowacki, Vorsitzende von SPDqueer. Zwar sei vieles erreicht worden, unter anderem müsse aber "das aktuelle Transsexuellengesetz aus den 80er-Jahren dringend durch ein modernes, selbstbestimmtes Personenstandsrecht ohne Begutachtungspflicht ersetzt werden". Auch gelte es, "erreichte Erfolge zu verteidigen": "Eine erstarkende Rechte hetzt inzwischen wieder unverhohlen gegen LSBTIQ* und versucht, verschiedene Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen."

Twitter / bv_trans

Zum 50. Stonewall-Jahrestag haben die Bundesvereinigung Trans*, die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität und der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland auf Initiative von Travestie für Deutschland eine gemeinsame Plakataktion gestartet, in der ein "Selbstbestimmungsgesetz ohne Wenn und Aber" gefordert wird. Hintergrund ist ein kürzlich von der Bundesregierung vorgelegter Referentenentwurf zur Reform des Transsexuellenrechts, der von Aktivisten grundsätzlich abgelehnt wird (queer.de berichtete). Die Regierung müsse "unverzüglich unter Beteiligung von Selbstvertretungen eine Regelung für diskriminierungsfreie und selbstbestimmte Personenstands- und Vornamensänderungen" schaffen, so die Verbände. Das Vermächtnis vom am Stonewall-Aufstand beteiligten trans* Personen sei "für uns Motivation, weiter zu kämpfen gegen staatliche Bevormundung, Ausgrenzung und Psychopathologisierung und für geschlechtliche Selbstbestimmung und Gleichberechtigung." (cw)

Mehr zum Stonewall-Jubiläum in unserer weiteren Berichterstattung, in der Presseschau, den TV-Tipps und unserem Terminkalender.



#1 GerritAnonym
  • 28.06.2019, 11:31h
  • 50 Jahre, in denen bereits viel erreicht wurde.

    Aber es gibt auch noch mindestens genauso viel zu tun, was noch vor uns ist. Und wenn das nicht auch wieder 50 Jahre dauern soll, müssen wir aktiver werden und alle an einem Strang ziehen...

    Und auch selbstverständlicher damit umgehen, indem wir uns nicht mehr verstecken und zeigen, wie viele und wie vielfältig wir sind...
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#2 jeden_TagAnonym
  • 28.06.2019, 19:44h
  • Es ist jeden Tag CSD, nicht nur einmal im Jahr. Die LSBTTIQ kämpft täglich für ihre Rechte, das lässt sich nicht willkürlich an oder ausknipsen.

    Wir brauchen eine linke Regierung und sind auf nem guten Weg dahin. So wie es war und so wie es ist, darf es nicht mehr bleiben oder werden.
    Wir brauchen dringend Verbesserungen.

    ©BuntesUndSchönes
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#3 Patroklos
#4 lindener1966Profil